Die Tendabahn darf nicht stillgelegt werden!

Als Anfang vom Ende der historischen Tendalinie sahen viele Menschen in den betroffenen Regionen und Gemeinden entlang der Strecke die Ausdünnung des Fahrplans und die Stilllegung von Bahnhöfen, über die wir hier berichteten.

Sie lagen damit richtig, denn während andernorts zweistellige Milliardenbeträge für ein prestigeträchtiges, völlig unnötiges Tunnelprojekt investiert werden, wird den Italienern der Unterhalt der 1928 eröffneten historischen Bahnlinie zwischen Cuneo und Ventimiglia zu teuer.

Seit 1970 finanziert Italien die grenzüberschreitende Linie allein: Damals haben Italien und Frankreich die Kosten für den Unterhalt der Strecke vertraglich festgelegt. Die 1000 Höhenmeter überwindende Bahnstrecke gilt als Meisterwerk der Ingenieurskunst – ist aber mit ihren vielen Viadukten und wegen häufiger Verschüttung der Gleise durch Erdrutsche in diesem geologisch sehr aktiven Gebiet sehr wartungsintensiv. So soll mit der Schließung der Linie schon wieder an der völlig verkehrten Stelle gespart werden.

Ende April gab es eine italienisch-französische Protestveranstaltung auf der Piazza Castello in Turin, für das kommende Wochenende ist eine weitere Veranstaltung in Breil-sur-Roya geplant.

In vielen italienischen und französischen Gemeinden entlang der Trasse liegen momentan Unterschriftenlisten aus, mit denen man sich für den Erhalt der Linie einsetzen kann.

“Nessuno tocchi la Cuneo – Ventimiglia” (sehr frei übersetzt: “Hände weg von der Linie Cuneo – Ventimiglia”) sagen auch wir und haben die entsprechende Online-Petition unterzeichnet.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Bus und Bahn, Ligurische Alpen, Royatal, Seealpen

Susatal – Forte di Exilles vorübergehend geschlossen

Das gewaltige Forte di Exilles, das auf einem Felssporn zwischen Susa und Salbertrand am Zugang zum oberen Susatal steht, ist immer einen Besuch wert. Wer sich für Alpenfestungen und deren stets ‚wechselvolle Geschichte‘ interessiert, wird sich die Anlage nicht entgehen lassen wollen, in der zudem – als ‚Sahnehäubchen’ – das Museo Nazionale della Montagna des Club Alpino Italiano (CAI) Turin ein äußerst sehenswertes Museumsareal eingerichtet hat:


Wer auch immer die Region gerade beherrschte, machte sich die strategisch günstige Lage nutzbar und baute hier Befestigungsanlagen, sodass das heutige Fort auf den Ruinen all seiner Vorgänger steht. Nach Kelten, Römern und den Herrschern der Dauphiné waren es im 16. Jahrhundert die Baumeister der französischen Könige Heinrich IV. (Jean de Beins) und Ludwig XIV. (Vauban), die Pläne lieferten für den Bau einer richtigen Sperranlage – die dann doch dem Ansturm der Savoyer nicht standhielt, was u.a. dazu führte, dass mit dem Frieden von Utrecht 1713 die Franzosen das obere Susatal verloren und nun die Baumeister der savoyischen Könige in Exilles weiterbauten. Bis die napoleonischen Truppen kamen und die Anlage kurzerhand schleiften, wofür sie immerhin zwei Jahre benötigten (1796 –1798). Mit dem Sturz Napoleons und der Wiederherstellung der ‚alten Ordnung‘ fiel die gesamte Region an Savoyen zurück, das sich nun dank der gewaltigen Reparationszahlungen, die Frankreich auferlegt wurden, große neue Festungsanlagen erlauben konnte, getreu dem Motto „in jedem Tal ein Fort“. Neben Exilles u.a. auch die Festungen Fenestrelle im Chisone- und Esseillon im Arctal.

Von einigen später vorgenommenen Änderungen abgesehen, entspricht das heutige Forte di Exilles dieser in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebauten Anlage.


Ab heute (21. Mai 2013) ist das Forte di Exilles allerdings geschlossen – vorübergehend, wie wir hoffen:
Kaum ist der neue Fahrstuhl eröffnet worden, für den die Region Piemont in den vergangenen Jahren 5 Millionen Euro ausgegeben hat, stehen Zahlungsverpflichtungen für den laufenden Unterhalt aus. Was nun zur Schließung führte.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Cottische Alpen, Susatal

Granatal – Übernachtungsmöglichkeiten und Preise für 2013

Wie für das benachbarte Mairatal hat die Comunità Montana Valli Grana e Maira auch für das Granatal einen Flyer mit den für 2013 gültigen Preisen aller Übernachtungsstätten, vom Hotel bis zum Bivacco, online gestellt.

Granatal - Santuario San Magno, Foto: © Wolfram Mikuteit

OSPITALITA’ IN VALLE GRANA 2013 als PDF (346 kb).

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Übernachten, Cottische Alpen, Okzitanien

Die Petroglyphen des Vallée des Merveilles und das UNESCO-Welterbe …

… eine fast schon unendliche Geschichte
Die Felsenzeichnungen im Valcamonica wurden bereits 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. So auch die Höhlenmalereien in Lascaux. Dass die prähistorischen Felsritzungen in der Umgebung des Mont Bégo, die unter dem Namen ‚Vallée des Merveilles‘ zusammengefasst werden, bisher noch nicht offiziell zum Welterbe gehören, ist somit eher erstaunlich – schließlich handelt es sich um die zweitgrößte Fundstelle von Petroglyphen im gesamten Alpenraum.

Vallée des Merveilles, Sektor "Fontanalba" - Foto: © Wolfram Mikuteit

Nun ist es nicht etwa so, dass die Verantwortlichen des Parc National du Mercantour, in dem das Vallée des Merveilles liegt, sich nicht sehnsüchtig die Aufnahme in die Liste der Welterbestätten wünschten. Sie arbeiten auch seit vielen Jahren permanent an entsprechenden Konzepten. Die ändern sie jedoch hin und wieder – auch schon mal grundlegend.

Gravuren im Vallée des Merveilles, Sektor "Fontanalba" - Foto: © Wolfram Mikuteit

Anstatt allein für die besonders schützenswerten Petroglyphen-Fundstellen des Vallée des Merveilles das UNESCO-Weltkulturerbe-Label anzustreben, sollte der gesamte Nationalpark – als Weltnaturerbe – einbezogen werden. Eine Ausweitung des Projektes auf den im Norden direkt angrenzenden italienischen Parco Naturale delle Alpi Marittime – beide gehen in ihren Ursprüngen auf das ehemalige königliche Jagdrevier Valdieri-Entracque zurück – war der nächste Schritt.

Bassa del Druos, im Parco Naturale delle Alpi Marittime - Foto: © Wolfram Mikuteit

Im Jahr 2002 setzten Frankreich und Italien gemeinsam das Gebiet des Doppelparks auf die ‚Tentative List‘ der UNESCO: Diese Liste ist recht unverbindlich und enthält lediglich
Projekte, für die die einzelnen Bewerberstaaten eventuell (!) einen Antrag auf Aufnahme stellen wollen. So unverbindlich, dass beispielsweise Italien im Jahr 2006 gleich den gesamten Alpenbogen auf diese Liste setzen ließ („Alps: Western Alps, Dolomites, Eastern Alps“).

Espace transfrontalier Marittime-Mercantour – Les Alpes de la Mer
Während also in den vergangenen Jahren akribisch Kulturstätten im französisch-italienischen Parkgebiet restauriert wurden, um die Kriterien der Unterschutzstellung auch ja zu erfüllen, wurden zwischenzeitlich die Karten wieder neu gemischt:
Seit dem 15. April 2013 gibt es einen veränderten Eintrag in der ‚Tentative List’. Der Aspekt ‚Kultur’ wurde darin völlig aufgegeben und das Gebiet von Mercantour und Parco Alpi Marittime um den Parco Naturale del Marguareis und den Parco Naturale Regionale delle Alpi Liguri erweitert. Der neue UNESCO-Aspirant heißt jetzt offiziell „Espace transfrontalier Marittime-Mercantour (Les Alpes de la Mer)“.

Punta Marguareis, 2.651 m, im gleichnamigen Naturpark - Foto: © Wolfram Mikuteit

Sich derart schnittig an der aktuellen Vergabepraxis der UNESCO zu orientieren – die nicht nur die inflationäre Handhabung der Vergabe des Labels, sondern auch die unausgewogene geografische Verteilung und die Bevorzugung von Kultur- gegenüber Naturerbestätten sukzessive aufheben möchte – mag zweckorientiert sein. Nachvollziehbar ist uns indessen nicht, wieso der gesamte Alpenkamm vom Colle della Maddalena bis fast ans Mittelmeer von herausragender universeller Bedeutung sein soll – die zweitgrößte Fundstelle von Petroglyphen im gesamten Alpenraum hingegen nicht.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Ligurische Alpen, Mercantour, Seealpen

Mairatal – Übernachtungsmöglichkeiten und Preise für 2013

Seit Anfang dieses Jahres besteht die Comunità Montana Valli Grana e Maira zwar offiziell nicht mehr (einer der vielen, wenig nachvollziehbaren Beschlüsse der Region Piemont hat – kaum waren die Comunità Montane am grünen Tisch zusammengelegt worden – nun ihre vollständige Auflösung besiegelt), einen 27-seitigen Flyer mit den für 2013 gültigen Preisen aller Übernachtungsstätten, vom Hotel bis zum Bivacco, hat sie aber noch online gestellt.

Mairatal - Gardetta-Hochebene und Rocca la Meja, Foto: © Wolfram Mikuteit

Genießen wir diesen Service – wer weiß, ob es ihn in Zukunft noch geben wird.

OSPITALITA’ IN VALLE MAIRA 2013 als PDF (524 kb).

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Eingeordnet unter Übernachten, Cottische Alpen, Mairatal, Okzitanien

Mercantour – Vallée des Merveilles: Das Refuge Fontanalba bleibt im Jahr 2013 geschlossen

Da der wichtigste Inhalt dieser Kurzmeldung bereits durch die Headline übermittelt wird, bleibt uns nur noch wenig hinzufügen:

Das private Refuge des Skiclub Nizza wird dieses Jahr renoviert und nach aktuellem Stand erst im Juni 2014 wiedereröffnet.

Das ist nicht sonderlich problematisch, da diese Hütte – im Gegensatz zu vielen anderen im Nationalpark Mercantour – an keinem großen Fernwanderweg liegt, dadurch auch nicht dringend zur Etappenunterkunft benötigt wird.

Lediglich der Einkehrstopp bei Touren ab Casterino zu den langsam verlandenden Lacs Jumeaux muss somit entfallen. Was aber nicht von einem Besuch im Vallée de Fontanalba abhalten sollte:

Denn hier direkt unterhalb des von Mythen umrankten Mont Bégo gelangt man zur ‚Voie Sacrée‘, jenen orangefarbenen Schieferfelsen, auf dem Clarence Bicknell einst die mit 284 verschiedenen prähistorischen Piktogrammen wichtigste Fundstelle im Vallée de Fontanalba identifiziert hat. Nach wie vor ist die exakte Bedeutung der auf die Bronzezeit zu datierenden Bilder ungeklärt.

Mittlerweile herrscht die Anschauung vor, dass es sich bei der hochgelegenen Region um prähistorische Alpgebiete handelte. Dass jene Stellen, an denen sich die Felsbilder häufen, phantastische Aussichtspunkte abgeben, ist dem Wanderer heute eine wahre Freude – für die Hirten von damals gaben sie Plätze ab, von denen aus sie ihre Herden stets gut überblicken konnten.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Piero Calamandrei zum 25. April

Am 25. April wird in Italien der Tag der Befreiung vom Nazifaschismus gefeiert. Wir nehmen diesen von Beginn an heftig umstrittenen italienschen Nationalfeiertag zum Anlass, an die Worte eines jener Männer zu erinnern, die die italienische Verfassung mit geschaffen haben: Piero Calamandrei, Jurist, Dichter und Antifaschist der ersten Stunde.

Schließlich stammen von ihm auch die Worte „Ora e Sempre Resistenza!“, die heute von jenen Menschen verwendet werden, die sich vehement dagegen stemmen, dass diese Verfassung stetig weiter ausgehöhlt wird. Aktueller geht’s nicht.

Wenn Ihr dorthin pilgern wollt, wo unsere Verfassung geschaffen wurde, geht in die Berge, wo die Partisanen fielen, in die Gefängnisse, wo sie eingekerkert waren, in die Lager, in denen sie hingerichtet wurden.
Geht überall dorthin, wo ein Italiener starb, um die Freiheit und die Würde zurückzuerlangen, geht dorthin, oh Jugend, mit dem Gedanken, dass dort unsere Verfassung geschaffen wurde.

Piero Calamandrei, Professor für Zivilprozessrecht in einer Vorlesung in Mailand 1955

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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