Noch mehr Stille – auf der Assietta und anderswo

Tageweise Sperrung der Via dell’Assietta, vollständige Sperrung des Colle di Finestre für Motorräder und Quads und nun die Sperrung der Straßen zum Forte Jafferau und zum Colle del Sommeiller – für Wanderer im Susatal, die manche für den öffentlichen Verkehr freigegebenen Panoramastrecken deswegen lieber mieden, brechen bessere Zeiten an, in denen es wieder heißt: Murmeltierschreie statt Auspufflärm.

Als wir Mitte Juli über das an Sonn- und Feiertagen im Ferienmonat August geltende Fahrverbot auf der Via dell‘ Assietta berichteten, wussten wir nicht, dass auch noch weitere Strecken in der Region gesperrt werden würden.

Forte Jafferau, 2801m
Die inzwischen gesperrte Auffahrt zum Forte Jafferau, 2801m

Zunächst also ein erstes tageweises Fahrverbot auf einer Piste, die durch zwei Naturparks führt (Parco Naturale Orsiera Rocciavrè und Parco Naturale del Gran Bosco di Salbertrand), auf der man heute noch Überreste der Verteidigungslinie der Assietta-Schlacht von 1747 finden kann (und vieles, vieles mehr) und über die streckenweise GTA und Via Alpina verlaufen – die also wirklich keinerlei Aufwertung mehr bräuchte, wenn sie denn endlich für den Verkehr gesperrt würde.

Im August wieder im Susatal, hörten wir sofort, dass nun auch die Straße von Meana di Susa über den Colle di Finestre nach Usseaux dauerhaft für Motorräder und Quads gesperrt sei – was bedeutet, dass es vom Susatal keine Zufahrt mehr zur Via dell’Assietta gibt! Der Motorenlärm hätte dadurch deutlich nachgelassen, ließen wir uns erklären und konnten dennoch kaum glauben, dass diese Regelung durchsetzbar war!

Aber es ist spürbar etwas in Bewegung geraten in dieser Region, nachdem der Olympia-Hype verraucht ist und zunehmend ins Bewusstsein rückt, dass, wer in den Bergen Sommerurlaub macht, neben viel Natur eben auch Ruhe und Stille sucht!
So ist nun zum Beispiel Bardonecchia, einer der Austragungsorte der Olympischen Winterspiele 2006, seit letztem Jahr Mitglied des von der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA mitinitiierten Gemeinde-Netzwerks ‚Allianz in den Alpen‘ und damit einer jener 230 Orte, die sich alpenweit zusammengeschlossen haben, um Ideen, Fachwissen und wegweisende Beispiele im Umgang mit Natur und Kultur auszutauschen. Oder, um es etwas akademischer auszudrücken, auf Gemeindeebene eine Plattform zu schaffen, nachhaltige Entwicklung und die Umsetzung der Alpenkonvention zu ermöglichen (*).

Bardonecchia ist von imposanten Bergen fast ringsherum umgeben, aber wer dort im Sommer Urlaub macht, geht zum Wandern meist Richtung Westen ins Valle Stretta (welches formal bereits zu Frankreich gehört). Die östliche Talseite dagegen, an der ein ausgedehntes Netz aussichtsreicher Schotterpisten hochgelegene Befestigungsanlagen aus unterschiedlichen Epochen miteinander verbindet, gilt als ein Eldorado für Endurofahrer.

Eine spektakuläre Schotterpiste führt bis auf über 3.000 Meter hinauf zum Colle dell Sommeiller, der laut Wikipedia „.. das Ziel zahlreicher Motorrad- und Geländewagenfahrer aus ganz Europa [ist], für welche die Befahrung dieses Hügels eine Herausforderung ist.“ Was für Wanderer und Mountain-Biker die Gegend um das CAI-Refugio Scarfiotti nicht gerade zu einer Traumdestination macht!
Viefältige Informationsveranstaltungen und Ausweitung des öffentlichen Bussystems einerseits, und Sperrungen dieser Pisten andererseits, das ist der Ansatz, mit dem Bardonecchia im Rahmen von ‚Allianz in den Alpen‘ die Täler von Rochemolles und Valfredda jetzt aufzuwerten versucht.

Streckensperrungen

Wanderer, die auf der Alta Via Val di Susa durch das Valfredda kommen, werden zu schätzen wissen, dass nun auf dem Kamm, der dieses Tal vom Susatal trennt, die Piste zum 2.800 Meter hoch gelegenen Forte Jafferau für den Verkehr gesperrt ist – und Murmeltierschreie statt Auspufflärm zu hören sind!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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(*)
Wir haben auf Wanderungen schon manches Mal von Projekten, die dieses Gemeindenetzwerk umsetzt, profitiert – allerdings ohne es zu wissen:
Wer von Bardonecchia aus zum Beispiel eine Tageswanderung auf der Via Alpina Etappe R 126 ins benachbarte französische Val Clarée unternimmt, braucht sich um Rückkehrmöglichkeiten (wenigstens in der Hochsaison) längst keine Sorgen mehr zu machen: die sommerliche Überbelastung des Val Clarée durch starken Tourismusverkehr hatte durch Lärmbelästigung und Luftverschmutzung nicht nur genervte Anwohner, sondern auch zunehmend unzufriedenere Touristen und Wanderer hinterlassen. Weshalb nun im Hochsommer die ins Talende führende Straße immer gleich dann gesperrt wird, wenn dort alle Parkplätze belegt sind. Dafür gibt es nun Pendelbusse, die – für uns genial – angebunden sind an den grenzübergreifenden Busverkehr zwischen Briançon und Bardonecchia!

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