Wandern an der Côte d’Azur: Von Monaco nach La Turbie

… oder von La Turbie hinunter nach Monaco

Zwischen 1894 und 1932 hätte es sich angeboten, für diesen Weg die Zahnradbahn zu nutzen. Der ‚Chemin de Fer à crémaillère’ wurde im Februar 1894 eingeweiht und benötigte für die 2,6 Kilometer Meter lange Strecke 21 Minuten. Der Betrieb wurde eingestellt, nachdem es 1932 zu einem schweren Unfall kam: Der Zug durchbrach talabwärts den Bahnhof oberhalb des Casinos.

Anstatt sich mit dem Auto zäh über die Hänge hinauf zur Grande Corniche nach La Turbie zu quälen, kann man auch zu Fuß gehen. Eine Möglichkeit, die kaum wahrgenommen wird – denn wer denkt beim Thema ‚Wandern‘ schon an Monaco? Dass das kleine Fürstentum offiziell zu den acht Alpenstaaten gehört, die Alpenkonvention unterschrieben und auch einen eigenen Alpenverein hat, wissen nur die Wenigsten. Und die exquisiten ‚Wanderwegweiser’ werden selten als solche wahrgenommen: Mannshoch und eher Straßenschildern ähnelnd markieren sie den Weg der ‚Via Alpina’ und führen von der Place du Palais über diverse Treppenaufgänge des Chemin des Revoires durch die Straßenschluchten Monacos.

Vorbei am Jardin Exotique wird an der Moyenne Corniche – der mittleren der drei Küstenstraßen zwischen Menton und Nizza – die Grenze zu Frankreich überquert. Das Land der ‚großen Wanderwege’ grüßt mit den kleinen weiß-roten Markierungen des ‚Grande Randonnée 51B’. Nun ist es ein klassischer Wanderpfad, der sich die Hügel aufwärts schängelt und schon bald eine herrlich unverbaute Sicht über die Buchten zwischen Cap d’Ail und Cap Martin gewährt.

Zu Ehren Kaiser Augustus: der Trophée des Alpes

La Turbie wird durch einen kleinen Park erreicht. An seinem Ende gelangt man auf die Avenue de Pinede und sieht nach einer Rechtskurve unvermittelt den gewaltigen Trophée des Alpes vor sich. Das fast 50 Meter hohe Denkmal wurde Kaiser Augustus zu Ehren im Jahre 7/6 vor unserer Zeitrechnung nach seinem ‚Alpenfeldzug’ errichtet und weist im Sockel eingemeißelt die Namen der 44 unterworfenen Alpenvölker auf.
Im 14. Jahrhundert wurde das Bauwerk in eine Festung umgewandelt, die 1705 im spanischen Erbfolgekrieg mit wenig Erfolg und nur teilweise gesprengt wurde. Lange wurde die Restaurierung geplant – bereits im Baedeker von 1906 ist von diesem Projekt die Rede – aber erst ab 1930 kam es zu den Arbeiten, denen das heutige Aussehen zu verdanken ist: Der amerikanische Geschäftsmann Edward Tuck hatte die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung gestellt.

Circa 2 Stunden dauert diese kurze, sehr aussichtsreiche Tour von Monaco hinauf nach La Turbie. Wer zu Fuß an den Ausgangspunkt zurückgehen möchte, kann einen Rundkurs einschlagen: Schräg gegenüber des Haupteingangs zum Trophée des Alpes geht es hinunter zur Place de la Cremaillière, wo der ‚Chemin Romain’ beginnt. Ihm und den Wegweisern nach Beausoleil/ Monaco folgend, gelangt man wieder auf die Moyenne Corniche. Für das letzte Stück hinunter zum Schloss bietet sich wieder der Chemin des Revoires an.
Wem eine Strecke genügt, kann auf den Bus ausweichen: Die Linie 114 verkehrt Montag bis Samstag zwischen La Turbie und Monaco Place d’Armes.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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