Archiv der Kategorie: Sturatal

Unser Piemont Wanderführer – 2. aktualisierte Auflage 2017

Spät kommt sie, aber sie kommt: die Mitteilung, dass unser im Michael Müller Verlag verlegter Piemont Wanderführer in aktualisierter Neuauflage erschienen ist.

Piemont WanderführerDurch den Gran Paradiso-Nationalpark, durch okzitanische Täler, die Dolomiten von Cuneo, Seealpen und Marguareis-Massiv führen die 38 ausgewählten Touren durch den piemontesischen Westalpenbogen.

Die Beschreibungen der Touren – unten geben wir vorab eine grobe Übersicht – führen entlang nummerierter Wegpunkte, die in Text, Karte und Höhenprofil aufeinander abgestimmt sind, präzise zum Ziel. Der Tour-Info-Kasten bietet alle nötigen und viele zusätzlichen Infos zur Strecke, aus denen exakt ablesbar ist, was einen unterwegs erwartet. Inklusive aller Einkehrmöglichkeiten mit Adressapparat und Öffnungszeiten.

Den Touren vorangestellt ist eine ausführliche Einleitung, die neben der Wanderlogistik (Bus- und Bahnlinien mit Fahrplänen für die An- und Abfahrt, beste Standorte, Tipps zur Tourplanung etc.) ausführliche Kapitel zu Gesteinen, Fauna und Flora der Region bietet und darüberhinaus detaillierte Klimainformationen mit Tabellen für Temperaturen, Niederschlägen und Tageslängen.

Dass zum handlichen Wanderführer auch die GPS-Tracks für alle Touren von der Homepage des Verlages herunterladbar sind, versteht sich heute von selbst.

Und klar abgesetzt vom Wandertext bietet der Wanderführer nach dem „Alles-im-Kasten“-Prinzip der MM-Reiseführer auch sehr viele interessante Hintergrundgeschichten. LeserInnen unseres Blogs werden wissen, dass wir darauf nicht hätten verzichten wollen …

Zum Inhalt:

Gran-Paradiso-Region und Lanzo-Täler

Vier unserer Touren führen durch den Nationalpark Gran Paradiso, das größte Naturschutzgebiet des Piemonts. Er wurde bereits 1922 geschaffen, ist damit der älteste Nationalpark Italiens – und der zweitälteste alpenweit. Aus dem ehemaligen Jagdrevier Vittorio Emanuele II. ist der Nationalpark hervorgegangen, der heute zu den Regionen Aostatal und Piemont gehört. Die verbliebenen, teilweise noch sehr gut erhaltenen Jagdsteige bieten dem Wanderer von heute ausgezeichnete Gelegenheiten, auf breiten, technisch nicht anspruchsvollen Wegen auch in große Höhen vorzudringen. Nivolet-HochebeneAuch das Herz des Gran-Paradiso-Nationalparks, die als „Cuore del Parco“ bezeichnete Nivolet-Hochebene unterhalb des namensgebenden Viertausender, teilen sich die Regionen Piemont und Aostatal – aus dem ruhigen piemontesischen Orcotal ist sie aber am besten erreichbar. Drei unserer Touren nehmen hier ihren Ausgang, womit eine grandiose Aussicht auf den Gran Paradiso (4.061 m) und die ihn umgebenden vergletscherten Gipfel gewährleistet ist. In die bezaubernde Seenlandschaft einer der schönsten Hochebenen der Alpen, auf die Piani di Rosset, auf den auch für Wanderer trotz seiner 3.438 m mühelos erreichbaren Mont Taou Blanc und über königliche Jagdsteige führen die hier vorgestellten Wanderungen. Eine vierte Tour unterhalb der mächtigen Gipfel der Tre Levanne gibt die Möglichkeit, die andere Hangseite des Orcotals kennenzulernen. In die im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannten sog. Lanzo-Täler führen zwei weitere Touren. Dorthin, wo das Turiner Großbürgertum auf den Geschmack der Sommerfrische kam, wovon noch ihre zum Teil gut erhaltenen Jugendstilvillen zeugen, und sich die Gründerväter des italienischen Alpenvereins CAI ihre ersten Sporen verdienten. Tief eingeschnitten, von hohen Gipfeln umgeben und ebenso stark von Abwanderung betroffen wie das nördlich gelegene Orcotal sind auch das Ala- und das Viùtal. Rifugio Gastaldi An ihren Talschlüssen liegen aber jeweils weite Hochplateaus, die zum Wandern wie geschaffen sind. Im Alatal erreicht man von der Pian della Mussa auf einem alten Saumweg das Rifugio Gastaldi, und im südlich gelegenen Viùtal ist der Lago di Malciaussia Ausgangspunkt für eine Tour zum Colle della Croce di Ferro.

 

Susatal

Natürlich führt eine Tour zu dem berühmtesten Kloster des Tals, Sacra di San Michele - Foto: © Wolfram Mikuteit der gewaltigen die Sacra di San Michele. Ein anderes, das im Jahr 726 gegründete Kloster von Novalesa, liegt unterhalb des Colle di Moncenisio. Und dorthin wandert man auf einer Panoramarunde, die um den – bereits zu Frankreich gehörenden – Lago di Monceniso führt, der von einem ganzen Kranz markanter Höhenforts aus dem ausgehenden 19. Jh. umrahmt ist. Und auch der höchste Wallfahrtsort der gesamten Alpen liegt im Susatal: Die auf 3.538 m Höhe stehende Kapelle Santa Maria auf dem Rocciamelone, einem auch für Wanderer problemlos zugänglichen Dreieinhalbtausender. Durch den Grand Bosco di Salbertrand geht es auf Wegen, die die Waldenser für die Heimkehr in ihre Täler nutzen, zur Testa dell’Assietta. Valle Stretta Und dann noch ein Klassiker, der beim Thema Wandern im Piemont stets vergessen wird, weil das Valle Stretta zwar diesseits des Alpenhauptkammes liegt, aber seit 1947 zu Frankreich gehört: Durch diese 1a-Destination für Wanderer führt um das markante Kalkriff des Grand Serru herum eine Tour zur Wallfahrtskapelle auf dem Mont Thabor.

 

Waldensertäler und Monviso-Region

In den sog. Waldensertälern, den Valli Valdesi, in denen sich Anhänger einer im 12. Jh. vom wohlhabenden Kaufmann Petrus Valdes gegründeten vorreformatorischen Laienbewegung – mal geduldet, mal brutal unterdrückt – haben halten können, führt eine Rundtour durch das Chisonetal, vorbei am Forte di Fenestrelle, der in 122 Jahren Bauzeit entstandenen spektakulärsten Festungsanlage der gesamten Region. Im weiter südlich gelegenen Germanascatal erleichtert ein Sessellift – eine Rarität in dieser Region – den Zugang zu den Tredici Laghi. Durch das Pellicetal, der Hochburg der Waldenser, verlief früher eine wichtige alpenquerende Handelsroute, der wir auf die weite Hochebene Conca del Prà zum Rifugio Willy Jervis folgen. Rifugio Pian del Re mit Monviso Varianten in alle Himmelsrichtungen gibt es on top. Hier ist man bereits recht nah am Monviso, dem mit 3.841 m höchsten Berg der Cottischen Alpen. Im Piemont wird dieser Berg als Re di Pietra, König aus Stein, heiß verehrt. Auch wir zollen diesem Berg natürlich Tribut und widmen ihm drei Touren. Eine kleine, aber feine Seenrunde beginnt bei den Quellen des Po. Eine längere Runde führt u.a. zum ältesten Tunnel der Alpen am Colle delle Traversette und weiter über einen Alpini-Steig zum Rifugio Giacoletti. Und weil der Monviso so viele unterschiedliche Seiten/ Gesichter hat, aus jeder Richtung anders aussieht, stellen wir auch den 3-tägigen Giro di Viso/ Giro del Monviso vor. Viel tiefer, am Eingang zum Potal, ist bei Balma Boves ein spannendes Stück Siedlungsgeschichte zu bestaunen.

 

Dolomiten von Cuneo

Seitdem das Mairatal im deutschsprachigen Raum längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern sich peu à peu zu einer sehr angesagten Wanderdestination entwickelt, hört man auch den Ausdruck „Dolomiten von Cuneo“ bei uns immer öfter. Man versteht darunter die Region der jeweils oberen Talbereiche zwischen Varaita– und Sturatal. Wir legen diesen Begriff etwas weiträumiger aus und beziehen auch die unteren Talbereiche mit ein. Im Varaitatal ist der Bosco dell’Alevè mit 825 ha einer der größten Zirbelkiefernwälder der Alpen. Laghi Blu Höher hinaus führt eine Wanderung zu den Laghi Blu am Col Longet, einem Übergang zum französischen Ubaye-Tal. Das Mairatal weist schon am Eingang eine geologische Spezialität auf: Hier stehen mit den Ciciu del Villar über 400 pilzförmige Felsformationen, entstanden als Ergebnis der letzten Eiszeit. Alle weiteren Touren haben ihren Ausgangspunkt im oberen Talbereich, führen rund um das markante Kalkriff der Rocca Provenzale, auf den Sentiero Frassati und unterhalb der Gardetta-Hochebene rund um den kleinen Lago Nero. Lago Nero mit Monviso im Hintergrund - Foto: © Wolfram Mikuteit Dazu stellen wir zwei Etappen des mittlerweile legendären Maira-Tal-Weges (Percorsi Occitani) vor, die über die schier unendlich anmutende Weite der Gardetta-Hochebene mit ihren dolomitenähnlichen Gipfeln und den so charakteristischen Gipstrichtern führen. Im Granatal läßt sich der Besuch der imposanten Wallfahrtskirche Santuario di San Magno sehr gut mit einer kurzen Wanderung über den Colle dei Morti verbinden.

 

Seealpen und Ligurische Alpen

Wo der Alpenhauptkamm seine Richtung ändert, von der Nord-Süd-Richtung in die West-Ost-Richtung schwenkt, beginnen die Seealpen. Den Anschluss nach Osten bilden die Ligurischen Alpen.  Was beide Gebirgsgruppen miteinander verbindet ist ihre Nähe zum Mittelmeer, die an manchen Stellen nicht mehr als 60, manchmal auch nur 40 km Luftlinie beträgt. Weshalb man sie in Italien manchmal zusammenfassend Alpi di Mare nennt – was im deutschsprachigen Raum oft zu definitorischer Konfusion führt. Schließlich ist bereits irritierend, dass ein Teil der Ligurischen Alpen noch im Piemont liegt.

In den Seealpen führt eine Tour vom knuffigen Rifugio Becchi Rossi zum Colle di Puriac, eine andere über den Sentiero del Ecomuseo von Pontebernardo nach Sambuco. Bei der Tour zu den Laghi Lausfer, die ihren Ausgang in Sant’Anna di Vinadio, am höchstgelegenen Kloster der Alpen, nimmt, ist man bereits recht nah am Parco Regionale delle Alpi Marittime, dem für seine große Steinbockpopulation berühmten Seealpen-Naturpark. Steinböcke in den Seealpen Unsere Touren leiten zum Rifugio Dante Livio Bianco, rund um den Pian del Valasco über das Rifugio Questa, zum Lagarot di Lourousa und zum Lago del Chiotas.
Direkt auf den italienisch-französischen Grenzkamm führen zwei Touren am Colle di Tenda. Noch ein Stück weiter nach Osten gelangt man in die Ligurischen Alpen und den Parco Regionale Alta Valle Pesio e Tanaro, der inzwischen Parco Naturale del Marguareis heißt. Hier haben wir eine kurze Rundwanderung ab Pian delle Gorre zur spektakulären Cascata del Pis ausgewählt und stellen einen dreitägigen Giro del Marguareis vor.

 

Sabine Bade und Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Übernachten, bergauf bergab, Chisonetal, Cottische Alpen, Grajische Alpen, Gran Paradiso, Granatal, Lanzotäler, Ligurische Alpen, Mairatal, Monviso-Region, Okzitanien, Orcotal, Pellicetal, Pesiotal, Potal, Seealpen, Sturatal, Susatal, Tanarotal, Varaitatal

Ferragosto-Konzert 2015 bei Paraloup

Seit 1981 findet alljährlich am 15. August – zum Höhepunkt der italienischen Feriensaison – das ‚Concerto Sinfonico di Ferragosto‘ statt.
Damals wurde am Rifugio Quintino Sella unterhalb des Monviso eine Tradition begründet, die sich längst etabliert hat: jedes Jahr an einem anderen Ort spielt an diesem Tag das Orchestra Bartolomeo Bruni auf und zieht in aller Regel um die 10.000 Besucher zu einer Veranstaltung in die Berge, die auch vom italienischen Fernsehen RAI übertragen wird.

70 Jahre nach der Befreiung: Ferragosto-Konzert bei Paraloup
70 Jahre nach Ende des Krieges, 70 Jahre nach Ende der deutschen Besatzung Norditaliens findet das 35. Ferragosto-Konzert dieses Jahr an einem für die piemontesische Widerstandsbewegung geschichtsträchtigen Ort statt: Auf der kleinen Hochebene von Chiot Rosa unterhalb der von der Bewegung Giustizia & Libertà als eines ihrer Hauptquartiere genutzten ehemaligen Sommersiedlung Paraloup. So schrieb denn auch ‚La Stampa‘ zum diesjährigen Ferragosto-Konzert: „Nella «borgata dei partigiani» per celebrare i 70 anni della Resistenza“.

Paraloup gestern und heute
Direkt nach dem Kriegsaustritt Italiens und mit Beginn der deutschen Okkupation am 8. September 1943 zog sich eine kleine Gruppe von Antifaschisten aus dem Umfeld der Bewegung Giustizia e Libertà um Duccio Galimberti und Dante Livio Bianco aus Cuneo in die Berge zurück, um der drohenden Verhaftung zu entgehen und den Kampf gegen italienische Faschisten und deutsche Besatzer aufzunehmen. Einige wenige Tage hielten sie sich in Madonna del Colletto auf, einem kleinen Pass zwischen Gesso- und Sturatal. Da dieser Ort nicht genug Sicherheit bot, zog die Gruppe, die sich den Namen „Italia Libera“ gegeben hatte, weiter ins Sturatal und erreichte am 20. September 1943 die aus nur wenigen Häusern bestehende abgelegene Sommersiedlung Paraloup nah am Übergang zum Granatal. Bereits Ende Oktober 1943 war die Gruppe auf über 100 Männer angewachsen, unter ihnen Nuto Revelli, Giorgio Bocca, Detto Dalmastre, Alberto Bianco und viele andere mehr, die die 20 Monate der italienischen Resistenza entscheidend prägten. In Paraloup und den umliegenden Weilern wurde die Basis gelegt für die in der gesamten Provinz Cuneo operierenden Giustizia e Libertà-Partisanengruppen.

Paralup war als Sommersiedlung seit langem ungenutzt und die Häuser waren großteils verfallen. Wegen der historischen Bedeutung des Ortes hat die Fondazione Nuto Revelli vor einigen Jahren damit begonnen, den Ort wiederaufzubauen. Viele Geäude wurden bereits überaus gelungen restauriert: In einem ist ein Museum über die Geschichte des Ortes als Standort der Partisanenbewegung untergebracht, ein anderes dient Vorführungen von Zeitzeugen-Videos. Mittlerweile gibt es auch eine Bar und ein Rifugio.
Die Revelli-Stiftung hat sich aber darüberhinaus zum Ziel gesetzt, hier einen Platz zu schaffen, an dem kreative Lösungsvorschläge und Möglichkeiten ausgearbeitet werden sollen, die abgelegenen und stark von Landflucht betroffenen Orten in den Bergen Wege für eine nachhaltige und selbständige Wiederbelebung aufzeigen.

Praktische Informationen
Das Konzert beginnt am 15. August 2015 um 13 Uhr, und auf dem Programm stehen dieses Jahr überwiegend Werke von Dmitri Schostakowitsch. Wer den Trubel einer Massenveranstaltung scheut, kann sich tags zuvor um 14 Uhr die öffentliche Generalprobe anhören.
Der Veranstaltungsort Chiot Rosa wird für den privaten KFZ-Verkehr gesperrt; Busse von Cuneo nach Rittana starten um 7.00 – 7.15 – 7.30 – 7.45 – 8.00 Uhr; Shuttlebusse von dort nach Gorrè di Rittana (Navetta 1) und Tetto Sottano di Rittana (Navetta 2). Zu Fuß geht es dann weiter nach Chiot Rosa.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Gedächtnis der Alpen, Resistenza, Sturatal

Valadas Occitanas Gents – Fotoausstellung in Vinadio, Sturatal

Viele der Orte, über die wir auf diesem Blog berichten, gehören zum okzitanischen Kulturraum. Denn längst nicht nur im südlichen, romanisch geprägten Frankreich, dem Land der Minnesänger und Troubadoure, wurde Okzitanisch seit dem 12. Jahrhundert gesprochen und geschrieben, sondern auch in Teilen der heute spanischen Pyrenäen (Val d’Aran) und in Gebieten östlich des Alpenhauptkammes, in den Valli Occitane, den okzitanischen Täler des Piemont, von denen viele noch bis 1713 zu Frankreich gehörten.

Im Forte Albertino in Vinadio (Valle Stura) ist seit 22. Juni 2014 die Fotoausstellung „Valadas Occitanas Gents“ mit Exponaten aus den 1960er- bis 1980er-Jahren zu sehen: Menschen in den okzitanischen Valli Maira, Varaita, Po, Queyras und Ubaye, aus Tälern, die früher untereinander viel enger verflochten waren als mit der nahen Tiefebene.

Öffnungszeiten:

  • Im Juni und September Samstags/ Sonntags von 14.30 Uhr bis 19 Uhr;
  • Im Juli von Donnerstag bis Samstag von 14.30 Uhr bis 19 Uhr und Sonntags von 10 Uhr bis 19 Uhr;
  • Im August von Montag bis Samstag von 14.30 Uhr bis 19 Uhr und Sonntags von 10 Uhr bis 19 Uhr, in in der Woche um Ferragosto (vom 11.8.-17.8.) jeden Tag von 10 Uhr bis 19 Uhr.

Die Ausstellung ist bis zum 28. September 2014 zu sehen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Eingeordnet unter Okzitanien, Sturatal

Neue Wanderunterkunft: Das "Lou Stau" im Vallone dell’Arma

‚Lou Stau’ ist okzitanisch und bedeutet ‚Rast’. Und gut ‚rasten’ und essen konnte man im kleinen Weiler Trinità im Vallone dell’Arma schon seit einigen Jahren. Nun hat Piera zusätzlich zu ihrem Restaurant ein Posto Tappa eingerichtet, eine Matratzenunterkunft für Wanderer. Im nächsten Frühjahr soll das erste Doppelzimmer bezugsfertig sein.
Lou Stau: neue Wanderunterkunft im Vallon dell'Arma Wer bereits in der Region zwischen Stura-, Grana- und Mairatal unterwegs war, ortet Trinità schnell. Allen anderen hilft folgender Hinweis:
Das Vallone dell’Arma ist ein linkes Seitental des Valle Stura. Durchzogen wird es von einer schmalen Straße, die von Demonte – bis dorthin reichte früher der Gletscher, der das Tal entstehen liess – hinaufführt zum Colle Valcavera. Und damit direkt auf die Gardetta-Hochebene ins Herz der sogenannten ‚Dolomiten von Cuneo’. Die wenigen kleinen Weiler entlang der Straße sind von starker Landflucht gezeichnet. Zumindest im oberen Talbereich sind die Kühe in der Überzahl. Das traditionelle Weidegebiet wird auch noch heute von Margari (transhumanten Kuhhirten) aus der Poebene beweidet. Im Sommer 2012 standen circa 1.450 Kühe auf vier Almen.
Pieras ausschließlich regional geprägte Küche Sie produzieren vieles von dem, was später in Pieras ausschließlich regional geprägter Küche landet: Milch und Käse etwa auf der Gias Valcavera gegenüber des Rifugio Carbonetto und Fleisch der razza piemontese auf der Gias Viribianc.
Mit der Schaffung einer Übernachtungsmöglichkeit in Trinità lässt sich das Vallone dell’Arma über die zahlreichen Fußwege jetzt gut erkunden. Darüberhinaus ergeben sich Variationen zum Granatal-Höhenweg ‚Curnis Auta’ und dem Sturatal-Rundwanderweg ‚Lou Viage‚.

Lou Stau
Piera Maria Viale, Frazione Trinitá, 12014 Demonte
Telefon: +39 0171 955788

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit
Fotos: Markus Golletz

 

 

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Eingeordnet unter Übernachten, Cottische Alpen, Sturatal

Sturatal – digitale Rasterkarte als Download

Die viermal jährlich erscheinende Zeitschrift Meridiani Montagne hat in ihrer aktuellen Ausgabe (Heft Nr. 49) als Themenschwerpunkt „Alpi Occitane“ gewählt.

Zwischen dem Susatal im Norden und den Seealpen im Süden liegen die Valli Occitani, die okzitanischen Täler des Piemont, von denen viele noch bis 1713 zu Frankreich gehörten.

Auch insgesamt 21 Touren unseres Piemont-Wanderführers verlaufen durch diese hochattraktive Großregion, die wir in die Wandergebiete „Susatal“, „Waldensertäler und Monviso-Region“ und „Dolomiten von Cuneo“ unterteilt haben.

Beigelegt ist dieser Zeitschrift immer eine zum Thema passende topographische Wanderkarte in den Maßstäben zwischen 1:25k und 1:50k.

Die Herausgeber bieten für die Ausgabe „Alpi Occitane“ zusätzlich – als Auschnitt für den südlichsten Abschnitt der Alpi Occitane – eine sog. Custom Map zum kostenlosen Download an (ca. 5 Mb). Die Verwendung von „Custom Maps“ empfiehlt sich immer dann, wenn sich das von den verschiedenen Anbietern kostenpflichtig bereitgestellte digitale Kartenmaterial (i.d.R. Vektorkarten) mal wieder als wenig hilfreich herausgestellt hat, weil viele Wege nicht verzeichnet sind und bei den vorhandenen die Angaben zu Wegnummer und/oder Wegname fehlen), was für die Region Westalpen bis heute generell zutrifft.
„Custom Maps“ können in wenigen Schritten selbst hergestellt werden:

  • Papierkarte bei einem Scanstudio digitalisieren lassen (A0-Endlosscanner)
  • mit einem Kartenprogramm wie  Global Mapper oder TTQV die Kartendatei georeferenzieren …
  • … und im nächsten Schritt als *.kmz-Datei exportieren. Dabei wird die Kartendatei in viele kleine Kacheln zerlegt (max. 1024 x 1024 px für Garmingeräte) und eine (1) *.xml-Datei angelegt, welche diese Kacheln beschreibt und georeferenziert.
  • Diese Datei muss dann nur noch (unter Berücksichtigung der herstellerspezifischen Einschränkungen wie max. Anzahl und Größe der Kacheln sowie max.  Gesamtgröße aller Custom Maps – bei Gramin 300 mb und 100 Kacheln) aufs GPS-Gerät übertragen werden.

Die abgedeckte Fläche der herunterzuladenden Karte beträgt ca. 20 km x 18 km und reicht im Nordwesten vom Grenzberg Monte Soubeyran, 2.701 m,  (franz. Tête de l’Arp) bis zum Monte Autes, 2.286 m,  im Südosten und erstreckt sich somit über das obere Sturatal.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Eingeordnet unter Okzitanien, Sturatal, Wanderkarten

Es muss nicht immer Sambuco sein – Übernachten in Ferrere, Sturatal

Im Rifugio Becchi Rossi in Ferrere im oberen Sturatal gibt es keine Doppelzimmer mit TV, Fön und Telefon, kein deutsches Frühstück – und natürlich auch keine Sauna.
Wer beim Wandern im Valle Stura die von zu Hause gewohnten Angenehmlichkeiten sucht, wird den kleinen Ort also weiträumig umgehen. So dass wir uns auch in Zukunft den Blick auf die Nummernschilder der geparkten Autos und die damit verbundene Frage, „Porsche aus Berlin? Dicker Benz aus Wiesbaden? Geländewagen aus Zürich?“, die sich uns am Ortseingang von Sambuco stets aufdrängt, hier sparen können.

Ferrere - Sturatal Dabei ist Ferrere – das höchstgelegene Dorf im Sturatal – ein Kleinod. Um 1900 lebten noch ca. 160 Menschen ganzjährig in Ferrere. Als Dauersiedlung war der Ort bis Anfang der 1970er-Jahre bewohnt, seitdem nur noch während der Sommermonate. Im kleinen Ortsmuseum, dem Museo del Contrabbandiere (das Haus des Schmugglers, okz.: „Mizoun del Contrabandier“), kann man sich anschauen, wie dort früher gelebt wurde. Ob nun als Schmuggler oder Landwirt. Denn schließlich stellte Schmuggel über Jahrhunderte hinweg eine recht verbreitete und oft lebensnotwendige Erwerbstätigkeit in den entlegenen Alpentälern dar. Der noch erhaltene Dorfkern, die wunderschöne Lage und nicht zuletzt die durch viele rote Banner zum Ausdruck gebrachte Bekenntnis zur okzitanischen Kultur wären allein bereits Anlass genug, dort hinauf zu fahren.

Wer kein Problem damit hat, in Stockbetten zu übernachten, findet zudem im Rifugio Becchi Rossi gleich neben der Dorfkirche eine knuffige Unterkunft. Auch was Patrizia und Giorgio Torassa dort auf den (Holz-)Tisch bringen, kann es mit manch weit teurerer Location durchaus aufnehmen.

Von hier aus kann man zu einer 5-Tage-Wanderung durch die Seealpen starten und dabei grenzüberschreitend auf Schmugglerwegen, Saumpfaden und dem ‚Chemin de l’Energie‘ den Mont Ténibre umrunden.

Aber auch wer zum Abendessen zurück sein möchte, findet mit dem Rundweg über den Colle di Puriac  und die Conca del Andelplan ein überaus lohnenswertes

Ziel. Am Pass, unterhalb der Kalkgipfel von Monte Enciastraia und Rocca dei Tre Vescovi – der seinen Namen der Tatsache verdanken soll, dass er einst genau die geografische Grenze zwischen den Bistümern Cuneo, Nizza und Embrun markierte – bietet sich nach Süden eine großartige Aussicht

Monte Oronaye

über die französischen Seealpen und nach Norden  über das Stura-Tal hinweg auf den Monte Oronaye.

Das Rifugio Becchi Rossi ist von 1. Juni bis 30. September täglich geöffnet.
Telefon 0171-96715, 338-9315288 und 338-9337379

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Eingeordnet unter Übernachten, Okzitanien, Seealpen, Sturatal

Razza Sambucana – ARTE ist aufs Schaf gekommen

Wer auch immer für die Programmgestaltung bei ARTE zuständig ist, scheint dem piemontesischen Sturatal – vielleicht auch dem Charme der Osteria della Pace in Sambuco – nachhaltig verfallen zu sein.

Manchmal muss man Jahre auf die erneute TV-Ausstrahlung einer wirklich schönen Sendung warten. Winfried Lachauers Film über die Osteria della Pace, deren liebenswerten Patron Bartolomeo Bruna und das Dorf Sambuco im Sturatal hingegen wurde in diesem Monat bereits zweimal gesendet. Sambuco im Sturatal
Sambuco im Sturatal
Und damit nicht genug: Für alle, die den Film noch nicht kennen, hier der Hinweis auf die nächste Wiederholung:

Gipfel der Genüsse: Sambuco im Valle Stura in Italien
(Deutschland 2007, 45 mn.)
ARTE, Sonntag 22. August 2010, 17.45 Uhr

Die Rettung des Sambucana-Schafes
Mangelnde Aufgeschlossenheit gegenüber Modernisierung und ein trotziges Festhalten an Althergebrachtem werden oft als Argumente ins Feld geführt, wenn man nach Gründen für den Wegfall von Arbeits- und damit Lebensbedingungen in den entlegenen Westalpentälern sucht. Dass sich Innovationsfeindlichkeit (manche sagen: Sturköpfigkeit) manchmal auch auszahlen und ein Mittel gegen die fortschreitende Entsiedelung dieser Regionen sein kann, beweist die Geschichte des Sambucana-Schafes im Stura-Tal.
Als in den 1950er-Jahren staatliche Agrarberater den Bauern zur Kreuzung der traditionellen Schafrasse Razza Sambucana rieten, um den Fleischertrag zu erhöhen, folgten die Meisten dieser Empfehlung. Als Mitte der 1980er-Jahre der Wert dieser Rasse erkannt wurde, und auch die Welternährungsorganisation FAO sie als schützeswert einstufte, gab es im gesamten Stura-Tal gerade noch zwei Betriebe mit nicht mehr als 80 reinrassigen Sambucana-Schafen. Diesen  Bauern, oder: innovationsfeindlichen Traditionalisten, verdanken wir, dass die Razza Sambucana, die besonders feine Wolle liefert und deren Lämmer besonders leckeres, fettarmes und wenig Cholesterin enthaltendes Fleisch aufweisen, erhalten blieb. Mittlerweile gibt es wieder über 5.000 Sambucana-Schafe im Stura-Tal, und jedes Jahr werden circa 10.000 Lämmer geboren. Und längst ist dieses Schaf zu einem Symbol hochwertiger landwirtschaftlicher Regionalprodukte geworden, mit denen allein Landwirtschaft in den piemontesischen Alpentälern eine Zukunft zu haben scheint.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Eingeordnet unter Sturatal, TV-Tipp