Ferragosto-Konzert 2015 bei Paraloup

Seit 1981 findet alljährlich am 15. August – zum Höhepunkt der italienischen Feriensaison – das ‚Concerto Sinfonico di Ferragosto‘ statt.
Damals wurde am Rifugio Quintino Sella unterhalb des Monviso eine Tradition begründet, die sich längst etabliert hat: jedes Jahr an einem anderen Ort spielt an diesem Tag das Orchestra Bartolomeo Bruni auf und zieht in aller Regel um die 10.000 Besucher zu einer Veranstaltung in die Berge, die auch vom italienischen Fernsehen RAI übertragen wird.

70 Jahre nach der Befreiung: Ferragosto-Konzert bei Paraloup
70 Jahre nach Ende des Krieges, 70 Jahre nach Ende der deutschen Besatzung Norditaliens findet das 35. Ferragosto-Konzert dieses Jahr an einem für die piemontesische Widerstandsbewegung geschichtsträchtigen Ort statt: Auf der kleinen Hochebene von Chiot Rosa unterhalb der von der Bewegung Giustizia & Libertà als eines ihrer Hauptquartiere genutzten ehemaligen Sommersiedlung Paraloup. So schrieb denn auch ‚La Stampa‘ zum diesjährigen Ferragosto-Konzert: „Nella «borgata dei partigiani» per celebrare i 70 anni della Resistenza“.

Paraloup gestern und heute
Direkt nach dem Kriegsaustritt Italiens und mit Beginn der deutschen Okkupation am 8. September 1943 zog sich eine kleine Gruppe von Antifaschisten aus dem Umfeld der Bewegung Giustizia e Libertà um Duccio Galimberti und Dante Livio Bianco aus Cuneo in die Berge zurück, um der drohenden Verhaftung zu entgehen und den Kampf gegen italienische Faschisten und deutsche Besatzer aufzunehmen. Einige wenige Tage hielten sie sich in Madonna del Colletto auf, einem kleinen Pass zwischen Gesso- und Sturatal. Da dieser Ort nicht genug Sicherheit bot, zog die Gruppe, die sich den Namen „Italia Libera“ gegeben hatte, weiter ins Sturatal und erreichte am 20. September 1943 die aus nur wenigen Häusern bestehende abgelegene Sommersiedlung Paraloup nah am Übergang zum Granatal. Bereits Ende Oktober 1943 war die Gruppe auf über 100 Männer angewachsen, unter ihnen Nuto Revelli, Giorgio Bocca, Detto Dalmastre, Alberto Bianco und viele andere mehr, die die 20 Monate der italienischen Resistenza entscheidend prägten. In Paraloup und den umliegenden Weilern wurde die Basis gelegt für die in der gesamten Provinz Cuneo operierenden Giustizia e Libertà-Partisanengruppen.

Paralup war als Sommersiedlung seit langem ungenutzt und die Häuser waren großteils verfallen. Wegen der historischen Bedeutung des Ortes hat die Fondazione Nuto Revelli vor einigen Jahren damit begonnen, den Ort wiederaufzubauen. Viele Geäude wurden bereits überaus gelungen restauriert: In einem ist ein Museum über die Geschichte des Ortes als Standort der Partisanenbewegung untergebracht, ein anderes dient Vorführungen von Zeitzeugen-Videos. Mittlerweile gibt es auch eine Bar und ein Rifugio.
Die Revelli-Stiftung hat sich aber darüberhinaus zum Ziel gesetzt, hier einen Platz zu schaffen, an dem kreative Lösungsvorschläge und Möglichkeiten ausgearbeitet werden sollen, die abgelegenen und stark von Landflucht betroffenen Orten in den Bergen Wege für eine nachhaltige und selbständige Wiederbelebung aufzeigen.

Praktische Informationen
Das Konzert beginnt am 15. August 2015 um 13 Uhr, und auf dem Programm stehen dieses Jahr überwiegend Werke von Dmitri Schostakowitsch. Wer den Trubel einer Massenveranstaltung scheut, kann sich tags zuvor um 14 Uhr die öffentliche Generalprobe anhören.
Der Veranstaltungsort Chiot Rosa wird für den privaten KFZ-Verkehr gesperrt; Busse von Cuneo nach Rittana starten um 7.00 – 7.15 – 7.30 – 7.45 – 8.00 Uhr; Shuttlebusse von dort nach Gorrè di Rittana (Navetta 1) und Tetto Sottano di Rittana (Navetta 2). Zu Fuß geht es dann weiter nach Chiot Rosa.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gedächtnis der Alpen, Resistenza, Sturatal

Auf den Rocciamelone – höchster Wallfahrtsberg der Alpen

Dieser auch für Wanderer problemlos zugängliche Dreitausender bietet an klaren Tagen ein kaum zu überbietendes 360-Grad-Panorama über den gesamten Westalpenbogen sowie ins nur 7 km Luftlinie entfernte, aber 3000 m tiefer liegende Susatal.

Rocciamelone, 3.538 m - Foto: © Wolfram Mikuteit

Auf dem Gipfelplateau, das mehrere Hundert Pilger aufnehmen kann, steht oberhalb des Bivacco die Statue der Madonna della Neve. Geweiht wurde sie am 28. August 1899.

Große Hinweisschilder weisen an der Nordseite des Parkplatzes (2.069 m) auf der Hochebene von La Riposa zu den Zielen „Cà d’Asti“ und „Rocciamelone“. Hier beginnt der bis hinauf zum Gipfel führende Weg „558“. Er verläuft zunächst über Wiesen in nordöstlicher Richtung. Nach ungefähr 20 Minuten weist an einem Brunnen ein unscheinbares Holzschild rechts zum Rifugio La Riposa, das in wenigen Minuten erreichbar wäre.
Wir gehen an diesem Brunnen geradeaus weiter und folgen der rot-weißen Markierung aufwärts. Der mäßig steile und breite Weg windet sich in Kehren den Bergrücken hinauf und erfordert nur wenig Konzentration, was viele Gelegeheiten verschafft, das Panorama ausgiebig zu würdigen. Neben dem immer näher rückenden Gipfel des Rocciamelone  im Norden und der Gipfelkette von Monte Orsiera, Punta Cristalliera und Monte Rocciavrè mit dem Colle delle Finestre im Süden fasziniert vor allem der Blick aus der Vogelperspektive 2.000 m hinab ins Susatal.

Vorbei an der Quelle Fontana Taverna, auf 2.476 m an einer ausladenden Kehre gelegen, ist im weiteren Aufstieg im Süden erstmals der Monviso erkennbar, der höchste Berg der Cottischen Alpen.

Auf ca. 2.800 m zweigt rechts ein ebenfalls rot-weiß markierter schmaler Pfad ab, über den hangparallel der östlich gelegene Colle della Croce di Ferro ( 2.558 m) erreicht werden kann. Weiter auf dem Hauptweg gelangen wir kurz danach an das Rifugio Cà d’Asti, das auf 2.854 m auf einem ockergelben Felsvorsprung steht.

Auf dem kleinen, recht zugigen Plateau wurde im Jahr 1419 die erste, damals noch hölzerne Schutzhütte auf italienischem Boden errichtet. Die damaligen Bergwanderer waren Wallfahrer. Den Anfang machte machte Bonifacio Rotario d’Asti, der, vermutlich um ein Gelöbnis einzulösen, am 1. September 1358 den Gipfel des Rocciamelone bestieg und dort ein Madonnen-Triptychon aufstellte. Noch immer zieht es jedes Jahr am 5. August Pilger auf den Gipfel, die hier noch einmal Rast machen können. Heute betreibt die Diözese Susa auf dem Felsvorsprung das in den 1980er-Jahren erbaute Rifugio Cà d’Asti. Gleich daneben steht die 1798 errichtete Capella di Rotario. Neben der Aussicht sind es vor allem die alpingeschichtlichen Superlative, die so viele nach oben locken: Der Rocciamelone gilt als der erste richtige Alpengipfel, der aus nichtwirtschaftlichen Gründen bestiegen wurde; und wo heute das Rifugio Cà d’Asti steht, wurde einst das erste Bivacco Italiens errichtet.

Direkt hinter dem Rifugio setzt sich der Pfad zum Gipfel fort, stets gut erkennbar, direkt und alternativlos. Vorbei an den letzten Grasbüscheln, die sich im lockeren Gestein noch halten konnten, geht es mäßig steil auf einem ausgetretenen Pfad durch Schutt und leichtes Blockgestein weiter zum Gratabsatz La Crocetta auf 3.306 m. Auf dem Platz neben dem massiven, weithin sichtbaren Sockel für das namensbegende Kreuz bietet sich noch die Möglichkeit zu einer Rast, bevor der Weg im weiteren Verlauf steiniger, steiler und auch ausgesetzter wird.
Knapp 150 m unterhalb des Gipfels ist erstmals der Lago di Malciaussia im nördlich gelegenen Viùtal  zu erkennen. Kurz dahinter beginnt die Seilsicherung, die erst endet, wenn an der Büste von Vittorio Emanuele II., dem ersten König des vereinten Italien, der Gipfel des Rocciamelone mit 3.538 m erreicht ist.

Auf dem Gipfelplateau, das mehrere Hundert Pilger aufnehmen kann, steht das 1923 von der Organisation Giovane Montagna errichtete Bivacco Santa Maria mit der Kapelle. In deren Innerem befindet sich heute nur noch eine Kopie des Madonnen-Triptychons. Das Original wurde bereits im Jahre 1673 ins Tal gebracht. Dafür steht – etwas höher – die Statue der Madonna della Neve. Die bronzene drei Meter hohe Madonna wurde nach einer spektakulären Sammelaktion unter 130.000 Kindern in ganz Italien, den „Bimbi d’Italia“, vom Turiner Bildhauer Giovanni Antonio Stuardi geschaffen, nach Susa transportiert und anschließend von 24 italienischen Gebirgsjägern in Einzelteilen auf den Gipfel getragen. Die Weihe fand am 28. August 1899 statt.

Die bereits beim gesamten Aufstieg fantastische Aussicht wird hier nun um die nach Norden bereichert. Die im Jahr 2008 aufgestellte Orientierungstafel hilft immens bei der Bestimmung der einzelnen Gipfel: Das 360-Grad-Panorama reicht an klaren Tagen nach Norden über den Glacier de Rochmelon bis zu Mont-Blanc-Massiv und Gran Paradiso. Im Westen ragt hinter dem Mont-Cenis-Stausee das Vanoise-Massiv mit Grand Casse, Grande Motte und dem vergletscherten Dôme de Chasseforêt auf. Nach Süden schauf man weit hinein in das 3.000 m tiefer liegenden Susatal, wobei die Aussicht vom Mont Chaberton im oberen Talabschnitt bis zur Sacra di San Michele am Talausgang und an klaren Tagen bis nach Turin reicht.

Länge / Dauer: gesamt 10,6 km, Aufstieg 4:30 Std, Abstieg 3:30 Std.
Markierung: sehr gute rot-weiße Markierung und Wanderwegweiser, problemlose Orientierung.
Anfahrt: Mit dem PKW von Turin auf der SS 25 bis Susa oder auf der A 55 bis Ausfahrt „Susa Est/Moncenisio“, weiter auf dem Corso Stati Uniti bis zum Schild „Rifugio Cà d’Asti“, dort rechts und der Beschilderung folgen. Die schmale Straße führt zunächst durch mehrere kleine Weiler und schraubt sich danach recht exponiert nach oben. Ab Susa 18 km, der letzte Kilometer ist geschottert, großer Parkplatz.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Grajische Alpen, Susatal

Stolpersteine in Turin

In Turin wurden am 10. und 11. Januar 2015 erstmals Stolpersteine verlegt.

Nachdem im Jahr 2010 in Rom die ersten italienischen Stolpersteine – “Pietre d’Inciampo” – verlegt wurden, entstanden (und entstehen nachwievor) in vielen italienischen Städten und Gemeinden Initiativen, die Verlegungen dieser kleinen, mit Messing überzogenen und in den Boden eingelassenen Gedenksteine organisieren, um an das Schicksal von Menschen zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

In Turin wird das Stolperstein-Projekt von einem breiten Spektrum an Organisationen getragen, dem das Museo della Resistenza, die Jüdische Gemeinde, das Resistenza-Institut, die ANED (Nationale Vereinigung der Deportierten), das Goethe-Institut u.v.a.m. angehören. So konnten 27 Gedenksteine für TurinerInnen verlegt werden, die aus politischen oder rassistischen Gründen deportiert wurden.

Nun liegt beispielsweise vor dem Eingang der Schule am Corso San Maurizio 8 ein Stolperstein für Teresio Fasciolo:

Stolperstein Turin - Teresio Fasciolo, Foto: © Sabine Bade

Warum der 18-jährige Schüler nach Mauthausen deportiert und dort ermordet wurde, geht aus der knappen Inschrift leider nicht hervor. Dass sich der Junge den Partisanen der 2. Garibaldi-Division angeschlossen und in den Valli di Lanzo verhaftet, also „per motivi politici“ deportiert wurde, erfährt aber, wer das Stolperstein-Faltblatt mit ganz kurzen biografischen Notizen abruft. Darin sind auch die Verlegestellen eingezeichnet.

Weitere Stolpersteine in Turin:

Verlegestellen der Stolpersteine in Turin

  • in der Via Carlo Alberto 22 für Filippo Acciarini (politisch),
  • in der Via Po 25 für Michele Valabrega, seine Frau Maria Elena und Tochter Stella,
  • am Corso Regio Parco 35 für Lucio Pernaci (politisch),
  • am Corso Casale 10 für Luigi Porcellana (politisch),
  • am Corso Cairoli 32 für Lina Zargani,
  • am Corso Massimo D’Azeglio 12 für Eleonora Levi,
  • am Corso Marconi 38/40 für Gino Rossi,
  • in der Via Campana 18 für Luciano und Renato Treves (politisch),
  • in der Via Principe Tommaso 42 für Eugenio Nizza,
  • in der Via Principe Tommaso für Salvatore und Alberto Segre (politisch),
  • in der Via Gioberti 69 für Alfonso Ogliaro (politisch),
  • in der Via Fratelli Carle 6 für Alessandro, Germana, Luciana und Sergio Levi,
  • in der Via Amadeo Avogadro 19 für Marianna Sacerdote,
  • in der Via Giacinto Collegno 45 für Enzo Lolli,
  • in der Via Duchessa Jolanda für Donato Giorgio Levi,
  • in der Via Aurelio Saffi 13 für Rosetta Rimini und ihre Tochter Lidia Tedeschi,
  • am Corso Tassoni 33 für Corrado Lolli
  • und in der Via Vicenza 23 für Gelindo Augusti (politisch).

Spaziergang durch Turin auf den Spuren der Resistenza

So lässt sich nun der von uns beschriebene “Spaziergang durch Turin auf den Spuren der Resistenza” (unsere Tour 1 in Partisanenpfade im Piemont) um einen kleinen Stolperstein-Spaziergang erweitern.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Resistenza

Ferrovia del Drinc im Val di Cogne vor dem Aus?

Vor zwei Jahren haben wir darüber berichtet, dass im Aostatal der Tag der ins Vergessen geratenen Eisenbahnstrecken – ‚La Giornata nazionale delle Ferrovie dimenticate‘ – ganz unter dem Zeichen des Kampfes um die Ferrova del Drinc stand.
Das war auch dieses Jahr so. Allerdings erscheint das Vorhaben, die 12 Kilometer lange historische Eisenbahnverbindung zwischen dem Aostatal und dem Val di Cogne für den Personenverkehr zu nutzen, endgültig vor dem Aus zu stehen: Das Bahnhofsgelände in Cogne soll nach neuesten Plänen der Region zukünftig als Carabinieri-Kaserne genutzt werden.

Die Ferrovia del Drinc
Über hundert Jahre lang wurde im Valle di Cogne Eisenerz abgebaut. Erste Fundstellen waren bereits im 15. Jahrhundert identifiziert worden. Das Material aber aus dem abgelegenen Tal nach Aosta zu befördern, stellte ein großes Problem dar: Die erst 1918 angelegte Straße war im Winter meist durch Lawinenabgänge unpassierbar. Realisiert wurde deshalb eine kürzere – und ganzjährig nutzbare – Transportroute mitten durch das Bergmassiv, das das Valle di Cogne vom nördlich gelegenen Haupttal trennt.

Die oberhalb von Cogne in den auf über 2.400 Metern Höhe liegenden Minen von Colonna und Liconi abgebauten Erze wurden mit einem Materiallift ins Tal befördert und von dort mit der im Oktober 1922 eröffneten ‘Ferrovia del Drinc’ – fast durchgängig in Gallerien unter dem gleichnamigen Berg – in das Aostatal befördert. In Acque Fredde, etwas unterhalb der heutigen Skistation von Pila, stand ein weiterer Materiallift, mit dem das Erz hinunter nach Aosta schwebte.

1979 wurde die Mine aufgegeben und die Ferrovia del Drinc stillgelegt. Unmittelbar danach entstand die Idee, dieses für das Aostatal einmalige Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Ein neuer Nutzungsplan wurde entwickelt: Die 12 Kilometer lange Eisenbahnverbindung zwischen Acque Fredde im Aostatal und Plan Praz bei Cogne sollte zukünftig für den Personenverkehr touristisch genutzt und durch die Anbindung an die Kabinenbahn Aosta – Pila eine schnelle Verbindung zwischen den Touristenorten Pila und Cogne sommers wie winters geschaffen werden. Ein tolle Idee, die 1984 auch in Angriff genommen wurde. Bis kurz vor der Einweihung – und nach der Investion von 30 Millionen Euro – das gesamte Vorhaben beendet wurde.

Da war der Gleiskörper längst erneuert, die Bahnhöfe fertiggestellt, Fahrkartenautomaten aufgehängt und Waggons mit Skiträgern angeschafft. Im Jahr 2010 warb an der Talstation der Kabinenbahn Aosta – Pila noch ein großes Plakat für den ‘trenino dei minatori’ nach Cogne.

Das Projekt war gestoppt und später ganz eingestellt worden, nachdem Studien diverse Mängel (u.a. im Belüftungssystem) zutage gebracht haben.

Für den Erhalt der Ferrovia del Drinc setzt sich vehement und von Legambiente unterstützt ein Bürgerkomitee ein, das auch den lesenswerten Blog „Curoe di  ferro Valle d’Aosta“ betreibt, auf den wir immer wieder gern verweisen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aostatal, Cognetal, Gran Paradiso

Einwöchige Hüttentour durch die Seealpen auf der Via Alpina

Unter dem Titel „Schicksale auf der Via Alpina“ erschien in der September-Ausgabe (5/2014) des Magazin WANDERN.CH der Schweizer Wanderwege unser Artikel über eine einwöchige Hüttentour durch die Seealpen auf der Via Alpina:

„Hätten die Alpen ein Gedächtnis, könnten sie viel erzählen auf der Via Alpina durch die italienisch-französischen Seealpen: Von königlicher Jagdleidenschaft, von Hirten, die während der Bronzezeit ihre Zeichnungen hinterliessen und vom fehlgeschlagenen Exodus einer grossen Gruppe von jüdischen Frauen, Männern und Kindern auf ihrer Flucht vor den Nazis.“

Mittlerweile haben neben der Via Alpina auch die Region Piemont und die französische Wandervereinigung FFRandonée über unseren Artikel berichtet und ihn zum Download zur Verfügung gestellt. Was uns außerordentlich freut.

Hier nun auch von uns der Hinweis auf den Artikel, der sowohl in deutscher als auch französischer Sprache erschien:

Schicksale auf der Via Alpina (PDF 1.5 Mb)
Destins Scellés sur la Via Alpina (PDF 1.5 Mb)
 
Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gedächtnis der Alpen, Seealpen, Via Alpina

NO TAV – Europäische Unterstützung für das Bahnprojekt „Lyon-Turin“ bröckelt

Im neuesten CIPRA-Newsletter Nr. 10/2014 berichtet die Internationale Alpenschutzkommission über eine kürzlich veröffentlichte Studie zur alpinen Verkehrspolitik im Auftrag des Europäischen Parlaments. Die Ergebnisse zur TAV-Strecke durch das Susatal erstaunen uns nicht:

Viele Fragezeichen bei „Lyon-Turin“
„Das Fazit der Studie zur geplanten neuen Bahnstrecke zwischen Lyon und Turin ist ernüchternd. Zum einen wurden wichtige Meilensteine in der Planung eines solchen Grossprojekts übersprungen: Kosten und der Nutzen von alternativen Varianten wurden nie vergleichend untersucht, die gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung wurde nicht durchgeführt laut der Richtlinie. Die erste öffentlich zugängliche Kosten-Nutzen-Analyse wurde erst 2012, also 20 Jahre nach Beginn der Planungen, von den Promotoren erstellt. Bis heute fehlt eine wirtschaftliche Analyse für den Zeitraum, in der die Strecke tatsächlich in Betrieb ist. Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit sind mangelhaft. Zum anderen stellt die Studie die Notwendigkeit der neuen Bahnstrecke in Frage: Denn die Berechnungen sind falsch, gemäss derer immer mehr Güter auf dieser Strecke transportiert werden müssen. Ausserdem reichen die Kapazitäten der bestehenden Linie noch für die nächsten 20 Jahre aus. Die Europäische Kommission will das Projekt nun nicht mehr als Gesamtes finanzieren, sondern nur die Gelder für die jeweiligen Teilabschnitte freigeben. Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments, sieht in dieser Reaktion eine erste Distanzierung vom Projekt.“

Wir meinen: Das wird auch langsam Zeit.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter NO TAV, Susatal

Buco di Viso in neuem Glanz

Die am ältesten „Straßentunnel“ der Alpen durchgeführten Bauarbeiten wurden Mitte Oktober 2014 abgeschlossen: Der etwas unterhalb des Colle Traversette (2.950 m) Italien und Frankreich verbindende Buco di Viso bekam auf französischer Seite ein neues Portal. Dass das eher dem Eingang einer Kasematte gleicht, wie in Foren bereits gefrotzelt wird, sei hier nur am Rande bemerkt. Passieren läßt sich der Tunnel nun jedenfalls kinderleicht.

Hier ein Youtube-Filmchen zur feierlichen Eröffnung:


Straßentunnel aus dem 15. Jahrhundert

Heute kaum vorstellbar verlief hier früher ein bedeutsamer Handelsweg zwischen Provence und Poebene, über den auch das damals für die Konservierung von Fleisch und Fisch benötigte Salz befördert wurde. Um den Verlauf dieser Salzstraße über den 2.950 Meter hohen Colle delle Traversette zu entschärfen, begann der Markgraf Ludovico II. von Saluzzo gleich zu Beginn seiner Regentschaft 1475 mit Frankreich Verhandlungen über ein Tunnelbauvorhaben zu führen und ließ den Tunnel schließlich 1479/1480 knapp 70 Meter unterhalb des Passes bauen. In nur 18 Monaten Bauzeit entstand so der älteste Straßentunnel der Alpen, in Höhe und Breite genau auf Mulikarawanen zugeschnitten. Verstehen lässt sich dieses damals sehr anspruchsvolle Unterfangen nur, wenn man die Insellage der von Savoyen umgebenen Markgrafschaft Saluzzo im ausgehenden 15. Jahrhundert bedenkt und in Rechnung stellt, dass andere Routen in die Provence, etwa die über den Colle della Maddalena im Stura- oder den Colle di Tenda im Royatal, stets durch gleich mehrere Kleinstaaten geführt hätten, wobei jeder Grenzübertritt mit der Entrichtung von Zöllen verbunden war.

Aber auch andere Widrigkeiten ließen den Markgrafen von Saluzzo einen Sonderweg wählen: So sollen beispielsweise in der kleinen, aber strategisch gut gelegenen Grafschaft Tende Plünderungen von Karawanen, unerlaubtes Erheben von überhöhten Wegezöllen, Beschlagnahmungen und Schikanen aller Art an der Tagesordnung gewesen sein.

Als die Markgrafschaft Saluzzo circa 100 Jahre nach Bau des Tunnels ihre Unabhängigkeit verlor, verlagerte sich der alpenquerende Verkehr auf weniger exponierte Strecken und die Zugänge des Tunnels wurden mit der Zeit verschüttet. Mehrmals wurde er für Fußgänger wieder passierbar gemacht, zuletzt durch die Maßnahmen im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projektes, die jetzt abgeschlossen wurden. 271.000 € wurden ausgegeben, damit Wanderer auf dem Giro del Monviso, der Via Alpina und der GTA nicht mehr den halbverschütteten französischen Tunneleingang überklettern müssen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Cottische Alpen, Giro del Monviso, GTA, Monviso-Region, Potal, Queyras, Via Alpina