Archiv der Kategorie: Mercantour

Die Petroglyphen des Vallée des Merveilles und das UNESCO-Welterbe …

… eine fast schon unendliche Geschichte
Die Felsenzeichnungen im Valcamonica wurden bereits 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. So auch die Höhlenmalereien in Lascaux. Dass die prähistorischen Felsritzungen in der Umgebung des Mont Bégo, die unter dem Namen ‚Vallée des Merveilles‘ zusammengefasst werden, bisher noch nicht offiziell zum Welterbe gehören, ist somit eher erstaunlich – schließlich handelt es sich um die zweitgrößte Fundstelle von Petroglyphen im gesamten Alpenraum.

Vallée des Merveilles, Sektor "Fontanalba" - Foto: © Wolfram Mikuteit

Nun ist es nicht etwa so, dass die Verantwortlichen des Parc National du Mercantour, in dem das Vallée des Merveilles liegt, sich nicht sehnsüchtig die Aufnahme in die Liste der Welterbestätten wünschten. Sie arbeiten auch seit vielen Jahren permanent an entsprechenden Konzepten. Die ändern sie jedoch hin und wieder – auch schon mal grundlegend.

Gravuren im Vallée des Merveilles, Sektor "Fontanalba" - Foto: © Wolfram Mikuteit

Anstatt allein für die besonders schützenswerten Petroglyphen-Fundstellen des Vallée des Merveilles das UNESCO-Weltkulturerbe-Label anzustreben, sollte der gesamte Nationalpark – als Weltnaturerbe – einbezogen werden. Eine Ausweitung des Projektes auf den im Norden direkt angrenzenden italienischen Parco Naturale delle Alpi Marittime – beide gehen in ihren Ursprüngen auf das ehemalige königliche Jagdrevier Valdieri-Entracque zurück – war der nächste Schritt.

Bassa del Druos, im Parco Naturale delle Alpi Marittime - Foto: © Wolfram Mikuteit

Im Jahr 2002 setzten Frankreich und Italien gemeinsam das Gebiet des Doppelparks auf die ‚Tentative List‘ der UNESCO: Diese Liste ist recht unverbindlich und enthält lediglich
Projekte, für die die einzelnen Bewerberstaaten eventuell (!) einen Antrag auf Aufnahme stellen wollen. So unverbindlich, dass beispielsweise Italien im Jahr 2006 gleich den gesamten Alpenbogen auf diese Liste setzen ließ („Alps: Western Alps, Dolomites, Eastern Alps“).

Espace transfrontalier Marittime-Mercantour – Les Alpes de la Mer
Während also in den vergangenen Jahren akribisch Kulturstätten im französisch-italienischen Parkgebiet restauriert wurden, um die Kriterien der Unterschutzstellung auch ja zu erfüllen, wurden zwischenzeitlich die Karten wieder neu gemischt:
Seit dem 15. April 2013 gibt es einen veränderten Eintrag in der ‚Tentative List’. Der Aspekt ‚Kultur’ wurde darin völlig aufgegeben und das Gebiet von Mercantour und Parco Alpi Marittime um den Parco Naturale del Marguareis und den Parco Naturale Regionale delle Alpi Liguri erweitert. Der neue UNESCO-Aspirant heißt jetzt offiziell „Espace transfrontalier Marittime-Mercantour (Les Alpes de la Mer)“.

Punta Marguareis, 2.651 m, im gleichnamigen Naturpark - Foto: © Wolfram Mikuteit

Sich derart schnittig an der aktuellen Vergabepraxis der UNESCO zu orientieren – die nicht nur die inflationäre Handhabung der Vergabe des Labels, sondern auch die unausgewogene geografische Verteilung und die Bevorzugung von Kultur- gegenüber Naturerbestätten sukzessive aufheben möchte – mag zweckorientiert sein. Nachvollziehbar ist uns indessen nicht, wieso der gesamte Alpenkamm vom Colle della Maddalena bis fast ans Mittelmeer von herausragender universeller Bedeutung sein soll – die zweitgrößte Fundstelle von Petroglyphen im gesamten Alpenraum hingegen nicht.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Ligurische Alpen, Mercantour, Seealpen

Mercantour – Vallée des Merveilles: Das Refuge Fontanalba bleibt im Jahr 2013 geschlossen

Da der wichtigste Inhalt dieser Kurzmeldung bereits durch die Headline übermittelt wird, bleibt uns nur noch wenig hinzufügen:

Das private Refuge des Skiclub Nizza wird dieses Jahr renoviert und nach aktuellem Stand erst im Juni 2014 wiedereröffnet.

Das ist nicht sonderlich problematisch, da diese Hütte – im Gegensatz zu vielen anderen im Nationalpark Mercantour – an keinem großen Fernwanderweg liegt, dadurch auch nicht dringend zur Etappenunterkunft benötigt wird.

Lediglich der Einkehrstopp bei Touren ab Casterino zu den langsam verlandenden Lacs Jumeaux muss somit entfallen. Was aber nicht von einem Besuch im Vallée de Fontanalba abhalten sollte:

Denn hier direkt unterhalb des von Mythen umrankten Mont Bégo gelangt man zur ‚Voie Sacrée‘, jenen orangefarbenen Schieferfelsen, auf dem Clarence Bicknell einst die mit 284 verschiedenen prähistorischen Piktogrammen wichtigste Fundstelle im Vallée de Fontanalba identifiziert hat. Nach wie vor ist die exakte Bedeutung der auf die Bronzezeit zu datierenden Bilder ungeklärt.

Mittlerweile herrscht die Anschauung vor, dass es sich bei der hochgelegenen Region um prähistorische Alpgebiete handelte. Dass jene Stellen, an denen sich die Felsbilder häufen, phantastische Aussichtspunkte abgeben, ist dem Wanderer heute eine wahre Freude – für die Hirten von damals gaben sie Plätze ab, von denen aus sie ihre Herden stets gut überblicken konnten.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Übernachten, Mercantour, Seealpen

100 Jahre Train des Pignes

Am 3. Juli 1911 fuhr – nach 20 Jahren Bauzeit – der Pinienzapfenzug, der sogenannte ‚Train des Pignes‘, erstmals von Nizza nach Digne-les-Bains. Zur Erschließung des damals noch jungen, erst seit 1860 zu Frankreich gehörenden Départements Alpes-Maritimes wurden neben dieser Hauptlinie noch weitere Eisenbahnlinien geschaffen: In das Vallée de la Vésubie, das Vallée de la Tinée und das Vallée du Haut Var. Bis heute aufrecht erhalten wurde lediglich der Betrieb des Pinienzapfenzuges ins Nachbardépartement. Er bedient die 151 km lange Strecke mehrmals täglich und durchquert dabei mehr als 50 Tunnel, Viadukte und Brücken.

Das Jubiläum wird mit verschiedenen Aktivitäten entlang der ganzen Linie gefeiert.

Generelle Informationen, auch Fahrpläne und Fahrpreisinfos zum ‚Train des Pignes’ gibt es auf der Seite des Betreibers Chemin de Fer de Provence.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter abseits des Weges, Bus und Bahn, Mercantour, Seealpen, Vartal

Clarence Bicknell und die Gravuren des Vallée des Merveilles

Man sollte annehmen, dass Clarence Bicknells herausragende Stellung bei der Erforschung der Gravuren im Vallée des Merveilles von örtlichen und regionalen Touristikern, durchaus auch von der Verwaltung des Parc National du Mercantour, werbewirksam hervorgestrichen würde.
Clarence Bicknell - Aufnahme aus dem Jahr 1906 Aufnahme von 1906

Denn schließlich war er es, der die bronzezeitlichen Piktogramme, die heute als zweitgrößte Fundstelle prähistorischer Gravuren im gesamten Alpenraum gilt, entmystifizierte und sie einer internationalen Öffentlichkeit bekannt machte. Aber weit gefehlt! Dass Clarence Bicknell (1842-1918) über 20 Jahre lang in Casterino lebte, ist vor Ort nicht erkennbar. Wer mehr über diesen hochinteressanten Mann erfahren möchte, ist gezwungen, bis ins italienische Bordighera zu fahren.
Vom Besuch des dortigen Museums (*) wollen wir zwar niemanden abhalten, liefern hier aber ein paar biografische Informationen vorab.
Casa Fontanalba - Aufnahme um 1910 Aufnahme um 1910

Was durchaus den einen oder anderen Leser dazu ermutigen soll, im Besucherzentrum von Casterino einmal nachzufragen, warum in Bicknells ehemaligen Wohnhaus, der Casa Fontanalba, nicht schon längst ein öffentlich zugängliches Museum eingerichtet wurde!

From Whale-Oil to Oil-Paintings of Whales: The Bicknell Family
Dies Wortspiel stammt von Bicknells Biografen Christopher Chippendale, der beim Kapitel über die  Bicknellsche Familiengeschichte dergestalt titelte. Weil Clarence Bicknell in London in eine großbürgerliche hineingeboren wurde, die ihr Vermögen mit dem Handel des damals unter anderem für die Straßenbeleuchtung stark nachgefragten Walfischtrans erworben hatte. Und sich danach dem Sammeln von zeitgenössischer Malerei widmete und ein von Künstlern gern besuchtes Haus führte.
Sein Onkel H. K. Browne war der Illustrator von Charles Dickens, und J. M. W.Turner, der wie viele andere Maler oft im Haus der Bicknells zu Gast war, soll für “Whalers” von Bicknell senior inspiriert worden sein.
Genug der Wortspielerei – mit dem Tod von Bicknells Vater wurden die intellektuellen Zirkel ohnehin aufgelöst. Clarence ging nach Cambridge und studierte am Trinity College Mathematik. Die Universität war es auch, an der Bicknell ersten Kontakt zu kirchlichen Gruppen bekam. Sofort nach dem Examen empfing er die Priesterweihe und begann seine Arbeit als Vikar der anglikanischen Kirche. Nach zehn Jahren Arbeit in den Slums in Randbezirken von London – und damit verbundenen stetig wachsenden Zweifeln am Glauben – begab er sich zunächst auf Reisen nach Ceylon, Neuseeland und Marokko. 1878 nahm er dann eine Stelle als Kaplan der englischen Kolonie in Bordighera an der italiensichen Riviera an.

Auf der Suche nach der Saxifraga Florulenta
Engländer seiner Zeit (und Schicht) gründeten nicht nur den ersten Alpenverein, sondern kamen auch an die Riviera, um entweder das in Romanen beschriebene dolce farniente der Italiener zu erleben oder um ihre damals grassierende Tuberkulose zu kurieren. Die englische Kolonie Bordigheras zählte zu Bicknells Zeit 5.000 von damals insgesamt 7.000 Einwohnern, groß genug also um einen eigenen englischen Kaplan zu beschäftigen.
Aber auch der Ortswechsel konnte Bicknells grundlegenden Zweifel nicht mildern: Zu ritualisiert, zu dogmatisch, zu chauvinistisch erschien ihm die Kirchenarbeit. Nach nur einem Jahr gab er nicht nur diese Stellung sondern seine Arbeit als Kaplan endgültig auf.
Sein ererbtes Vermögen gab ihm die Unabhängigkeit, sich ausschließlich Dingen zu widmen, die ihn faszinierten und die ihm wichtig erschienen. Der Pazifist Bicknell lernte die eben entwickelte Welthilfssprache Esperanto. Als Wissenschaftler verschrieb er sich dem Botanisieren: Sammelte Pflanzen, malte sie in Wasserfarben, beschrieb sie akribisch und verfasste Bücher über die Flora Liguriens.
Saxifraga Florulenta Foto: Christophe Franco  wikipedia/cc-by-sa

Die Suche nach einer seltenen Pflanze, der Saxifraga Florulenta, war es auch, die ihn 1881 erstmals ins Mont-Bégo-Massiv brachte.
Es war damals zwar bekannt, dass es in dieser Gegend Felsgravuren geben sollte, aber sie waren nicht erforscht – sondern lediglich ein Teil der vielen Mythen, die sich um dieses Bergmassiv rangten. “Magisch” oder “heilig” sollte die Monte-Bégo-Region sein, was die meisten abschreckte, sich dem zu nähern.

Die Wiederentdeckung des Vallée des Merveilles
Erstmals beschrieben wurden die Gravuren von Onorato Lorenzo, dem Pfarrer von Belvédère, der die Felszeichnungen in seiner Schrift „Les Meraviglie“ auf griechische Mythologien zurückführte. Aus diesem Werk zitierte bereits 1650 der Historiker Pietro Gioffredo aus Nizza, dem die Entdeckung deshalb selbst oft zugeschrieben wurde.
Bei seinem ersten Tagesausflug ins Vallée des Merveilles – von St. Dalmas de Tende war dafür zu Fuß eine Strecke von über 20 km und 1400 Höhenmetern zu bewältigen – im Juni 1881 konnte Bicknell wegen Schnee nur wenig erkennen. Bei seinem zweiten Anlauf 1885 skizzierte er bereits über 50 verschiedene Figuren und Symbole, die in von eiszeitlichen Gletschern sehr glatt geschliffene Felsen gehauen oder gemeißelt waren.
Gravur im Vallée des Merveilles, Fontanalba Durch den italienischen Alpenverein erfuhr er von Felsgravuren auch im Val Fontanalba. Er mietete sich 1897 im Val Casterino ein Haus und begann, die Gravuren genauso akribisch zu erforschen wie vorher die Pflanzen. Zusammen mit seinem Diener, Gefährten und Freund Luigi Pollini machte er Skizzen von anfangs über 400 Gravuren. Mit dem Resultat nicht zufrieden, ließ er sich aus Tende große Papierblätter beschaffen und pauste die Gravuren ab. Seine durch das Botanisieren festgelegte Arbeitsweise übertrug er auf die Erforschung der Gravuren: Suchen und finden, auflisten und beschreiben und danach klassifizieren. Er sandte Zeichnungen, später auch Fotografien und herabgefallene Teile ans Britische Museum in London und schrieb 1902 “A Guide to the Prehistoric Rock Engravings in the Italian Martitime Alps”, womit er professionellen Archäologen die Grundlage für ihre spätere Arbeit bot.
Bis zu seinem Tod 1918 hatte er über 12.000 Gravuren, auch am Lago del Basto und Col di Sabbione, identifiziert, dokumentiert und sie in 7 Kategorien unterteilt: 1. Figuren mit Hörnern 2. Pflüge 3. Waffen und Werkzeuge 4. Menschen 5. Hütten 6. Geometrische Formen und 7. weitere undefinierbare Figuren.
Zum Teil tragen die Gravuren noch heute die Namen, die Bicknell oder Pollini ihnen bei der Entdeckung spontan gaben. So zum Beispiel “Le Chef du Tribu”, den sie 1909 entdeckten. Aber obwohl Bicknell oft mit seinen ersten Assoziationen sehr nah an die Ergebnisse späterer Forschungen heranreichte, sah er es nicht als seine Aufgabe an, die Bedeutung der Gravuren zu interpretieren: “We are only the collectors of facts, and must leave to others the task of studying them more profoundly.”

Heute erinnert (außer einer recht unspektakulären Tafel am Parkplatz des Lac de Mesches) in Casterino selbst nichts mehr an Clarence Bicknell.
Casa Fontanalba - Aufnahme aus dem Jahr 2003 Aufnahme von 2003

Und das Haus, das er 1905 in Casterino erbauen ließ und dessen Wände er selbst mit Pflanzen, kurzen Esperantogedichten und Nachbildungen gefundener Gravuren bemalt hat, seine “Casa Fontanalba”, ist leider in Privatbesitz und damit für die  Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

(*) Das Bicknell Museum in Bordighera ist dem Istituto Internationale di Studi Liguri angegliedert:
18012 Bordighera, Via Romana 39/ Ecke Via Bicknell,
Tel. +39 01 84 26 36 01, http://www.iisl.it/,
geöffnet Mo/Mi/Do/Fr 9.30-13.00 / 13.30-16.45

Zum Weiterlesen:
Die Erforschung der Piktogramme ist noch längst nicht abgeschlossen – wenn das denn jemals möglich sein wird:
Die Entdeckung des prähistorischen Sonnenkalenders im Vallée des Merveilles

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Eingeordnet unter Mercantour, Royatal, Seealpen

Was wächst, kreucht und fleucht im Mercantour Nationalpark?

Dass sich der Parc National du Mercantour durch eine beeindruckende Pflanzenvielfalt auszeichnet, dass dort wegen der ganz unterschiedlichen Mikroklimata eine Mischung aus alpinen und mediterranen Pflanzen wächst, darunter viele Endemiten, ist hinlänglich bekannt. Gleiches gilt für den auf einer Länge von 35 km direkt angrenzenden italienischen Parco Naturale Alpi Marittime. Unter den Endemiten, also jenen Pflanzen, die ausschließlich in einer bestimmten, räumlich klar abgegrenzten Umgebung vorkommen, befindet sich auch die Saxifraga Florulenta, eine sehr seltene Steinbrechart, die nach circa 30 Jahren nur ein einziges Mal im Leben blüht und danach sofort abstirbt.

Und wie selbstverständlich uns in diesem großen, grenzübergreifenden Schutzgebiet die Begegnung mit andernorts eher selten aus der Nähe zu beobachtenden Tieren ist, fiel uns erst auf, als Leser unseres Piemont-Wanderführers nachfragten, ob wir bei dem Foto auf Seite 204 mit Photoshop nachgeholfen haben. neuer Bewohner in alter Kaserne Bassa di Druos – Zimmer mit Aussicht auf der ehemaligen GTA-Etappe in den Seealpen, zw. Isola 2000 und Terme di Valdieri.

Aber was sich jenseits des Augenfälligen hinter der oft angeführten „beeindruckenden Vielfalt von Flora und Fauna“ wirklich verbirgt, war bisher nur zu schätzen: Im Jahr 2007 ging man noch davon aus, dass der Mercantour circa 3.200 unterschiedliche Spezies aufweist. Was auch bereits respektabel gewesen wäre. Im Jahr der Biodiversität 2010, in dem auch das 30-jährige Bestehen des Nationalparks gefeiert wird, sind wir schlauer:
Bisher sind im gesamten Schutzgebiet 8.012 Spezies identifiziert worden, davon 6.149 im Mercantour Nationalpark und 3.907 im Parco Naturale delle Alpi Marittime (Stand: 27.10.2010).

Dass wir heute so konkrete Zahlen veröffentlichen können, ermöglicht ein Projekt namens „ATBI+M“.
Bei All Taxa Biodiversity Inventories + Monitoring handelt es sich um ein Projekt zur Biodiversität, eine Art „Volkszählung“ von Tier- und Pflanzenarten in einem bestimmten Gebiet.
Die Idee zu einem ATBI+M stammt von dem US-Ökologen Dan Janzen und wurde erstmals 1998 im Nationalpark Great Smoky Mountains in den USA umgesetzt.
Saxifraga florulenta – Foto: Christophe Franco/wikipedia/cc-by-sa

Als erstes europäisches ATBI+M-Pilotprogramm erarbeiten nun mehrere hundert Spezialisten aus mehr als 15 Ländern, unter der Leitung des Museum für Naturkunde Berlin und unterstützt von lokalen Naturwissenschaftlern, seit dem Jahr 2007 für den Nationalpark Mercantour und den Parco Alpi Marittime dieses ambitionierte Inventar von Flora und Fauna.
Bisher – das Projekt ist längst noch nicht abgeschlossen – wurden dabei 59 Spezies erstmals in diesem Gebiet entdeckt, 33 finden sich sonst nirgends in Italien oder Frankreich, wie etwa die Goldwespe Philoctetes helveticus, und mindestens zwei Spezies kannte die Wissenschaft bisher noch gar nicht. Spektakuläre Funde also, die es aber natürlich nicht mit der Bekanntheit des Juchtenkäfers aufnehmen können.

Aber je mehr Spezies inventarisiert werden, die sehr selten und unbedingend schützenswert sind – desto größer werden auch die Chancen der beiden Parkgebiete für die gemeinsame Aufnahme in das Welterbe der UNESCO, ein Ziel, an dem bereits seit langem gearbeitet wird.

In der online verfügbaren Datenbank lässt sich nicht nur der Fortschritt dieses Projektes ablesen, sondern auch exakt (Koordinaten) ablesen, was wo genau wächst, kreucht und fleucht. Die Philoctetes helveticus wurde beispielsweise im Süden des Col de Cayolle, bei La Prà am Col de la Bonette und bei Millefonts (St. Dalmas-Valdeblore) identifiziert.
Faszinierend!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Mercantour, Seealpen, Tiere der Berge

Navette von Tende nach Casterino 2010

Wie jedes Jahr in der Hauptsaison wird auch im Jahr 2010 wieder zwischen dem 1. Juli und dem 31. August viermal täglich ein Pendelbus auf der Strecke zwischen Tende und Casterino verkehren – was beispielsweise Abstecher vom GR 52A zum Vallée des Merveilles oder dem Val Fontanalba stark verkürzt und circa 700 Höhenmeter Anstieg erspart. Die Fahrzeit beträgt jeweils 45 Minuten, Zustieg in St-Dalmas de Tende SNCF ist möglich.

Ab Tende SNCF: 9h15, 10h55, 12h30, 15h30
Ab Casterino: 10h00, 11h40, 13h20, 16h30

Gîte Neige & Merveilles

Der Bus fährt auf dieser Strecke vorbei an der Abzweigung zur privaten Gîte der Association Neige & Merveilles – die gerade ihr 50-jähriges Bestehen feiert.
Bereits vor drei Jahren haben wir hier auf attraktive Übernachtungsmöglichkeiten im Mercantour hingewiesen. Und darauf aufmerksam gemacht, dass die in einschlägigen Publikationen stets wiederholte und wenig ermutigende Warnung, sich in den Hütten rund um die prähistorischen Felszeichnungen des Vallée des Merveilles ein Vierteljahr im Voraus schriftlich anmelden zu müssen, ein besonderes Phänomen der französischen Alpenregion in aller Regel außer Acht lässt: Die vielen von privaten Vereinen betriebenen Wanderherbergen!

Lac du Basto, Vallée des Merveilles
Lac du Basto, Vallée des Merveilles

Eine kleine Gruppe von Privatpersonen um den Gründer Raymond Viale-Hirzel hat Anfang der 1960-er Jahre das Areal erworben und sich zur Aufgabe gemacht, die ehemalige Bergarbeitersiedlung Minière de Vallauria – bereits vor über tausend Jahren wurde oberhalb des heutigen Lac de Mesches damit begonnen, Erze zu fördern – originalgetreu wieder aufzubauen und daraus eine Stätte der Begegnung und der Auseinandersetzung mit der Natur zu machen. Und das ist unserer Meinung nach ganz wundervoll gelungen!
Auf 1500 Metern Höhe gelegen, bietet die Neige & Merveilles Platz für 140 Personen, hatte immer schon bedeutend längere Bewirtschaftungszeiten als die CAF-Refuges und ist seit mehreren Jahren nun auch ganzjährig geöffnet. Gegen Zahlung einer kleinen Gebühr wird man ad hoc zum Mitglied der gemeinnützigen Assoziation und kommt so in den Genuss einer optimalen Ausgangsbasis für Wanderungen im Mercantour.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Bus und Bahn, Mercantour, Royatal, Seealpen

Navette nach Madone de Fenestre und Le Boréon

… und Rando-bus pour gagner le Mercantour!

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Saint-Martin-Vésubie von Nizza aus stets gut – und preiswert obendrein – zu erreichen. Aber von dort aus in die nur ca. 12 km entfernte Kernzone des Parc National du Mercantour und damit an Ausgangsorte für attraktive Tagestouren zu gelangen, gestaltete sich bisher mühsam. Wer nach Madone de Fenestre oder Le Boréon wollte, war gezwungen entweder ein Taxi zu nehmen oder sein Glück beim Autostopp zu suchen.

Madone de Fenestre

Mondone de Fenestre - Zeichnung von E.T. Compton Madone de Fenestre – Zeichnung von E.T. Compton

Bis 31. August werden jetzt Shuttlebusse zu diesen Zielen eingesetzt.

Nach Madone de Fenestre :
Täglich 8.30 Uhr; 11.30 Uhr; 13.30 Uhr
Zurück nach Saint-Martin-Vésubie:
Täglich 14.00 Uhr und 16.00 Uhr.
Preis für die einfache Fahrt: 1€.

Nach Le Boréon:
Täglich 8.30 Uhr; 9.30; 11.30
Zurück nach Saint-Martin-Vésubie:
Täglich 14.15 Uhr und 16.15 Uhr.
Preis für die einfache Fahrt: 1€.

Zusätzlich hat das Département Alpes-Maritimes auf Initiative von Mountain Wilderness France für den Sommer den Fahrplan der Buslinie 730 Nizza – Saint-Martin-Vésubie modifiziert: Bis zum 31. August verkehrt täglich ein weiteres Buspaar.
Abfahrt Nizza Busbahnhof (Gare Routière): 7.00 Uhr
Abfahrt Saint-Martin-Vésubie: 17 Uhr.
Der Preis für die Hin- und Rückfahrt beträgt 5€ und umfasst auch die direkte Weiterfahrt nach Madone de Fenestre/ Le Boréon. Der Name dieses Sommer-Specials ist „Rando-bus pour gagner le Mercantour“.

Bequem und gänzlich autofrei kann man so beispielsweise von der Sanctuaire de la Madone de Fenestre am Fuße der  Cime du Gélas eine einfache Rundwanderung über Pas des Ladres und Pas de Fenestre machen. Und dabei auf 2.474 m Höhe einen Blick hinüber nach Italien werfen: am Scheitelpunkt einer der historischen Salzstraßen zwischen Provence und Poebene trifft man in aller Regel viele Steinböcke an (Dauer: ca. 3.30 Std.).
Oder man wandert von Le Boréon aus auf dem „Circuit de Trécolpas“, was obendrein etwa zur Halbzeit am sehr netten Refuge de Cougourde vorbeiführt (Dauer: ca. 4.30 Std.). Oder, oder, oder ….

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Bus und Bahn, Mercantour, Seealpen, Vésubietal

In den Seealpen entsteht ein grenzübergreifender Nationalpark

Wir hatten darüber berichtet, dass am 19. September 2008 die Umweltminister Frankreichs, Italiens und Monacos ein Abkommen unterzeichnet haben, um die enge Zusammenarbeit zwischen dem französischen Parc National du Mercantour und dem im Norden unmittelbar anschließenden italienischen Parco Naturale delle Alpi Marittime weiter zu vertiefen und einen grenzübergreifenden Nationalpark entstehen zu lassen. In diesem Vertrag wurde auch das Ziel postuliert, im Jahr 2011 für die Aufnahme dieses alpinen Schutzgebietes in das Welterbe der UNESCO zu kandidieren.

Nun wurde der nächste Schritt vollzogen: Auf halbem Weg zwischen dem Sitz des Parc National du Mercantour (Nizza) und dem des Parco Naturale delle Alpi Marittime (Valdieri) entsteht ein gemeinsames Zentrum dieser beiden Parks. Die Ortswahl hätte besser nicht ausfallen können: das mittelalterliche Städtchen Tende im Royatal wird Sitz dieser neuen gemeinsamen Parkverwaltung.
Tende im Royatal Der nette kleine Ort, der der Reihe nach provenzialisch, savoyisch, französisch und italienisch war und nun seit 1947  französisch ist, scheint jenseits aller territorialer Grenzen noch immer – so erleben wir es jedenfalls – auch ein klein wenig zu Italien zu gehören. Was ihn als Sitz der Verwaltung eines grenzübergreifenden Parks geradezu prädestiniert.

Zudem liegt Tende nicht nur verkehrsgünstig – ist sowohl per Auto als auch per Zug gut erreichbar – sondern gilt auch als das Tor zum Vallée des Merveilles. Diese zweitgrößte Fundstelle von Petroglyphen im gesamten Alpenraum rund um den Mont Bégo ist es denn auch, die die Hoffnung auf die Anerkennung durch die UNESCO nährt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Mercantour, Royatal, Seealpen