Archiv der Kategorie: Aostatal

Ferrovia del Drinc im Val di Cogne vor dem Aus?

Vor zwei Jahren haben wir darüber berichtet, dass im Aostatal der Tag der ins Vergessen geratenen Eisenbahnstrecken – ‚La Giornata nazionale delle Ferrovie dimenticate‘ – ganz unter dem Zeichen des Kampfes um die Ferrova del Drinc stand.
Das war auch dieses Jahr so. Allerdings erscheint das Vorhaben, die 12 Kilometer lange historische Eisenbahnverbindung zwischen dem Aostatal und dem Val di Cogne für den Personenverkehr zu nutzen, endgültig vor dem Aus zu stehen: Das Bahnhofsgelände in Cogne soll nach neuesten Plänen der Region zukünftig als Carabinieri-Kaserne genutzt werden.

Die Ferrovia del Drinc
Über hundert Jahre lang wurde im Valle di Cogne Eisenerz abgebaut. Erste Fundstellen waren bereits im 15. Jahrhundert identifiziert worden. Das Material aber aus dem abgelegenen Tal nach Aosta zu befördern, stellte ein großes Problem dar: Die erst 1918 angelegte Straße war im Winter meist durch Lawinenabgänge unpassierbar. Realisiert wurde deshalb eine kürzere – und ganzjährig nutzbare – Transportroute mitten durch das Bergmassiv, das das Valle di Cogne vom nördlich gelegenen Haupttal trennt.

Die oberhalb von Cogne in den auf über 2.400 Metern Höhe liegenden Minen von Colonna und Liconi abgebauten Erze wurden mit einem Materiallift ins Tal befördert und von dort mit der im Oktober 1922 eröffneten ‘Ferrovia del Drinc’ – fast durchgängig in Gallerien unter dem gleichnamigen Berg – in das Aostatal befördert. In Acque Fredde, etwas unterhalb der heutigen Skistation von Pila, stand ein weiterer Materiallift, mit dem das Erz hinunter nach Aosta schwebte.

1979 wurde die Mine aufgegeben und die Ferrovia del Drinc stillgelegt. Unmittelbar danach entstand die Idee, dieses für das Aostatal einmalige Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Ein neuer Nutzungsplan wurde entwickelt: Die 12 Kilometer lange Eisenbahnverbindung zwischen Acque Fredde im Aostatal und Plan Praz bei Cogne sollte zukünftig für den Personenverkehr touristisch genutzt und durch die Anbindung an die Kabinenbahn Aosta – Pila eine schnelle Verbindung zwischen den Touristenorten Pila und Cogne sommers wie winters geschaffen werden. Ein tolle Idee, die 1984 auch in Angriff genommen wurde. Bis kurz vor der Einweihung – und nach der Investion von 30 Millionen Euro – das gesamte Vorhaben beendet wurde.

Da war der Gleiskörper längst erneuert, die Bahnhöfe fertiggestellt, Fahrkartenautomaten aufgehängt und Waggons mit Skiträgern angeschafft. Im Jahr 2010 warb an der Talstation der Kabinenbahn Aosta – Pila noch ein großes Plakat für den ‘trenino dei minatori’ nach Cogne.

Das Projekt war gestoppt und später ganz eingestellt worden, nachdem Studien diverse Mängel (u.a. im Belüftungssystem) zutage gebracht haben.

Für den Erhalt der Ferrovia del Drinc setzt sich vehement und von Legambiente unterstützt ein Bürgerkomitee ein, das auch den lesenswerten Blog „Curoe di  ferro Valle d’Aosta“ betreibt, auf den wir immer wieder gern verweisen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Aostatal, Cognetal, Gran Paradiso

Die Partisanenrepublik im Val di Cogne

Eine von über 20 freien Partisanenrepubliken in Italien
Viele wissen, dass es im Sommer und Herbst 1944 in Italien Freie Republiken gegeben hat. Von deutschen Besatzern und Mussolinis RSI-Armee vollständig befreite Gebiete, in denen die Partisanen für kurze Zeit die Macht übernommen hatten.

Befreite Zonen, in denen ein Teil der Partisanen ihre Waffen kurzfristig beiseite legten, sich administrativen Aufgaben zuwandten und mit Hilfe des CLN (Comitato di Liberazione Nazionale) eine Selbstverwaltung aufbauten. Die bei uns bekannteste dieser Freien Republiken ist die vom 10. September bis 19. Oktober 1944 existierende Repubblica partigiana dell’Ossola, über die es mehrere deutschsprachige Veröffentlichungen gibt. Und schon 1952 hatte Beppe Fenoglio mit seiner Erzählung „I ventitré giorni della città di Alba“ (Die 23 Tage von Alba) der Repubblica di Alba (10. Oktober 1944 – 2. November 1944) ein nicht unumstrittenes literarisches Denkmal gesetzt.

Weniger bekannt ist im deutschsprachigen Raum, dass es sich bei den Freien Republiken von Ossola und Alba nicht um Einzelphänomene handelte, sondern in Italien, auch entlang des Westalpenbogens, recht viele dieser befreiten Zonen existierten. Am 4. Juni 1944, nach der Befreiung Roms durch die Alliierten, hatte der CLN einen Appell an die Partisanen gerichtet und zu einer Großoffensive angesichts der erhofften schnellen Befreiung auch Norditaliens aufgerufen.
Über 20 dieser befreiten Zonen entstanden im Sommer und Herbst 1944. Sie konnten sich unterschiedlich lange – zwischen einigen Wochen und drei Monaten – halten. Am längsten dürfte die Partisanenrepublik im valdostanischen Val di Cogne bestanden haben (2. Juli bis 2. November 1944).

Die Partisanenrepublik im Val di Cogne
Als im Sommer und Herbst 1944 fast alle Seitentäler des Aostatals von den Partisanen besetzt waren – lediglich das Haupttal, La Thuile und Courmayeur blieben unter deutscher Kontrolle – wurde der Sitz des bewaffneten Widerstands der gesamten (damals noch piemontesischen) Provinz Aostatal in die Partisanenrepublik „Repubblica di Cogne” verlegt. Dort, wo auf über 2.400 Metern Höhe in den Minen Colonna und Liconi Eisenerz abgebaut wurde, das mit der 1922 eröffneten „Ferrovia del Drinc“ – einer Materialeisenbahnlinie, die fast durchgängig in Tunneln durch das Bergmassiv verlief, das das Val di Cogne vom Aostatal trennt – hinunter zu den Anlagen der Eisen- und Stahlproduktion und angeschlossener Rüstungsbetriebe in Aosta befördert wurde, die seit Mitte Oktober 1943 unter deutscher Besatzungskontrolle standen.

Die Minenarbeiter in Cogne waren gut organisiert: Seit Mitte der 1930er-Jahre gab es dort Zellen der kommunistischen Partei (PCI). Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen unterhielten sie auch Verbindungen zum französischen Widerstand.

Geleitet wurde die Mine von dem Geologen Franz Elter, der ausgezeichnete, aber strikt geheimgehaltene Verbindungen zum antifaschistischem Widerstand besaß. Sein Sohn Giorgio, der bereits an den Märzstreiks 1943 in Turin teilgenommen hatte, musste sich unmittelbar nach der deutschen Besetzung des Aostatals in die Schweiz absetzen. Arbeiter der Minen in Cogne, der Werke in Aosta, Männer, die sich der Einberufung in die Armee des Salò-Regimes entziehen wollten und Flüchtlinge aus Gefangenenlagern bildeten die ersten Partisaneneinheiten, die Sabotageaktionen durchführten.
Um den Betrieb der Minen von Cogne durch Kampfhandlungen nicht zum Erliegen zu bringen, verließen die Faschisten – nachdem Franz Elter reibungslose Weiterproduktion zugesichert hatte – am 1. Juli Cogne kampflos. Am Tag darauf erreichten die ersten Partisanengruppen den Ort; sie kamen über die Berge oder nutzten den Minenzug aus Aqua Fredde. Auch aus der Schweiz kamen junge Leute zurück, die dort ab Herbst 1943 Zuflucht gefunden hatten, unter ihnen auch Giorgio Elter, der sich sofort der „Banda Arturo Verraz“ anschloss (er starb am 7. September 1944 bei einem Überfall auf den Posten bei Pont-Suaz).
Mit dem Anführer der Garibaldi-Brigaden Emile Lexert schloß Franz Elter eine geheime Vereinbarung über die Angriffsziele der Partisanen: Weil er die Demontage der Anlagen und die Deportation der Arbeiter nach Deutschland befürchtete, bat er darum, die Minen von Cogne nicht anzugreifen und sicherte im Gegenzug Sabotage mittels Reduzierung der Förderleistung zu.

Die Partisanenrepublik im Val di Cogne bestand vier Monate lang vom 2. Juli bis zum 2. November 1944. Die Partisanen übernahmen in dieser Zeit die Leitung der Minen und die Administration im Tal, der Anwalt Renato Chabod – der Bruder von Federico Chabod – leitete die Gerichtsbarkeit, freie Wahlen wurden abgehalten. Für die Untergrundzeitung „Il Patriota della Valle d’Aosta“ arbeitete zeitweise der ebenfalls aus der Schweiz zurückgekehrte Giulio Einaudi, und „Radio Valle d’Aosta libera“ sendete täglich. Mitte September wurde auch der Sitz des von General Emilio Magliano geleiteten Kommandos der gesamten Zone II (Provinz Aostatal) des CLN im Piemont nach Cogne verlegt. Funkverbindungen zum Plateau Rosa in die Schweiz und nach Turin wurden mit Mitteln der Organisation „Glass e Cross“ hergestellt.

Aber der alliierte Vormarsch war an der Goten-Linie zum Stillstand gekommen, und im Rahmen der großen deutschen Herbstoffensive wurde das Val di Cogne am 2. November 1944 von faschistischen und deutschen Verbänden zurückerobert. Die Partisanen und gefährdete Zivilisten setzten sich auf verschiedenen Wegen entweder in die Schweiz oder in das bereits befreite Frankreich ab. Dafür diente zwischen dem 2. und dem 6. November 1944 auch das obere Valsavarenche als Fluchtweg: Eine Gruppe von annähernd 350 Personen – Partisanen und Zivilisten – floh aus dem Val di Cogne und dem Valsavarenche über Pont, die Nivolet-Hochebene und den Colle Galisia (2.998 m) nach Val d’Isère.

Am 26. April 1945 mussten die Deutschen Aosta verlassen, am 4. Mai 1945 erreichten die Alliierten die Stadt. Nach deren Abzug Ende 1945 wurde am 10. Januar 1946 der frühere Widerstandskämpfer Federico Chabod erster Präsident der Region. 1948 wurde ein Sonderstatut verabschiedet, das den Valdostanern autonome Rechte gewährte – was von Beginn an eine zentrale Forderung des antifaschistischen Widerstands im Aostatal gewesen war – und Italienisch und Französisch als offizielle Amtssprachen gleichstellte.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Aostatal, Cognetal, Resistenza

Das Monumento Partigiano in Trois-Villes, Aostatal

Der Ort
Trois-Villes ist eine auf ca. 1.350 Metern Höhe liegende Teilgemeinde von Quart. Erreichbar ist der Ort von Aosta in östlicher Richtung über die Strada Statale (SS) 26, von der man in Saint-Christoph in Richtung Trois-Villes abbiegt, der Ausschilderung bis Avisod folgt und dort an der Kirche rechts abbiegt (ca. 22 km ab Aosta).

Das Geschehen
Im Sommer 1944 hatte die Partisanengruppe „13. Banda Émile Chanoux“ in Trois-Villes ihr Quartier. Am 17. August unternahm sie einen Angriff auf einen Posten der faschistischen Miliz in Nus und machte dabei zwei Gefangene. Noch vor Ablauf der Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch griffen deutsche und italienische Truppen am 23. August 1944 Porsan, Avisod und Fonteil (Trois-Villes) an und setzten das gesamte Dorf in Brand. Vier Partisanen kamen dabei ums Leben, über 100 Häuser brannten bis auf die Grundmauern ab.
Nach Ende des Krieges beteiligten sich ehemalige Partisanen am Wiederaufbau von Trois-Villes.

Gedenken
Oberhalb des Dorfes wurde zehn Jahre nach dem verheerenden Brand eine erste – mittlerweile erneuerte – Gedenktafel angebracht. 1963 wurde die „Area Monumentale del Partigiano“ eingeweiht. Die auf einem Felsbrocken stehende weithin sichtbare Statue stellt einen Partisanen unter der Folter dar.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Aostatal, Resistenza

Aosta und seine Hausberge

Wem nach Augustusbogen, Porta Prätoria und römischem Amphitheater in Aosta der Sinn nach Natur steht, kommt schnell – und ohne sich ins Auto setzen zu müssen – ans Ziel, findet zu Füßen der Hausberge von Aosta, Monte Emilius.(3.559m) und Becca di Nona (3.142m), lohnenswerte Wanderziele. Wie die Rundwanderung ins Vallone di Arbolle, wo das gleichnamige Rifugio steht.

Von der Talstation der Telecabina Aosta – Pila, wo vor einigen Jahren noch großflächig für den ‘trenino dei minatori’ nach Cogne geworben wurde, schwebt man in wenigen Minuten vom Talboden hinauf nach Pila (1.800m). Diese ursprünglich auf Pläne von Adriano Olivetti aus den 1930er-Jahren zurückgehende, erst 40 Jahre später realisierte Station scheidet die Geister: Dass ihr Zentrum aussähe wie „ein Raumschiff, das sich beim Absturz in den Hang gegraben hat“, entnehmen wir einem Reiseführer über das Aostatal.

Was nicht weiter stört, denn Pila ist ohnehin nur Umsteigestation: Weiter geht es mit dem Sessellift Seggiovia Chamolé, von dessen Bergstation (2.309m) der Weg 19A innerhalb weniger Minuten zum Lago di Chamolé führt. Der hier beginnende Rundkurs führt über den Colle Replan, Colle Pian Fenetre und die Grange Comboé in knapp 2,5 Std. zum Rifugio Arbolle (2.500m) und bietet unterwegs prächtige Aussicht hinunter nach Aosta und auf die Walliser Alpen.

Vom Rifugio Arbolle, dem klassischen Ausgangspunkt für die Besteigung des Monte Emilius, geht es über den Colle di Chamolé (2.635m) zurück zum Ausgangspunkt.

Informationen:

Mechanische Aufstiegshilfen: www.pila.it

Rifugio Arbolle: bewirtschaftet von Ende Juni bis Mitte September, 66 Betten, Tel: (+39) 333.8594725 und (+39) 0165-50011

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Eingeordnet unter Aostatal, Grajische Alpen

Mit dem Zug ins Valle di Cogne? Schön wäre es!

Am 3. März 2013 wurde in Italien zum 6. Mal der Tag der ins Vergessen geratenen Eisenbahnstrecken begangen – ‚La Giornata nazionale delle Ferrovie dimenticate‘.

Ein nicht nur für Nostalgiker interessantes Thema: Immer mehr lokale Bahnstrecken werden stillgelegt, andere – wie die alpenquerende Tendalinie – ausgedünnt. Während auf Kosten der Pendler also rigoros gespart wird, stehen für ökonomisch völlig unsinnige, aber prestigeträchtige Großprojekte wie im Susatal zweistellige Milliardenbeträge zur Verfügung.

Im Aostatal wurde der Gedenktag am 3. März 2013 genutzt, um für den Erhalt der Ferrovia del Drinc zu kämpfen.

Die Rettung der Ferrovia del Drinc

Über hundert Jahre lang wurde im Valle di Cogne Eisenerz abgebaut. Erste Fundstellen waren bereits im 15. Jahrhundert identifiziert worden. Das Material aber aus dem abgelegenen Tal nach Aosta zu befördern, stellte ein großes Problem dar: Die erst 1918 angelegte Straße war im Winter meist durch Lawinenabgänge unpassierbar. Realisiert wurde deshalb eine kürzere – und ganzjährig nutzbare – Transportroute mitten durch das Bergmassiv, das das Valle di Cogne vom nördlich gelegenen Haupttal trennt.

die Mine La Colonna im Valle di Cogne

Die oberhalb von Cogne in den auf über 2.400 Metern Höhe liegenden Minen von Colonna und Liconi abgebauten Erze wurden mit einem Materiallift ins Tal befördert und von dort mit der im Oktober 1922 eröffneten ‘Ferrovia del Drinc’ – fast durchgängig in Gallerien unter dem gleichnamigen Berg – in das Aostatal befördert. In Acque Fredde, etwas unterhalb der heutigen Skistation von Pila, stand ein weiterer Materiallift, mit dem das Erz hinunter nach Aosta schwebte.

Den Weg des Erzes, auch einen interessanten Einblick in das Leben der Männer in der mit Kirche, Krankenstation, Kino und Bocciaplatz ausgestatteten Siedlung von Colonna, zeigt ein kurzer Film der RAI in französischer Sprache.

1979 wurde die Mine aufgegeben und die Ferrovia del Drinc stillgelegt. Unmittelbar danach entstand die Idee, dieses für das Aostatal einmalige Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Ein neuer Nutzungsplan wurde entwickelt: Die 12 Kilometer lange Eisenbahnverbindung zwischen Acque Fredde im Aostatal und Plan Praz bei Cogne sollte zukünftig für den Personenverkehr touristisch genutzt und durch die Anbindung an die Kabinenbahn Aosta – Pila eine schnelle Verbindung zwischen den Touristenorten Pila und Cogne sommers wie winters geschaffen werden. Ein tolle Idee, die 1984 auch in Angriff genommen wurde. Bis kurz vor der Einweihung – und nach der Investion von 30 Millionen Euro – das gesamte Vorhaben beendet wurde.

Da war der Gleiskörper längst erneuert, die Bahnhöfe fertiggestellt, Fahrkartenautomaten aufgehängt und Waggons mit Skiträgern angeschafft. Im Jahr 2010 warb an der Talstation der Kabinenbahn Aosta – Pila noch ein großes Plakat für den ‘trenino dei minatori’ nach Cogne.

Das Projekt war gestoppt und später ganz eingestellt worden, nachdem Studien diverse Mängel (u.a. im Belüftungssystem) zutage gebracht haben. Über die zukünftige Nutzung der Anlagen wird nachwievor gestritten.

Cuore di Ferro Valle d'Aosta

Für den Erhalt der Ferrovia del Drinc setzt sich vehement und von Legambiente unterstützt ein Bürgerkomitee ein, das auch einen lesenswerten Blog betreibt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Aostatal, Cognetal

Auf alten Wegen vom Valsavarenche auf die Nivolet-Hochebene

Königlicher Straßenbau zur Steinbockjagd …

König Vittorio Emanuele II., der wegen seiner Jagdleidenschaft auch ‚Re Cacciatore‘ genannt wurde, erwarb im Aostatal ab 1856 Gebiete in der Gran-Paradiso-Region zur Steinbockjagd ;

zunächst am Colle del Nivolet, dann im Valsavarenche, im Val di Cogne, im Val di Rhêmes, im Val di Champorcher und in den (heute) piemontesischen Tälern von Orco und Soana. In all diesen Gebieten wurden Jagdhäuser errichtet, und der Ausbau des alle Jagdgebiete miteinander verbindenden Wegenetzes begann 1861. Insgesamt 340 Kilometer Jagdwege bis auf eine Höhe von 3.296 Metern, alle zwischen 1 m und 2,5 m breit und für Pferde zu bewältigen, wurden angelegt.

Im Valsavarenche befinden sich gleich drei ehemalige königliche Jagdhäuser: die frühere Casa Reale di Caccia di Montcorvé (das alte Rifugio Vittorio Emanuele II. unterhalb des Gipfel des Gran Paradiso), die Casa di Caccia von Orvieille und die Casa di Caccia auf der Nivolet-Hochebene, die seit 1921 als Rifugio Savoia betrieben wird.

Rifugio Savoia

Wer von Pont aus, dem letzten mit dem Auto anfahrbaren Ort im Valsavarenche, dort hinauf ins malerische Herz des 1922 gegründeten Nationalparks – dem Enkel des Jägerkönigs war die Anfahrt von Rom aus zu weit und er überschrieb das Jagdrevier dem Staat – wandern will, nutzt auch heute noch die zu Jagdzwecken angelegte Infrastruktur.

… auch von Partisanen und Flüchtlingen genutzt

In der ARTE-Dokumentation Schattenkampf – Europas Résistance gegen die Nazis, die erstmals im Herbst 2011 ausgestrahlt wurde, schilderte der Anwalt Ettore Serafino, wie er sich im September 1943 auf der Flucht vor den Deutschen aus Aosta über die Nivolet-Hochebene nach Süden absetzte.

Nivolet-Hochebene, links der Mont Taou Blanc

Denselben Weg nahmen später noch viele andere. So floh aufgrund einer großangelegten Durchkämmungsaktion in den valdostanischen Gran-Paradiso-Tälern auch eine Gruppe von annähernd 350 Personen – Partisanen und Zivilisten – Anfang November 1944 aus dem Valsavarenche über die Nivolet-Hochebene in das bereits von den Alliierten befreite Frankreich. Sie starteten in Pont, übernachteten in der Nähe des Rifugio Savoia und brachen im Morgengrauen des 5. November auf zu ihrem Weg über den Colle Galisia. Am Abend des 6. November 1944 kamen sie wohlbehalten in Val d’Isère an.

Die hier skizzierte circa 5-stündige einfache Rundwanderung folgt einem Teil ihres Weges, führt von Pont (1.956 m) zum Rifugio Savoia (2.533 m), das von Mitte Juni bis Ende September bewirtschaftet wird. Auf dem gelb markierten Wanderweg ‚3‘ gelangt man in vielen kurzen Serpentinen zum Aussichtspunkt Croce di Arolley (2.314 m). Diesem Weg treu bleibend geht es in permanentem leichten Auf und Ab über die weite Hochebene des Piano del Nivolet. Man ignoriert in der Folge alle Abzweigungen, bis der Weg kurz vor dem Rifugio in die Straße mündet, über die die Nivolet-Hochebene aus dem Süden auch mit dem Auto anfahrbar ist.

Der Rückweg erfolgt zunächst über die nur leicht geschotterte, meist grasüberwachsene Piste, die als Verlängerung dieser Straße eine durchgehende Verbindung ins Valsavarenche schaffen sollte: Ein ambitionierter Plan, der aus Geldmangel und wegen diverser vorher nicht einkalkulierter ‚technischer Unwägsamkeiten‘ schließlich in den 1970er-Jahren aufgegeben wurde. Von ihr zweigt nach rechts ein schmaler Pfad ab (Weg ‚3D‘). Vorbei an der Grange Teureun (auch: Grange Turin) wird nach Überquerung der stark mäandernden Dora di Nivolet wieder der Hauptweg ‚3‘ erreicht, über den es zum Croce di Arolley und zurück nach Pont gelangt.

Croce di Arolley und Gran Paradiso

Diese Tour läßt sich – mit Übernachtung im Rifugio Savoia oder dem nahgelegenen Rifugio Città di Chivasso –wunderbar kombinieren mit der Besteigung des Wanderdreitausenders Mont Tou Blanc (3.438 m). Oder einem kurzem Abstecher auf eine der schönsten Hochebenen der Alpen, die Piani di Rosset mit ihrer bezaubernden Seenlandschaft.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Eingeordnet unter Aostatal, Gran Paradiso

Partisanenpfade im Piemont

Partisanenpfade im Piemont. Orte und Wege des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Ein Wanderlesebuch.

Partisanenpfade im Piemont ist ein Reisebuch, ein Wanderbuch und auch ein Geschichtenbuch.
Am Colle della Crocetta auf der Kante zwischen Orco- und Grandetal, nicht weit von der französichen Grenze – Tour 4

Die 20 Monate der italienischen Resistenza, in denen sich Menschen unterschiedlichster politischer Couleur ab September 1943 zusammenschlossen, um gegen deutsche Besatzung und italienischen Faschismus und für einen radikalen Wandel in ihrem Land zu kämpfen, haben Italien nachhaltig geprägt. Ganz besonders die stark entvölkerte Gebirgsregion des Piemonts nah an der Grenze zu Frankreich. Wir nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine historische Zeitreise und machen die Geschichte der piemontesischen Widerstandsbewegung erlebbar – zu Fuß, automobilisiert oder zu Hause auf dem Sofa.

Partisanenpfade im Piemont ist ein Reisebuch, das einführt in die Welt der Alpentäler, die sich fächerartig westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm ziehen. An Plätze führt, in denen die Geschichte der Resistenza wachgehalten wird, und an Orte, in denen gut gegessen und genächtigt werden kann.
Grande Albergo Rocciamelone, Usseglio – Val di Viù, Tour 6, 7 und 8

Partisanenpfade im Piemont ist ein Wanderbuch, das 23 Touren – vom Stadtspaziergang durch Turin bis zur Hochtour auf den über 3.000 Meter hohen Colle Autaret – umfasst. Alle GPS-kartiert, alle anhand von Waypoints exakt nachvollziehbar und jede Tour mit herunterladbarem Track für das eigene GPS-Gerät. Mit Hinweisen zum ÖPNV, Kartenmaterial und Einkehrtipps.

Die schöne Dora Riparia an der Piazza CLN (Comitato di Liberazione Nazionale) – Fertigstellung im Jahr XVII der faschistischen Zeitrechnung. Geplant war hier, auch noch überlebensgroße Statuen von Mussolini und König Vittorio Emanuele III. aufzuzustellen – Tour 1

Partisanenpfade im Piemont ist auch ein Geschichtenbuch:
Die ehemaligen Redaktionsräume der Untergrundzeitung ‚Il Pioniere‘, gut versteckt im hintersten Zipfel des Angrognatals gelegen – Tour 21. 17 Ausgaben wurden hier über die Walze gezogen. Ab Nov. 1944 wurde die Zeitung in Torre Pellice gedruckt. Unter den Augen der Faschisten gegenüber der Caserma Ribet – Tour 20.

  • Wer und was dem „guten Onkel Mussolini“ zum Aufstieg verhalf.
  • Wie im Verlag Einaudi mit den faschistischen Zensurmaßnahmen umgegangen wurde.
  • Wie leerstehende Villen zu Krankenstationen der Partisanen umfunktioniert wurden.
  • Wie im Felsendorf Barma de l’Ours die Untergrundzeitung Il Pioniere hergestellt wurde.
  • Was Generalfeldmarschall Kesselring unter ‚Bandenbekämpfung‘ verstand.
  • Welche seltene Freundschaft den Philosophen Benedetto Croce und Ada Gobetti verband sowie deren legendäre Winterüberquerung des Passo dell’Orso und vieles Weitere mehr.

Im Jahr 2004 restaurierte Aufschrift in Traversella, welche die deutschen Besatzer vor den Partisanen warnen sollte. Dabei wurde der Propagandaspruch Mussolinis auch gleich aufgefrischt.

Mit vielen Farbfotografien und historischen s/w-Aufnahmen. Sämtliche Touren wurden von den Autoren im Sommer 2011 abgegangen.

– Hardcover
– 272 Seiten
– mit zahlreichen Farbfotos
– sowie historischen s/w-Aufnahmen
– mit detaillierter Karte zu jeder Tour
– ISBN 978-3-941585-05-8
– EUR 19,90

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Eingeordnet unter Aostatal, bergauf bergab, Chisonetal, Gran Paradiso, Lanzotäler, NO TAV, Orcotal, Pellicetal, Susatal