Trenotrekking im französischen Royatal

Weitwanderungen sind nicht jedermanns Sache.
Mit schwerem Rucksack tage- manchmal wochenlang in den Bergen unterwegs zu sein, Genuss für den Aspekt der Gewichtsreduktion zu opfern und dafür von trockenem Brot, lauwarmem Tee und dünnen Salamischeiben zu leben – wir jedenfalls können uns Angenehmeres vorstellen. Weshalb auch all unsere Wanderführer so aufgebaut sind, dass man am Ende einer Wanderetappe stets eine Unterkunft findet und dadurch auf das Mitführen von Zelt, Kocher, Nahrungsmitteln etc.etc. verzichten kann.

Wem aber auch das noch zu mühevoll ist, wer Wert darauf legt, vollkommen ‚unbeschwert‘ zu wandern, ist entweder auf Tagestouren entlang der ‚schönsten Tal- und Höhewege‘ angewiesen, deren Ausgangspunkte in aller Regel nur für motorisierte Wanderer erreichbar sind – oder muss auf organisierte Wanderveranstaltungen mit Gepäcktransport ausweichen.

Es geht aber auch durchaus anders, wie wir mit den Artikeln zum Thema ‚Trenotrekking‘ aufzeigen wollen – und beginnen mit dem französischen Royatal, das sich wie kaum ein anderes für eine Art des Wanderns eignet, die umweltverträgliche Formen der Mobilität mit ein bißchen Komfort vereinbart.
Die Tendabahn, die alpenquerend Cuneo mit Ventimiglia und Nizza verbindet und auf diesem Weg auf der Trasse einer der historischen ‚Salzstraßen‘ durch das Royatal führt, ist nicht nur eine der attraktivsten Eisenbahnlinien im Alpenraum, sondern ermöglicht auch eine mindestens sechstägige Rundwanderung durch das Tal, ohne dabei auch nur einmal die Herberge wechseln zu müssen! Man sucht sich ein festes Standquartier in einem der Orte im Tal (von Nord nach Süd haben Tende, La Brigue, Saint Dalmas de Tende, Saorge oder Breil-sur-Roya Bahnstationen) und wandert dann durch das Hinterland von einem Ort zum nächsten (von Bahnstation zu Bahnstation).
Wer in Tende und damit in noch alpinem Terrain beginnt, kann hoch über dem linken orografischen Ufer der Roya wahlweise auf GR 52A oder ‚Sentier Valléen‘ mit einer kurzen Wanderung nach La Brigue beginnen und hat noch genügend Zeit für einen Abstecher zur ‚sixtinischen Kapelle der Seealpen‚, der Sanctuaire Notre-Dame des Fontaines mit den berühmten Temparamalereien von Canavesio und Baleison. Abends geht es dann innerhalb weniger Minuten mit der Tendabahn zurück nach Tende. Am nächsten Morgen fährt man mit dem Zug nach La Brigue und wandert von dort aus nach Saorge, usw.usw. Ist man in Breil – und damit bereits recht nah am Mittelmeer angelangt – führen lokale Wanderwege hoch über dem rechten Ufer der Roya durch einsam gelegene Villages Perchés zurück zum Ausgangsort.

Dieser Rundwanderweg ist beliebig erweiterbar, sodass man diese Region, in der Natur und Kultur ganz dicht beieinander liegen, inklusive Vallée des Merveilles und Monte Saccarello in aller Ruhe und absolut autofrei erkunden kann.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Bus und Bahn, Royatal, Seealpen

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