Pressestimmen zu "Partisanenpfade im Piemont"

Über ein halbes Jahr ist mittlerweile vergangen seit der Veröffentlichung unserer ‚Partisanenpfade‘. Hier im Blog darüber zu berichten, wie Anderen dies Buch gefällt, haben wir bisher schlicht vergessen. Das holen wir hiermit gerne nach:

Wir beginnen mit den Rezensionen, die Dr. Pit Wuhrer für die in Zürich erscheinende ‚WOZ – die Wochenzeitung‘, Manuela Ziegler für das ‚Alpenmagazin‘ und Dr. Albert de Lange für das ‚Waldenser Magazin‘ geschrieben haben.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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WOZ, Zürich – 7. Juni 2012, von Dr. Pit Wuhrer
mit freundlicher Genehmigung: http://woz.ch

PARTISANENPFADE IM PIEMONT
Auf den Wegen des Widerstands

In Turin und den benachbarten Bergregionen kämpften Tausende gegen Faschismus und Nationalsozialismus. Ein Wanderlesebuch erzählt ihre Geschichten.

Seit über zwanzig Jahren erkunden Sabine Bade und Wolfram Mikuteit die Berge des Piemonts. Sie haben über ein halbes Dutzend Wanderbücher über die Region verfasst; unterhalten eine Website (https://westalpen.wordpress.com) und haben nun ein Buch geschrieben, das sie bei ihren ersten Touren «selber gern dabeigehabt hätten», wie Bade an der Buchvernissage vor drei Wochen in Konstanz sagte.

im Jahr 2004 restaurierte Aufschrift in Traversella im Valchiusella Es sei ein «Reisebuch, Wanderbuch und Geschichtenbuch», erläuterte Bade – und stapelte damit etwas tief: «Partisanenpfade im Piemont» ist auch ein politisches Buch. Es beschreibt die zwanzig Monate des antifaschistischen Widerstands in der piemontesischen Bergregion von September 1943, als die deutsche Wehrmacht Norditalien besetzte, bis zur Kapitulation im April 1945. Es setzt die damaligen Geschehnisse mit knappen Worten in einen Kontext (die Machtübergabe an Benito Mussolini 1922, die zunehmende Repression, Mussolinis Entmachtung und spätere Befreiung durch die Nazis 1943, der Terror der deutschen Truppen). Und es schildert in vielen aufschlussreichen Kapiteln und «Themensplittern» den Widerstand der kleinen Leute – der Alten, die sich schon früh der Faschisierung der italienischen Gesellschaft widersetzt hatten, wie der Jungen, die nur den Faschismus kannten.

Die Giellisti

Es war eine bunte Truppe, die von den Bergen aus (aber auch in der Industriestadt Turin) gegen die italienischen Faschisten und die deutschen Nazis kämpfte: Kommunisten und Liberale, Sozialistinnen und Monarchisten, Katholikinnen und Atheisten. Zu den Organisationen, die sich im Nationalen Befreiungskomitee CLN zusammengeschlossen hatten, gehörten freilich auch die Giellisti – AntifaschistInnen, die der Bewegung Giustizia e Libertá nahestanden. Über diese Gruppierung liest man im deutschsprachigen Raum selten etwas; dabei stellte sie im Piemont die zweitstärkste PartisanInnenfraktion. Die Giellisti und ihr 1942 gegründeter Partito d’Azione (PdA) hatten nicht nur die Beseitigung des Faschismus zum Ziel: Sie wollten auch die Gesellschaft und den Staat von Grund auf erneuern und waren in mancherlei Hinsicht radikaler als die Kommunistische Partei.

Eine von denen, die die PdA mitgegründet hatten, war Ada Gobetti, eine junge Mutter und frühe Witwe, die zwischen Turin und den von den PartisanInnen dominierten Tälern pendelte, Unterlagen und Informationen transportierte, Ausweise fälschte, Flugblätter schrieb, alliierten Kriegsgefangenen zur Flucht verhalf und später ihr Tagebuch («Diario partigiano») veröffentlichte. Dass Bade und Mikuteit das Engagement dieser Partisanin -die nie einen Schuss abfeuerte – ausgiebig würdigen, ist eines der vielen Highlights ihres Buchs.

Sie setzen auch anderen ein kleines Denkmal. Dem Arzt Attilio Bersano Begey zum Beispiel, der im oberen Viùtal eine requirierte Villa zu einem Spital für verletzte Partisaninnen ausbaute und später, als die deutschen Einheiten vorstiessen, auf knapp 2400 Metern eine weitere Pflegestation einrichtete. Oder den protestantischen WaldenserInnen von Torre Pellice, die sich die Aussage des Schweizer Theologen Karl Barth zu eigen machten, der 1938 schrieb: «Es gibt unter Umständen eine (…) göttlich geforderte Resistenz gegen die politische Macht, eine Resistenz, bei der es (…) auch darum gehen kann, Gewalt gegen Gewalt zu setzen.»

23 Touren

«Partisanenpfade im Piemont» ist ein Wanderlesebuch zum Mitnehmen: Die 23 Tourenvorschläge (vom Stadtrundgang in Turin bis zu Wanderungen auf 3000 Meter hohe Pässe) enthalten alle wesentlichen Informationen: anschauliche Karten, Übernachtungsmöglichkeiten, Einkehrorte, Preisangaben, Hinweise auf lohnenswerte Museen und andere Tipps. Hervorragend sind auch Mikuteits Fotos und das historische Bildmaterial.

Selbst die aktuellen Kämpfe haben die AutorInnen nicht vergessen: Sie beschreiben mit viel Sympathie den breiten Widerstand im Val di Susa gegen ein verkehrspolitisch unsinniges, ökologisch schädliches und ökonomisch fragwürdiges Schnellzugtrassee. Das Susatal war einst PartisanInnengebiet gewesen – und das haben die Menschen in den Dörfern offenbar nicht vergessen.

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Alpenmagazin – Juni 2012, von Manuela Ziegler,
mit freunlicher Genehmigung: http://alpenmagazin.org

Verborgene Geschichten aufgespürt

Die italienische Resistenza hat im Gebirge des Piemont Spuren hinterlassen. Sie zu lesen, ist nicht so einfach. Ein etwas anderes Wanderbuch führt zu den Orten des Widerstands.

Was hat ein Eisenkreuz zum Gedenken an die Naziopfer auf einer wildromantischen Hochebene im Piemont zu suchen? Das fragten sich vor nunmehr 20 Jahren die beiden Konstanzer Autoren Sabine Bade und Wolfram Mikuteit. Damals wie heute ist über den italienischen Befreiungskampf im deutschen Sprachraum wenig publiziert. Die Spurensuche begann. In Privatbibliotheken, Archiven und Zeitzeugengesprächen sammelten die Piemontgänger Wissenswertes rund um die Partisanenbewegung zwischen 1943 und 1945 und rekonstruierten deren Pfade. Inzwischen sind Bade und Mikuteit nicht nur erfahrene Reisebuchautoren mit dem Schwerpunkt Westalpen, sondern auch bestens mit dem Thema Widerstand im Piemont „vertraut“. Herausgekommen ist bei ihrer Recherche das soeben aufgelegte Wanderlesebuch „Partisanenpfade im Piemont“.

auf dem 'Sentiero del Partigiano' zur Grange Sevine 23 Touren führen durch die Alpentäler, die sich westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm hinziehen. Deren Schwierigskeitsgrade reichen vom Stadtspaziergang bis zur Hochtour. Sie sind so gestrickt, dass neben den historischen Schauplätzen auch die Schönheiten der Natur entdeckt werden können. Es geht über Stock und Stein, auch durch ausgewiesene Wanderwegen in National- oder Naturparkgebiete – zwischen Gran Paradiso im Norden und dem Monviso im Süden. An alle klassischen Angaben eines Wanderführers, sprich Wegzeiten, Höhenmeter, Tipps zum guten Einkehren & Übernachten ist gedacht. Die Kartenausschnitte sind sehr klein, aber zur Übersicht ausreichend. So wird der neugierige Wanderer die teils verborgenen Plätze des Befreiungskampfes kaum verfehlen. Alle Wege sind GPS kartiert. Dazu den jeweiligen Wegverlauf aufs eigene Gerät herunterladen.

Wers gemütlicher mag, kann sich auch vom Sofa aus auf Spurensuche begeben. Denn es liest sich leicht, wie im Turiner Verlag Einaudi der intellektuelle Widerstand gegen die faschistische Zensur aufkeimte, allmählich Bürger verschiedener politischer Lager erfasste und schließlich – allerdings erst im Zuge der deutschen Besetzung – in einen bewaffneten Befreiungskampf mündete. Um die Geschichte ranken sich Geschichten: Leseausflüge, manchmal bitter, wie jene über den deutschen Generalfeldmarschall Albert Kesselring und seinen Mythos vom „sauberen Krieg an der Südfront“. Erhellend dagegen die Lichtfigur der Ada Gobetti, Witwe des Piero Gobetti, junger Märtyrer im italienischen Antifaschismus. Seine Gattin hat den Kampf im Piemont beherzt und geschickt geprägt. Die Herstellung einer Untergrundzeitung und die zu Krankenstationen umfunktionierten Villen künden von Mut und Erfindungsreichtum in grosser Not. Farbige Bilder und historische Abbildungen illustrieren die Geschehnisse anschaulich. […]

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Waldenser Magazin 2/2012, von Dr. Albert de Lange,
mit freundlicher Genehmigung: http://waldenser.de

Partisanenpfade im Piemont

Ein ganz anderes Buch, aber genauso spannend, ist das von Sabine Bade und Wolfram Mikuteit, Partisanenpfade im Piemont. Sie schreiben über die Partisanen, die italienischen Widerstandskämpfer, die sich ab September 1943, nach dem Fall Mussolinis, zusammenschlossen, um gegen die deutsche Besatzung und den italienischen Faschismus zu kämpfen.

Die Waldensertäler gehörten zu den wichtigsten Regionen des Widerstandes, und viele Waldenser schlossen sich den Partisanen an. Ich nenne nur die zwei Bekanntesten: Willy Jervis, erschossen auf dem Marktplatz von Villar Pellice; Jacopo Lombardini, 1945 umgebracht in Mauthausen.

Felsensiedlung Barma de l'Ours - Redaktionsbüro der Partisanenzeitung 'Il Pioniere' Das Buch der beiden Autoren bietet viele kürzere und längere historische Einführungen in die Thematik, die nicht nur sehr gut lesbar, sondern auch wunderbar bebildert sind. Es handelt sich jedoch an erster Steile um ein Wanderbuch. Es beschreibt unter anderem sieben Touren (S. 202-262) in den Waldensertälern (u.a. zwei im Tronceatal, eine über den Assiettakamm; eine in Torre Pellice und eine im Angrognatal nach Bagnau).

Die meisten dieser Wanderungen in den Waldensertälern sind anspruchslos. Dieses Buch ist deshalb jedem zu empfehlen, der sich diese jüngste dramatische Geschichte der Waldensertälern aneignen möchte. Man sollte nicht vergessen, dass auch die Identität der Waldenser heute noch stark geprägt ist von der Zeit 1943-1945.

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