Archiv der Kategorie: Seealpen

Fahrplan Tendabahn 2014

Seit dem 15. Dezember 2013 gilt ein neuer Fahrplan für die alpenquerende Tenda-Eisenbahnlinie zwischen Cuneo und Ventimglia.

Bereits mit dem letzten Fahrplanwechsel Ende 2012 war es zu einer ersten Ausdünnung des Fahrplans und zur Stilllegung der Bahnhöfe zwischen Breil-sur-Roya und Ventimiglia gekommen. Seidem reißt zwar der Protest gegen diese Maßnahmen nicht ab – die betroffenen Gemeinden entlang dieser über 100 Jahre alten Traditionslinie befürchten zurecht, dass ihr wie vielen anderen lokalen Eisenbahnlinien die Stilllegung droht -, brachte bisher aber noch keine Erfolge.

Das Gegenteil ist der Fall: Mit dem aktuellen Fahrplan vom Dezember 2013 gibt es nur noch zwei tägliche Zugverbindungen zwischen Cuneo und Ventimiglia. Alle anderen von Norden kommenden Züge enden kurz vor der italienisch-französischen Grenze in Limone Piemonte.

Hier der Fahrplan zum Download

Ob es wirklich nur darum geht, die Kosten für den Unterhalt dieser Strecke zwischen den betroffenen Regionen anders zu verteilen – seit 1970 finanziert Italien die grenzüberschreitende Tendabahn alleine – oder die Stilllegung längst insgeheim beschlossen ist, bleibt schwer auszumachen.

Tatsache bleibt, dass der Status Quo anmutet wie nach einem Zeitsprung in die Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Alpen noch ein schwer überwindbares Hindernis darstellten:

Abgesehen von den zwei täglich den Alpenhauptkamm unterquerenden Zugpaaren enden alle von Norden kommenden Züge in Limone Piemonte, alle von Süden kommenden Züge im französischen Tende.

1766 beschrieb der schottische Arzt und Reiseschriftsteller Tobias Smollett seine beschwerliche Reise über den Col de Tende in seinen „Journeys through France and Italy“: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten, von Nizza aus den Weg über die Berge zu bewältigen; die eine besteht darin, auf dem Maultier zu reiten und die andere, sich in einer Sänfte tragen zu lassen.“

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Bus und Bahn, Ligurische Alpen, Royatal, Seealpen

Sacha Sosno und das Liberator’s Monument

Vor einigen Tagen ist der Bildhauer Sacha Sosno gestorben. Als Alexandre Joseph Sosnowsky in Marseille geboren, Mutter Französin, Vater Este, begann er mit 11 Jahren zu malen – vielleicht inspiriert vom Nachbarn Henri Matisse? -, studierte in Paris Politikwissenschaft, arbeitete als Kriegsreporter und -fotograf in Irland, Biafra und Bangladesh. Mit Ausstellungen im In- und Ausland hat er sich einen Namen als Maler und Bildhauer gemacht, mit seinen gefeierten Skulpturen die Côte d’Azur geprägt. Sein wohl bekanntestes Werk steht mit der über 26 Meter hohen Tête Carrée in Nizza: mit Sosnos eigenen Worten die erste „bewohnte Skulptur“ der Welt. Das Viereck beherbergt die Verwaltung der Bibliothek Louis Nucéra. Nur Wenige hingegen kennen sein Liberator’s Monument oberhalb der Gemeinde Fontan im Royatal, die Gedenkstätte für die Crew der ‚Dallas Lady‘.

Liberator’s Monument
Die Geschichte begann am Abend des 12. September 1944:
Auf einem Militärflugplatz in Algier wurde die ‚Dallas Lady‘, eine US-Transportmaschine des Typs B-24 Liberator, für ihren Flug über das Mittelmeer beladen. An Bord: Waffen und Munition für die italienischen Partisanen in ihrem Kampf gegen die deutschen Besatzer.
Die Wetterbedingungen waren nicht gut und verschlechterten sich nach dem Start von Captain John Desjardins und seiner zehnköpfigen Crew zusehends. Dass es am Wetter gelegen haben muss, ist die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass die Maschine von der vorgegebenen Route abkam, gegen einen Berg am Plateau de la Ceva im von den Nazis okkupierten Royatal stürzte und zerschellte. Keiner der elf jungen Amerikaner überlebte. Die Explosion war noch in Fontan zu hören, und die munitionsgeladene Maschine brannte – trotz des Regens – noch tagelang.

Die Menschen in Fontan vergaßen die Abgestürzten nicht, machten sie zu einem Teil ihrer Geschichte. Acht Monate später mussten die Deutschen endlich kapitulieren, der Krieg ging zu Ende, und alle Energien wurden in den Wiederaufbau und die politische Zukunft investiert: gemäß des Abkommens von Paris sollten die Bewohner der Nachbargemeinden Tende und La Brigue mit Volksentscheid darüber befinden, ob sie bei Italien bleiben oder Frankreich angehören wollen. Am 17. September 1947 wurden die nördlich von Fontan stehenden Grenzbefestigungen abgebaut.

Weniger bewegte Zeiten ließen dem Bürgermeister Jahrzehnte später etwas Luft, um über ein Symbol für den Ort Fontan nachzudenken, ein Denkmal, das ganz charakteristisch für den Ort sein sollte. Er lud den in Nizza ansässigen Bildhauer Sacha Sosno ein, Vorschläge dafür zu unterbreiten. Als Sacha Sosno die Geschichte des Flugzeugabsturzes aus dem September 1944 erzählt wurde, entschloss er sich, den 11 abgestürzten Amerikanern ein Denkmal zu setzen – nicht in Fontan, sondern direkt an der Absturzstelle auf dem Plateau de la Céva. Denn: „Merkwürdigerweise vergessen die Menschen; es ist unbeschreiblich, was Menschen alles vergessen.“

Er setzte 11 Säulen aus sardischem Granit in eine Art Betonwanne, die nahezu viertausend Teile der abgestürzten ‚Dallas Lady‘, mühevoll von ihm und freiwilligen Helfern ausgegraben, enthält. Auf jeder der elf Granitsäulen ist der Heimatstaat der Opfer eingraviert.

Das ‚Liberator’s Monument‘ wurde 1991 eingeweiht – gegen das Vergessen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Mercantour, Resistenza, Royatal, Seealpen

100 Jahre Tendabahn im oberen Royatal

In Tende stehen die Zeichen momentan auf Eisenbahnromantik: Am 7. September 1913 fuhr dort erstmals eine Lokomotive ein. Anlass zu Feierlichkeiten also in dem kleinen, seit 1947 französischen Ort zu Füßen des Passes, der der Strecke ihren Namen gab. Am Wochenende 12./ 13. Oktober 2013 wird die ‚Commémoration des 100 ans de l’arrivée du train à Tende‘ zelebriert.

Noch fährt sie, aber wie lange noch?

Die Feierlichkeiten zu diesem Jubiläum einer der faszinierendsten Eisenbahnlinien im Alpenraum dürften aber in Tende nicht ohne Beklemmung vonstatten gehen. Bereits ein Blick nach Airole genügt: Dort, wo am 16. Mai 1914 der erste Zug der Linie einfuhr, hätte man im nächsten Jahr Grund zum Feiern. Doch in Airole hält längst kein Zug mehr. Ein Schicksal, das auch anderen Orten entlang der Strecke drohen könnte, worüber wir hier berichteten.

“Nessuno tocchi la Cuneo – Ventimiglia” (sehr frei übersetzt: “Hände weg von der Linie Cuneo – Ventimiglia”) sagen wir zu diesem Jubiläum und weisen aus gegebenem Anlass nochmals auf die entsprechende Online-Petition hin.

Wir wollen schließlich nicht erleben, dass auf dieser Strecke nur noch alle Jubeljahre ein Touri-Zug unterwegs ist, wie ihn die Association du Train Touristique du Centre-Var am 12. Oktober von Toulon nach Tende unter dem Motto „Train des Merveilles – Rétro“ auf die Reise schickt. Nichts gegen „Retro“ – aber wenn es sich um öffentliche Verkehrsmittel handelt, können wir auf diesen Trend gut verzichten.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Bus und Bahn, Royatal, Seealpen

Der Fluchtweg der Juden über die Seealpen

Aus dem Valle Gesso zum Colle di Finestra, besser noch: über die dort verlaufende Grenze zur Sanctuaire de la Madone de Fenestre zu wandern, ist immer lohnenswert. An jedem ersten Septembersonntag im Jahr aber etwas ganz Besonderes. Dann trifft man auf diesem Weg Menschen, die ein Stück tragischer Geschichte wachhalten, die an die etwa 1.000 Menschen erinnern wollen, die hier zwischen dem 9. und 13. September 1943 vor den aus dem Süden vordringenden Nazis über den Alpenhauptkamm flohen.

Dass zeitgleich die Deutschen auch Norditalien besetzten – woran dieser Tage nach genau 70 Jahren in vielen Orten Italiens von Boves bis Sant’Anna di Stazzema erinnert wird – wussten die Flüchtlinge damals nicht.

Percorsi Ebraici und Memoriale della deportazione
Das Département Alpes-Maritimes gehörte zur italienischen Besatzungszone Frankreichs, was den dort lebenden Juden Schutz vor der Deportation in die deutschen Vernichtungslager gewährte. Ausländischen Juden waren zwar Wohnorte in speziellen Internierungsorten zugewiesen worden, ausgeliefert wurden sie trotz unverhohlener Proteste des „Achsenpartners“ aber nicht. Allein in Saint-Martin-Vésubie lebten zum Zeitpunkt des italienischen Kriegsaustritts am 8. September 1943 etwa 2.000 Juden unterschiedlichster Nationalitäten, nun massiv bedroht, nachdem sich die Italiener über die Alpen zurückziehen mußten. Etwa 1.000 Juden, darunter Frauen, Kinder und alte Menschen, suchten nun, da die Deutschen von Süden vorrückten, einen Weg nach Italien. Ihre Hoffnung, mit dem beschwerlichen Weg über die Pässe Finestra (2.474 m) und Ciriegia (2.543 m) und weiter über Entracque und Borgo San Dalmazzo in die Freiheit zu gelangen, trog: die Deutschen marschierten am 12. September auch in diese Region ein und besetzten die italienischen Stellungen. Viele der Flüchtlinge wurden von den Deutschen auf Basis der von Mussolini 1938 erlassenen ‚Rasse-Gesetze‘ festgenommen und in Borgo San Dalmazzo inhaftiert.

Am Bahnhof dieses kleinen Ortes am Eingang des Sturatales erinnert heute ein Mahnmal, das ‚Memoriale della Deportazione‘  daran, dass hier am 21. November 1943 insgesamt 329 Menschen dieser Fluchtgruppe in Güterwaggons gepfercht und in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert wurden, wo 311 von ihnen ermordet wurden.

Das italienisch-französisch-schweizerische Gemeinschaftsprojekt ‚La Memoria delle Alpi / La Mémoire des Alpes / Gedächtnis der Alpen’‚ das sich u.a. zur Aufgabe gesetzt hat, politische und rassistische Verfolgungen, Kriegsereignisse sowie geistige und militärische Widerstandsbewegungen, die den Alpenraum so stark geprägt haben, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat diese Fluchtwege über den Colle di Finestra und den Colle di Ciriegia als Freiheitspfade‚ als ‚Percorsi Ebraici‘ ausgewiesen. Und der französische Literaturnobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio hat die Ereignisse in seinem Buch „Fliehender Stern“ festgehalten.

Attraverso la memoria 2013 – 70 Jahre später
Vor 15 Jahren wurden die Gedenkwanderungen „Attraverso la memoria/ Marche de la mémoire“ ins Leben gerufen, unterstützt und begleitet werden sie vom Istituto storico della Resistenza in Cuneo, der Associazione Giorgio Biandrata in Saluzzo, der Association pour la Mémoire des Enfants Juifs Déportés des Alpes-Maritimes, Yad Vashem Nizza uvm. Jeweils am ersten Sonntag im September treffen sich auf einem der beiden Pässe Franzosen, Italiener und Nachfahren der Flüchtlinge: „Per non dimenticare“, „Pour ne pas oublier“, „To not forget“ – um nicht zu vergessen.

Dieses Jahr hatte es am Freitag zuvor Gedenkveranstaltungen in Saint-Martin-Vésubie und in Saluzzo gegeben, und am Samstag war den Schwestern Gitta und Chaya Horowitz, die als Kinder über diese Berge geflüchtet sind, in Valdieri die Ehrenbürgerinnenwürde verliehen worden. Zusammen mit ihren Kindern und Enkeln, die sich wie wir am Sonntag morgen auf den Weg zum Colle di Finestra machten, sind sie aus den USA angereist.

So trafen sich oben am Pass annähernd 200 Menschen, als die Namen der Kinder, die diesen Exodus miterleben mussten, bei der Gedenkveranstaltung verlesen wurden.

Kurz unterhalb des Passes ist eine Gedenktafel angebracht, die an allen Tagen auf die hier beschriebenen Geschehnisse hinweist:

Per questo colle, nel settembre 1943, centinaia di ebrei di tutte europa cercarono molti invano la salvezza dalla persecuzione antisemita. Tu che passi libero ricorda che questo è stato ogni volta che accetti che un altro abbia meno diritti di te.“

Im September 1943 versuchten hunderte von Juden aus ganz Europa, häufig vergeblich, sich über diesen Pass vor der antisemitischen Verfolgung zu retten. Du, der Du Dich frei bewegen kannst, bedenke, dass das geschehen ist, immer wenn Du toleriert hast, dass jemand anderes nicht die gleichen Rechte hatte wie Du.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Gedächtnis der Alpen, Gessotal, GTA, Resistenza, Seealpen, Vésubietal, Via Alpina

Wallfahrtskirche Madone d’Utelle – Wandern im Hinterland der Côte d’Azur

Nur 35 Kilometer nördlich von Nizza gelegen, bietet sich von der Wallfahrtskirche Sanctuaire de la Madone d’Utelle ein sehenswertes 360-Grad-Panorama, das vom Cap d’Antibes und den Iles des Lérins im Süden über den ‚Hausberg‘ Brec d’Utelle bis hin zur Kette der Seealpen mit Mont Mounier, Cime de Argentera und Mont Bégo reicht.

Anstatt aber mit dem Auto hinauf auf den knapp 1.200 Meter hohen Felssporn zu fahren, auf dem hoch über der Vésubieschlucht die kleine Wallfahrtskirche thront, bietet sich eine viel aussichtsreichere knapp 6-stündige Rundwanderung ab Le Cros d’Utelle an.


Vom Parkplatz oberhalb der Kirche des kleinen Weilers verläuft der Weg gut markiert zunächst über terrassierte Olivenhaine, dann durch nur noch von wenigen Sträuchern durchsetztes Kalkgestein, bis man in vielen Serpentinen eine Hochweide erreicht, von der aus bereits die ersten Gipfel der Seealpen erkennbar sind. Über den Col d’Ambellarte gelangt man in einem letzten Anstieg zur Crête de la Madone, auf der ein 1933 errichteter Zuckerbäcker- Pavillon mit Orientierungstafel steht.

Nicht viel mehr als einen Steinwurf entfernt steht die Kirche und gleich daneben bietet die L’hôtellerie du Sanctuaire Getränke und kleine Snacks für die nach über 900 Metern Aufstieg wohlverdiente Rast.

Der Rückweg verläuft über den Col d’Ambellarte und – nun bereits auf dem Fernwanderweg GR 5, der „Grande traversée des Alpes“ – die an aussichtsreicher Stelle im Jahr 1686 errichtete Chapelle Saint-Antoine. Oberhalb der Gorges de la Vésubie geht es von dort aus zurück nach Le Cros d’Utelle.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Interaktiver Busfahrplan für die Provinz Cuneo

Die in Saluzzo ansässige Busgesellschaft ATI, die vorwiegend Strecken in der piemontesischen Provinz Cuneo bedient, hat das Auffinden ihrer Busfahrpläne im Netz stark vereinfacht:

Nun gibt es auf ihrer Homepage eine interaktive Karte des Streckennetzes. Per Mausklick auf den gewünschten Zielort gelangt man so zum passenden Busfahrplan, der als PDF-Datei heruntergeladen werden kann.

Wer beispielsweise „Argentera“ im Valle Stura wählt, bekommt 2 Linien angezeigt:
Linie 93: Cuneo – Vinadio und
Linie 102: Vinadio – Argentera,
woraus gleich zu erkennen ist, dass und wo man umsteigen muss.

Das ist fraglos ein Fortschritt, aber noch nicht optimal:
Denn leider umfasst der Plan lediglich die von der Busgesellschaft ATI befahrenen Strecken und nicht – was wünschenwert wäre – alle Busverbindungen der Provinz.
Die von der in Cuneo ansässigen Busgesellschaft BENESE  betriebenen Verbindungen in die Valli Maira, Grana und Gesso fehlen damit ebenso wie lokale, nur temporär angebotene Linien.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Bus und Bahn, Cottische Alpen, Ligurische Alpen, Seealpen

Terme di Valdieri: Casa della Bela Rosin nun Hotel-Dépendance

Die Never Ending Story um die Verwendung der beiden erhaltenen Chalets im ‚Schweizer Stil‘, die Vittorio Emanuele II. 1857 in Terme di Valdieri errichten ließ, scheint ein Ende gefunden zu haben. Allerdings kein gutes, um dies gleich vorweg zu nehmen.

Casa della Bela Rosin - Terme di Vadieri - Foto: © Wolfram Mikuteit

Im Sommer 2007 – vor nunmehr 6 Jahren – war die mit öffentlichen Fördergeldern durchgeführte Renovierung der beiden Gebäude abgeschlossen worden. Wir berichteten damals darüber, dass in der ‚Casa della Bela Rosin‘ und dem ‚Casino di Caccia’ zeitnah ein kleines Albergo und ein Restaurant untergebracht werden sollten.

Vittorio Emanuele II. machte Entracque-Valdieri zu einem seiner Jagdreviere, baute hier eine Sommerresidenz und diverse Jagdhäuser.Während er selbst lieber in der Reale Casa di Caccia auf der Valasco-Hochebene nächtigte, ließ er für Rosa Vercellana dies Häuschen erbauen. Mit ihr lebte der König fast 30 Jahre lang bis zu seinem Tod zusammen und heiratete sie 1869 morgantinisch. Oder wie unsere Großmütter noch gesagt hätten: “zur linken Hand”.

Ein schöner Plan, der allerdings im Sande verlief. Denn zwei Ausschreibungsrunden, mit denen ein geeigneter Pächter gefunden werden sollte, verliefen erfolglos. Wie wir zwei Jahre später konstatieren mussten.

Reale Case di Caccia - heute: Rifugio Valasco - Foto: © Wolfram Mikuteit

Im Sommer 2011 war es uns nur noch einen Kommentar wert, dass die ‚Casa della Bela Rosin’ – für die noch immer kein Pächter gefunden war – zwischenzeitlich dem Grand Hotel Royal als Gästehaus für noblen Besuch dient: Als Maria Pia di Savoia, die älteste Tochter des letzten Königs von Italien, im Jahr 2010 mit ihrer Familie in Terme di Valdieri weilte, konnte sie so fast standesgemäß untergebracht werden.
“Könnte man sich etwa eine bessere Verwendung für das mit EU-Mitteln wieder aufgebaute Chalet vorstellen? Honi soit qui mal y pense!“ schrieben wir damals – und prognostizierten, dass hier schon mal mit einem Problelauf Fakten geschaffen werden sollten, die mit der anfangs intendierten Planung für die beiden Chalets nur noch wenig zu tun haben würden.

früher Jagdrevier Entracque - Valdieri, heute der Weg zum Rifugio Questa, Foto: © Wolfram Mikuteit

Mit „Novità 2013“ kündigt nun das Grand Hotel Royal – Terme di Valdieri auf seiner Homepage an, dass ab dieser Saison neben den 100 Zimmern im Hauptgebäude auch in den zwei Chalets übernachtet werden kann.

Grand Hotel Terme di Valdieri - Foto: © Wolfram Mikuteit

Welch sinnvolle Verwendung öffentlicher Fördermittel!
Wer dagegen keine 100 Euro pro Nacht berappen will, hat nachwievor wenig Auswahl in Terme di Valdieri:
Außer dem kargen Posto Tappa GTA gibt es lediglich das Albergo Turismo. Das allerdings hat nun endlich auch eine Homepage, was die Kontaktaufnahme erleichtert: www.albergo-turismo-terme-valdieri.it.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Die Tendabahn darf nicht stillgelegt werden!

Als Anfang vom Ende der historischen Tendalinie sahen viele Menschen in den betroffenen Regionen und Gemeinden entlang der Strecke die Ausdünnung des Fahrplans und die Stilllegung von Bahnhöfen, über die wir hier berichteten.

Sie lagen damit richtig, denn während andernorts zweistellige Milliardenbeträge für ein prestigeträchtiges, völlig unnötiges Tunnelprojekt investiert werden, wird den Italienern der Unterhalt der 1928 eröffneten historischen Bahnlinie zwischen Cuneo und Ventimiglia zu teuer.

Seit 1970 finanziert Italien die grenzüberschreitende Linie allein: Damals haben Italien und Frankreich die Kosten für den Unterhalt der Strecke vertraglich festgelegt. Die 1000 Höhenmeter überwindende Bahnstrecke gilt als Meisterwerk der Ingenieurskunst – ist aber mit ihren vielen Viadukten und wegen häufiger Verschüttung der Gleise durch Erdrutsche in diesem geologisch sehr aktiven Gebiet sehr wartungsintensiv. So soll mit der Schließung der Linie schon wieder an der völlig verkehrten Stelle gespart werden.

Ende April gab es eine italienisch-französische Protestveranstaltung auf der Piazza Castello in Turin, für das kommende Wochenende ist eine weitere Veranstaltung in Breil-sur-Roya geplant.

In vielen italienischen und französischen Gemeinden entlang der Trasse liegen momentan Unterschriftenlisten aus, mit denen man sich für den Erhalt der Linie einsetzen kann.

“Nessuno tocchi la Cuneo – Ventimiglia” (sehr frei übersetzt: “Hände weg von der Linie Cuneo – Ventimiglia”) sagen auch wir und haben die entsprechende Online-Petition unterzeichnet.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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