Archiv der Kategorie: Grajische Alpen

Der Nationalpark Gran Paradiso bekommt mit Ceresole Reale seine zweite ‚Alpine Pearl‘

Am 1.1.2012 werden drei Orte neu in das touristische Netzwerk von ‚Alpine Pearls’ (*) aufgenommen – und alle drei liegen im Piemont: Ceresole Reale, Pragelato und Limone Piemonte.
Während sich Pragelato im Val Chisone (als Austragungsort der nordischen Disziplinen während der Olympischen Winterspiele 2006) und Limone Piemonte (einer der größten Wintersportorte im Piemont) selbst im deutschsprachigen Raum einer gewissen Bekanntheit erfreuen, sucht man nach Hinweisen auf Ceresole Reale bei uns meist vergeblich. Was durchaus auch daran liegen

Gran Paradiso
Gran Paradiso (4.061 m) – von der Nivolet-Hochebene aus gesehen

mag, dass der 1922 geschaffene Nationalpark Gran Paradiso meist ausschließlich im Aostatal verortet wird. Dabei gehört er zur Hälfte zum Piemont, seitdem 1945 die Grenzen neu gezogen wurden: Bei der Schaffung der Autonomen Region Aostatal wurde die frühere piemontesische Provinz u.a. um die südlichen Gran-Paradiso-Täler von Orco und Soana verkleinert.

A Piedi tra le nuvole – Zu Fuss durch die Wolken
Uns freut nicht nur, dass der touristisch etwas unterentwickelte piemontesische Teil des Nationalparks mit der Aufnahme von Ceresole Reale in die Reihe der ‚alpinen Perlen’ etwas aufgewertet wird. Sondern auch, dass damit der umweltverträgliche Kurs – ‚sanfte’, auch ‚nachhaltig’ genannte Mobilität ist schließlich eines der Marketing-Kernthemen der Perlen – Ceresoles gewürdigt wird. Ganz ohne Ski-Zirkus auskommend hat der kleine Ort mit seinem etwas verblichenen Charme – 1862 durfte er sich als Gegenleistung für Jagdlizenzen an König Vittorio Emanuele II.  den Zusatz ‚Reale’ an den Ortsnamen hängen – nämlich bereits im Jahr 2003 mit seinem Programm ‚A Piedi tra le Nuvole’, der sonntäglichen Sperrung der Straße über den Colle del Nivolet, Zeichen gesetzt.

Auf die zwischen 2.400 bis 2.600 m Höhe gelegene wunderschöne, auch ‚Cuore del Parco’ genannte, Nivolet-Hochebene führt von Ceresole Reale die in den

Nivolet-Passstraße
Passstraße hoch auf den Colle del Nivolet (2.636 m) – hier vorbei am Lago Agnel (2.297 m)

1950er-Jahren erbaute und durchgehend asphaltierte Straße über den Colle del Nivolet. Sodass es nicht verwundern darf, dass das Herz des Nationalparks besonders an sommerlichen Wochenenden stark pocht, also viele motorisierte Ausflügler anlockt.
Während die Einen (zumindest hinter vorgehaltener Hand) bedauern, dass der ursprüngliche Plan aufgegeben wurde, die Straße bis hinüber ins Aostatal zu verlängern, machen sich Andere seit vielen Jahren für den Schutz des sehr artenreichen und sensiblen Ökosystems auf der durch Wasserläufe und Feuchtgebiete geprägten Ebene stark und plädieren für eine Vollsperrung. Davon ist man zwar noch weit entfernt – Fahrverbote in hochalpinen Regionen lassen sich (nicht nur) in Italien schwer durchsetzen – aber zumindest an Sonn- und Feiertagen zwischen Mitte Juli und Ende August ist die Straße über den

Lagi Serrù und Agnel
Lago Serrù – und im Vordergrund Lago Agnel. Im Hintergrund die Grande Aiguille Rousse (3.428 m)

Colle del Nivolet ab Lago Serrù (2.275 m) gesperrt. Das im Jahr 2003 gestartete Programm heißt zwar ‚A piedi tra le nuvole’, zwingt aber niemanden, auch wirklich zu Fuß zu gehen. Stattdessen werden an diesen Tagen Pendelbusse eingesetzt. Die verkehren in schneller Abfolge, die Fahrkarten sind preiswert (2,50 €) und den ganzen Tag gültig, was auch Mehrfachfahrten erlaubt. Noch

Rifugio Savoia
Rifugio Savoia (2.533 m) auf der Nivolet-Hochebene

bequemer ist es, den Wagen gleich in Ceresole Reale stehen zu lassen und in einem Rutsch bis zum Rifugio Savoia auf dem Pian del Nivolet durchzufahren.

Mit dem Antrag auf Aufnahme in das ‚Alpine Pearls’-Netzwerk scheint Ceresole Reale diesen Kurs weiter verfolgen zu wollen. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich damit ja sogar à la longue die Möglichkeit zu einer Vollsperrung der Straße?

königlicher Jagdsteig
attraktiv genug? Hinten links die Cima del Carro (3.326 m)

Genügend attraktive Wanderwege hinauf zu den von eiszeitlichen Gletschern geschaffenen tiefblauen Seen wie dem Lago Rosset und den Laghi Trebecchi mit der grandiosen Aussicht auf den Gran Paradiso (4.061 m) und die ihn umgebenden vergletscherten Gipfel gibt es schließlich außerdem.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

(*) ‚Alpine Pearls’ ist eine im Jahr 2006 gegründete Kooperation von aktuell 24 (ab 1.1.2012: 27) Tourismusgemeinden aus dem gesamten Alpenraum. Die Zielsetzung dieses Tourismus-Vereins ist die Förderung von ‚sanfter’, heute gern ‚nachhaltig’ genannter Mobilität. Man hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Gästen die Möglichkeit der autofreien An- und Abreise und die einfache Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort und zudem weitere klimaschonende Urlaubsangebote zu bieten.
Entstanden ist dieses touristische Netzwerk als Ergebnis aus zwei aufeinanderbauenden EU-Projekten.

 

 

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Hochgeschwindigkeitsstrecke von Turin nach Lyon durch das Susatal – NO TAV!

Wandern im Susatal – jetzt erst recht!
Ließen wir unserem Zynismus freie Bahn, würden wir diesen Artikel mit der Aussage beginnen, dass Wandern im piemontesischen Susatal diesen Sommer wohl nicht sonderlich ‚angesagt‘ ist: Schließlich geht nach neuesten Untersuchungen der Tourismusbranche das Bedürfnis, die wenigen Urlaubswochen pro Jahr in Bürgerkriegsgebieten zu verbringen, scharf gegen Null.

Wären wir nicht selbst bis vor wenigen Tagen noch im Susatal gewesen, könnten wir Menschen verstehen, die nach dem Studium der letzten Pressemeldungen verschreckt ihren dort geplanten Wanderurlaub kurzfristig streichen.
Denn dass am vergangenen Sonntag wieder 70.000 Menschen friedlich gegen das vollkommen sinnentleerte Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsprojekt demonstrierten, das ihr Tal über Jahrzehnte hinweg in eine Großbaustelle verwandeln soll, findet wenig Niederschlag in den Medien. Den richtigen reißerischen „Aufhänger“ für Presseleute bieten nun hingegen Ausschreitungen einiger Weniger.

Mitglieder der augenblicklich so oft zitierten „Schwarzen Blöcke“, der „gewaltbereiten Extremisten“ aus dem In- und Ausland, dürften sich gerade landauf landab irritiert die Augen reiben über einen unerwarteten Zulauf bisher nicht bekannter „Randalierer“: Von in Ehren ergrauten Bürgermeistern, Großmüttern, die Angst um die Zukunft ihrer Enkel haben, jungen Müttern, die uns – an einer Hand ein Kleinkind, auf dem Arm einen Säugling – erzählen, dass sie selbst bereits als Kind von ihren Eltern mitgenommen wurden auf Demonstrationen gegen den Treno ad Alta Velocità, der ohne Rücksicht auf Verluste wie etwa die Schadstoffbelastung bei den jahrelangen Aushub- und Abraumarbeiten auch durch uran- und asbesthaltiges Gestein vorangetrieben werden soll.

Die Argumente der Befürworter: „Wenn wir nicht bauen, verlieren wir den Anschluss an die Zukunft – und die Millionen aus der EU-Förderung!“
Wogegen sich die Talbevölkerung seit vielen Jahren zur Wehr setzt sind die Bauvorhaben der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Turin und Lyon. Das aus dem Jahr 1989 herrührende Projekt sieht vor, in dem durch Transitverkehr bereits stark belasteten Susatal einen der längsten Basistunnel der Alpen entstehen lassen. Zunächst für den Personenverkehr konzipiert, soll die Strecke nun im Rahmen des transeuropäischen ‚Verkehrskorridor 5 Kiev – Lissabon‘ auch als Gütertransportverbindung fungieren – wobei allerdings noch nicht einmal Hochrechnungen der Betreibergesellschaften davon ausgehen, dass von diesem Angebot besonders rege Gebrauch gemacht werden wird.

Wie das Nutzungskonzept des Projektes – das nun wohl aus Imagegründen nicht mehr „Treno ad Alta Velocità“ sondern „Nuova Linea Torino Lione“ heißt – wurde auch die geplante Streckenführung in den letzten Jahren mehrmals verändert. Der letzte uns bekannte Plan vom März 2011 sieht so aus:

Die graugepunktete Linie stellt die existierende Bahnlinie durch das Susatal dar, die fett rot eingezeichnete Linie die geplante Neubaustrecke. Die Teilstrecke zwischen Orbassano und Avigliana soll dafür unterirdisch durch das Endmoränengebiet geführt werden. Bei Susa soll der 57 km lange Basistunnel beginnen, und bei der „Discenderia Maddalena“ handelt es sich um den bei Chiomonte geplanten Zugangstunnel.

„Den Anschluss an die Zukunft nicht verpassen“ ist ein K.O.-Argument, dass wir alle auch aus anderen Zusammenhängen kennen. Es wird immer dann eingesetzt, wenn Logik versagt! Denn:

  • Alle erhobenen Daten zeigen einen unaufhaltsamen Rückgang der Güter- und Personenbewegungen auf der Linie und lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass die bereits bestehende Bahntrasse vollkommen ausreicht. Der Personenverkehr – bereits seit vielen Jahren existiert eine TGV-Verbindung zwischen Turin und Lyon! – hat sich seit 1993 halbiert. Der Gütertransport durch den Autobahntunnel von Fréjus ist 2009 auf 10 Mio. Tonnen, d.h. auf das Niveau von 1993, zurückgegangen.
  • Es gibt weder technische  noch Kapazitätsengpässe. Der heutige Tunnel ist über mehrere Jahre hinweg bis Ende 2010 komplett modernisiert worden.
  • Die Energiebilanz des geplanten 57 km langen Basistunnels ist absolut negativ. Sowohl die an der Universität von Siena durchgeführten Untersuchungen zum Energieverbrauch durch den Bau und den Betrieb der neuen Tunnelstrecke als auch die Errechnung des Energieverbrauchs durch das Belüftungs- und Kühlsystem ergeben jede für sich einen CO2-Ausstoß pro Transportladung, der höher ausfällt als der der Ladungen im heutigen Tunnel, selbst bei dessen vollkommener Auslastung.
  • Die Sicherheitsvorkehrungen des geplanten Basistunnels, da auf demselben Gleis und in engstem Zeittakt sowohl Personenzüge mit 220-240 km/h als auch Güterzüge mit 100-120 km/h verkehren sollen, sind vollkommen unzureichend.
  • Usw.usw.usw. Wir wollen schließlich nicht langweilen. Lediglich noch kurz einen Blick auf die voraussichtlichen Kosten dieses Megaprojektes werfen. Mario Cavargna, der Präsident von „Pro Natura Piemonte“, hat anlässlich einer Konferenz in Straßburg am 9.3.2011 dargestellt, dass sich auf  Basis der im Jahr 2007 geplanten Streckenführung Kosten von 175 Mio. € pro km Bahnstrecke ergeben.

Mit welchen immer wiederkehrenden Floskeln der Öffentlichkeit dennoch Sand in die Augen gestreut wird, ist beim „Comitato NO TAV – Torino“ nachzulesen: „Wer den Verstand benutzt, verwehrt sich gegen hohle Floskeln – Denkanstöße zum Bauprojekt der Hochgeschwindigkeitsbahntrasse“.
Gebetsmühlenartige Wiederholungen eben dieser Floskeln bereiten schließlich das Terrain für den Erhalt der EU-Finanzmittel, die Brüssel Rom und Paris für den Bau zur Verfügung gestellt hat.

Von dem Tal, das friedlichen Widerstand leistet und sich nicht ergibt
Im Sommer 1992 gingen Umweltaktivisten zu Fuß am Alpenhauptkamm entlang von Wien nach Nizza. Ihr Motto: „Wir setzen der drohenden Zerstörung des Alpenraumes ein paar Füße entgegen – unser Widerstand gegen eine Entwicklung, die wir nicht wollen.“ Sie trafen in verschiedensten Regionen Menschen, die sich gegen Fehlentwicklungen im Alpenraum zur Wehr zu setzen versuchten. Einer von ihnen war Claudio Giorno, damals wie heute aktiv im Widerstand gegen die Betonlobby: „Das Susatal ist ein Musterbeispiel der Zerstörung einer Region. Alle wichtigen Entscheide werden über die Köpfe der lokalen Bevölkerung hinweg gefällt. Unser Leben wird immer mehr von den Lobbies der großen Baufirmen und der Großindustrie bestimmt. Die Situation ist ernst, und wir nähern uns dem Punkt, wo es kein Zurück mehr gibt, weil es nichts mehr zu retten gibt. Wie wird es möglich sein, den letzten Rest an Lebensqualität im Tal zu erhalten?“ (Dominik Siegrist/ Jürg Frischknecht et al., Alpenglühn – auf Transalpedes-Spuren von Wien nach Nizza, Rotpunktverlag, Zürich 1993, mit einem Nachwort des Alpenforschers Professor Werner Bätzing).

Diese Aussage ist annähernd 20 Jahre alt, geändert hat sich am Sachverhalt nichts.
Nichts hat sich auch geändert am Widerstand der Gegner dieses gigantischen Großprojektes, circa 90 Prozent der Talbevölkerung, angeführt von den Bürgermeistern der meisten Gemeinden des Tales, dem Präsidenten der Comunità Montana Valle Susa e Val Sangone, unterstützt von Umweltschutzorganisationen wie Legambiente – dennoch aus den städtischen Zentren wahlweise als linke Krawallmacher oder Hinterwäldler ohne Verständnis für die Notwendigkeiten einer globalisierten Welt diffamiert – setzen der Zerstörung ihres so traditionsreichen Tales viele stichhaltige Argumente entgegen (siehe oben). Sie lassen Kosten-Nutzen-Analysen anfertigen und zeigen Folgen für Umwelt, Bevölkerung und die lokalen Betriebe auf, die durch die zu erwartende permanente Lärmbelästigung und Schadstoffbelastung bei den jahrelangen Aushub- und Abraumarbeiten entstehen würden. Sie gehen manchmal zu Demonstrationen auf die Straße, oft den Weg durch die Institutionen. Sie sind phantasievoll in ihren Aktionen und berufen sich vehement auf die Verfassung.

Unser vorläufiges Fazit
Als der 30.6.2011 näherrückte, bis zu dem – um die EU-Subventionen nicht zu verwirken – spätestens mit dem Bau des Zugangsstollens nahe Chiomonte hätte begonnen werden müssen, war klar, dass eine Räumung des Hüttendorfes bevorstand. Dort hatte die NO TAV-Bewegung ihre „Libera Repubblica della Maddalena“ eingerichtet. Auf Gemeindegrund, für dessen Nutzung der Steuerbescheid über 800 Euro übrigens auch brav bezahlt wurde.
Sie hatten Zelte aufgeschlagen, um mit friedlichen Mitteln zu versuchen, den anstehenden Beginn der Bauarbeiten zu verhindern. An der Maddalena wurden Infoveranstaltungen abgehalten, Interviews gegeben und das weitere Vorgehen basisdemokratisch festgelegt. Randnotiz: Auch ein eigener NO TAV-Gebetsstock wurde gebaut – schließlich handelt es sich beim Susatal um eine überwiegend katholische Region.
In der Nacht zum 27.Juni 2011 rückten ca. 2.000 aus allen Landesteilen zusammengezogene Ordnungskräfte vor, gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gehen die Besetzer der Maddalena vor und „zerstreuten“ die Demonstranten.
Am Morgen danach gingen die immer selben Fotos von Steinewerfern einerseits, verletzten Einsatzkräften andererseits durch die Medien – auch in Deutschland. Wir lasen die Sonderausgabe der Ortspresse „La Valsusa“ und kamen zu deutlich anderen Einschätzungen. Am nächsten Tag nahmen wir an einer spontan angesetzten Fiaccolata teil, einem Fackelzug durch Susa. Ein aus unserer Perspektive nicht endenwollender Protestzug wand sich, Volksfeststimmung verbreitend, durch die Stadt, allen voran wieder Bürgermeister und Vertreter der Comunità Montana. Später hörten wir, dass sich dazu über 15.000 Menschen aus dem ganzen Tal zusammengefunden hatten. Müssen wir noch extra betonen, dass es sich um eine ausgesprochen friedliche Veranstaltung handelte?

Um sich über 20 Jahre lang einem Megaprojekt wie dem TAV zu widersetzen, bedarf es sehr guter Nerven und eines gerüttelt Maßes an Humor. Diesen Humor wird die Bevölkerung des Susatales gerade jetzt benötigen, da sie in die Nähe der „Schwarzen Blöcke“ gerückt wird und ihre Aktionen kriminalisiert werden.
Und in deutschsprachigen Medien wird fleißig abgeschrieben, was über die italienischen Nachrichtenagenturen tickert. Von denselben Medien übrigens, die sich sonst gerne darüber empören, dass unter Ministerpräsident und Medienzar (!) Silvio Berlusconi die italienische Verfassung immer weiter ausgehöhlt wird. Und die auch durchaus kritisch aufzeigen, wenn seine Tourismusministerin Michela Vittoria Brambilla schon mal zackig bei öffentlichen Veranstaltungen den Arm zum römischen Gruß, Mussolinis „saluto romano“, hebt – ohne dafür ihres Amtes enthoben und angezeigt zu werden. Um hier nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Dass mit dem geplanten Bauvorhaben eine traditionelle Kulturlandschaft weiter zerstört wird, dass dieses bei uns weitgehend unbekannte Tal zurecht den Beinamen „Tal der Klöster“ trägt, und – wenn man es nicht beim ersten Blick auf Autobahn, Eisenbahn und Staatsstraßen beläßt – auch eine hochinteressante Wanderregion ist, geht in der Berichterstattung vollkommen  unter. Diese Sicht auf die Dinge wäre den Befürwortern des Projektes ja auch nicht gerade förderlich.
Da freuen wir uns dann bereits über den etwas ausgewogeneren Ansatz des ORF, der diesen Aspekt nicht ganz vernachlässigt hat und auch auf unsere Beschreibung des Susatales verlinkt hat.

Ora e sempre NO TAV!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

P.S. Weil wir uns wenig Hoffnung auf eine realitätsnähere Berichterstattung in der Zukunft machen, haben wir uns entschieden, in regelmässigen Abständen über die Ereignisse im Susatal zu berichten.

 

 

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Shuttlebus in den Nationalpark Vanoise

Wanderführer können auch ganz aktuell sein
Wer hat eigentlich die Mär in die Welt gesetzt, dass Reise- und Wanderführer zwingend bereits veraltet sein müssen, wenn sie die Druckerei verlassen? Und wer nimmt das auch heute noch klaglos in Kauf, obwohl allen Autoren mit dem „Zeitalter von Web 2.0“ die Möglichkeit gegeben ist, Aktualisierungen zeitnah zu veröffentlichen?
Tja, diese und andere Gedanken drängen sich uns manchmal auf, während wir Updates zu unserem Piemont-Wanderführer ins Netz stellen, damit der geneigte Leser auch weiß, dass das Centro Visita Alevè in Casteldelfino diesen Sommer auch sonntagvormittags geöffnet hat und sich der Eintrittspreis für die ganztägige Tour »La Passeggiata Reale« beim Forte Fenestrelle leicht erhöht hat. Für uns ist das eine ganz selbstverständliche und seit Jahren betriebene Praxis, mit der wir auf unserer eigenen Seite sämtliche Aktualisierungen unserer anderen 6 Wanderführer veröffentlichen.
Während wir also hoffen, dass unser Ansatz irgendwann Schule macht, aktualisieren wir fleißig weiter:

Auch im Jahr 2011 fahren wieder Shuttlebusse direkt ins Herz des Parc National de la Vanoise
Wir haben für unseren Wanderführer zur Tour des Glaciers de la Vanoise als Einstiegsetappe einen Prolog ab Termignon in der Maurienne beschrieben. Weil wir immer auch darauf schauen, dass der Ausgangsort einer Wandertour auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Was bei Pralognan in der Tarentaise – dem klassischen Startort dieser Rundtour – leider nicht der Fall ist.

Refuge Plan du Lac Wer bei dieser Tour einen Tag einsparen möchte, kann den nur in den Sommermonaten eingesetzten Shuttlebus-Service nutzen und so direkt zum Refuge Plan du Lac (ca. 15,5 km ab Termignon) oder zum Refuge d‘Entre Deux Eaux gelangen.

Die Busse zwischen Termignon und Entre Deux Eaux verkehren vom 25. Juni bis zum 4. September: Im Juli/ August 3x täglich, zwischen Mitte Juli und Mitte August 5x täglich. Bis zum Parkplatz Bellecombe (ca. 14 km ab Termignon) ist die Fahrt kostenlos. Fahrplan für 2011 als PDF-Download.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

 

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Mit dem Zug in die Lanzotäler

Immer mehr lokale Eisenbahnstrecken in den Alpen (und anderswo) werden stillgelegt, die in die Valli di Lanzo führende Linie Turin – Ceres hingegen mit sehr viel Aufwand von der Betreibergesellschaft Gruppo Turinese Trasporto (GTT) modernisiert.
Endstation Ceres im "tipico stile svizzero", wie auch die anderen in den Jahren 1913-1916 errichteten Bahnhöfe auf dem Streckenabschnitt zwischen Lanzo Torinese und Ceres. Die Valli di Lanzo, zusammenfassender Name der drei im Nordwesten von Turin gelegenen Täler Val Grande, Val d’Ala und Val di Viù, entwickelten  sich recht früh zu einer angesagten Destination des betuchten piemontesischen Bürgertums: Als die „Sommerfrische“ in den Bergen in Mode kam, ließ sich – wer es sich leisten konnte – in einem dieser Täler ein Sommerhaus bauen, wovon heute noch zum Teil recht gut erhaltene Jugendstilvillen zeugen.

Der 1862 projektierte Eisenbahnbau verstärkte diesen Trend ungemein. Im Jahr 1868 verließ erstmals vom Bahnhof Porta Milano am Corso Giulio Cesare ein Zug Turin in Richtung Lanzotäler. Mit dem ersten Bauabschnitt erreichten die Züge Caselle, ein Jahr später Ciriè. Im Jahr 1876 konnte mit viel Pomp die Fertigstellung der nun 30 Kilometer langen Eisenbahnlinie bis Lanzo Torinese gefeiert werden.

50 Meter hoch und in einer Länge von 190 Metern die Stura di Valgrande überspannendes Viadukt. Damals wie heute eine Art Markenzeichen dieser historischen Linie. Der Startschuss zum Weiterbau, dem alpinen Teil der Eisenbahnstrecke, fiel spät, nämlich im Jahr 1913. Die Verlängerung der Trasse über Germagnano bis Ceres, genau am Zusammenfluss der Flüsse Stura di Ala und Stura di Valgrande gelegen, wurde 1916 abgeschlossen.
Das beeindruckende 50 Meter hohe Viadukt, das kurz vor dem Bahnhof Ceres in einer Länge von 190 Metern die Stura di Valgrande überspannt, ist damals wie heute eine Art Markenzeichen dieser historischen Bahnlinie.
Wie auch die zwischen 1913 und 1916 im „tipico stile svizzero“ errichteten Bahnhöfe auf dem Streckenabschnitt zwischen Lanzo Torinese und Ceres.  Aber wie auch immer man diesen Baustil nennen mag: Die Bahnhöfe sind sehenswert.
Die mit Holzornamenten versehenen Innenbereiche bieten einen Blick auf längst vergangene Eisenbahngeschichte. Die edlen Fahrkartenschalter sind längst nicht mehr besetzt, genausowenig wie die Wartesäle der 1. Klasse zugänglich.

Nachdem die Züge 15 Jahre lang lediglich bis Germagnano fahren konnten – 1993 hatten Überschwemmungen schwere Schäden am Schienennetz verursacht und damit zur Stilllegung der Strecke bis Ceres geführt  – ist nach aufwendigen Bauarbeiten im November 2008 die Originalroute wieder eröffnet worden.
So fährt heute wieder – nun ab Bahnhof Turin Dora – jeder zweite Zug weiter bis zur historischen Endstation in Ceres – Fahrplan.
Von dort aus verkehren mehrmals täglich Busse in die Talschlüsse. In jene hochattraktiven Bergregionen, in denen sich die Gründerväter des italienischen Alpenvereins ihre ersten Sporen verdienten.
Von Ceres verkehren Busse in die Talschlüsse. In jene hochattraktiven Bergregionen, in denen sich die Gründerväter des italienischen Alpenvereins ihre ersten Sporen verdienten - zum Beispiel auf 3.604 Metern Höhe mit der "Bewzingung" der Uia di Bessanese. Um zum Beispiel die Uia di Bessanese (3.604 m) oder die Uia di Mondrone (2.964 m) von der nahen Hochebene Pian della Mussa aus zu bezwingen.
Die Autolinee Vigobus bedient die Strecke nach Pialpetta (Sonntags im Juli/ August  weiter bis Forno Alpi Graie) in das Val Grande. Vigo Autoindustriale fährt weiter nach Balme im Val d’Ala. Und die Strecke Lanzo – Usseglio in das Val di Viù bedient die GTT in Zusammenarbeit mit der Comunità Montana Valli di Lanzo (*).

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

(*) Seit Anfang 2011 haben sich 21 lokale Busanbieter unter einem neuen Dach zusammengeschlossen und treten nun als  EXTRA.TO vollmundig unter dem Motto „La Rete Unica della Provincia di Torino“ an. Auch auf deren Seiten finden sich aktuell bereits die Fahrpläne aller drei oben beschriebenen Buslinien.

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Die Höhenwege des Aostatals – die Alta Via 2

Ouvertüre
Ein Wanderführer muss aktuell sein. Und je weniger Hintergrundinfos er uns liefert, desto beharrlicher pochen wir auf diesen Umstand.

„Unmöglich“, hören wir auf dem Off, „Ihr müsstest doch wissen, dass manche Infos bereits veraltet sind, bevor ein Wander- oder Reiseführer auch nur veröffentlicht ist.“

Wenn es sich dabei um Telefonnummern, URLs oder Preise von Unterkünften handelt – Haken dran. Ist einfach unvermeidbar. Und auch ansonsten bestens unterhaltene Wanderwege können schon mal durch einen Geröll- oder Lawinenabgang in Mitleidenschaft gezogen, schlimmstenfalls unpassierbar werden.

Lac Miiserin, 2.576 m und Notre Dame de la Neige an der Alta Via 2
Lac Miserin – 2.576 m, Notre Dame de la Neige und Alta Via 2

Aber schließlich leben wir im Internetzeitalter, das erlauben würde, recht zeitnah – und damit lange vor der nächsten Auflage – über Veränderungen am Inhalt des einmal gedruckten Produktes zu informieren. Doch schaut man sich die gelebte und veröffentlichte Praxis der Verlage an, sucht man nach Updates meist vergeblich. Selbst der Marktführer kann es sich anscheinend erlauben, lediglich eingesandte Leserzuschriften kommentarlos zu veröffentlichen. Auf dass wir immer wieder, nun ja: Überraschungen erleben müssen.

Wie sich ein über 10 Jahre alter Wanderführer noch heute gut bewähren kann…
Unsere in der „Ouvertüre“ geäußerte Kritik an den vorherrschenden Verlagskonzepten zielt aber natürlich nur auf noch heute bestehende Wanderführer-Reihen – zu denen der „Verlag der Weitwanderer“ leider schon lange nicht mehr gehört.

Ansprüche an Aktualität wären hier also abstrus. Trotzdem ist der bereits im Jahr 1999 erschienene Wanderführer „Die Höhenwege des Aostatals“ von Frank Rainer Scheck auch heute sehr lesenswert.

Denn die vielen dort gelieferten Hintergrundinformationen veralten schließlich nicht. Und welcher Verlag erlaubt sich heute schon noch den Luxus, allein 20 eng bedruckte Seiten der Geschichte der beschriebenen Wanderregion zu widmen? Und weder die Geomorphologie noch die Kapitel zu Klima, Fauna und Flora zu vernachlässigen?

Kurz: Wer im Aostatal nicht nur Höhenmeter in der Terra incognita des italienischen Nordwestens machen will, sondern etwas über die Besonderheiten und Kulturen der insgesamt 16 Seitentäler des Aostatals erfahren möchte, ist mit diesem Buch nach wie vor gut bedient.

Obwohl die Wegführung der 4 beschriebenen Alte Vie 11 Jahre nach Drucklegung selbst bereits zur in der Einleitung skizzierten „Geschichte der Höhenwege“ zählt.

Wer heute auf der Alta Via Due unterwegs ist, muss sich beispielsweise über Gletscherquerungen keine Gedanken mehr machen und kann Seil, Steigeisen und Pickel getrost zu Hause lassen. Bereits im Jahr 2004 ist die Etappe zwischen dem Valgrisenche und dem Tal von La Thuile entschärft und der Streckenverlauf verändert worden. Die etwas heikle Passage über den vergletscherten Passo di Planaval (3.016 m), die manchen von dieser traumhaft schönen Route durch die Täler des Gran Paradiso Nationalparks im Süden des Aostatals abgehalten hat, gehört somit längst der Geschichte an. Wie auch Vieles andere mehr.

… wenn praktische Detailinfos im Internet zur Verfügung stehen
Und die werden in diesem konkreten Fall nicht vom Verlag oder dem Autor geliefert – sondern von der Tourismuszentrale der Autonomen Region Aosta.

Alta Via 1 & 2 Fremdenverkehrsbüro – Aosta
Piazza Chanoux, 2
Telefon: (+39) 0165.236627
Fax: (+39) 0165.34657
E-Mail: aosta@turismo.vda.it

Auf dieser Internetseite findet sich nicht nur eine Übersicht über die Route der Alta Via 2, sondern auch die gesamte Broschüre mit Wegbeschreibungen zum Download. Die gesamte etwa 70-seitige Broschüre (Alta Via 1 + Alta Via 2) gibt es in den meisten Tourismusbüros vor Ort, auf jeden Fall aber in Aosta.

Die Höhenwege des Aosta-Tals Frank Rainer Scheck: Die Höhenwege des Aosta-Tals. Verlag der Weitwanderer. Bestellbar bei Alpina – Johann Neumann, Pf. 1211, 85609 Aschheim bei München, Tel: 089/9037655, Fax: 089/9035100, E-Mail: info@alpina-buch.de

Das Motto heißt also:
Man nehme den Wanderführer von Frank Rainer Scheck (der die Alta Via Due in West-Ost-Richtung beschreibt) für die umfangreichen Hintergrundinformationen zur Region und ziehe sich die konkreten Wegbeschreibungen aus dem Netz (hier: Ost-West-Richtung). Und fertig ist der aktuelle Wanderführer!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Ehemals königliche Jagdwege rund um den Gran Paradiso

Nicht jeder der Jagdsteige, die König Vittorio Emanuele II. von Italien ab 1861 in seinen Jagddistrikten rund um den Gran Paradiso (4.061 m) erbauen ließ, ist so kunstvoll gepflastert – Jagdsteig am Colle del Nivolet alpiner Straßenbau vom Feinsten! – wie jener, der vom Rifugio Città di Chivasso am Colle del Nivolet hinüber ins Valle Orco führt. Dennoch hat man bei Wanderungen in der Gran-Paradiso-Region meist einen der Wege unter den Füßen, die zwischen 1861 und 1878 angelegt wurden, damit der König und seine adligen Gäste ohne vom Pferd zu steigen hochgelegene Jagdsitze erreichen oder Pässe überwinden konnten.

aus: Marco Giacometti (Hrsg.), Von Königen und Wilderern
aus: Von Königen und Wilderern. Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Marco Giacometti

Wir treffen in den Westalpen zwischen Aostatal und Ligurischen Alpen permanent auf Hinterlassenschaften des Monarchen (von 1849 bis 1861 des Königreichs Piemont-Sardinien, danach erster König des vereinten Italiens). Jedoch nicht denen des Staatsmannes (Vielleicht stimmt ja der Gossip, nachdem sein Il Re Cacciatore - Vittorio Emanuele II Ministerpräsident Camillo Benso di Cavour den König und dessen unstandesgemäße Geliebte Rosa Vercellana ohnehin nur ungern in der Hauptstadt Turin sah?), sondern denen des leidenschaftlichen Jägers Vittorio Emanuele II., des „Re Cacciatore“.

Il Re Cacciatore
Anfang des 19. Jahrhunderts waren Steinböcke fast ganz aus den Alpen verschwunden. Sie waren als Fleischlieferant und wegen ihrer Bedeutung in der Volksmedizin (Steinbockblut gegen Blasensteine, sein Kot gegen Schwindsucht, die Bezoarsteine – Kugeln aus Haaren, Harzen und Steinen im Magen – als Hilfe gegen Krebs, etc. etc.) schonungslos gejagt und fast vollständig ausgerottet worden. Nur im italienischen Gran-Paradiso-Gebiet hatte eine kleine Restpopulation die flächendeckenden Bejagungen überlebt. Man spricht von ca. 100 Tieren. Per Gesetz wurde deshalb 1821 der Steinbock im gesamten Gebiet Savoyens unter Schutz gestellt. Was zwar ein Meilenstein in der Geschichte des europäischen Naturschutzes gewesen sein mag, den Bestand wegen fehlender Überwachungsmöglichkeiten aber wohl nicht hätte sichern können. Auch wer wie wir der Jagd nichts abgewinnen kann (ein Besuch im Schloss von Sarre, woCastello Sarre
mit freundlicher Genehmigung: Zoologisches Museum der Universität Zürich

Ornamente aus 1019 Steinbock- und 787 Gamshörnern  Decken und Wände des großen Saals fast vollständig bedecken, hinterlässt einen bizarren Eindruck), kommt nicht umhin zu konstatieren, dass die Rettung der Population nur durch die Einrichtung von königlichen Jagdrevieren, die damit verbundene Hege und strenge Limitierung von Abschüssen gelingen konnte.

Ab 1856 erwarb Vittorio Emanuele II. Grundstücke im Gran-Paradiso-Gebiet, zunächst am Colle del Nivolet, dann im Valsavarenche, im Val di Cogne, im Val di Rhêmes, im Val di Champorcher und in den (heute) piemontesischen Tälern von Orco und Soana. In all diesen Gebieten wurden Jagdhäuser errichtet, und der Ausbau des alle Jagdgebiete miteinander verbindenden Wegenetzes begann 1861. Insgesamt 340 Kilometer Jagdwege bis auf eine Höhe von 3.296 m (Col Lauson, auch: Col Loson), alle zwischen 1 m und 2,5 m breit und für Pferde zu bewältigen, wurden angelegt. Deren Bau und Unterhalt – wie auch der Ankauf/ die Pacht für die Jagdgebiete aus Privatvermögen gezahlt – soll den König ein Vermögen gekostet haben.
Wer Einzelheiten darüber erfahren möchte, findet sie und viele interessante Hinterrundgeschichten im 2006 erschienenen Buch (Hrsg. Marco Giacometti) „Von Königen und Wilderern“ im Kapitel ‚Königliche Jagden im Gran Paradiso‘, das Pietro Passerin d’Entrèves, Professor für Zoologie an der Universität Turin und Rektor der Universität des Aostatales, verfasst hat.

Wandern auf ehemals königlichen Jagdsteigen
Wurden die ersten Jagden noch im – vom Eingang des Aostatals am schnellsten erreichbaren – Val di Champorcher abgehalten,  Rifugio Vittorio Emanuele, CAI verlagerte sich deren Zentrum immer mehr ins Valsavarenche. Kein Wunder also, dass die heute klassische Aufstiegsroute zur Besteigung des Gran Paradiso nicht nur über einen ehemaligen Jagdsteig führt, sondern das Rifugio unterhalb seines Gipfels auch nach Vittorio Emanuele II. benannt ist. Genau wie das alte Rifugio direkt daneben, die frühere Casa Reale di Caccia di Montcorvé.
Zu Jagdzwecken angelegte Infrastruktur nutzt im 21. Jahrhundert auch, wer von Pont aus, dem letzten mit dem Auto  anfahrbaren Ort im Rifugio SavoiaValsavarenche, hinauf zur Nivolet-Hochebene geht. Dort im Herzen des 1922 gegründeten Nationalparks – dem Enkel des Jägerkönigs war die Anfahrt von Rom aus zu weit und  er überschrieb das Jagdrevier dem Staat – wird das ehemalige Jagdhaus seit 1921 als Rifugio Savoia betrieben. Eine andere Casa di Caccia im Valsavarenche steht in Orvieille, heute von den Parkwächtern genutzt. Eine Mulattiera Reale führt von Dégioz durch den Bois de Fontaines zu dem 1862 errichteten Jagdhaus.
Auf der anderen Talseite kann man vom Valsavarenche ins Val di Cogne überwechseln. Die in den wohl bekanntesten Höhenweg des Aostatals, die Alta Via 2, eingebundene Strecke führt über Rifugio Vittorio Sella, CAI ehemalige Reitwege, den Col Lauson nutzend, geradewegs zur nächsten ehemaligen Casa di Caccia, die heute das nach dem großen Alpinfotografen Vittorio Sella benannte Rifugio beheimatet. Usw.usw. usw.
Wir belassen es an dieser Stelle bei diesen wenigen Hinweisen zu attraktiven Wandertouren im Gran-Paradiso-Gebiet, werden aber nach und nach die eine und die andere über königliche Reitwege verlaufende Route detailliert beschreiben.

Randnotiz: Auch zu Lebzeiten von Vittorio Emanuele II. waren diese Wege allen frei zugänglich. Gesperrt waren sie lediglich zur Jagdzeit. Und der König soll es gern gesehen haben, dass Alpinsten sie als Anmarschrouten für ihre Bergtouren nutzten.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Eingeordnet unter Aostatal, Cognetal, Grajische Alpen, Gran Paradiso, Orcotal, Val di Rhêmes, Valsavarenche

Unser Piemont-Wanderführer ist jetzt erschienen

Kurz und knapp zum Thema „Der piemontesische Westalpenbogen ist viel zu attraktiv, um ihn Weitwanderern zu überlassen!“ die Meldung, dass unser Piemont-Wanderführer jetzt erschienen ist.

Piemont Wanderführer mit 38 Touren und GPS-Tracks zum Herunterladen,
Michael-Müller-Verlag 2010, ISBN 978-3-89953-566-2,
240 Seiten, 14,90 €

Bei Bestellung über den Michael-Müller-Verlag erfolgt die Lieferung innerhalb Deutschlands versandkostenfrei.

Download Leseprobe 1, Tour 15: Monviso-Region: Von Villanova zum Rifugio Willy Jervis auf der Hochebene Conca del Prà

Download Leseprobe 2, Tour 24: Mairatal: Rund um die Rocca Provenzale

Wir haben den Piemont-Wanderführer bereits im Frühjahr ausführlich vorgestellt, sodass wir heute nur noch das Inhaltsverzeichnis nachliefern.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Gran-Paradiso-Region und Lanzo-Täler
Tour 1      Kleine Seenrunde im Herzen des Gran Paradiso
Tour 2      Von der Nivolet-Hochebene zum Mont Taou Blanc
Tour 3      Vom Colle del Nivolet über die Laghi Losere ins Orco-Tal
Tour 4      Vom Lago di Ceresole Reale zum Rifugio Guglielmo Jervis und Colle di Nel
Rifugio Gastaldi und Bessanese Tour 5      Vom Pian della Mussa zum Rifugio Gastaldi
Tour 6      Vom Lago di Malciaussia über die Pässe Croce di Ferro und Coupe

Susa-Tal
Tour 7      Auf Pilgerwegen rund um die Sacra di San Michele
Rocciamelone Tour 8      Zum höchsten Wallfahrtsberg der Alpen, dem Rocciamelone
Tour 9      Panoramarunde um den Lago del Moncenisio
Tour 10      Von Salbertrand zur Testa dell’Assietta
Tour 11      Durch das Valle Stretta zum Wallfahrtsberg Mont Thabor

Waldensertäler und Monviso-Region
Tour 12      Runde beim Forte di Fenestrelle
Tour 13      Vom Rifugio Selleries zu den Laghi La Manica und Laus
Tour 14      Von Prali zu den Tredici Laghi
Tour 15      Von Villanova zum Rifugio Willy Jervis auf der Hochebene Conca del Prà
Tour 16      Zur Felsensiedlung Balma Boves
Tour 17      Kleine Seenrunde an den Quellen des Po
Buco di Viso und Colle delle Traversette Tour 18      Zum Colle delle Traversette und Rifugio Giacoletti
Tour 19      Giro del Monviso – Drei-Tage-Tour um den »König aus Stein«

Dolomiten von Cuneo
Tour 20      Zum Rifugio Bagnour in den Bosco dell’Alevè
hinterm Col Longuet - bereits in Frankreich Tour 21      Zu den Laghi Blu und über den Col Longet hinweg
Tour 22      Zu den steinernen Pilzen Ciciu del Villar
Tour 23      Zum idyllischen Bergsee Lago Nero unterhalb der Gardetta-Hochebene
Tour 24      Rund um die Rocca Provenzale
Tour 25      Auf dem Sentiero Pier Giorgio Frassati zu den Pässen Cavalla und Munie
Tour 26      Zwei-Tage-Tour auf dem Maira-Weg über die Gardetta-Hochebene
Tour 27  Kurze Runde über den Colle dei Morti

Seealpen und Ligurische Alpen
Tour 28      Auf Schäferwegen von Pontebernardo nach Sambuco
Tour 29      Von Sant’Anna di Vinadio zu den Laghi Lausfer
Tour 30      Auf Schmugglerpfaden von Ferrere zum Colle di Puriac
Tour 31      Von Sant’Anna di Valdieri zum Rifugio Dante Livio Bianco
Tour 32      Runde zum Rifugio Genova-Figari am Lago del Chiotas
durch den Schnee zum Rifugio Questa
Tour 33      Auf königlichen Spuren rund um die Hochebene Pian del Valasco
Tour 34      Von Terme di Valdieri zur Hochebene Lagarot di Lourousa
Tour 35      Von Limonetto über den Grenzkamm zum Fort Pernante
Tour 36      Zu den östlichen Festungen am Colle di Tenda
Tour 37      Zu den Wasserfällen beim Pian delle Gorre
Tour 38      Kleiner Giro del Marguareis – Drei-Tage-Tour

 

 

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