Archiv der Kategorie: Maurienne

Chemin du Petit Bonheur

Unsere französischen Nachbarn haben viel Erfahrung mit der Schaffung von ‚Premium-Wanderwegen‘. Auf über 65.000 Kilometer führen die Sentiers de Grande Randonnée – stets weiß-rot markiert und ausgezeichnet instand gesetzt – mittlerweile kreuz und quer durch das Land. Am 22. August 1947 wurde die Vorgängerorganisation der für die GRs zuständigen Fédération Française de la Randonnée Pédestre (FFRP) gegründet, die bereits 1951 mit der Tour du Montblanc den ersten alpinen GR eröffnete. Wenig später folgten in Hochsavoyen die ersten Etappen des GR 5, die legendäre ‚Grande Traversée des Alpes‘. Zum 60. Geburtstag der GRs wurde letztes Jahr deswegen am Refuge de la Croix du Bonhomme, dem Schnittpunkt dieser beiden berühmten Wege, eine Gedenktafel angebracht.

Barrage de l'esseillon

Barrière de l’Esseillon

Aber es geht auch anders, weniger spektakulär und bei weitem weniger anstrengend. In der Haute Maurienne gibt es den GR 5E, der auf den klingenden Beinamen ‚Chemin du Petit Bonheur‘ hört und auf dem man vollkommen mühelos innerhalb von zwei Tal von [Bonneval-sur-Arc] – vorbei an der Barrière de l’Esseillon – nach Modane gelangt. Wer nicht gern von Omnibussen abhängig ist (die leider nicht gerade im Stundentakt verkehren), findet in diesem Weg auch einen guten ‚Zubringer‘ zur [Tour des Glaciers] und zur [Tour della Bessanese].
Mehr zum kleinen Spaziergang durch die Haute Maurienne findet sich [hier].

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Cottische Alpen, Grajische Alpen, Maurienne, Vanoise, Via Alpina

Tour della Bessanese

Die Herren der Gründergeneration des italienischen Alpenvereins (CAI) wüßten sicher zu schätzen, dass eine ihrer alten Lieblingsrouten gerade zu neuem Leben erweckt wird: die ‚Tour della Bessanese‘. Die drei von Turin aus schnell zu erreichenden Täler Val Grande, Val d’Ala und Val di Viù, zusammenfassend auch Valli di Lanzo genannt, durch die ein Teil dieser dreitägigen Rundwanderung verläuft, war die Region ihrer Hausberge, sodass sich hier relativ früh ‘alpiner Tourismus’ entwickelte.

lago-malciaussia

Ein möglicher Ausgangsort, der Lago di Malciaussia

1880 schon wurde von der Sektion Turin das Rifugio Bartolomeo Gastaldi (2.659 m) unterhalb der Bessanese (3.604 m) errichtet, das heute ein zum Museo Nazionale della Montagna Duca degli Abruzzi gehörendes kleines alpines Museum beherbergt. Bei ihren Exkursionen machten die Herrschaften aber durchaus nicht an der neuen – erst seit 1860 bestehenden – Grenze zu Frankreich Halt: im 1890 in Bessans eröffneten Hotel ‚Le Cimaz‘ (damals neun Fremdenzimmer, allerdings ohne fließendes Wasser und Heizung) sollen während der Sommersaison stets einige Zimmer für die italienischen Alpinisten freigehalten worden sein.

Sie kamen, wie heute Wanderer auf der ‚Tour della Bessanese‘ aus dem Viù- oder Alatal über den Colle dell’Autaret (3.072 m), einen bis zur Eröffnung der Straße über das Mont-Cenis-Plateau wichtigen Saumpass zwischen der Maurienne und dem Piemont. Bis ganz hinunter nach Bessans gelangt man auf dem Giro heute nicht mehr, denn der führt vom Refuge Avérole über den Passo del Collerin (3.203 m), auf Wegen, die neben Alpinisten auch für Schmuggler sehr interessant waren, zurück nach Italien.

Die ‚Tour della Bessanese‘ ist also nicht wirklich ‚neu‘ – sondern verknüpft lediglich historisch sehr interessante Wege. Brandneu ist allerdings die durchgängige Markierung (rot-weiß) und Hinweistafeln in vier Sprachen: italienisch, französisch, englisch und deutsch!

Kurze Steckeninfos:

Rifugio Cibrario – Refuge Avérole (ca. 7 h)

Refuge Avérole – Rifugio Gastaldi (ca. 6 h)

Rifugio Gastaldi – Rifugio Cibrario (ca. 4,5 h)

Das Beiheft der AsF-Karte 13 ‚Mont-Cenis – Ciamarella‘ liefert mit den Wegen 13-3-2 und 13-4-2 eine Kurzbeschreibung der Route. Infos zur Direktbestellung dieses empfehlenswerten Kartenwerks finden sich hier.
Als gute Einstiegsorte in die ‚Tour della Bessanese‘ eignen sich Bessans in der Maurienne, Balme im Val d’Ala und Malciaussia im Val di Viù gleich unterhalb des höchsten Wallfahrtsorts der Alpen, des Rocciamelone.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter bergauf bergab, Grajische Alpen, Lanzotäler, Maurienne

Tour des Glaciers

“In der Tarentaise starten, oder doch lieber in der Maurienne? Links herum oder rechts herum? Die kleine 4-Tage-Runde – oder nehmen wir uns eine ganze Woche Zeit?”

Tour des Glaciers

Es muss ja nicht gleich auf die Grande Casse gehen, mit 3.855 m höchster Berg des Parc National de la Vanoise, dessen Erstbesteigung William Matthews und Michel Croz am 8. August 1860 gelang …

Mehr zu dieser grandiosen Rundwandertour von Hütte zu Hütte um die vergletscherten Vanoise-Gipfel findet sich [hier].

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Grajische Alpen, Maurienne, Tarentaise, Vanoise

Bonneval-sur-Arc, das schönste Dorf Savoyens

Als am 4. Juni 1992 die Mitglieder des Projektes TransALPedes zu ihrer Alpendurchquerung von Wien nach Nizza (*) starteten, um auf die drohende Zerstörung des Alpenraumes aufmerksam zu machen, taten sie das unter dem Motto: „Wir besuchen Menschen, nicht Berggipfel“.
Einer dieser Menschen war Gilbert André, damals bereits seit über 30 Jahren Bürgermeister von Bonneval-sur-Arc in der hintersten Ecke der Haute Maurienne. Als Wanderer hatte sich der aus Lothringen stammende André in das Dorf verliebt und ist dort geblieben, wurde zu einem der Gründerväter des Parc National de la Vanoise und engagierten Verfechter des sanften Tourismus, lange bevor dieser Ausdruck zum Schlagwort wurde. Dass es ohne Öffnung für den Skitourismus nicht gelingen könnte, den Menschen im Ort ein nachhaltiges Auskommen zu garantieren, war klar. Mit Val d’Isère und Tignes gleich hinter dem Col d’Iséran gab es aber auch bereits genügend abschreckende Beispiele. 1992 war noch nicht abzusehen, ob es Bonneval-sur-Arc auf Dauer gelingen würde, den Begehrlichkeiten dieser Nachbargemeinden in der Tarentaise, die ihr eigenes Skigebiet über den Pass hinweg ausdehnen wollten, zu widerstehen.

Immer wenn wir seit dieser Zeit über den Pass fuhren, haben wir damit gerechnet, einmal Hochhäuser à la Lac de Tignes oder ähnliche Greuslichkeiten im Tal auszumachen. Diese Erwartung ist nicht eingetroffen!
Zwar gibt es mittlerweile 11 Skilifte und insgesamt 25 Pistenkilometer für die alpinen Skiläufer (und, kaum zu glauben, auch die Möglichkeit, per Heli nach Val d’Isère überzusetzen!) – aber das Ortsbild von Bonneval-sur-Arc bestimmen nachwievor Natursteine und Schieferdächer. Und immer mehr Sommertouristen, die, Kamera im Anschlag, dies ‚bijou très nature‘ besuchen -  das gerade wieder von der ‚Association des plus beaux villages de France‘ als eines der 151 schönsten Dörfer Frankreichs bestätigt wurde.

Bonneval-sur-Arc

Anfang der Neunziger Jahre hatte Bürgermeister Gilbert André die Idee, dieses Label anzustreben, was Bonneval heute – nicht ein einziges weiteres Dorf im Département hat es zu dieser Auszeichnung gebracht – zum schönsten Dorf Savoyens macht.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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(*) Dominik Siegrist/ Jürg Frischknecht et al., Alpenglühn – auf Transalpedes-Spuren von Wien nach Nizza, Rotpunktverlag, Zürich 1993 (leider vergriffen, aber antiquarisch immer mal wieder zu ergattern)

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Eingeordnet unter Grajische Alpen, Maurienne, Vanoise

Bald archäologische Grabungen am Col de Clapier

Es gibt sicher Wichtigeres, als die Frage zu klären, wo genau Hannibal im Jahre 218 v. Chr. die Alpen überquert hat – aber spannend ist sie schon!

Jedes Schulkind lernt die Geschichte des karthagischen Feldherren, der im 2. Punischen Krieg mit seinen circa 50.000 Soldaten und 37 Kriegselefanten (so oder ähnlich die Überlieferung) einen ganz ungewöhnlichen Weg nach Rom einschlug und dafür – irgendwo zwischen Großem St. Bernhard und Mittelmeer – die Alpen überquerte. Wo genau kann noch immer nicht bestimmt werden. Nicht ein einziges materielles Zeugnis dieses Heerzugs, keine karthagische Münze und auch kein Elefantenknochen, wurde seit damals in einer Passregion entdeckt. Die antiken Berichte des Griechen Polybios und seines römischen Kollegen Titus Livius sind so auslegungsfähig, dass es nach wie vor Verfechter von mindestens 15 verschiedenen Pässen für diese legendäre Alpenpassage gibt – darunter der Große und Kleine St. Bernhard, der Mont-Cenis, der Clapier und der Mont Genèvre. Sogar der Traversette am Monviso wurde bei dieser Diskussion ins Spiel gebracht! Obwohl es mittlerweile zumindest als annähernd sicher gilt, dass Hannibal zwischen Mont-Cenis und Mont Genèvre die Alpen überquert hat und der Col de Clapier zusammen mit dem wenige hundert Meter daneben liegenden, zum Teil verschütteten, Weg über den Col de Savine-Coche favorisiert werden.

Als wir zum ersten Mal auf der Alta Via Val di Susa den Col de Clapier erreichten, fanden wir dort denn auch eine Bronzetafel, die in aller Bescheidenheit aufzeigt, dass Hannibal vielleicht, „peutêtre“, hier die Alpen überquert hat. Und wenig später am dahinter liegenden wunderschönen Lac de Savine war klar: hier hätten Heer und Kriegselefanten mit Blick auf die schneebedeckten Vanoise-Gletscher wirklich gut rasten können!

Dazu ein von Westen her gemächlicher Anstieg, der nach der Passhöhe mit Blick bis in die Poebene hinein steil abfällt, circa drei Tagesmärsche bis Turin … „Man müsste mal ein bißchen graben!“

Das scheint jetzt zu passieren: Patrick Hunt, Geoarchäologe an der Stanford Universität, der seit 1994 das ‚Stanford Alpine Archaeology Project‘ leitet, wird im Rahmen der von der National Geographic Society finanziell unterstützten ‚Hannibal Expedition 2007-2008‘ an verschiedenen in Betracht kommenden Passstellen ab August 2007 archäologische Grabungen vornehmen. Wobei er die größten Erfolgaussichten am Col de Clapier sieht!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Maurienne, Susatal

Die Straße über den Col d’Iseran wird 70 Jahre alt

Als am 10.7.1937 nach sechs Jahren Bauzeit die Straße über den Col d’Iseran fertig gestellt wurde, nahm der französische Staatspräsident Albert Lebrun an den Feierlichkeiten teil – schließlich galt es, die höchste Passstraße der Alpen (2.770 Meter) einzuweihen, 13 Meter höher als das Stilfser Joch!

Ganz so feierlich wird es dieses Jahr zum 70. Jahrestag zwar nicht zugehen, aber die kürzeste Verbindung zwischen dem Isère-Tal (Tarentaise) und dem Arc-Tal (Maurienne) wird zu beiden Seiten des Passes am Wochenende 7./ 8. Juli groß gefeiert.
… und gleich einige Tage später quält sich am 17. Juli der Tross der Tour de France über den Pass, der auch 70 Jahre nach Fertigstellung noch immer der höchste der Alpen ist (denn die ‚Extra-Schleife’ über die Cime de la Bonette zählt schließlich nicht wirklich).

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter abseits des Weges, Grajische Alpen, Maurienne, Tarentaise