Es gibt sicher Wichtigeres, als die Frage zu klären, wo genau Hannibal im Jahre 218 v. Chr. die Alpen überquert hat – aber spannend ist sie schon!
Jedes Schulkind lernt die Geschichte des karthagischen Feldherren, der im 2. Punischen Krieg mit seinen circa 50.000 Soldaten und 37 Kriegselefanten (so oder ähnlich die Überlieferung) einen ganz ungewöhnlichen Weg nach Rom einschlug und dafür – irgendwo zwischen Großem St. Bernhard und Mittelmeer – die Alpen überquerte. Wo genau kann noch immer nicht bestimmt werden. Nicht ein einziges materielles Zeugnis dieses Heerzugs, keine karthagische Münze und auch kein Elefantenknochen, wurde seit damals in einer Passregion entdeckt. Die antiken Berichte des Griechen Polybios und seines römischen Kollegen Titus Livius sind so auslegungsfähig, dass es nach wie vor Verfechter von mindestens 15 verschiedenen Pässen für diese legendäre Alpenpassage gibt – darunter der Große und Kleine St. Bernhard, der Mont-Cenis, der Clapier und der Mont Genèvre. Sogar der Traversette am Monviso wurde bei dieser Diskussion ins Spiel gebracht! Obwohl es mittlerweile zumindest als annähernd sicher gilt, dass Hannibal zwischen Mont-Cenis und Mont Genèvre die Alpen überquert hat und der Col de Clapier zusammen mit dem wenige hundert Meter daneben liegenden, zum Teil verschütteten, Weg über den Col de Savine-Coche favorisiert werden.

Als wir zum ersten Mal auf der Alta Via Val di Susa den Col de Clapier erreichten, fanden wir dort denn auch eine Bronzetafel, die in aller Bescheidenheit aufzeigt, dass Hannibal vielleicht, „peutêtre“, hier die Alpen überquert hat. Und wenig später am dahinter liegenden wunderschönen Lac de Savine war klar: hier hätten Heer und Kriegselefanten mit Blick auf die schneebedeckten Vanoise-Gletscher wirklich gut rasten können!

Dazu ein von Westen her gemächlicher Anstieg, der nach der Passhöhe mit Blick bis in die Poebene hinein steil abfällt, circa drei Tagesmärsche bis Turin … „Man müsste mal ein bißchen graben!“
Das scheint jetzt zu passieren: Patrick Hunt, Geoarchäologe an der Stanford Universität, der seit 1994 das ‚Stanford Alpine Archaeology Project‘ leitet, wird im Rahmen der von der National Geographic Society finanziell unterstützten ‚Hannibal Expedition 2007-2008‘ an verschiedenen in Betracht kommenden Passstellen ab August 2007 archäologische Grabungen vornehmen. Wobei er die größten Erfolgaussichten am Col de Clapier sieht!
Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

- Hardcover
- 272 Seiten
- mit zahlreichen Farbfotos
- sowie historischen s/w-Aufnahmen
- mit detaillierter Karte zu jeder Tour
- ISBN 978-3-941585-05-8
- EUR 19,90 (D), CHF 25,90
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