Archiv des Autors: Sabine Bade

Mit dem Zug ins Valle di Cogne? Schön wäre es!

Am 3. März 2013 wurde in Italien zum 6. Mal der Tag der ins Vergessen geratenen Eisenbahnstrecken begangen – ‚La Giornata nazionale delle Ferrovie dimenticate‘.

Ein nicht nur für Nostalgiker interessantes Thema: Immer mehr lokale Bahnstrecken werden stillgelegt, andere – wie die alpenquerende Tendalinie – ausgedünnt. Während auf Kosten der Pendler also rigoros gespart wird, stehen für ökonomisch völlig unsinnige, aber prestigeträchtige Großprojekte wie im Susatal zweistellige Milliardenbeträge zur Verfügung.

Im Aostatal wurde der Gedenktag am 3. März 2013 genutzt, um für den Erhalt der Ferrovia del Drinc zu kämpfen.

Die Rettung der Ferrovia del Drinc

Über hundert Jahre lang wurde im Valle di Cogne Eisenerz abgebaut. Erste Fundstellen waren bereits im 15. Jahrhundert identifiziert worden. Das Material aber aus dem abgelegenen Tal nach Aosta zu befördern, stellte ein großes Problem dar: Die erst 1918 angelegte Straße war im Winter meist durch Lawinenabgänge unpassierbar. Realisiert wurde deshalb eine kürzere – und ganzjährig nutzbare – Transportroute mitten durch das Bergmassiv, das das Valle di Cogne vom nördlich gelegenen Haupttal trennt.

die Mine La Colonna im Valle di Cogne

Die oberhalb von Cogne in den auf über 2.400 Metern Höhe liegenden Minen von Colonna und Liconi abgebauten Erze wurden mit einem Materiallift ins Tal befördert und von dort mit der im Oktober 1922 eröffneten ‘Ferrovia del Drinc’ – fast durchgängig in Gallerien unter dem gleichnamigen Berg – in das Aostatal befördert. In Acque Fredde, etwas unterhalb der heutigen Skistation von Pila, stand ein weiterer Materiallift, mit dem das Erz hinunter nach Aosta schwebte.

Den Weg des Erzes, auch einen interessanten Einblick in das Leben der Männer in der mit Kirche, Krankenstation, Kino und Bocciaplatz ausgestatteten Siedlung von Colonna, zeigt ein kurzer Film der RAI in französischer Sprache.

1979 wurde die Mine aufgegeben und die Ferrovia del Drinc stillgelegt. Unmittelbar danach entstand die Idee, dieses für das Aostatal einmalige Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Ein neuer Nutzungsplan wurde entwickelt: Die 12 Kilometer lange Eisenbahnverbindung zwischen Acque Fredde im Aostatal und Plan Praz bei Cogne sollte zukünftig für den Personenverkehr touristisch genutzt und durch die Anbindung an die Kabinenbahn Aosta – Pila eine schnelle Verbindung zwischen den Touristenorten Pila und Cogne sommers wie winters geschaffen werden. Ein tolle Idee, die 1984 auch in Angriff genommen wurde. Bis kurz vor der Einweihung – und nach der Investion von 30 Millionen Euro – das gesamte Vorhaben beendet wurde.

Da war der Gleiskörper längst erneuert, die Bahnhöfe fertiggestellt, Fahrkartenautomaten aufgehängt und Waggons mit Skiträgern angeschafft. Im Jahr 2010 warb an der Talstation der Kabinenbahn Aosta – Pila noch ein großes Plakat für den ‘trenino dei minatori’ nach Cogne.

Das Projekt war gestoppt und später ganz eingestellt worden, nachdem Studien diverse Mängel (u.a. im Belüftungssystem) zutage gebracht haben. Über die zukünftige Nutzung der Anlagen wird nachwievor gestritten.

Cuore di Ferro Valle d'Aosta

Für den Erhalt der Ferrovia del Drinc setzt sich vehement und von Legambiente unterstützt ein Bürgerkomitee ein, das auch einen lesenswerten Blog betreibt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Auf alten Wegen vom Valsavarenche auf die Nivolet-Hochebene

Königlicher Straßenbau zur Steinbockjagd …

König Vittorio Emanuele II., der wegen seiner Jagdleidenschaft auch ‚Re Cacciatore‘ genannt wurde, erwarb im Aostatal ab 1856 Gebiete in der Gran-Paradiso-Region zur Steinbockjagd ;

zunächst am Colle del Nivolet, dann im Valsavarenche, im Val di Cogne, im Val di Rhêmes, im Val di Champorcher und in den (heute) piemontesischen Tälern von Orco und Soana. In all diesen Gebieten wurden Jagdhäuser errichtet, und der Ausbau des alle Jagdgebiete miteinander verbindenden Wegenetzes begann 1861. Insgesamt 340 Kilometer Jagdwege bis auf eine Höhe von 3.296 Metern, alle zwischen 1 m und 2,5 m breit und für Pferde zu bewältigen, wurden angelegt.

Im Valsavarenche befinden sich gleich drei ehemalige königliche Jagdhäuser: die frühere Casa Reale di Caccia di Montcorvé (das alte Rifugio Vittorio Emanuele II. unterhalb des Gipfel des Gran Paradiso), die Casa di Caccia von Orvieille und die Casa di Caccia auf der Nivolet-Hochebene, die seit 1921 als Rifugio Savoia betrieben wird.

Rifugio Savoia

Wer von Pont aus, dem letzten mit dem Auto anfahrbaren Ort im Valsavarenche, dort hinauf ins malerische Herz des 1922 gegründeten Nationalparks – dem Enkel des Jägerkönigs war die Anfahrt von Rom aus zu weit und er überschrieb das Jagdrevier dem Staat – wandern will, nutzt auch heute noch die zu Jagdzwecken angelegte Infrastruktur.

… auch von Partisanen und Flüchtlingen genutzt

In der ARTE-Dokumentation Schattenkampf – Europas Résistance gegen die Nazis, die erstmals im Herbst 2011 ausgestrahlt wurde, schilderte der Anwalt Ettore Serafino, wie er sich im September 1943 auf der Flucht vor den Deutschen aus Aosta über die Nivolet-Hochebene nach Süden absetzte.

Nivolet-Hochebene, links der Mont Taou Blanc

Denselben Weg nahmen später noch viele andere. So floh aufgrund einer großangelegten Durchkämmungsaktion in den valdostanischen Gran-Paradiso-Tälern auch eine Gruppe von annähernd 350 Personen – Partisanen und Zivilisten – Anfang November 1944 aus dem Valsavarenche über die Nivolet-Hochebene in das bereits von den Alliierten befreite Frankreich. Sie starteten in Pont, übernachteten in der Nähe des Rifugio Savoia und brachen im Morgengrauen des 5. November auf zu ihrem Weg über den Colle Galisia. Am Abend des 6. November 1944 kamen sie wohlbehalten in Val d’Isère an.

Die hier skizzierte circa 5-stündige einfache Rundwanderung folgt einem Teil ihres Weges, führt von Pont (1.956 m) zum Rifugio Savoia (2.533 m), das von Mitte Juni bis Ende September bewirtschaftet wird. Auf dem gelb markierten Wanderweg ‚3‘ gelangt man in vielen kurzen Serpentinen zum Aussichtspunkt Croce di Arolley (2.314 m). Diesem Weg treu bleibend geht es in permanentem leichten Auf und Ab über die weite Hochebene des Piano del Nivolet. Man ignoriert in der Folge alle Abzweigungen, bis der Weg kurz vor dem Rifugio in die Straße mündet, über die die Nivolet-Hochebene aus dem Süden auch mit dem Auto anfahrbar ist.

Der Rückweg erfolgt zunächst über die nur leicht geschotterte, meist grasüberwachsene Piste, die als Verlängerung dieser Straße eine durchgehende Verbindung ins Valsavarenche schaffen sollte: Ein ambitionierter Plan, der aus Geldmangel und wegen diverser vorher nicht einkalkulierter ‚technischer Unwägsamkeiten‘ schließlich in den 1970er-Jahren aufgegeben wurde. Von ihr zweigt nach rechts ein schmaler Pfad ab (Weg ‚3D‘). Vorbei an der Grange Teureun (auch: Grange Turin) wird nach Überquerung der stark mäandernden Dora di Nivolet wieder der Hauptweg ‚3‘ erreicht, über den es zum Croce di Arolley und zurück nach Pont gelangt.

Croce di Arolley und Gran Paradiso

Diese Tour läßt sich – mit Übernachtung im Rifugio Savoia oder dem nahgelegenen Rifugio Città di Chivasso –wunderbar kombinieren mit der Besteigung des Wanderdreitausenders Mont Tou Blanc (3.438 m). Oder einem kurzem Abstecher auf eine der schönsten Hochebenen der Alpen, die Piani di Rosset mit ihrer bezaubernden Seenlandschaft.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Pressestimmen zu "Partisanenpfade im Piemont"

Über ein halbes Jahr ist mittlerweile vergangen seit der Veröffentlichung unserer ‚Partisanenpfade‘. Hier im Blog darüber zu berichten, wie Anderen dies Buch gefällt, haben wir bisher schlicht vergessen. Das holen wir hiermit gerne nach:

Wir beginnen mit den Rezensionen, die Dr. Pit Wuhrer für die in Zürich erscheinende ‚WOZ – die Wochenzeitung‘, Manuela Ziegler für das ‚Alpenmagazin‘ und Dr. Albert de Lange für das ‚Waldenser Magazin‘ geschrieben haben.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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WOZ, Zürich – 7. Juni 2012, von Dr. Pit Wuhrer
mit freundlicher Genehmigung: http://woz.ch

PARTISANENPFADE IM PIEMONT
Auf den Wegen des Widerstands

In Turin und den benachbarten Bergregionen kämpften Tausende gegen Faschismus und Nationalsozialismus. Ein Wanderlesebuch erzählt ihre Geschichten.

Seit über zwanzig Jahren erkunden Sabine Bade und Wolfram Mikuteit die Berge des Piemonts. Sie haben über ein halbes Dutzend Wanderbücher über die Region verfasst; unterhalten eine Website (http://westalpen.wordpress.com) und haben nun ein Buch geschrieben, das sie bei ihren ersten Touren «selber gern dabeigehabt hätten», wie Bade an der Buchvernissage vor drei Wochen in Konstanz sagte.

im Jahr 2004 restaurierte Aufschrift in Traversella im Valchiusella Es sei ein «Reisebuch, Wanderbuch und Geschichtenbuch», erläuterte Bade – und stapelte damit etwas tief: «Partisanenpfade im Piemont» ist auch ein politisches Buch. Es beschreibt die zwanzig Monate des antifaschistischen Widerstands in der piemontesischen Bergregion von September 1943, als die deutsche Wehrmacht Norditalien besetzte, bis zur Kapitulation im April 1945. Es setzt die damaligen Geschehnisse mit knappen Worten in einen Kontext (die Machtübergabe an Benito Mussolini 1922, die zunehmende Repression, Mussolinis Entmachtung und spätere Befreiung durch die Nazis 1943, der Terror der deutschen Truppen). Und es schildert in vielen aufschlussreichen Kapiteln und «Themensplittern» den Widerstand der kleinen Leute – der Alten, die sich schon früh der Faschisierung der italienischen Gesellschaft widersetzt hatten, wie der Jungen, die nur den Faschismus kannten.

Die Giellisti

Es war eine bunte Truppe, die von den Bergen aus (aber auch in der Industriestadt Turin) gegen die italienischen Faschisten und die deutschen Nazis kämpfte: Kommunisten und Liberale, Sozialistinnen und Monarchisten, Katholikinnen und Atheisten. Zu den Organisationen, die sich im Nationalen Befreiungskomitee CLN zusammengeschlossen hatten, gehörten freilich auch die Giellisti – AntifaschistInnen, die der Bewegung Giustizia e Libertá nahestanden. Über diese Gruppierung liest man im deutschsprachigen Raum selten etwas; dabei stellte sie im Piemont die zweitstärkste PartisanInnenfraktion. Die Giellisti und ihr 1942 gegründeter Partito d’Azione (PdA) hatten nicht nur die Beseitigung des Faschismus zum Ziel: Sie wollten auch die Gesellschaft und den Staat von Grund auf erneuern und waren in mancherlei Hinsicht radikaler als die Kommunistische Partei.

Eine von denen, die die PdA mitgegründet hatten, war Ada Gobetti, eine junge Mutter und frühe Witwe, die zwischen Turin und den von den PartisanInnen dominierten Tälern pendelte, Unterlagen und Informationen transportierte, Ausweise fälschte, Flugblätter schrieb, alliierten Kriegsgefangenen zur Flucht verhalf und später ihr Tagebuch («Diario partigiano») veröffentlichte. Dass Bade und Mikuteit das Engagement dieser Partisanin -die nie einen Schuss abfeuerte – ausgiebig würdigen, ist eines der vielen Highlights ihres Buchs.

Sie setzen auch anderen ein kleines Denkmal. Dem Arzt Attilio Bersano Begey zum Beispiel, der im oberen Viùtal eine requirierte Villa zu einem Spital für verletzte Partisaninnen ausbaute und später, als die deutschen Einheiten vorstiessen, auf knapp 2400 Metern eine weitere Pflegestation einrichtete. Oder den protestantischen WaldenserInnen von Torre Pellice, die sich die Aussage des Schweizer Theologen Karl Barth zu eigen machten, der 1938 schrieb: «Es gibt unter Umständen eine (…) göttlich geforderte Resistenz gegen die politische Macht, eine Resistenz, bei der es (…) auch darum gehen kann, Gewalt gegen Gewalt zu setzen.»

23 Touren

«Partisanenpfade im Piemont» ist ein Wanderlesebuch zum Mitnehmen: Die 23 Tourenvorschläge (vom Stadtrundgang in Turin bis zu Wanderungen auf 3000 Meter hohe Pässe) enthalten alle wesentlichen Informationen: anschauliche Karten, Übernachtungsmöglichkeiten, Einkehrorte, Preisangaben, Hinweise auf lohnenswerte Museen und andere Tipps. Hervorragend sind auch Mikuteits Fotos und das historische Bildmaterial.

Selbst die aktuellen Kämpfe haben die AutorInnen nicht vergessen: Sie beschreiben mit viel Sympathie den breiten Widerstand im Val di Susa gegen ein verkehrspolitisch unsinniges, ökologisch schädliches und ökonomisch fragwürdiges Schnellzugtrassee. Das Susatal war einst PartisanInnengebiet gewesen – und das haben die Menschen in den Dörfern offenbar nicht vergessen.

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Alpenmagazin – Juni 2012, von Manuela Ziegler,
mit freunlicher Genehmigung: http://alpenmagazin.org

Verborgene Geschichten aufgespürt

Die italienische Resistenza hat im Gebirge des Piemont Spuren hinterlassen. Sie zu lesen, ist nicht so einfach. Ein etwas anderes Wanderbuch führt zu den Orten des Widerstands.

Was hat ein Eisenkreuz zum Gedenken an die Naziopfer auf einer wildromantischen Hochebene im Piemont zu suchen? Das fragten sich vor nunmehr 20 Jahren die beiden Konstanzer Autoren Sabine Bade und Wolfram Mikuteit. Damals wie heute ist über den italienischen Befreiungskampf im deutschen Sprachraum wenig publiziert. Die Spurensuche begann. In Privatbibliotheken, Archiven und Zeitzeugengesprächen sammelten die Piemontgänger Wissenswertes rund um die Partisanenbewegung zwischen 1943 und 1945 und rekonstruierten deren Pfade. Inzwischen sind Bade und Mikuteit nicht nur erfahrene Reisebuchautoren mit dem Schwerpunkt Westalpen, sondern auch bestens mit dem Thema Widerstand im Piemont „vertraut“. Herausgekommen ist bei ihrer Recherche das soeben aufgelegte Wanderlesebuch „Partisanenpfade im Piemont“.

auf dem 'Sentiero del Partigiano' zur Grange Sevine 23 Touren führen durch die Alpentäler, die sich westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm hinziehen. Deren Schwierigskeitsgrade reichen vom Stadtspaziergang bis zur Hochtour. Sie sind so gestrickt, dass neben den historischen Schauplätzen auch die Schönheiten der Natur entdeckt werden können. Es geht über Stock und Stein, auch durch ausgewiesene Wanderwegen in National- oder Naturparkgebiete – zwischen Gran Paradiso im Norden und dem Monviso im Süden. An alle klassischen Angaben eines Wanderführers, sprich Wegzeiten, Höhenmeter, Tipps zum guten Einkehren & Übernachten ist gedacht. Die Kartenausschnitte sind sehr klein, aber zur Übersicht ausreichend. So wird der neugierige Wanderer die teils verborgenen Plätze des Befreiungskampfes kaum verfehlen. Alle Wege sind GPS kartiert. Dazu den jeweiligen Wegverlauf aufs eigene Gerät herunterladen.

Wers gemütlicher mag, kann sich auch vom Sofa aus auf Spurensuche begeben. Denn es liest sich leicht, wie im Turiner Verlag Einaudi der intellektuelle Widerstand gegen die faschistische Zensur aufkeimte, allmählich Bürger verschiedener politischer Lager erfasste und schließlich – allerdings erst im Zuge der deutschen Besetzung – in einen bewaffneten Befreiungskampf mündete. Um die Geschichte ranken sich Geschichten: Leseausflüge, manchmal bitter, wie jene über den deutschen Generalfeldmarschall Albert Kesselring und seinen Mythos vom „sauberen Krieg an der Südfront“. Erhellend dagegen die Lichtfigur der Ada Gobetti, Witwe des Piero Gobetti, junger Märtyrer im italienischen Antifaschismus. Seine Gattin hat den Kampf im Piemont beherzt und geschickt geprägt. Die Herstellung einer Untergrundzeitung und die zu Krankenstationen umfunktionierten Villen künden von Mut und Erfindungsreichtum in grosser Not. Farbige Bilder und historische Abbildungen illustrieren die Geschehnisse anschaulich. [...]

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Waldenser Magazin 2/2012, von Dr. Albert de Lange,
mit freundlicher Genehmigung: http://waldenser.de

Partisanenpfade im Piemont

Ein ganz anderes Buch, aber genauso spannend, ist das von Sabine Bade und Wolfram Mikuteit, Partisanenpfade im Piemont. Sie schreiben über die Partisanen, die italienischen Widerstandskämpfer, die sich ab September 1943, nach dem Fall Mussolinis, zusammenschlossen, um gegen die deutsche Besatzung und den italienischen Faschismus zu kämpfen.

Die Waldensertäler gehörten zu den wichtigsten Regionen des Widerstandes, und viele Waldenser schlossen sich den Partisanen an. Ich nenne nur die zwei Bekanntesten: Willy Jervis, erschossen auf dem Marktplatz von Villar Pellice; Jacopo Lombardini, 1945 umgebracht in Mauthausen.

Felsensiedlung Barma de l'Ours - Redaktionsbüro der Partisanenzeitung 'Il Pioniere' Das Buch der beiden Autoren bietet viele kürzere und längere historische Einführungen in die Thematik, die nicht nur sehr gut lesbar, sondern auch wunderbar bebildert sind. Es handelt sich jedoch an erster Steile um ein Wanderbuch. Es beschreibt unter anderem sieben Touren (S. 202-262) in den Waldensertälern (u.a. zwei im Tronceatal, eine über den Assiettakamm; eine in Torre Pellice und eine im Angrognatal nach Bagnau).

Die meisten dieser Wanderungen in den Waldensertälern sind anspruchslos. Dieses Buch ist deshalb jedem zu empfehlen, der sich diese jüngste dramatische Geschichte der Waldensertälern aneignen möchte. Man sollte nicht vergessen, dass auch die Identität der Waldenser heute noch stark geprägt ist von der Zeit 1943-1945.

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Fahrplan Tendabahn / Train des Merveilles 2013

Seit dem 9. Dezember 2012 gilt ein neuer Fahrplan für die alpenquerende Tenda-Eisenbahnlinie.

Die gute Nachricht:

Während vielen anderen lokalen Eisenbahnlinien die Stilllegung droht, ist zumindest die italienische Hauptstrecke dieser Linie zwischen Cuneo und Ventimiglia davon nicht bedroht.

Die schlechte Nachricht:

Die Linie wird etwas ausgedünnt: Mit dem Fahrplanwechsel gibt es keinen Halt mehr zwischen Breil-sur-Roya und Ventimiglia.

Bahnhof  Piena / Piène Basse - Royatal

Nachdem der Bahnhof von Piena bereits vor Jahren stillgelegt wurde, teilen dieses Schiscksal nun auch die Bahnhöfe von Olivetta San Michele, Airole und Bevera. Das Fahrgastaufkommen in diesen Orten sei so gering, dass sich eine Aufrechterhaltung der Haltestellen nicht rentiere, so die offizielle Verlautbarung. Eine ähnliche Rendite-Berechnung würden wir uns für so manches in Italien geplante prestigeträchtige Hochgeschwindigkeitsprojekt auch wünschen!

Dazu kommt, dass die italienschen Züge auf französischem Territorium nun nur noch in Tende, Saorge/ Fontan und Breil-sur-Roya halten. Wer nach La Brigue oder St-Dalmas de Tende möchte, ist nun auf die Züge des französischen Betreibers („ter“) angewiesen.

Hier die neuen Fahrpläne zum Download:

Cuneo – Ventimiglia / Nice:

Nice / Ventimiglia – Cuneo:

Zug der Wunder – die Tendabahn

Als 1851 erste Pläne für eine Bahnverbindung zwischen Turin und Nizza evaluiert wurden, gehörte Nizza noch zum Königreich Sardinien-Piemont. Eine Inlandsverbindung also, die die Hauptstadt mit dem Meer verbinden sollte – wobei die technische Schwierigkeit, den Alpenhauptkamm zu überwinden, das einzige, jedoch gewaltige Probem darstellte. Aber die Überwindung von 1000 Höhenmetern auf einer nur sehr kurzen Strecke sind eine ‚Kleinigkeit‘ im Gegensatz zu den diplomatischen Verwicklungen, die den Bau der Linie hemmten, nachdem im Jahr 1860 die Grafschaft Nizza an Frankreich abgetreten worden war – und eine zwischenstaatliche Lösung zwischen dem neugegründeten Italien und Frankreich gefunden werden mußte!

Tendalinie - mit Blick auf den Alpenhauptkamm

Für Italien war die geplante Linie nicht nur verkehrstechnisch sondern auch aus strategischen Gründen von großer Bedeutung, um die jenseits des Alpenkammes gelegenen Ortschaften Tenda und Briga (La Brigue) zu erschließen. Die benötigten Kredite wurden also bewilligt, der Ingenieur Sebastiano Grandis, der bereits an den Studien zum Fréjus-Tunnel mitgearbeitet hatte, mit der Bauleitung beauftragt, und bereits 1887 konnte der erste Streckenabschnitt zwischen Cuneo und Robilante eröffnet werden. 1889 wurde mit dem schwierigen und von vielen Gerölleinbrüchen verzögerten Bau des Tendatunnels, damals höchstgelegener Eisenbahntunnel der Alpen, begonnen. Parallel dazu wurde die Strecke bis Limone verlängert, während Frankreich noch immer mit den Planungen rang: stets war auch das Kriegsministerium involviert, denn schließlich waren Italien und Frankreich nicht Verbündete, sondern gehörten unterschiedlichen, mit Kriegsvorbereitungen gegeneinander befassten Bündnissen an. Während Italien bereits eine rein italienische Lösung ins Auge fasste, für die jedoch ein zweiter alpenquerender Scheiteltunnel benötigt worden wäre, kam es schließlich 1904 zu einem italienisch-französischen Abkommen über den Verlauf der restlichen Strecke. Die Fertigstellung der Linie war für 1914 geplant.

Auf französischer Seite erhielt die Privatbahn „Paris – Lyon – Méditéranée“ (P.L.M.) die Konzession zum Betreiben der Linie. Deren Ingenieure Séjourne und Martinet sollten gerade im anspruchvollsten Streckenabschnitt zwischen Fontan und St-Dalmas ein technisches Meisterwerk vollbringen.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges vereitelte aber die Fertigstellung. Bereits verlegte Gleise wurden teilweise wieder demontiert und über noch betriebsfähige Strecken ratterten in dieser Zeit ausschließlich Militärtransporte an die Front nach Venetien.

Bahnhof San Dalmazzo / St. Dalmas de Tende - Royatal

Erst am 30.10.1928 konnten die durchgehende Verbindung zwischen Cuneo und Ventimiglia und auch die Nebenlinie Nizza – Breil eingeweiht werden. Wenig später wurden auch internationale Verbindungen (San Remo-Berlin und Nizza-Basel) eingerichtet. Mussolini hatte die Gelegenheit genutzt, mit monumentalen Bauwerken wie den Bahnhöfen in Cuneo und dem völlig überdimensionierten im kleinen Grenzort San Dalmazzo Zeichen nationaler Größe zu setzen.

Knapp zwölf Jahre lang wurde die Strecke befahren, bis am 10.6.1940 Italien an Deutschlands Seite Frankreich den Krieg erklärte. Als die Deutschen im Frühjahr 1945 endlich von den Alliierten durch das obere Royatal zurückgedrängt wurden, blieb ihnen noch genügend Zeit, eine Politik der ‚verbrannten Erde‘ anzuwenden: die meisten der Viadukte wurden zerstört.

Die zunächst für 1949 in Aussicht gestellte Wiederherstellung der durchgehenden Strecke verzögerte sich, unter anderem wegen der im Friedensvertrag von Paris 1947 veranlassten Grenzkorrekturen, um annähernd 30 Jahre!

Die feierliche Wiedereröffnung der Tenda-Linie erfolgte am 6.10.1979.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Der Schwur von Garda

Giuramento della Garda, 8. Dezember 1943 – 8. Dezember 2012

Neben den 23 dort beschriebenen Wandertouren haben wir in unserem Buch ‚Partisanenpfade im Piemont‘ auch eine Vielzahl von Erinnerungsplätzen aufgeführt, die mühelos ganz ohne körperliche Anstrengungen besucht werden können. So auch den kleinen ‚Parco della Memoria‘ bei San Giorio di Susa, wo heute wieder bei der ‚Commemorazione Giuramento della Garda‘ unter dem Motto „Ieri, ora e sempre Resistenza“ viele NO-TAV-Fahnen wehen werden.

Unmittelbar nach der Proklamation des italienischen Waffenstillstandes am 8. September 1943 hatten sich um Carlo Carli, Egidio Liberti, Walter Fontan, Felice Cima und Marcello Albertazzi im unteren Susatal erste Widerstandsgruppen, ‚le prime bande‘, gebildet. Aufgrund der von ihnen verübten Sabotageakte auf die für die Deutschen strategisch extrem wichtige Eisenbahnverbindung Turin – Modane, Brücken und Telegrafenleitungen, wurden Teile der Region bereits Ende Oktober 1943 zum ‚Bandengebiet‘ erklärt.

Die offizielle Geburtsstunde der Resistenza im Susatal wird auf den 8. Dezember 1943 datiert. An diesem Tag versammelten sich die Männer, die sich nun nicht mehr ‚Rebellen‘ oder ‚Patrioten‘, sondern ab jetzt ‚Partisanen‘ nannten, auf einer Lichtung bei Martinetti oberhalb von San Giorio di Susa. Don Francesco Foglia – wegen seiner Erfahrungen im Umgang mit Sprengstoff auch ‚Don Dinamite‘genannt – zelebrierte die Messe. Danach legten die Männer den Schwur von Garda ab: Sie schworen auf die mitgeführte italienische Trikolore, so lange gegen den Nazi-Faschismus zu kämpfen, bis das Land befreit wäre.

Im Jahr 2004 wurde an dieser Stelle eine Erinnerungsstätte eingerichtet. Dieser kleine ‚Parco della Memoria‘ ist über einen einstündigen durch Kastanienwald führenden Rundweg erreichbar. Anfahrt ab San Giorio di Susa über die Weiler Martinetti und Vietti auf der Straße nach Pognant. Kurz hinter Vietti beginnt der ‚Sentiero della Memoria‘an einer links abzweigenden Forststraße. Dem Hinweisschild zum ‚Pilone di Garda‘ folgen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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NO TAV: Wieder über 1.000 neue Grundbesitzer im Susatal

Ein «Laboratorium der Basisdemokratie» nannte Marco Revelli von der Università degli Studi del Piemonte Orientale kürzlich das piemontesische Susatal. Er weiß, wovon er spricht, nicht nur als Politikwissenschaftler: Er gehörte zu den Protagonisten der Turiner StudentInnenbewegung und war auch an den großen Fiat-Streiks von 1980 beteiligt.

Die Ursprünge dieses «Laboratoriums» entstanden Ende der achtziger Jahre. Damals reifte bei den Behörden der Plan, durch das von einer Autobahn, Staatsstraßen und der TGV-Eisenbahnlinie bereits stark belastete enge Susatal zusätzlich eine Hochgeschwindigkeitslinie (Treno ad Alta Velocità,TAV) zwischen Turin und Lyon zu führen. Dafür ist einer der längsten Basistunnel im Alpenraum notwendig, mit dessen Bau auf die Bevölkerung eine nicht abschätzbare Schadstoffbelastung zukäme: Der Tunnel soll auch durch asbest- und uranhaltiges Gestein getrieben werden.

Hüttendörfer und Mahnwachen

Seit über zwanzig Jahren kämpft die Bevölkerung des Susatals zusammen mit lokalen PolitikerInnen und verschiedenen Umweltorganisationen gegen dieses unsinnige Großprojekt. Um die drohende Zerstörung ihres Tales zu verhindern, haben sich die TAV-GegnerInnen – flankiert von vielen WissenschaftlerInnen – ein breites Wissen aufgebaut. Sie verweisen auf die Möglichkeit, die bereits vorhandene Bahnlinie auszubauen; sie ließen Kosten-Nutzen-Analysen anfertigen und zeigten die langfristigen Folgen für Bevölkerung, Umwelt, lokale Betriebe und Tourismus auf; sie wandten sich an ihren Staatspräsidenten; und sie sammelten Unterschriften, die dem Petitionsausschuss der Europäischen Kommission in Straßburg übergeben wurden, da die EU das TAV-Projekt mitfinanziert.

Alle Entscheidungen der TAV-GegnerInnen werden in großen BürgerInnenversammlungen gefällt und im Konsens getragen. Übrigens nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip: Längst haben sie sich international vernetzt, arbeiten zusammen mit Initiativen aus Deutschland, Frankreich, dem Baskenland und England und waren (wir berichteten) Ausrichter des 1. Europäischen Forums gegen unnütze Großprojekte.

Die BewohnerInnen des Tals haben seit Beginn ihres Kampfes nicht nur jeden erdenklichen Weg durch die Institutionen beschritten. Sie waren auch sehr fantasievoll in ihren Aktionen: So haben sie überall im Tal Hüttendörfer und Mahnwachen errichtet. Und bereits dreimal haben sie an mutmaßlichen Einstichstellen für Erkundungsstollen – die BetreiberInnen nehmen laufend Änderungen an der geplanten Trassenführung vor – Grundstücksparzellen erworben, um sich damit bei den zu erwartenden Enteignungsverfahren unter dem Motto „compra un posto in prima fila“ in die erste Reihe zu stellen.

Korrekt enteignen

Ende Oktober fand nun die vierte NO-TAV-Landerwerbsaktion statt. Diesmal in Susa, nur einen Steinwurf entfernt von dem Areal, auf dem der neue internationale Bahnhof von Susa entstehen soll. Während landesweit immer mehr lokale – gerade für die PendlerInnen wichtige – Bahnstrecken stillgelegt werden, soll hier für 48,5 Millionen Euro nach den Plänen des japanischen Architekten Kengo Kuma ein Prachtbau für die TAV-Strecke errichtet werden, obwohl deren Trassenführung noch immer unklar ist. Erst im nächsten Jahr soll das Projekt von der italienisch-französischen Betreibergesellschaft LTF (Lyon Turin Ferroviaire) öffentlich vorgestellt werden.

Dass das umstrittene, allein für Italien über zehn Milliarden Euro teure Bauvorhaben nicht zur Disposition stehe, machte der ansonsten so sparfreudige Regierungschef Mario Monti gleich zu Beginn seiner Amtszeit klar. Und bekräftigte dies im September erneut bei einem Gipfel mit seinem französischen Amtskollegen François Hollande.

Und so fanden sich am 28. Oktober 2012 bei strömendem Regen über tausend Menschen ein, um vor einem Notar einen Eintrag ins Grundbuch vorzunehmen. Der Charme dieses Instruments aus dem «Laboratorium der Basisdemokratie» liegt in der Bildung einer einzigen EigentümerInnengemeinschaft mit möglichst vielen Mitgliedern. Denn enteignet werden kann schnell, doch jedes Mitglied muss schriftlich und vor allem korrekt darüber informiert werden. «Und wenn dabei auch nur ein Name verkehrt geschrieben wurde, wenn auch nur eine einzige Ziffer der Steuernummer falsch ist – dann ist die gesamte Enteignung ungültig», erläutert Alberto Perino, Sprecher der NO-TAV-Bewegung.

1056 Personen haben an jenem Tag persönlich oder per Procura die notarielle Urkunde unterzeichnet, zieht Perino am Abend dann das Fazit. Und fügt hinzu: «Ein weiteres Sandkorn, das ins Getriebe des TAV geworfen worden ist.»

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Wandern an der Côte d’Azur: Von Monaco nach La Turbie

… oder von La Turbie hinunter nach Monaco

Zwischen 1894 und 1932 hätte es sich angeboten, für diesen Weg die Zahnradbahn zu nutzen. Der ‚Chemin de Fer à crémaillère’ wurde im Februar 1894 eingeweiht und benötigte für die 2,6 Kilometer Meter lange Strecke 21 Minuten. Der Betrieb wurde eingestellt, nachdem es 1932 zu einem schweren Unfall kam: Der Zug durchbrach talabwärts den Bahnhof oberhalb des Casinos.

Anstatt sich mit dem Auto zäh über die Hänge hinauf zur Grande Corniche nach La Turbie zu quälen, kann man auch zu Fuß gehen. Eine Möglichkeit, die kaum wahrgenommen wird – denn wer denkt beim Thema ‚Wandern‘ schon an Monaco? Dass das kleine Fürstentum offiziell zu den acht Alpenstaaten gehört, die Alpenkonvention unterschrieben und auch einen eigenen Alpenverein hat, wissen nur die Wenigsten. Und die exquisiten ‚Wanderwegweiser’ werden selten als solche wahrgenommen: Mannshoch und eher Straßenschildern ähnelnd markieren sie den Weg der ‚Via Alpina’ und führen von der Place du Palais über diverse Treppenaufgänge des Chemin des Revoires durch die Straßenschluchten Monacos.

Vorbei am Jardin Exotique wird an der Moyenne Corniche – der mittleren der drei Küstenstraßen zwischen Menton und Nizza – die Grenze zu Frankreich überquert. Das Land der ‚großen Wanderwege’ grüßt mit den kleinen weiß-roten Markierungen des ‚Grande Randonnée 51B’. Nun ist es ein klassischer Wanderpfad, der sich die Hügel aufwärts schängelt und schon bald eine herrlich unverbaute Sicht über die Buchten zwischen Cap d’Ail und Cap Martin gewährt.

Zu Ehren Kaiser Augustus: der Trophée des Alpes

La Turbie wird durch einen kleinen Park erreicht. An seinem Ende gelangt man auf die Avenue de Pinede und sieht nach einer Rechtskurve unvermittelt den gewaltigen Trophée des Alpes vor sich. Das fast 50 Meter hohe Denkmal wurde Kaiser Augustus zu Ehren im Jahre 7/6 vor unserer Zeitrechnung nach seinem ‚Alpenfeldzug’ errichtet und weist im Sockel eingemeißelt die Namen der 44 unterworfenen Alpenvölker auf.
Im 14. Jahrhundert wurde das Bauwerk in eine Festung umgewandelt, die 1705 im spanischen Erbfolgekrieg mit wenig Erfolg und nur teilweise gesprengt wurde. Lange wurde die Restaurierung geplant – bereits im Baedeker von 1906 ist von diesem Projekt die Rede – aber erst ab 1930 kam es zu den Arbeiten, denen das heutige Aussehen zu verdanken ist: Der amerikanische Geschäftsmann Edward Tuck hatte die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung gestellt.

Circa 2 Stunden dauert diese kurze, sehr aussichtsreiche Tour von Monaco hinauf nach La Turbie. Wer zu Fuß an den Ausgangspunkt zurückgehen möchte, kann einen Rundkurs einschlagen: Schräg gegenüber des Haupteingangs zum Trophée des Alpes geht es hinunter zur Place de la Cremaillière, wo der ‚Chemin Romain’ beginnt. Ihm und den Wegweisern nach Beausoleil/ Monaco folgend, gelangt man wieder auf die Moyenne Corniche. Für das letzte Stück hinunter zum Schloss bietet sich wieder der Chemin des Revoires an.
Wem eine Strecke genügt, kann auf den Bus ausweichen: Die Linie 114 verkehrt Montag bis Samstag zwischen La Turbie und Monaco Place d’Armes.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Neue Wanderunterkunft: Das "Lou Stau" im Vallone dell’Arma

‚Lou Stau’ ist okzitanisch und bedeutet ‚Rast’. Und gut ‚rasten’ und essen konnte man im kleinen Weiler Trinità im Vallone dell’Arma schon seit einigen Jahren. Nun hat Piera zusätzlich zu ihrem Restaurant ein Posto Tappa eingerichtet, eine Matratzenunterkunft für Wanderer. Im nächsten Frühjahr soll das erste Doppelzimmer bezugsfertig sein.
Lou Stau: neue Wanderunterkunft im Vallon dell'Arma Wer bereits in der Region zwischen Stura-, Grana- und Mairatal unterwegs war, ortet Trinità schnell. Allen anderen hilft folgender Hinweis:
Das Vallone dell’Arma ist ein linkes Seitental des Valle Stura. Durchzogen wird es von einer schmalen Straße, die von Demonte – bis dorthin reichte früher der Gletscher, der das Tal entstehen liess – hinaufführt zum Colle Valcavera. Und damit direkt auf die Gardetta-Hochebene ins Herz der sogenannten ‚Dolomiten von Cuneo’. Die wenigen kleinen Weiler entlang der Straße sind von starker Landflucht gezeichnet. Zumindest im oberen Talbereich sind die Kühe in der Überzahl. Das traditionelle Weidegebiet wird auch noch heute von Margari (transhumanten Kuhhirten) aus der Poebene beweidet. Im Sommer 2012 standen circa 1.450 Kühe auf vier Almen.
Pieras ausschließlich regional geprägte Küche Sie produzieren vieles von dem, was später in Pieras ausschließlich regional geprägter Küche landet: Milch und Käse etwa auf der Gias Valcavera gegenüber des Rifugio Carbonetto und Fleisch der razza piemontese auf der Gias Viribianc.
Mit der Schaffung einer Übernachtungsmöglichkeit in Trinità lässt sich das Vallone dell’Arma über die zahlreichen Fußwege jetzt gut erkunden. Darüberhinaus ergeben sich Variationen zum Granatal-Höhenweg ‚Curnis Auta’ und dem Sturatal-Rundwanderweg ‚Lou Viage‘.

Lou Stau
Piera Maria Viale, Frazione Trinitá, 12014 Demonte
Telefon: +39 0171 955825

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit
Fotos: Markus Golletz

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