Und täglich grüßt das Murmeltier

In der ‚Murmeltierforschung‘ in Deutschland liegt anscheinend noch einiges im Argen – anders läßt es sich kaum erklären, dass unsere Medien gleich reihenweise eine schlichte Pressemitteilung aufgriffen, die über eine beobachtende Untersuchung an sage und schreibe 32 nordamerikanischen Murmeltieren berichtete!
Ein Biologe der Penn State University, so heißt es, habe herausgefunden, dass Murmeltiermännchen ihren Winterschlaf unterbrechen, um Murmeltierweibchen einen Besuch abzustatten, sozusagen als erster Flirtversuch, um die Paarungschancen im Frühjahr zu erhöhen.

Nun ist es ja nicht so, dass wir sonderlich viel über diese pussierlichen Tiere wüßten. Lediglich durch spannende Hintergrundlektüre wissen wir, dass es früher – wenn die Ernährungssituation der Bergbewohner besonders schlecht war – auch vorkam, dass im Winter Murmeltiere ausgegraben wurden und als Braten auf den Tisch kamen. Auch haben wir gelernt, dass Murmeltiere durchaus dressierbar sind und mit einem Stöckchen und leichten Schlägen zum ‚Tanzen‘ gebracht werden können – was kleinen Mädchen, die noch um die Jahrhundertwende außerhalb ihrer Täler als ‚Maestra delle Marmotte‘ auftraten, ermöglichte, zum Familieneinkommen beizutragen. Wohingegen die Vorstellung, dass Murmeltierfett gegen Rheuma helfen solle, nach Quellenlage wohl nicht haltbar ist.

Was sich aber relativ leicht nachprüfen läßt, ist, dass es weltweit 14 Murmeltierarten gibt, die sich in ihrem Sozialverhalten stark voneinander unterscheiden sollen. Ob also die oben zitierten Forschungsergebnisse, die für ‚die Murmeltiere‘ gelten sollen, auch auf das bei uns verbreitete Alpenmurmeltier (Marmota Marmota), das meist in gemischtgeschlechtlichen (!!) ‚Murmelfamilien‘ von etwa zehn Tieren zusammenlebt, zutrifft – bezweifeln wir also zunächst bis zum Beweis des Gegenteils. Nicht überall ist Punxsutawney, Pennsylvania!

Da trifft es sich gut, dass im Parco Naturale delle Alpi Marittime gerade das Verhalten von Murmeltieren erforscht wird – wenn es bisher (2005 und 2006) auch fast nur quantitative Ergebnisse gibt: 332 Murmelkolonien wurden bisher ausgemacht, die meisten von ihnen in den Bereichen Vallone del Sabbione/ Val Grande di Vernante/ Vallone di Moncolombo/ Gesso della Barra. 84 % der Kolonien leben in Höhen zwischen 1500 und 2500 Metern, 9 % zieht es noch höher hinauf, heißt es. Zu den verbleibenden 7 % wird keine Aussage gemacht.

Leider gibt es auch noch keine Informationen zu ‚Flirt-Episoden‘ während kurzer Unterbrechungen des Winterschlafes. Hier setzen wir stark auf den nächsten Abschnitt der Untersuchungen!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Seealpen, Tiere der Berge

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s