Unser neuer Wanderführer mit den attraktivsten Tagestouren im westlichen Piemont

Die „Schlagzahl“ unser Blogbeiträge ist deutlich abgesunken in den letzten Monaten. Was keinesfalls mit vermindertem Enthusiasmus zu tun hatte – sondern mit der Arbeit an einem neuen Buch.
Piemont Wandern Nach sechs bisher veröffentlichten Wanderführern zu Weitwanderwegen – dem Giro del Monviso, der Tour des Glaciers de la Vanoise, der Alta Via Val di Susa, dem GR 52A – Le Sentier Panoramique du Mercantour – und den zwei Bänden zur Via Alpina – haben wir dafür erstmals Tagestouren gesammelt. Dieses Unternehmen stand unter dem Motto:

Der piemontesische Westalpenbogen ist viel zu attraktiv, um ihn Weitwanderern zu überlassen!
Ausschließlich Strecke zu machen entlang eines vorgegebenen Pfades – und sei er auch noch so attraktiv – war noch nie so ganz unsere Sache. Zu groß erscheint uns dabei die Gefahr, an den sehenswertesten, interessantesten Dingen, die ein Tal zu bieten hat, haarscharf  vorbei zu wandern und erst bei der Heimkehr zu erfahren, was man mit nur einem kleinen Umweg hätte erleben können. Wir schauen gerne über den Tellerrand.
So ist es auch durchaus Absicht, dass all unsere Weitwanderführer eine bestimmte Kleinregion zum Thema haben, ein Tal (Val di Susa), ein Massiv (Monviso und Vanoise) oder einen Nationalpark (Mercantour). Und auch stets detaillierte Hinweise und Vorschläge für Varianten abseits der Hauptroute enthalten. Nicht zu vergessen: die eine oder andere Hintergrundinformation, ohne deren Kenntnis ein tieferes Verständnis der durchwanderten Region unmöglich wäre.

Das Piemont in der neuen Wanderführer-Reihe des Michael Müller Verlages
Tipps für interessante Tagestouren haben wir hier im Blog gegeben. Und hätten es wohl auch dabei belassen, wären nicht ein paar kluge Menschen in Erlangen auf die Idee gekommen, ein Format für Wanderführer zu entwickeln, welches all das enthält, was unserer Meinung nach einen wirklich guten Wanderführer ausmacht:
Eine circa 30-seitige Einleitung, die neben der Wanderlogistik (Bus- und Bahnlinien mit Fahrplänen für die An- und Abfahrt, beste Standorte, Tipps zur Tourplanung etc.) ausführliche Kapitel zu Gesteinen, Fauna und Flora der Region bietet und darüberhinaus detaillierte Klimainformationen mit Tabellen für Temperaturen, Niederschlägen und Tageslängen.
Die Beschreibungen der 38 von uns ausgewählten Touren – im Anhang geben wir vorab eine grobe Übersicht – führen entlang nummerierter Wegpunkte, die in Text, Karte und Höhenprofil aufeinander abgestimmt sind (!), präzise zum Ziel. Der Tour-Info-Kasten bietet alle nötigen und viele zusätzlichen Infos zur Strecke, aus denen exakt ablesbar ist, was einen unterwegs erwartet. Inklusive aller Einkehrmöglichkeiten mit Adressapparat und Öffnungszeiten.
Was uns darüberhinaus gefällt: dass der Verlag auch für die Wanderführer das „Alles-im-Kasten“-Prinzip der MM-Reiseführer übernommen hat. Klar abgesetzt vom Wandertext bietet sich dadurch viel Raum für die eine oder andere Hintergrundgeschichte.

GPS-Tracks kommen nicht nur Technik-Freaks zugute
Dass zum handlichen Wanderführer auch die GPS-Tracks für alle Touren von der Homepage des Verlages herunterladbar sind, ist dabei für uns nicht so entscheidend. Derartige Add-Ons gehören heute einfach dazu, um am Markt auch in Zukunft bestehen zu können. Dass aber die Kartierung und das Weg-Zeit-Höhenprofil für jede Tour auf Basis des GPS-Tracks erstellt werden, garantiert ein Höchstmaß an Präzision. Was auch Wanderer zu schätzen wissen, die mit GPS-Geräten nichts am Hut haben. Die keinen Wert darauf legen, quasi ferngesteuert einem GPS-Track nachzulaufen.

Informationen vorab
Unser Piemont-Wanderführer, der durch den Gran-Paradiso-Nationalpark, durch okzitanische Täler, die Dolomiten von Cuneo, Seealpen und Marguareis-Massiv führt, erscheint Anfang Juni August.
Noch gibt es bei der Vorankündigung des Verlages weder ein Inhaltsverzeichnis noch die vier Touren unseres Buches, die sich nach Veröffentlichung jeder gratis herunterladen kann. Wer sich vorab ein Bild über die Art der Tourbeschreibungen machen möchte, findet hier eine Tour aus dem Wanderführer Elsass von Antje und Gunther Schwab.
Wer über das Erscheinen direkt vom Verlag informiert werden möchte, kann sich hier anmelden. Später kann man dort auch direkt bestellen. Der Versand erfolgt innerhalb Deutschlands portofrei.

Es gibt mittlerweile „Wanderführer für Genießer“, „Wanderführer für Langschläfer“, sogar „Wanderführer für Biertrinker“.
Einmal abgesehen von speziellen Bierrouten – im Piemont liegen Barolo, Barbaresco, Barbera und Dolcetto einfach näher – bieten unsere 38 Touren durch den piemontesischen Westalpenbogen für Jeden Etwas, ohne dass „Genuss“ besonders hervorgehoben werden muss. Wir bewegen uns schließlich in der Region, in der die Genießerorganisation Slowfood gegründet wurde. Als Gegenbewegung zum Trend des uniformen, globalisierten und genussfreien Fast Food. Und wo mechanische Aufstiegshilfen ohnehin Mangelware sind, „entschleunigt“ (wow!) man ohnehin.
Bei der Auswahl der Touren haben wir uns bemüht, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kurzen und langen Wanderungen zu finden. Und ohne es damals schon zu wissen, haben wir dabei eine Idee verfolgt, die bei manchem Wander-Reiseveranstalter mittlerweile als „Twin-Konzept“ bezeichnet wird: Unterschiedlich schwierige und unterschiedlich lange Touren, die am selben Ort ihren Ausgang nehmen. Wer kennt das Phänomen nicht: den Einen treibt es in aller Frühe auf den Berg, je höher desto lieber, der Andere möchte es lieber etwas gemächlicher angehen. Unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen zu können, gehört schließlich auch zum Genuss.

Zum Inhalt:

Gran-Paradiso-Region und Lanzo-Täler
Vier unserer Touren führen durch den Nationalpark Gran Paradiso, das größte Naturschutzgebiet des Piemonts. Er wurde bereits 1922 geschaffen, ist damit der älteste Nationalpark Italiens – und der zweitälteste alpenweit. Aus dem ehemaligen Jagdrevier Vittorio Emanuele II. ist der Nationalpark hervorgegangen, der heute zu den Regionen Aostatal und Piemont gehört. Die verbliebenen, teilweise noch sehr gut erhaltenen Jagdsteige bieten dem Wanderer von heute ausgezeichnete Gelegenheiten, auf breiten, technisch nicht anspruchsvollen Wegen auch in große Höhen vorzudringen. Auch das Herz des Gran-Paradiso-Nationalparks, die als „Cuore del Parco“ Nivolet-Hochebene bezeichnete Nivolet-Hochebene unterhalb des namensgebenden Viertausender, teilen sich die Regionen Piemont und Aostatal – aus dem ruhigen piemontesischen Orcotal ist sie aber am besten erreichbar. Drei unserer Touren nehmen hier ihren Ausgang, womit eine grandiose Aussicht auf den Gran Paradiso (4.061 m) und die ihn umgebenden vergletscherten Gipfel gewährleistet ist. In die bezaubernde Seenlandschaft einer der schönsten Hochebenen der Alpen, auf die Piani di Rosset, auf den auch für Wanderer trotz seiner 3.438 m mühelos erreichbaren Mont Taou Blanc und über königliche Jagdsteige führen die hier vorgestellten Wanderungen. Eine vierte Tour unterhalb der mächtigen Gipfel der Tre Levanne gibt die Möglichkeit, die andere Hangseite des Orcotals kennenzulernen. In die im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannten sog. Lanzo-Täler führen zwei weitere Touren. Dorthin, wo das Turiner Großbürgertum auf den Geschmack der Sommerfrische kam, wovon noch ihre zum Teil gut erhaltenen Jugendstilvillen zeugen, und sich die Gründerväter des italienischen Alpenvereins CAI ihre ersten Sporen verdienten. Tief eingeschnitten, von hohen Gipfeln umgeben und ebenso stark von Abwanderung betroffen wie das nördlich gelegene Orcotal sind auch das Ala- und das Viùtal. An ihren Talschlüssen liegen aber jeweils weite Hochplateaus, die zum Wandern wie geschaffen sind. Im Alatal erreicht man von der Pian della Mussa Rifugio Gastaldi auf einem alten Saumweg das Rifugio Gastaldi, und im südlich gelegenen Viùtal ist der Lago di Malciaussia Ausgangspunkt für eine Tour zum Colle della Croce di Ferro.

Susatal
Natürlich führt eine Tour zu dem berühmtesten Kloster des Tals, Sacra San Michele der gewaltigen Sacra di San Michele. Ein anderes, das im Jahr 726 gegründete Kloster von Novalesa, liegt unterhalb des Colle di Moncenisio. Und dorthin wandert man auf einer Panoramarunde, die um den – bereits zu Frankreich gehörenden – Lago di Monceniso führt, der von einem ganzen Kranz markanter Höhenforts aus dem ausgehenden 19. Jh. umrahmt ist. Und auch der höchste Wallfahrtsort der gesamten Alpen liegt im Susatal: Die auf 3.538 m Höhe stehende Kapelle Santa Maria auf dem Rocciamelone, einem auch für Wanderer problemlos zugänglichen Dreieinhalbtausender. Durch den Grand Bosco di Salbertrand geht es auf Wegen, die die Waldenser für die Heimkehr in ihre Täler nutzen, zur Testa dell’Assietta. Und dann noch ein Klassiker, der beim Thema Wandern im Piemont stets  Valle Stretta vergessen wird, weil das Valle Stretta zwar diesseits des Alpenhauptkammes liegt, aber seit 1947 zu Frankreich gehört: Durch diese 1a-Destination für Wanderer führt um das markante Kalkriff des Grand Serru herum eine Tour zur Wallfahrtskapelle auf dem Mont Thabor.

Waldensertäler  und Monviso-Region
In den sog. Waldensertälern, den Valli Valdesi, in denen sich Anhänger einer im 12. Jh. vom wohlhabenden Kaufmann Petrus Valdes gegründeten vorreformatorischen Laienbewegung – mal geduldet, mal brutal unterdrückt – haben halten können, führt eine Rundtour durch das Chisonetal, vorbei am Forte di Fenestrelle, der in 122 Jahren Bauzeit entstandenen spektakulärsten Festungsanlage der gesamten Region. Im weiter südlich gelegenen Germanascatal erleichtert ein Sessellift – eine Rarität in dieser Region – den Zugang zu den Tredici Laghi. Durch das Pellicetal, der Hochburg der Waldenser, verlief früher eine wichtige alpenquerende Handelsroute, der wir auf die weite Hochebene Conca del Prà zum Rifugio Willy Jervis folgen. Varianten in alle Himmelsrichtungen gibt es on top. Hier ist man bereits recht nah Pian del Re mit Monviso am Monviso, dem mit 3.841 m höchsten Berg der Cottischen Alpen. Im Piemont wird dieser Berg als Re di Pietra, König aus Stein, heiß verehrt. Auch wir zollen diesem Berg natürlich Tribut und widmen ihm drei Touren. Eine kleine, aber feine Seenrunde beginnt bei den Quellen des Po. Eine längere Runde führt u.a. zum ältesten Tunnel der Alpen am Colle delle Traversette und weiter über einen Alpini-Steig zum Rifugio Giacoletti. Und weil der Monviso so viele unterschiedliche Seiten/ Gesichter hat, aus jeder Richtung anders aussieht, stellen wir auch den 3-tägigen Giro di Viso/ Giro del Monviso vor. Viel tiefer, am Eingang zum Potal, ist bei Balma Boves ein spannendes Stück Siedlungsgeschichte zu bestaunen.

Dolomiten von Cuneo
Seitdem das Mairatal im deutschsprachigen Raum längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern sich peu à peu zu einer sehr angesagten Wanderdestination entwickelt, hört man auch den Ausdruck „Dolomiten von Cuneo“ bei uns immer öfter. Man versteht darunter die Region der jeweils oberen Talbereiche zwischen Varaita- und Stura-Tal. Wir legen diesen Begriff etwas weiträumiger aus und beziehen auch die unteren Talbereiche mit ein. Im Varaitatal ist der Bosco dell’Alevè mit 825 ha einer der größten Zirbelkiefernwälder der Alpen. Höher hinaus führt eine Laghi Blu Wanderung zu den Laghi Blu am Col Longet, einem Übergang zum französischen Ubaye-Tal. Das Mairatal weist schon am Eingang eine geologische Spezialität auf: Hier stehen mit den Ciciu del Villar über 400 pilzförmige Felsformationen, entstanden als Ergebnis der letzten Eiszeit. Alle weiteren Touren haben ihren Ausgangspunkt im oberen Talbereich, führen rund um das markante Kalkriff der Rocca Provenzale, auf den Sentiero Frassati und unterhalb der Gardetta-Hochebene rund um den kleinen Lago Nero Lago Nero. Dazu stellen wir zwei Etappen des mittlerweile legendären Maira-Tal-Weges (Percorsi Occitani) vor, die über die schier unendlich anmutende Weite der Gardetta-Hochebene mit ihren dolomitenähnlichen Gipfeln und den so charakteristischen Gipstrichtern führen. Im Granatal läßt sich der Besuch der imposanten Wallfahrtskirche Santuario di San Magno sehr gut mit einer kurzen Wanderung über den Colle dei Morti verbinden.

Seealpen und Ligurische Alpen
Wo der Alpenhauptkamm seine Richtung ändert, von der Nord-Süd-Richtung in die West-Ost-Richtung schwenkt, beginnen die Seealpen. Den Anschluss nach Osten bilden die Ligurischen Alpen.  Was beide Gebirgsgruppen miteinander verbindet ist ihre Nähe zum Mittelmeer, die an manchen Stellen nicht mehr als 60, manchmal auch nur 40 km Luftlinie beträgt. Weshalb man sie in Italien manchmal zusammenfassend Alpi di Mare nennt – was im deutschsprachigen Raum oft zu definitorischer Konfusion führt. Schließlich ist bereits irritierend, dass ein Teil der Ligurischen Alpen noch im Piemont liegt.
In den Seealpen führt eine Tour vom knuffigen Rifugio Becchi Rossi zum Colle di Puriac, eine andere über den Sentiero del Ecomuseo von Pontebernardo nach Sambuco. Bei der Tour zu den Laghi Lausfer, die ihren Ausgang in Sant’Anna di Vinadio, am höchstgelegenen Kloster der Alpen, nimmt, ist man bereits recht nah am Parco Regionale delle Alpi Marittime, dem für seine große Steinböcke in den Seealpen Steinbockpopulation berühmten Seealpen-Naturpark. Unsere Touren leiten zum Rifugio Dante Livio Bianco, rund um den Pian del Valasco über das Rifugio Questa, zum Lagarot di Lourousa und zum Lago del Chiotas.
Direkt auf den italienisch-französischen Grenzkamm führen zwei Touren am Colle di Tenda. Noch ein Stück weiter nach Osten gelangt man in die Ligurischen Alpen und den Parco Regionale Alta Valle Pesio e Tanaro, der wohl bald Parco del Marguareis heißen wird. Hier haben wir eine kurze Rundwanderung ab Pian delle Gorre zur spektakulären Cascata del Pis ausgewählt und stellen einen dreitägigen Giro del Marguareis vor.

Sabine Bade und Wolfram Mikuteit

 

 

3 Kommentare

Eingeordnet unter Cottische Alpen, Grajische Alpen, Ligurische Alpen, Monviso-Region, Seealpen

3 Antworten zu “Unser neuer Wanderführer mit den attraktivsten Tagestouren im westlichen Piemont

  1. Tja, das ist in der Tat dumm gelaufen, als Autor ist man da machtlos.

    Vielleicht haben wir vergessen, diese Info im Beitrag zu ändern – wird gleich nachgeholt! – weil wir (un- oder unterbewusst) die Hoffnung auf ein früheres Erscheinungsdatum doch noch nicht ganz ad acta gelegt haben.

    Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

  2. Sheygetz

    Nix Juni – Erstauflage Mitte August 2010.
    Schade, wir fahren im Juni.

  3. Dann wünsche ich mal aus dem Süden viel (auch kommerziellen) Erfolg für das Buch. Gute Wanderbücher gibt es viel zu selten!
    Ich habe mir meines jedenfalls schon mal bei Amazon vorbestellt.

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