Viele Wege führen ans Meer

„Es kann nur Einen geben!“ mag zwar für den Highlander gelten, nicht aber für die vielen attraktiven Wanderwege, die aus den Seealpen oder den Ligurischen Alpen ans Mittelmeer führen.

Da gibt es zum Einen den von Michael Kleider erarbeiteten Wegvorschlag, der von Viozene – wo der piemontesische Weitwanderweg GTA (Grande Traversata delle Alpi) endet – nach Ventimiglia führt (der aber zwischen Viozene und Monesi di Triora vom Autor selbst als „wenig attraktiv“ bezeichnet wird).

Dann gibt es – für Wanderer, die es ertragen, sich auch einmal unterhalb der Baumgrenze zu bewegen – die Möglichkeit, vom Col de Tende auf dem GR 52A durch das Royatal zum Meer zu gelangen. Von Breil-sur-Roya, wo der GR 52A wieder nach Norden abknickt und weiter um die innere Zone des Mercantour Nationalparks herumführt, kann man dann entweder über die letzten drei Etappen des roten Weges der Via Alpina nach Monaco oder aber auf lokalen Wanderwegen innerhalb von zwei Tagen über Olivetta nach Ventimiglia gelangen.

Eine ‚Weg zum Meer‘-Variante, die sich vor allem für Jene anbietet, die sich für die auch überregional bekannten Kunstschätze des Royatales interessieren: die wegen der einzigartigen Temparamalereien von Canavesio und Baleison bekannte ‚Sanctuaire Notre-Dame des Fontaines‘, die berühmte Brücke ‚Pont du Coq‘, das ehemalige Franziskanerkloster im Village Perché Saorge, etc.etc..

Für Liebhaber des Tanarotales bietet es sich vielleicht an, einfach dem roten Weg der Via Alpina vom Col de Tende mit dem weiten Schlenker nach Osten über Ormea und Garessio zu folgen. Aussichtsreiche Gratwanderungen auf dem Alpenhauptkamm und der wahrscheinlich schönste Weg hinauf zum höchsten Berg Liguriens, dem Monte Saccarello, wiegen den, manchem etwas unlogisch erscheinenden ‚Umweg‘ auf.

zwischen Colle dei Signori und Monte Saccarello

Zwischen Colle dei Signori und Monte Saccarello

Unser aktueller Lieblingsweg zum Meer ist hier aber noch nicht genannt worden!
Die Strecke ist denkbar einfach: man folge vom Col de Tende der Via Alpina bis zum Colle della Boaria, gehe von dort geradeaus weiter auf dem französischen Wanderweg durch den Vallon de Malabergue (wahlweise auch über die Schotterpiste) bis zum Colle dei Signori und weiter am Mont Bertrand vorbei Richtung Süden zum Monte Saccarello – wo man wieder auf die Via Alpina gelangt.

Dieser aussichtsreiche Gratweg, der sich an der italienisch-französischen Grenze entlangschlängelt, war bis vor kurzem nur Jenen vorbehalten, die mit dem Zelt unterwegs waren – da es unterwegs keinerlei Übernachtungsmöglichkeiten gab. Seit aber der Parco Naturale Valle Pesio e Tanaro das im letzten Spätsommer eingeweihte neue Rifugio Don Barbera errichten ließ, steht diese Variante nun allen offen.

Rifugio Don Barbera

Mit diesem neuen Rifugio bieten sich darüber hinaus noch vielfache andere Möglichkeiten:
Wer beispielsweise das wunderschöne Karstgebiet nicht verpassen möchte, durch das die Via Alpina vom Colle della Boaria über Passo del Duca, Rifugio Garelli und Colle del Pas weiter verläuft, kann auch später noch vor Carnino zum Rifugio Don Barbera abzweigen. Oder, oder, oder ….

Die Wegführung vom Colle dei Signori zum Monte Saccarello ist jedenfalls so überzeugend, dass wir uns nun schon wieder fragen, ob das Highlander-Motto nicht vielleicht doch zutreffen könnte.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Ligurische Alpen, Royatal, Seealpen, Via Alpina

4 Antworten zu “Viele Wege führen ans Meer

  1. Kann es echt nur Einen geben?
    Kommt drauf an. Wer jedenfalls die GTA stilecht bis zum südlichen Ende in Viozene durchlaufen will, kann den Weg ans Mittelmeer auf den Spuren von „Giorgio Coipuntiblu“ sehr schön und praktisch gradewegs runter an die Blumenriviera von SanRemo-Bussana-Arma/Taggia fortsetzen. Von Viozene geht es zunächst ein Stück Via Alpina ostwärts, dann 1,5 Straßenkilometer zum Seitental des Tanarello (es gibt wahrhaftig schlimmere Straßenpassagen – und diese hier vergeht schon durch die Vorfreude auf den von Weitem bereits sichtbaren scharfen Taleinschnitt wie im Flug), was dann auch die letzten Straßenkilometer der Tour sind. Das bezaubernde Tanarellotal entschädigt dann sowieso binnen Kurzem – u.a. mit verlockenden Gumpen und einigen ausgewiesenen Freikletterrouten am Wegesrand. Nach 4 Stunden sollte die Ponte Tanarello erreicht sein, hinter der es rechts weiter flussauf geht, ab hier ans Nachtlager denken! Wer mehr als Biwak/Zelt beansprucht, geht links nach S.Bernardo di Mendatica hoch und stößt am Folgetag wieder auf die Strecke.
    Nach der Ponte T. folgt gut 1km später der Einstieg in den Aufstieg durch kühlen und zunehmend mächtigen Buchenwald auf die Cima Garlenda, unterm Monte Fronté vorbei zum Passo di Garlenda (3h), danach auf dem Wanderweg über Goina nach Triora und Molini hinab und von dort ins kleine Gavano-Tal (3h). Über S.Giovanni dei Prati und den Monte Ceppo gelangst Du nach Vignai, für Zelt- wie Bettnächtigende die zweite Übernachtung. In einem weiteren Halbtag ist der Colle Beuzi erreicht, bzw. von dort aus eines der 3 möglichen Abstiegsziele (eben SanRemo, Bussana oder Arma/Taggia). Das ist auch der offizielle Endpunkt des inoffiziellen V-Wegs (V für Viozene-Vignai), der an neuralgischen Stellen entsprechende blaue Markierungen aufweist. Eine ausführliche Wegbeschreibung aus erster Hand gibt es auf der Unterseite „outdoor“ von http://liguri.info
    Viele schöne Begängnisse des V-Wegs wünscht Giorgio G.Dellacroce

  2. Hallo Jodka,

    Es ist zwar etwas verwirrend, aber es gibt mittlerweile am Colle dei Signori wirklich 2 Hütten recht ähnlichen Namens: zum einen die alte kleine Selbstversorgerblechhütte Don Umberto Barbera des CAI Albenga, für die man sich den Schlüssel vorher mühsam besorgen muss. Aber direkt daneben seit Spätsommer 2006 das neue Rifugio Don Barbera des Parco Naturale Alta Valle Pesio e Tanaro (50 Plätze, bewirtschaftet von Mitte Juni bis Mitte September).

    Gruß und Dank für das Kompliment

    Sabine

  3. hallo nochmals,
    gestern hatte ich einen kommentar mit vertippter reMail-adresse abgeschickt, korrigierte schreibweise siehe oben: u statt o in „input“.
    :-|

  4. hallo, sabine und wolfram,
    ist dieses Rifugio Don Barbera nicht eines von denen auf der italienischen seite, für die vorher erst der schlüssel organisiert werden muss, so dass eine direktankunft von der französischen seite her eigentlich gar nicht geht? es sei denn, man verlässt sich drauf, dass das an diesem tag dann schon jemand anderes gemacht hat (hohe chancen?) und hat dennoch für alle fälle ein zelt dabei?
    westalpen.wordpress.com ist übrigens die erste gute seite, die ich in der welt der hohlblogs seit deren bestehen entdeckt habe, bravissimo.

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