Archiv der Kategorie: bergauf bergab

Naturführerin im Piemont: Alles begann unterwegs auf der GTA

„Ich weiß noch ganz genau, wo es war“, erzählt uns Karen Kloss. „Unterhalb des Monte Toraggio habe ich beschlossen: Hier in den ligurischen Alpen will ich in Zukunft leben.“
Angefangen hatte die Geschichte 1994 mit einem Artikel in der TAZ über die Grande Traversata delle Alpi (GTA). Der machte mächtig Lust auf diese Streckenwanderung, die auf einer Länge von rund 1.000 Kilometern durch die entvölkerten Täler des piemontesischen Westalpenbogens führt und kurz vor dem Mittelmeer endet.
Während mehrerer Sommerurlaube hat Karen danach das Piemont von Norden nach Süden auf der GTA durchwandert. Und als sie 1999 auf dem letzten Streckenabschnitt die ligurischen Alpen erreichte, fällte sie – schon fast am Mittelmeer – unterhalb des Monte Toraggio die Entscheidung, die ihr Leben veränderte.
Ein paar Jahre hat die Realisierung ihres Traumes danach zwar noch gedauert, doch seit 2004 lebt die Naturliebhaberin jetzt vor Ort. Mittlerweile südlich der Langhe im Monregalese, in Monastero di Vasco – nicht weit entfernt vom Parco naturale del Marguareis.

Im Jahr 2007 hat Karen die Prüfung zur Naturführerin der Region Piemont abgelegt. Um als ’Accompagnatore naturalistico’ arbeiten zu dürfen, musste sie sieben Monate lang 3 bis 4 mal pro Woche die Schulbank drücken. Was dort gelehrt wurde (Geologie, Botanik, Zoologie etc.etc.) fiel bei der gelernten Landschaftsgärtnerin auf so viel Vorwissen, dass es auch für überzeugte Individualisten wie uns ungemein spannend ist, mit Karen unterwegs zu sein. Denn das Wissen darum, dass beispielsweise im Parco Marguareis (früher: Parco Naturale Alta Valle Pesio e Tanaro) laut Statistik annähernd 1.500 der insgesamt in Italien beheimateten 5.600 Pflanzenarten vorkommen, ist allein zwar schön und gut (und Enziane, Edelweiß, Männertreu, Knabenkraut, viele Lilien- und Orchideenarten und die Saxifraga florulenta erkennen wir noch selbst), aber bei vielen nur in den ligurischen Alpen vorkommenden, endemischen Pflanzen wären wir schlicht überfordert und überlassen uns nur zu gerne Karens Führung. Ohne die wir zwar die beiden Alpingärten, die Stazione botanica E. Burnat/C. Bicknell am Rifugio Garelli und die Stazione botanica Danilo Re am Laghetto del Marguareis gefunden hätten – aber nie etwas darüber erfahren hätten, was alles an der im Vallone del Marguareis vorkommenden Fritillaria tubaeformis (Schachbrettblume) erforscht wird: Projekte der Pflanzensamenbank im Parco Marguareis, der ‚Banca del Germoplasma Vegetale della Flora Autoctona del Piemonte’.

Als zweites Standbein, um auch Stadtführungen, Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten, Wein- und Käseverkostungen und vieles weitere mehr anbieten zu können, hat unsere Lieblings-Naturführerin im Jahr 2010 noch die Prüfung zur Guida Turistica der Provinz Cuneo abgelegt. Sodass bei Karen auch in guten Händen ist, wer nicht so hoch hinaus will, eher gemütliche Kurzwanderungen mit den kulturellen Highlights der Region verknüpfen möchte. Bei ihr dürfen wir dann auch schon mal skeptisch die Stirn runzeln ob der vielen über die Region verstreuten Reliquien von Mitgliedern der Thebäischen Legion (San Magno, San Chiaffredo uvm.). Nicht jede – durchaus werbewirksame – Legende unkritisch an die geneigten Zuhörer weiterzugeben, gehört dann auch zu den Qualitäten einer guten Guida Turistica.
Nur eine Weinprobe haben wir mit Karen noch nie unternommen. Viel zu spät erfahren, dass sie ihr Wissen um die Rebsorten der Region in das jüngst erschienene Kochbuch ‚Ein italienischer Sommer’ ihrer Nachbarin Gabriele Kunkel eingebracht hat. Wir werden das nachholen und schauen/testen, was sie uns über Barolo, Barbaresco und Dolcetto zu berichten weiß.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Naturführer-Tarife:
* für Gruppen mit maximal 25 Teilnehmern: 150,00 Euro / Tag (8 Std.)
(für die Betreuung größerer Gruppen wird ein weiterer Führer organisiert)
* für maximal 6 Einzelpersonen: 15,00 Euro / Std.
* für mehrtägige Touren gelten gesonderte Tarife nach Vereinbarung.
Praktische Informationen:
Führungen in deutsch, italienisch oder englisch. Gepäcktransport, Transfer und Übernachtungen können in Zusammenarbeit mit einem örtlichen, zugelassenen Reiseveranstalter auf Wunsch ebenso organisiert werden wie Stadtführungen, Besichtigungen etc.
Karen Kloss
Via Comini di Vasco, 5
I – 12080 Monastero di Vasco (CN)
E-Mail: todokaren@gmx.de
Mobil: ++39-339-3259738

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Eingeordnet unter bergauf bergab, Ligurische Alpen

Partisanenpfade im Piemont

Partisanenpfade im Piemont. Orte und Wege des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Ein Wanderlesebuch.

Partisanenpfade im Piemont ist ein Reisebuch, ein Wanderbuch und auch ein Geschichtenbuch.
Am Colle della Crocetta auf der Kante zwischen Orco- und Grandetal, nicht weit von der französichen Grenze – Tour 4

Die 20 Monate der italienischen Resistenza, in denen sich Menschen unterschiedlichster politischer Couleur ab September 1943 zusammenschlossen, um gegen deutsche Besatzung und italienischen Faschismus und für einen radikalen Wandel in ihrem Land zu kämpfen, haben Italien nachhaltig geprägt. Ganz besonders die stark entvölkerte Gebirgsregion des Piemonts nah an der Grenze zu Frankreich. Wir nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine historische Zeitreise und machen die Geschichte der piemontesischen Widerstandsbewegung erlebbar – zu Fuß, automobilisiert oder zu Hause auf dem Sofa.

Partisanenpfade im Piemont ist ein Reisebuch, das einführt in die Welt der Alpentäler, die sich fächerartig westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm ziehen. An Plätze führt, in denen die Geschichte der Resistenza wachgehalten wird, und an Orte, in denen gut gegessen und genächtigt werden kann.
Grande Albergo Rocciamelone, Usseglio – Val di Viù, Tour 6, 7 und 8

Partisanenpfade im Piemont ist ein Wanderbuch, das 23 Touren – vom Stadtspaziergang durch Turin bis zur Hochtour auf den über 3.000 Meter hohen Colle Autaret – umfasst. Alle GPS-kartiert, alle anhand von Waypoints exakt nachvollziehbar und jede Tour mit herunterladbarem Track für das eigene GPS-Gerät. Mit Hinweisen zum ÖPNV, Kartenmaterial und Einkehrtipps.

Die schöne Dora Riparia an der Piazza CLN (Comitato di Liberazione Nazionale) – Fertigstellung im Jahr XVII der faschistischen Zeitrechnung. Geplant war hier, auch noch überlebensgroße Statuen von Mussolini und König Vittorio Emanuele III. aufzuzustellen – Tour 1

Partisanenpfade im Piemont ist auch ein Geschichtenbuch:
Die ehemaligen Redaktionsräume der Untergrundzeitung ‘Il Pioniere’, gut versteckt im hintersten Zipfel des Angrognatals gelegen – Tour 21. 17 Ausgaben wurden hier über die Walze gezogen. Ab Nov. 1944 wurde die Zeitung in Torre Pellice gedruckt. Unter den Augen der Faschisten gegenüber der Caserma Ribet – Tour 20.

  • Wer und was dem „guten Onkel Mussolini“ zum Aufstieg verhalf.
  • Wie im Verlag Einaudi mit den faschistischen Zensurmaßnahmen umgegangen wurde.
  • Wie leerstehende Villen zu Krankenstationen der Partisanen umfunktioniert wurden.
  • Wie im Felsendorf Barma de l’Ours die Untergrundzeitung Il Pioniere hergestellt wurde.
  • Was Generalfeldmarschall Kesselring unter ‚Bandenbekämpfung‘ verstand.
  • Welche seltene Freundschaft den Philosophen Benedetto Croce und Ada Gobetti verband sowie deren legendäre Winterüberquerung des Passo dell’Orso und vieles Weitere mehr.

Im Jahr 2004 restaurierte Aufschrift in Traversella, welche die deutschen Besatzer vor den Partisanen warnen sollte. Dabei wurde der Propagandaspruch Mussolinis auch gleich aufgefrischt.

Mit vielen Farbfotografien und historischen s/w-Aufnahmen. Sämtliche Touren wurden von den Autoren im Sommer 2011 abgegangen.

- Hardcover
- 272 Seiten
- mit zahlreichen Farbfotos
- sowie historischen s/w-Aufnahmen
- mit detaillierter Karte zu jeder Tour
- ISBN 978-3-941585-05-8
- EUR 19,90

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Zum Verhältnis von Wanderern und Motorradfahrern im Piemont und anderswo

Vor einiger Zeit hat Markus Golletz auf seiner Seite motorradreisefuehrer.de eine sehr positive Rezension zu unserem Piemont-Wanderführer veröffentlicht.

Strada dell'Assietta

Anstatt dieses Lob einfach nur dankend abzuheften, haben wir uns Gedanken gemacht über die einzige kritische Anmerkung, die der Artikel enthielt:
„An manchen Stellen beklagen sich die Autoren über die Befahrbarkeit von alten Militärstraßen, was mit uns Bikern zum Konflikt führt. Eine Annäherung von beiden Seiten ist vielleicht der richtige Schritt. Deswegen auch diese Rezension auf einer sonst reinen Motorradseite.“

Wir haben Markus Golletz in einem offenen Brief geantwortet, den er im März dieses Jahres veröffentlicht hat. Sein Teaser:
“Das haben wir uns schon lange gewünscht: Eine Wortmeldung aus dem ‘anderen Lager’: Wie können Wanderer und Enduristen Co-existieren, wie kann die Natur geschützt und erhalten bleiben? Sabine Bade und Wolfram Mikuteit (Westalpenblog) haben eine Idee”.

Da uns natürlich vorrangig die Meinung anderer Wanderer interessiert, veröffentlichen wir unseren Leserbrief auch hier auf unserem Blog.

Lieber Markus,
Zunächst – wenn auch mit ‚leichter’ Verspätung – ganz herzlichen Dank für die positive Rezension unseres Piemont-Wanderführers!
Und für die Möglichkeit, uns hier zum Thema der piemontesischen Militärstraßen zu äußern.
Es geht darum, ein paar Vorurteile auszuräumen und mit dem weitverbreiteten Ansatz aufzuräumen, hier stünden sich zwei unterschiedliche Lager unversöhnlich gegenüber. Wanderer sind weder die besseren Menschen, noch stehen sie per se dem Naturschutzgedanken näher als Motorrad- oder Geländewagenfahrer. Schwarze Schafe und Umweltrüpel gibt es überall. Wir sehen deshalb eine viel größere Schnittmenge in der Interessenslage von motorisierten und unmotorisierten Höhenwanderern als gemeinhin angenommen wird. Darüber hinaus bestehen natürlich auch unterschiedliche, vollkommen konträre Ansprüche – die jedoch mit einfachen Regeln umzusetzen wären.

Blick vom Monte Triplex auf den Mont Chaberton, 3.131 m
Zunächst aber kurz zu Deiner Anmerkung, wir würden uns ganz generell über die Befahrbarkeit von alten Militärstraßen beklagen und damit den Konflikt mit Bikern heraufbeschwören. Das sehen wir – wen wundert’s? – anders:
Wir schreiben Wanderbücher, und geben dem Leser nicht nur einen vagen Überblick über die Route, sondern bemühen uns, über die Beschaffenheit der Wegstrecke möglichst umfassend zu informieren.
Wenn man über 1.000 Höhenmeter aus dem Tal aufgestiegen ist und unterwegs nichts anderes gehört hat als Vögelgezwitscher und Murmeltierschreie, ist es schon ein Erlebnis der ganz besonderen Art, plötzlich ohne Vorwarnung auf 2.500 Meter Höhe an einer vielbefahrenen Kreuzung zu stehen. Und wenn man Pech hat, dabei auch gleich in die dicke Staubwolke vorbeirasender Quadfahrer gehüllt wird.
Darauf hinzuweisen ist unseres Erachtens Aufgabe eines guten Wanderführers. Damit Wanderer darauf vorbereitet sind und sich ggf. eine andere Tour aussuchen.
Weitwanderer aber haben diese Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Strecke oft nicht. Wer auf der Grande Traversata delle Alpi (GTA) oder Via Alpina vom Susa- in das Chisonetal überwechseln will, gerät zwangsläufig an diese Kreuzung auf 2.500 Meter Höhe auf der Strada dell’Assietta und muss sich dann auch noch ein ganzes Stück weit die Schotterpiste mit Autos/Motorrädern/Quads teilen.
Das klappt in aller Regel auch gut – weil die überwiegende Mehrheit der Fahrer auf Fußgänger sehr viel Rücksicht nimmt. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, und es gibt sicher Angenehmeres, als von einer langen Wagenkolonne überholt zu werden und statt Bergluft eben Auspuffgase einzuatmen.
Richtig böse wird es aber, wenn zerfräste Hänge oder der eigene Augenschein aufzeigen, dass manch Crosser die Hochlagen der Westalpen mit der heimischen Kiesgrube verwechselt und sie als Übungsgelände für sein fahrerisches Können nutzt. Wohlgemerkt: Wir schreiben hier über eine Straße, die durch das Naturschutzgebiet des Parco Naturale del Gran Bosco di Salbertrand führt.


Forte Gran Costa, 2.584 m. Die Piste hier hoch ist schon seit vielen Jahren unpassierbar und die Zufahrt mittels massiver Eisenschranke versperrt.
Oder wenn man als Fußgänger auf einer dieser tollen Militärstraßen unterwegs ist, die durch Verbotsschild oder Schranke für den öffentlichen Verkehr eindeutig gesperrt sind – und die dann dennoch befahren werden. Ausflüchte reichen in diesen Fällen von „die Schranke ließ sich ja leicht entriegeln“ bis „das Verbotsschild war italienisch, das konnten wir nicht lesen“. Oder wenn – trotz Sperrung – auch der letzte klägliche Gletscherrest am Colle Sommeiller befahren wird, nur um am legendären ‚Fahnenhügel’ die 3.000-er Marke zu knacken!
Diese aufgeführten Beispiele dürften genügen. Dir ist diese Materie ja schließlich nicht fremd. Wir wollten damit nur aufzeigen, worüber wir uns wirklich beklagen. Übrigens auch in großer Übereinstimmung mit vielen Bikern. Die müssen nämlich durch das Fehlverhalten einiger Weniger – durch die wenig umweltverträgliche ‚Umnutzung’ dieser Strecken zum Fun-Park – befürchten, dass über kurz oder lang immer mehr dieser Straßen gesperrt werden. Und das wollt weder „Ihr Biker“ – noch wir!
Denn entdeckt haben wir diese traumhafte Region vor langer Zeit auf den zwei Rädern einer KTM. Und wären ohne die unter Mussolini erbauten Militärstraßen eventuell nie auf den Reiz des Westalpenbogens als Wanderdestination aufmerksam geworden. Und weil es gerade im näheren Umfeld der Assietta so viel zu entdecken gibt, befahren wir diese Straße auch heute noch von Zeit zu Zeit. Es wäre auch schade, wenn der gesamte Assietta-Grat ausschließlich Jenen vorbehalten bliebe, die in der Lage und willens sind, einen Aufstieg von über 1.000 Höhenmetern auf sich zu nehmen und – oben angekommen – dann zudem keine Übernachtungsmöglichkeiten finden.

  Testa dell’Assietta, 2.565 m. Zu Fuß am schnellsten von Salbertrand auf der GTA und Via Alpina zu erreichen.
Wanderer können wegen der Länge der Tour meist nur zur Testa dell’Assietta – haben damit noch nicht einmal die Möglichkeit, sich die vielen Festungen unterschiedlicher ‚Baureihen’ anzuschauen. Und nehmen dann auch beispielsweise gar nicht wahr, dass sich hier im Jahr 1944 die heiß umkämpften Außengrenzen der ‚Repubblica Libera Val Chisone’ befunden haben, eine im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannte freie Partisanenrepublik.
Colle dell'Assietta - im Julin und August , Mittwoch und Samstag von 9 - 17 Uhr Ruhe Wir beklagen also nicht die generelle Befahrbarkeit der alten Militärstraßen – sondern vor allem ihren Mißbrauch.
Darüber hinaus wäre wünschenswert – und würde das Verhältnis zwischen motorisierten und unmotorisierten Nutzern dieser Straßen sofort befrieden – wenn in allen Sommermonaten bestimmte Wochentage ausschließlich Wanderern, Mountainbikern und Reitern vorbehalten wären. Die dann ohne Motorengeräusche an diesen Tagen eventuell auch die Möglichkeit hätten, das eine oder andere etwas scheuere Tier zu sehen – oder schlicht in aller Ruhe einmal ohne Zivilisationsgeräusche nur das Panorama genießen könnten.
Wenn derartige Regelungen frühzeitig und mehrsprachig kommuniziert und auch nicht Jahr für Jahr geändert werden, sehen wir nicht, warum ein konfliktfreies Verhältnis zwischen Wanderern und Bikern nicht möglich sein sollte!
Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Via Alpina und Tour des Glaciers de la Vanoise – aktualisierte Neuauflagen

Wir hinken mal wieder etwas hinterher, was die Verkündung froher Botschaften zu Neuauflagen unserer Wanderführer anbelangt: Schon seit einiger Zeit sind aktualisierte Neuauflagen zu den Wanderführern

Besonders freuen wir uns darüber, dass wir endlich aktualisierte Versionen der beiden Via-Alpina-Wanderführer vorstellen können. Manche Strecken sind wir dafür erneut abgegangen, haben dem Thema ‚Verkehrsanbindung der einzelnen Etappenorte‘ nun ein eigenes Kapitel widmen können wie auch dem Aspekt ‚Naturschutzgebiete in der Region‘.  Die Angaben zu Übernachtungspreisen, Busverbindungen und Kartenmaterial entsprechen dem Stand März 2011.

Trotz dieser Neuauflagen werden wir wie gewohnt Aktualisierungen zu den älteren Auflagen auf unserer Seite http://www.westalpen.eu fortschreiben – damit sich auch Wanderer, die noch mit der alten Auflage unterwegs sind, stets über aktuelle Veränderungen informieren können.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Colle Sommeiller, Denzel und die “anfahrbaren 3000er” in den Westalpen

Die Krönung “motorisierter Höhenwanderungen” in den Alpen stellt die Befahrung eines Zieles jenseits der 3000-Meter-Marke dar.
Kein Werk der “alpinen Literatur” scheint besser dazu geeignet, diese Begehrlichkeiten zu wecken und die scheinbare Erfüllung dieser Sehnsüchte für den automobilen Höhenwanderer in greifbare Nähe zu rücken, als der “Denzel Alpenstraßenführer”.

Dort konnten wir bis vor einigen Jahren (20. Auflage 1999) in den einleitenden Bemerkungen zur Region Piemont noch lesen, dass es sich bei der hinauf zum Hochplateau (3.050 m) am Colle Sommeiller führenden Piste um die höchste befahrbare Alpenstraße handelt.

Colle Sommeiller
Colle Sommeiller und Reste des Rifugio Albergo Ambin

Sinn und Zweck dieses Straßenbaus war die Erschließung eines Sommerskigebiets unterhalb der gleichnamigen Punta. Das nur 30 km von Bardonecchia (oberes Susatal) entfernt lag und über die gut trassierte Schotterpiste auch mit untermotorisierten zweiradgetriebenen Kleinwagen problemlos zu erreichen war. Bis das in alten Karten als “Rifugio Albergo Ambin” verzeichnete Gebäude in den 60er-Jahren durch eine Lawine zerstört und das Skigebiet daraufhin aufgelassen wurde.

Motivationstreiber, sich mit seinem Fahrzeug in derartige Höhen aufzumachen, war seinerzeit der gepflegte Sommerskispass. So hat uns ein Turiner Ehepaar auf einem Spaziergang zwischen abgebrochenen Liftmasten, herumliegenden Stahlseilen und diese in Bewegung haltenden  Dieselaggregaten voll Glanz in den Augen erzählt, wie sie dort vor 40 Jahren nicht nur ihre Parallelschwünge setzten, sondern sich auch kennengelernt haben.

Heute stellt sich die Situation anders dar. Befeuert durch o.a. Buch und den Willen, einmal an der 3000er-Marke gekratzt haben zu müssen, entwickelte sich der Colle Sommeiller zu einem legal anfahrbaren und ungemein attraktiven Hochziel für Offroader, vermeintlich knapp über 3.000m hoch gelegen.

Ein Blick in entsprechende Wanderkarten aber reicht, um dem Mythos der “führenden Drei” den Wind aus den Segeln zu nehmen:
Der Colle Sommeiller, um genau zu sein: der östliche, wird in den Karten des IGM (Istituto Geografico Militare) und bei FRATERNALI editore mit einer Höhe von 3.000 m ausgewiesen und ist von keiner Seite aus anfahrbar – sondern kann nur durch Umgehung des vor ihm liegenden kleinen Sees zu Fuß erreicht werden!

FRATERNALI editore
FRATERNALI editore 01 – Alta Valle Susa, 1:25k

Die Höhenangaben für das ehemalige Rifugio Albergo Ambin (sofern noch in den Karten verzeichnet – die Überreste wurden im Jahr 2004 abgetragen und im Tal einer wie auch immer gearteten, hoffentlich umweltgerechten Entsorgung anheimgeführt) und dem rechts davon als Parkplatz fungierenden Hochplateau schwanken zwischen 2.991 m und 2.996 m. Die Höhe direkt am Seeufer wird in einer französischen Karte (IGN – Institut Geographique National) mit 2.987 m angegeben.

Hm, ist also nichts mit den 3.000 m, wenn der Wagen nur neben der Ruine geparkt wird. Also wurde kurzerhand in den Trümmerresten nach einigen langen Eisenstangen gesucht, diese auf einem unscheinbaren Schutthügel (in den Karten verzeichnet und mit 3.008 m bzw. 3.011 m angegeben) – in umittelbarer Nähe von See und Ex-Hütte gelegen – platziert und mit Wimpeln versehen. Das Ganze nannte sich fortan “Fahnenhügel”. Wer sich diese paar Meter noch antat, konnte endlich die korrekte Höhe in sein GPS abspeichern und sich als  3.000er-Bezwinger fühlen.
Dumm, dass diese Möglichkeit nur für wenige Jahre Bestand hatte. Im Zuge der Aufräumarbeiten wurden nicht nur die Zeiten, zu denen der “Colle Sommeiller” legal befahren werden kann, reglementiert, sondern auch den Abstechern auf den Fahnenhügel mittels massiver Balkenabsperrungen ein Ende gesetzt. Zurück nicht auf “Los”, aber runter auf den Boden der geographischen Tatsachen, und der liegt jetzt wieder – je nach Lesart – bei 2.991 oder 2.996 m.

Neue Hoffnung auf Befahrung eines Hochzieles jenseits von 3.000 m konnten die Leser einer neuen Ausgabe (23. Auflage, 2007) hegen. Dort wurde auf die Anfahrbarkeit der Bontadini-Bergstation (3.332 m) verwiesen. Es handelt sich hier um eine Versorgungspiste, die von Breuil-Cervinia zu der in unmittelbarer Nähe der Theodul-Hütte gelegenen Skistation hinaufführt. Dass die Befahrung dieser Piste noch nie legal war und im Sommer ausschließlich zu Wartungszwecken für einen autorisierten Personenkreis geöffnet wird, ist dabei großzügig von beiden Seiten übersehen worden (wenn während der Revision mal das eine oder andere nicht autorisierte Fahrzeug durchrutschte, wude darüber kein Aufheben gemacht). Bis den in dieser Hinsicht eher gelassen reagierenden Italienern ob des zunehmendes Verkehrs, incl. kommerziell geführter Touren, der Kragen platzte.


Endstation Breuil-Cervinia. “Casa del Sole”, erbaut zw. 1947 und 1955, Architekt: Carlo Mollino

Inzwischen aber sollten auch die einfach strukturierten Zeitgenossen, die in der schulischen Verkehrserziehung eher durch Absentismus statt durch aktive Mitarbeit die Aufmerksamkeit des Lehrkörpers auf sich zogen, bei der Einfahrt nach Breuil-Cervinia realisiert haben, was die weißen runden Schilder mit dem äußerem roten Kreis bedeuten. Und die Ausrede: “Habe ich nicht gesehen” seitens der Carabinieri auf wenig Gegenliebe stoßen wird.

Zurück zum Sommeiller. In der 24. Auflage aus dem Jahr 2010 fehlt jetzt der Hinweis auf das angeblich 3.050 m hoch gelegene Plateau. Hier wird nur noch der Colle Sommeiller und seine Höhe mit 3.009 m angegeben (richtig wären 3.000 m) sowie auf die ehemalige Hütte auf 2.991 m verwiesen. Verkaufsförderndes, die Wahrheit verschleierndes Motto: “Alles, was du deinen Kunden sagst, muss wahr sein (hier: Pass 3.000 m bzw. höher), aber erzähl’ ihnen um Himmels Willen nicht alles, was wahr ist (hier: nicht anfahrbar)”.

„Der Denzel“ verkauft sich auf diese Art sehr gut, keine Frage. Es werden sicher noch viele Auflagen folgen.
Denn für den leidenschaftlichen Alpenfahrer üben gerade geschotterte Wege, die sich mitunter für Wagen ohne Vierradantrieb als nicht passierbar erweisen, eine besondere Anziehungskraft aus. Insider-Wissen offenbart der Denzel dennoch nicht: All diese Wege, ob nun legal befahrbar oder mit einem Fahrverbot belegt, sind in den entsprechenden Wanderkarten im Maßstab 1:25.000 eingezeichnet, ob es sich nun um eine Versorgungspiste, die Verbindung zwischen abgelegenen Bergdörfern oder um eine Militärpiste zu einem der vielen im 19. Jahrhundert erbauten Forts handelt.
Gerade die ehemaligen Miltärstraßen des Westalpenbogens zwischen Aostatal und Menton genießen dabei bei Alpenfahrern einen besonders hohen Stellenwert. Für ihr Alter sind sie oft gut erhalten und führen in aussichtsreiche Höhen wie etwa die sogenannte „Ligurische Grenzkammhöhenstraße“ und die Assietta-Kammstraße. Nun wurde aber der Militärstraßenbau Mitte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts nachweislich vollkommen eingestellt. Danach ließ man manche der Pisten verfallen, andere wurden im Laufe der Zeit mit Fahrverboten belegt oder ins Verkehrsnetz integriert und modernisiert, sprich: asphaltiert. Womit ihre Befahrung des Geruchs von Freiheit und Abenteuer beraubt wurde.


Schon seit viele Jahren gesperrt. Auffahrt zum Gipfelfort Gran Serin, 2629 m

Die anfahrbahren und nicht asphaltierten Hochziele werden also von Jahr zu Jahr weniger und nicht mehr. So behilft man sich stattdessen mit Kurzfrist-Highlights: Wenn eine italiensiche Gemeinde beim Bau neuer Versorgungspisten zu einer entlegenen Skistation etwa schlicht vergisst, rechtzeitig die entsprechenden Verbotsschilder aufzustellen.
Was macht die Faszinationen dieses nicht preiswerten Werkes also aus? Von Neuauflage zu Neuauflage nachzulesen, was in der Vergangenheit noch alles machbar war? Herauszufinden, was im nächten Sommerurlaub noch befahrbar und vielleicht im Jahr darauf bereits tabu sein wird?

Wolfram Mikuteit

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Neue Via-Alpina-Homepage

Die Homepage der Via Alpina wurde überarbeitet und hat seit heute auch ein neues Erscheinungsbild.

Die meisten Änderungen betreffen das ‚technische Innenleben‘ der Site und sind für uns Betrachter nicht zu erkennen. Wenn wir die Sache richtig verstanden haben, soll es dadurch nun für die regional Verantwortlichen viel einfacher sein, Änderungen an den Etappendaten durchzuführen.

via-alpina

Ansonsten:
Neben dem äußeren Erscheinungsbild („bye, bye Baby-Blau“) und einer etwas abgewandelten Navigation ist das Forum abgeschaltet worden. Wir trauern ihm nicht nach.
Dafür gibt es jetzt pro Etappe die Möglichkeit, Kommentare einzufügen. Wir haben diese neue Funktion bereits ausprobiert und für einige Etappen des Roten und des Blauen Weges Hinweise hinterlegt. Das einfache Handling wird hoffentlich dazu führen, dass von dieser Funktion rege Gebrauch gemacht wird.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Okzitanien zu Fuß – dem UNESCO-Welterbe entgegen

Flagge Okzitanien Heute über ein Projekt zu schreiben, das zum Ziel hat, die okzitanische Sprache unter den Schutz der UNESCO zu stellen, fällt uns deutlich leichter, nachdem die Welterbekommision gerade am 25. Juni 2009 entschieden hat, das Dresdner Elbtal aus ihrer Liste zu streichen. Weil sich dieses Label – von Manchem ohnehin als inflationär vergeben gebrandmarkt – selbst diskreditiert hätte, wenn die UNESCO es bei ständig wiederholten Ultimaten belassen hätte. Nun aber dürfte so manchem Kultur/Naturerbe-Aspiranten, der lediglich auf den Werbeeffekt schielt, erschreckend klar werden, dass zukünftig eine unabhängige Kommission über Eingriffe in das einmal unter diesen internationalen Schutz gestellten Gebietes wacht.
Dass wir dabei besonders an Monsieur Estrosi denken und sein Projekt Les Balcons du Mercantour (*), für das Raupenbagger neue Wanderwege durch das Mercantourmassiv frästen, während quasi zeitgleich bekanntgegeben wurde, dass innerhalb der nächsten drei Jahre die Aufnahme von Mercantour Nationalpark und dem direkt angrenzenden Parco Naturale delle Alpi Marittime in das UNESCO-Welterbe angestrebt würde, dürfte niemanden erstaunen.

Aber nun zu Occitània a Pè, der gemeinsamen Wanderung durch die okzitanischen Täler Italiens, mit der die Organisation Chambradoc für die Unterschutzstellung der okzitanischen Sprache durch die UNESCO werben möchte. Bereits im vergangenen führte eine erste Tour über 1350 Kilometer von Vinadio im Sturatal nach Vielha in Katalonien.

Las Valadas Occitanas a Pè

Die Wanderung  hat am 14. Juni in Olivetta San Michele begonnen – fast die Hälfte der Wegstrecke ist also bereits absolviert – und wird nach 28 Etappen am 11. Juli in Exilles enden. Hier die einzelnen Etappen:

14/06/2009 Olivetta San Michele – Rocchetta Nervina
15/06/2009 Rocchetta Nervina – Pigna
16/06/2009 Pigna – Colla Melosa
17/06/2009 Colla Melosa – Realdo
18/06/2009 Realdo – Upega
19/06/2009 Upega – Rifugio Garelli
20/06/2009 Rifugio Garelli – Limonetto
21/06/2009 Limonetto – Palanfrè
22/06/2009 Palanfrè – Entracque
23/06/2009 Entracque – Rifugio Genova
24/06/2009 Rifugio Genova – Terme di Valdieri
25/06/2009 Terme di Valdieri – Rifugio Malinvern
26/06/2009 Rifugio Malinvern – Vinadio
27/06/2009 Vinadio – Santuario di Castelmagno
28/06/2009 Santuario di Castelmagno – Chialvetta
29/06/2009 Chialvetta – Ussolo
30/06/2009 Ussolo – Elva
01/07/2009 Elva – Bellino Chiesa
02/07/2009 Bellino Chiesa – Pontechianale (Castello)
03/07/2009 Pontechianale – Rifugio Quintino Sella
04/07/2009 Salita al Viso
05/07/2009 Rifugio Quintino Sella – Ostana
06/07/2009 Ostana – Rifugio Barbara Lowrie
07/07/2009 Rifugio Barbara Lowrie – Bobbio Pellice
08/07/2009 Bobbio Pellice – Ghigo di Prali
09/07/2009 Ghigo di Prali – Massello
10/07/2009 Massello – Usseaux
11/07/2009 Usseaux – Exilles

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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(*) Dieses Projekt wurde am 23. Januar 2009 gestoppt – könnte aber jederzeit wieder zu neuem Leben erwachen. Hier die Chronologie:

Les Balcons du Mercantour
Update vom 13. Januar 2009
Ende eines Prestigeprojektes

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Richtungsweisend

Unterwegs in den Westalpen … auf, manchmal sehr exponierten, Wander- und historischen Saumwegen, transalpinen Salzstraßen, königlichen Jagd- oder kühn angelegten Alpinisteigen. Die Karte bietet zwar keinen Halt im weglosen Gelände, dafür aber Orientierung bezüglich der Bestimmung des eigenen Standorts und ist, dank des gleichnamigen Links in der oberen Navigation, immer sofort zur Hand.
Begonnen haben wir mit unseren “großen” Touren, die Kurzen, deswegen nicht minder attraktiv, folgen.
Kennt jemand eine Möglichkeit, vorhandene GPS-Tracks komfortabel in so eine Karte zu übernehmen?

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Tour des Glaciers de la Vanoise – Streckenverlauf

Alta Via Val di Susa – Streckenverlauf

Giro del Monnviso – Streckenverlauf

GR 52a – Le Sentier Panoramique du Mercantour – Streckenverlauf

Via Alpina – von Monaco nach Garessio – Streckenverlauf

Via Alpina – von Garessio nach Monaco – Streckenverlauf

Giro del Marguareis – Streckenverlauf

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