Vauban, der Festungsbaumeister von Ludwig XIV., ist Aspirant für die Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO

Wer in den italienisch-französischen Westalpen wandert, ist oft auf Wegen unterwegs, die in unterschiedlichsten Epochen aus militärischen Gründen angelegt wurden und passiert in dieser bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts stets hart umkämpften Region Befestigungsanlagen unterschiedlichster ‚Baumeister‘. Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707), der seit 1678 für das gesamte französische Festungswesen zuständig war und in dieser Funktion die Staatsgrenzen Frankreichs erstmals mit einem ganzen Netz von Befestigungsanlagen sichern ließ, ist eine Art Urvater dieser Militärstrategen. Er legte sein Hauptaugenmerk auf den Ausbau der städtischen Befestigungen und war damit sehr erfolgreich.
Die Reihe seiner Nachfolger ist lang, aber einem Namen begegnet man bei Wanderungen im Grenzgebiet besonders oft: Séré de Rivières. Sein in Auseinandersetzung mit den Gründen für den verlorenen Krieg von 1870/71 entstandenes strategisches Konzept von Verteidigungsgürteln (rideau défensif) stellte darauf ab, nicht erst die Ortschaften im Tal zu befestigen, sondern bereits die Pässe zu sichern, über die gegenerische Angriffe zu erwarten waren. Viele von den nach seinen Plänen erbauten Forts sind noch erhalten und haben – wie zum Beispiel rund um den Lac du Mont Cenis – geradezu landschaftsprägenden Charakter. Und wenn es heute schwerfällt, französische von italienischen Anlagen dieser Epoche zu unterscheiden, liegt das daran, dass das System Séré de Rivières von den Italienern – in Ermangelung eigener tauglicher Konzepte – schlicht adaptiert wurde: die zwischen 1880 und 1890 errichteten Forts am Col de Tende zum Beispiel wurden nach den Plänen de Rivières gebaut und waren ihnen ähnlicher als so mancher französischer Festungsbau dieser Generation!

Nun hat sich Frankreich entschlossen, aus Anlass des 300. Todestages von Vauban dessen Hauptwerk ‚Le Réseau des sites majeurs Vauban (RSMV)‘ ins Rennen um die Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO zu schicken – auf erstaunlich direktem Weg. Nachdem nämlich die etwas inflationäre Handhabung der Vergabe dieses ‚Labels‘ im Jahr 2001 gestoppt wurde, nur noch circa 30 Anträge pro Jahr von der UNESCO berücksichtigt und sowohl die unausgewogene geografische Verteilung als auch die Bevorzugung von Kultur- gegenüber Naturerbestätten aufgehoben werden soll, wurde so manches Bewerbungvorhaben erst einmal auf Eis gelegt. So stehen manche Projekte, für die die einzelnen Bewerberstaaten eventuell (!) einen Antrag auf Aufnahme stellen wollen, bereits seit über 10 Jahren auf der entsprechenden überlangen UNESCO-Liste: Da gilt es nachzubessern, was die strengen wissenschaftlichen Kriterien anbelangt und die Bewerbung so auszurichten, dass sie eine reelle Chance hat. (Historische Innenstädte und Sakralbauten zum Beispiel haben mittlerweile fast keine Chance mehr: sie gelten – durchaus zurecht – als überrepräsentiert, dafür soll die Chance für industrielle Kulturgüter, Naturstätten und Kulturlandschaften gestiegen sein.) Die Festungsanlagen Vaubans jedoch wurden erst vor einem Jahr auf die Liste der potentiellen Kanditaten gesetzt und jetzt gleich nominiert – die Entscheidung der UNESCO fällt im Sommer 2008.

Wer sich Festungsanlagen Vaubans anschauen möchte, bevor das beginnt, was man mittlerweile ‚Welterbetourismus‘ nennt, findet in Briançon (vom ‚roten Weg‘ der Via Alpina gut zu erreichen) mit den Forts des Salettes, des Trois Têtes und du Randouillet gleich ein ganzes Ensemble. Aber auch schon das vergleichsweise kleine Fort du Savoie in Colmars-les-Alpes am Ende des GR 52A ist durchaus sehenswert.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Update 8. Juli 2008: Die Festungen des Sonnenkönigs nun Weltkulturerbe der UNESCO!

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Eingeordnet unter abseits des Weges, Briançonnais

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