Wir haben ein Blog – aber sind wir auch Blogger?

Es ist ja nicht so, dass diese Frage wirklich von besonderem Belang wäre. Jedenfalls nicht für uns.

Nachdem wir nun aber schon seit über zwei Jahren an dieser Stelle darüber schreiben, was zum Thema ‚Unterwegs in den Westalpen‘ von Interesse sein könnte, haben wir uns die Blogstatistik angeschaut – und dabei festgestellt, dass „Über diese Seite“ zu den absoluten Spitzenreitern zählt.
Es scheint also manchen Leser durchaus zu interessieren, was sich hinter diesem Blog verbirgt. Schade nur, dass wir uns dazu bisher noch gar nicht geäußert haben. Wir geloben Besserung und werden von  „Über diese Seite“  auf diesen Artikel verlinken.

Heute wissen wir, was beispielsweise von Anfang an ganz oben hätte stehen müssen: „Unsere Reisen, Wanderungen und Übernachtungen sind selbst bezahlt – denn wir sind nicht käuflich.“ Aber dazu später …

Wie alles begann …
1. Akt:
Es muss am Col de Tende gewesen sein, irgendwann in den Achtziger Jahren. „Du hast doch gesagt, dies hier seien italienische Festungen. Warum stehen die dann in Frankreich? Und auch wenn die Grenze – schau Dir an, in welchen Zickzacklinien die hier verläuft – mal ein bißchen verschoben worden ist … Die Lage ist doch viel zu exponiert, wäre doch ganz schnell einnehmbar gewesen!“ war wohl die erste Frage, die Sabine, drücken wir es dezent aus: ‚an Wolfram herantrug‘. Der lernte schnell, dass Mann eine Politologin, die viele Jahre damit zugebracht hatte, kriegerische Handlungen (im fernen Asien und ebenso fernen Afrika) zu analysieren, nicht ungestraft mit in die so nahen Alpen nehmen konnte.

Von nun an wurde zwar im Urlaub weiter gewandert – als Ausgleich zu längst recht bürgerlichen Beschäftigungen in Frankfurter Bürotürmen – aber ansonsten kein Stein auf dem anderen gelassen. Und alles,  was uns aus ganz unterschiedlichen Gründen spannend erschien, gesammelt. Das hat auch ein klein wenig mit Archäologie zu tun, weshalb wir diese Wander-Gangart, die Ursula Bauer und Jürg Frischknecht einmal „Grabe, wo Du gehst“ nannten, recht treffend finden.

2. Akt
Wir sind bisher zwar jämmerlich daran gescheitert, die fotografischen Ergebnisse unserer ‚Ausgrabungen‘ ordentlich zu kategorisieren. Aber ein langer, verregneter Winter führte vor vielen Jahren immerhin dazu, dass es uns gelang, all die Wanderungen und Hintergrundgeschichten, die wir im Royatal zusammengetragen hatten, zu ordnen. Dass wir das fertige Ergebnis dann auch einigen – aber nur handverlesenen – Verlagen anboten, war ein Schritt auf bisher unbekanntes Terrain.

Deutschsprachige Bücher über diese Region sucht man zwar vergebens, und die Alpen reichen im deutschen Blätterwald (von ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen) gerade einmal von der Westschweiz bis zu den Dolomiten. Aber nicht jede ‚Marktlücke‘ kann auch geschlossen werden. Manche Lücken sind einfach so groß, dass Verlage das wirtschaftliche Risiko einer Veröffentlichung nicht tragen können. Wofür wir Verständnis haben/ hatten und das Manuskript in eine hintere Schublade steckten.
Wir sind weiter gewandert und haben weiter gesammelt – und haben uns dabei immer auch unsere eigenen Wanderführer geschrieben. Weil es nichts gab, worauf wir hätten zurückgreifen können.

Erst als wir per Zufall auf fernwege.de aufmerksam wurden, haben wir uns entschlossen, die Etappen des Fernwanderweges GR 52A aus unserem schon leicht angestaubten Manuskript auszukoppeln und dort verlegen zu lassen. Dafür, dass dieser Kleinverlag den Mut hierzu aufbrachte, noch einmal: dankeschön.

3. Akt
Dem Wanderführer über den GR 52A folgte einer über die Via Alpina, auf die wir im Sommer 2003 durch ein winziges Logo im Vallée des Merveilles aufmerksam wurden. Und schnell wurde klar: Wenn wir es besser machen wollten als andere Autoren benötigten wir eine Plattform, um Aktualisierungen unserer bis dahin veröffentlichten Wanderführer bekanntzumachen. So entstand als Ergebnis einer langanhaltenden Schlechtwetterperiode unsere Internetseite www.westalpen.eu.

Aber bereits bei der Festlegung der Struktur dieser Seite – wir entschieden uns für eine Gruppierung nach Gebirgsgruppen, um damit en passant gleich Klarheit in das Wirrwarr der unterschiedlichen, meist ganz ‚privat‘ vorgenommenen Alpengruppeneinteilungen zu bringen – wurde ein ‚systemimmanenter‘ Mangel sichtbar: all die kleinen Informationen aus den Westalpen, auf die wir Tag für Tag bei unseren Recherchen stießen, waren auf dieser Seite nicht unterzubringen.
„Wir brauchen ein Blog“, konstatierte ER, als SIE gerade glaubte, sich nach der Bastelarbeit an der Internetseite  auch wieder einmal anderen Dingen zuwenden zu können.

Angekommen in der Blogosphäre …
Ende Januar 2007 erblickte unser Blog „Unterwegs in den Westalpen“ das Licht der Welt.
Dass Blogs trotz starker Verbreitung – glaubt man den Forschern in Allensbach, betrieben im gleichen Jahr deutschlandweit 8,4 % der Internetnutzer ein eigenes Blog – in manchen Kreisen noch immer mit leichtem Naserümpfen wahrgenommen werden, erleben wir oft, auch im eigenen Freundes- und Kollegenkreis. Wobei schlicht übersehen wird, dass es sich dabei um nichts anderes als ein Content-Management-System handelt, das aufwändiges Hantieren mit HTML-Code erspart und lediglich eine technische Plattform darstellt. Über die Inhalte entscheiden die Autoren.
Über Umgangston, Verwendung von Satzzeichen und die Art der ‚Vermarktung‘ ebenso.

Wenn uns etwas erwähnenswert erscheint, schreiben wir darüber. Das können ganz sachliche Kurzinformationen, aber auch Hintergrundgeschichten sein. Die Frage, ob wir damit zu ‚Bloggern‘ geworden sind, haben wir uns nicht gestellt – bis im Mai 2008 unsere Blogstatistik plötzlich schier verrückt spielte und Leser auf unseren Blog kamen, die sich bisher mehrheitlich weder für das Wandern noch für die Westalpen interessiert haben: Rainer Meyer, besser bekannt unter seinem Blog-Welt-Namen ‚Don Alphonso‘, der seit Anfang dieses Jahres auch für die FAZ bloggt, hatte in der Blogbar über uns berichtet:

„Westalpen – endlich mal ein richtig gutes Fachblog
… hier jetzt mal ein Versuch, von dem ich denke:
Ja, die haben es verstanden. Gemeint ist das Westalpenblog der Wanderer – und Wanderbuchautoren Sabine Bade und Wolfram Mikuteit. Das Blog enthält sehr schöne Wandervorschläge und Ziele, wirklich gute Bilder und ist mit Liebe und Sachverstand getextet. Da sind wirklich professionell arbeitende Autoren als Blogger am Werk, die einfach erzählen wollen, und nicht sofort verkaufen, nach Klicks gieren oder Werbeverträge abschliessen möchten. Sie geben einen onlinebasierten Einblick in ihr Repertoire, zeigen sich sachverständig und schreiberfahren. Und obendrein sind sie auch in diesem Fachblog nicht blind für andere, manchmal
weniger schöne Aspekte ihrer Reisen.
Kurz, sie bereichern das Netz ohne Hintergedanken. Ich denke, gerade das Bloggestöpsel deutscher Medien sähe anders aus, würden sie mit dieser Offenheit und lockeren Einstellung an das Bloggen rangehen.“

Dieses Lob aus berufener Bloggerfeder schmeichelte – machte uns aber auch sehr nachdenklich.

Alles, was Herr Meyer schreibt, stimmt irgendwie – und hat längst nicht nur mit Internet-Produkten zu tun. „Gestöpselt“ wird im Printbereich genauso, was übrigens fataler ist, da die Abnehmer hierfür zu zahlen haben. Denen danach auch die Aufgabe obliegt, mit ihren Korrekturhinweisen (‚User generated content‘ nennt man so etwas wohl) für den Inhalt der nächsten Auflage zu sorgen. Damit wir hier nicht falsch verstanden werden: Auch wir sind darauf angewiesen, dass Wanderer uns zeitnah über Probleme am Weg informieren. Aber wenn wir  beispielsweise in einem Wanderführer zum Fernwanderweg E5 lesen, dass das Konstanzer Konzilgebäude – also das Gemäuer, in dem während des Konstanzer Konzils im November 1417 die einzige Papstwahl auf deutschem Boden stattfand – „ …  1933 als Lagerhaus erbaut“ wurde, sind wir nur noch sprachlos.

So möchten wir das Kompliment der „professionell arbeitenden Autoren“ denn auch lediglich auf unsere Recherchearbeiten bezogen annehmen. Denn nur dadurch, dass dieser Blog eine reine Non-Profit-Veranstaltung ist, also einfach nur als Hobby betrieben wird, können wir uns den Luxus erlauben, auch andere als im Internet verfügbare Quellen zu nutzen, Archive zu Rate zu ziehen, und über längere Zeit an einem Thema dran zu bleiben. Ein Luxus, den sich Profi-Autoren, die gar das Ziel anpeilen, mit ihren Artikeln/ Wanderführern ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, anscheinend immer seltener leisten können.

Und würden wir auf Klickraten schielen – müssten wir ohnehin über eine andere Region als die Westalpen schreiben. Wir haben noch nicht einmal eine Linkliste, die diesen Namen verdient. Gäbe es andere Seiten, auf denen zeitnah konkrete deutschsprachige Informationen (nicht: persönliche Erlebnisberichte) über den italienisch-französischen Westalpenbogen veröffentlicht würden, hätten wir schließlich auch nicht selbst Hand anlegen müssen.

Werbeverträge? Also nicht nur gratis die Schönheiten einer Großregion beschreiben, sondern dafür in den Genuss von Journalistenreisen, Rabatten oder Ähnlichem kommen? Von den 19,5 Millionen Euro etwa, die Monsieur Estrosi dafür ausgeben wollte, um im Hinterland der Côte d’Azur einen neuen prestigeträchtigen Fernwanderweg anlegen zu lassen, den einen oder anderen Euro für kompetente deutschsprachige Werbung abzweigen? Wo bliebe da unsere Objektivität?

Denkbar ‚unprofessionell‘ zahlen wir nicht nur alles selbst – sondern frönen unserem Hobby auch ‚undercover‘, reservieren also ein Hotel nicht als Wanderbuchautoren, was uns sicher den einen oder Vorteil brächte. Signora Nina vom Albergo Bellavista beispielsweise erfuhr erst, was wir so treiben, nachdem wir dort vorher mehrmals auf das Herzlichste bewirtet worden waren.

Vor zwei Jahren wären wir nicht auf die Idee gekommen, über diesen Aspekt auch nur einen Halbsatz zu verlieren. Mittlerweile – und einige kuriose Angebote später – sind wir schlauer: nein, wir möchten Ihren sicher hervorragenden Rucksack nicht kostenlos testen, um danach lobpreisend darüber zu berichten. Und auch von dem Angebot, eine ganze Woche kostenlos in Ihrem Hotel zu übernachten, um später eine Reportage über Ihr sicher ganz hervorragendes Angebot zu verfassen, nehmen wir dankend Abstand! Was uns gefällt, loben wir ohnehin, aber käuflich sind wir nicht.

Sind wir nun Blogger?
Wohl kaum!
Wir nutzen lediglich die Software als Redaktionssystem, um ein wenig über eine Region zu informieren, die wir für sehr interessant und erkundenswert halten. Die Auswahl, worüber wir berichten, ist subjektiv geprägt – das liegt in der Natur der Sache. Aber nichts liegt uns ferner, als tagebuchartig unsere eigenen Empfindungen zu verbreiten, aus der Anzahl der abgegebenen Kommentare Befriedigung zu ziehen oder auf anderer Leute Blogs unsere Spuren zu hinterlassen, um damit die Anzahl der Zugriffe zu steigern.
Was unsere Leser übrigens auch so zu sehen scheinen, da sie mehrheitlich nicht die Kommentarfunktion nutzen, um mit uns in Verbindung zu treten – sondern das gute alte E-Mail.

Auf welchem Weg sie auch immer eingehen: Wir freuen uns natürlich über jede Anregung und jedes Feedback. Und geben uns darüberhinaus Mühe, eingehende Fragen auch zu beantworten.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

P.S.
Wir nehmen leicht amüsiert zur Kenntnis, dass wir ‚Profi-Autoren‘ längst als Ideengeber für ihre Artikel und Quelle für Hintergrundinfos dienen. Finden es allerdings nicht sehr phantasievoll, dort dann sogar die Titel unserer Blogartikel lesen zu dürfen. Ein bisschen mehr Mühe, meine Damen und Herren, und: bitte genauer lesen, was wir schreiben – damit Eure Tourvorschläge nicht gerade die schönste Herberge der Region auslassen, weil wir uns an dieser Stelle (übrigens durchaus mit Vorsatz!) etwas unkonkret ausgedrückt haben.

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