Archiv der Kategorie: Queyras

Giro del Monviso: aktualisierte Neuauflage unseres Wanderführers

Giro del Monviso - rund um und kreuz und quer durch die Region des "Re di Pietra" Bereits Ende letzten Jahres ist die aktualisierte Neuauflage unseres Wanderführers zum Giro del Monviso erschienen. Und wir haben wieder einmal vergessen, zeitnah darauf hinzuweisen.

Längst nicht nur für Weitwanderer
Der Untertitel „Rund um und kreuz und quer durch die Region des Re di Pietra“ verdeutlicht weit besser, was sich auf den 130 Seiten neben dem 3-tägigen Giro Classico und dem 7-tägigen Giro Largo, der auch einen weiten Bogen durch Pellice- und Varaitatal vollzieht, so alles verbirgt.

Weil gerade die Zustiegswanderungen aus allen Himmelsrichtungen und die vorgeschlagenen Varianten viele lohnende Tagesausflüge bieten, richtet sich dieser Wanderführer durchaus auch an Liebhaber der Region, die gerne jeden Abend wieder in ihr Hotel zurückkehren.
Monviso - Re di Pietra
Das Übernachtungsverzeichnis – sauber sortiert nach den vier Tälern, aus denen ein Zustieg in den Giro möglich ist – wurde selbstredend vollständig aktualisiert und weist neben den Berghütten auch Häuser der 3-Sterne-Kategorie aus.

Darüberhinaus haben wir neben vielen interessanten Hintergrundgeschichten auch das Kapitel „Nicht nur für Regentage – Sehenswertes in der Monviso-Umgebung“ aufgenommen, um die klaffende Lücke zwischen herkömmlichem Reiseführer einerseits und Wanderführer andererseits endlich zu schließen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

P.S.
Über ein sehr nettes Hotel, von dem aus sich der schönste Blick auf den Monviso bietet (im wahrsten Sinne des Wortes „La Finestra sul Monviso“), und das Mineralquellwasser, das seit kurzem unterhalb des Monviso abgefüllt wird, berichten wir demnächst.

 

 

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Waldenser in den Cottischen Alpen und anderswo

Wer sind diese Waldenser, von denen so oft die Rede ist, wenn es um die piemontesischen Westalpentäler geht?
Wenn alles nach Plan der Initiatoren aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Frankreich läuft, die gemeinsam am Aufbau des  1.800 km langen Kulturfern-wanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad“ arbeiten, werden wir wohl bald öfter von ihnen hören. Auch in deutschen Medien, denen ansonsten beim Thema „Piemont“ selten mehr als Trüffel, Juventus Turin oder FIAT einfällt.
Lux Lucet in Tenebris -
„lux lucet in tenebris“ (Das Licht leuchtet in der Finsternis) – Seit ungefähr 1640 wurden diese Worte aus dem Johannesevange-lium zum Sinnbild und zum Wappen der Waldenser.

Diese neue grenzüberschreitende Kulturroute folgt den Pfaden, auf denen französische und italienische Protestanten am Ende des 17. Jahrhunderts aus Glaubensgründen ihr Land verließen. Im Falle der Waldenser ist auch der Rückkehrweg einer kleinen Fluchtgruppe aus dem Schweizer Exil, die als „Glorreiche Rückkehr“ bezeichnet wird, in das Projekt einbezogen.

Die Wurzeln der Waldenser liegen im Hochmittelalter. Als Waldenser (italienisch „Valdesi“) bezeichnete die katholische Kirche die Anhänger einer im 12. Jh. vom reichen Kaufmann Petrus Valdes in Lyon begründeten Laien-Reformbewegung. Richtschnur ihres Glaubens war die Bergpredigt. Den Alleinvertretungsanspruch der Kirche und den Treueschwur auf den Grundherren lehnten sie ab („Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“) und verschrieben sich der reinen apostolischen Lehre. Sie selbst nannten sich „die Armen Christi“.
Das nicht unumstrittene – weil viel zu martialische – Denkmal für Henri Arnaud in Torre Pellice

Wie andere vorreformatorische Gruppierungen wurden die Waldenser als Ketzer von der Inquisition verfolgt und waren zur Flucht gezwungen. Aus dem Untergrund operierend hatten sie sich in einigen abgelegenen, unwegsamen Tälern der Cottischen Alpen halten können. Als sie sich 1532 der Reformation Calvins anschlossen, gerieten sie hier im strategisch bedeutsamen Grenzgebiet zwischen Frankreich und Savoyen-Piemont zunehmend in den Fokus der Verfolgung. Ein trauriger Höhepunkt wurde 1655 beim sog. „piemontesischen Ostern“ erreicht, als über 6.000 Waldenser ermordet wurden. Meist in Abhängigkeit vom jeweiligen Bündnispartner Savoyens wechselten sich Phasen relativ freier Religionsausübung und schärfster Verfolgungen ab. Ließ man sie (in sehr eng gesteckten Grenzen) ihren Glauben ausüben, weil Savoyen gerade in dieser unwegsamen Region auf ihre Ortskenntnis und Unterstützung angewiesen war, wurde damit aber auch der eherne Grundsatz des „cuius regio, eius religio“ durchbrochen, dieses Prinzip der Kirchenpolitik, wonach die Untertanen stets die Religion des Landesherren anzunehmen hatten.
Frankreich und Savoyen waren aber verbündet, als der Sonnenkönig Ludwig XIV. 1685 das Edikt von Nantes wieder aufhob, mit dem den französischen Protestanten durch dessen Großvater Henri IV. 1598 das Recht auf freie Religionsausübung zugestanden worden war. Die Jagd auf die Waldenser wurde intensiviert, und wer die Blutbäder überlebte, floh in die protestantische Schweiz. Aufnahme fanden Waldenser u. a. auch in Württemberg und Hessen.
Andere bereiteten die heimliche Rückkehr in die Heimat vor, die schließlich als „Glorioso Rimpatrio“ (auch: „Glorioso Rientro“ und  „Glorieuse Rentrée“, glorreiche Heimkehr) – von den Regierungen Englands und den Niederlanden aus strategischen Gründen finanziert und logistisch flankiert – im August 1689 erfolgte. Etwa 1.000 Waldenser zogen unter der Führung des Pfarrers Henri Arnaud in einem 14-tägigen Marsch vom Genfer See bis zu den Cottischen Alpen in ihre Heimattäler Val Pellice, Val Germanasca und Val Chisone und hielten anschließend in einem monatelangen Guerillakampf ihre Stellungen. Ihre Rettung gelang schließlich aber nur, weil sich der Herzog von Savoyen 1689 überraschend von Frankreich ab- und England und Österreich zuwandte. Ein Bündnis mit dem anglikanischen England zwang Vittorio Amadeo II. 1694 ein Toleranzedikt zu erlassen, das den Waldensern die Existenz in ihren Tälern garantierte. Bis 1848 dauerte es indes, bis ihnen volle bürgerliche Rechte und die Ausübung ihrer Religion auch außerhalb ihrer Täler garantiert wurde.

Während die Gemeinden der nach Deutschland geflüchteten Waldenser im 19. Jh. in die evangelischen Landeskirchen eingegliedert wurden, bewahrten sich die Waldenser in Italien ihre Eigenständigkeit. Der Sitz der Chiesa Evangelica Valdese ist in Rom – die heimliche Hauptstadt aber Torre Pellice, wo sich entlang der Via Beckwith Kirche, Kulturzentrum, Kollegium, Museum und auch eine Touristen offenstehende Gästeunterkunft, eine sog. „Foresteria“, befinden.

Hätten Protestanten einen Hang zum Pilgern,  könnte, was für manche Katholiken der legendäre Jakobsweg ist, für Anhänger der Reformation der Weg sein, den Waldenser im August 1689 auf ihrer sog. Glorreichen Heimkehr nahmen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Kunst am Wanderweg im Valle Varaita und im Queyras

„Installazioni di Land Art“ prägen die neuen „Sentieri Arte e Natura“, die am 2. August 2010 im französischen Molines-en-Queyras, am Col Agnel und im benachbarten oberen Varaitatal – am Westufer des Lago di Pontechianale und auf dem Weg von Castello zum schön gelegenen Rifugio Bagnour im Bosco dell’Alevè – eingeweiht wurden.

Sentier Arte e Natura
Das Projekt ist finanziert mit Mitteln des Interreg III Alcotra-Projektes der EU, der Regionen Provence-Alpes-Côte d’Azur und Piemont und des Conseil Général Hautes Alpes und präsentiert sich sehr professionell auf der dazugehörigen Internetseite Sentier Arte e Natura.

Steinmännchen Auch auf die Gefahr hin, uns dafür Prügel von dem einen oder anderen Kunstliebhaber einzuhandeln: Von engagierten Laien kunstvoll aufgeschichtete Steinmännchen hätten es eventuell ja auch getan. Denn wenn man bedenkt, dass wir erst vor wenigen Tagen darüber berichtet haben, dass den italienischen Nationalparks die Fördermittel halbiert werden sollen ….wobei wir natürlich wissen, dass das Eine rein garnichts mit dem Anderen zu tun hat, und selbt beim besten Willen die EU-Fördermittel nicht zum Ausgleich für die Scharten verwendet werden dürften, die der italienische Staat gerade in die Förderung seiner nationalen und regionalen Schutzgebiete schlägt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Wanderkarten Monviso – Neuauflagen des Istituto Geografico Centrale IGC

Soeben sind die vom Istituto Geografico Centrale (IGC) herausgegebenen Wanderkarten

in einer überarbeiteten Auflage neu erschienen.  Auf die folgenden Änderungen möchten wir besonders hinweisen:

In der Legende findet sich jetzt ein sehr deutlicher Hinweis auf das Jahr der letzten Überarbeitung. Das gilt für alle seit dem Jahr 2009 neu herausgegebenen Auflagen. Wie Sie trotzdem das Alter Ihrer vor 2009 überarbeiteten Exemplare bestimmen können, haben wir in dem Beitrag IGC-Wanderkarten Westalpen beschrieben.

IGC Wanderkarte Westalpen

Neu ist auch in der Karte 106 das verwendete Kartendatum WGS84. Denken Sie bitte daran, falls Sie früher mit Karte und GPS in der Monviso-Region unterwegs waren, jetzt anstelle von European50 WGS84 an Ihrem Gerät einzustellen. Die Blätter der Serie 1:50.000 weisen übrigens kein Koordinatengitter auf. Erfreulich auch, dass die Strecken, auf denen die Via Alpina verläuft, jetzt als solche gekennzeichnet sind.

Monviso

Für Wanderungen in der Monviso-Region stellt das Blatt 106 im Maßstab 1.25.000 nach wie vor die erste Wahl dar. Die entsprechende AsF-Karte ist nicht mehr lieferbar und hat in Sachen Vollständigkeit nie an die IGC-Karte herangereicht.
Falls Sie sich für dieses Jahr den Giro del Monviso vorgenommen haben, eventuell sogar die große, in sieben Tagen um das Monviso-Massiv führende Runde: das Blatt 106 deckt diese gesamte Tour mit sämtlichen Zustiegen ab.

Die jeweiligen Blätter des IGC sind, neben den einschlägigen Online-Quellen, immer vor Ort und auf den Hütten erhältlich, zu Preisen von 7 und 8 Euro (1.25000 / 1.50.000).

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Wanderführer zum Giro del Monviso erschienen

Während wir in den vergangenen Wochen unterwegs waren zwischen Gran Paradiso im Norden und Pesiotal im Süden ist unser neuer Wanderführer zum Giro del Monviso erschienen.

Nicht nur rund um, sondern kreuz und quer
Der Untertitel „Rund um und kreuz und quer durch die Region des Re di Pietra“ verdeutlicht weit besser, was sich auf den 130 Seiten neben dem 3-tägigen Giro Classico und dem 7-tägigen Giro Largo, der auch einen weiten Bogen durch Pellice- und Varaitatal vollzieht, so alles verbirgt.

Giro del Monviso

Weil gerade die Zustiegswanderungen aus allen Himmelsrichtungen und die vorgeschlagenen Varianten viele Tipps für lohnende Tagesausflüge bieten.
Wobei unser momentaner Favorit eine Rundwanderung von Pian del Re ist: Zunächst über den Colle delle Traversette (2.950 m) hinüber nach Frankreich, danach durch den ‚Buco di Viso‘, den ältesten Straßentunnel der Alpen, zurück nach Italien, weiter über den Sentiero del Postino zunächst zum Rifugio Giacoletti und dann langsames Austrudeln lassen vorbei am Lago Chiaretto hinunter nach Pian del Re.

Rifugio Giacoletti

‚Sentiero del Postino‘, der Weg der Kundschafter
Das Rifugio Giacoletti sei „unsichtbar“, ausgeklammert vom Giro del Monviso, weil es an Verbindungswegen mangele, sagte dessen Pächter Andrea Sorbino in einem Interview mit der Zeitschrift ‚Alp‘ im Jahr 2002. Daran hat sich mittlerweile viel geändert, nicht zuletzt durch das Team vom Rifugio Giacoletto selbst und durch die Sektion Barge des CAI, die im Sommer 2006 den ‚Sentiero del Postino‘ unterhalb der Nordostflanke der Punta Venezia neu ausgeschildert und mit diversen Trittstufen und neuen Seilsicherungen versehen haben. Angelegt wurde dieser Weg (für die Franzosen: Chemin du Facteur) übrigens von Mussolinis Militär als kürzeste Verbindung zwischen den Kasernen von Traversette und del Losas, dem heutigen Rifugio Giacoletti.

igc106 Die IGC-Karte Nr. 106 „Monviso Sampeyre Bobbio Pellice Valle Varaita – Valle Po – Valle Pellice“,  deckt das Gebiet komplett ab und ist vor Ort zum Preis von 8 Euro erhältlich. Die Karte im Maßstab 1:25.000 wurde zuletzt im Jahr 2007 gründlich überarbeitet.

Für die Verwendung mit einem GPS-Gerät bzw. für die Georeferenzierung sind die folgenden Werte zu verwenden: für das Gitter UTM mit Zone 32 und als Kartendatum ED50 (European Datum 1950).

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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