Archiv der Kategorie: Cottische Alpen

Im Val Troncea

Über das Val Chisone in den Cottischen Alpen haben wir hier bereits mehrmals berichtet; dessen Quelltal Val Troncea und den gleichnamigen Naturpark zwar in unserem Wander-Lesebuch Partisanenpfade im Piemont gleich zwei Touren gewidmet – es aber hier auf dem Westalpenblog noch nie erwähnt. Was sich ändern muss, wie wir gerade wieder feststellen konnten!

 

Eine Rundwanderung …

Etwas oberhalb von Pragelato zweigt von der SS 23 in Richtung Sestriere die Straße in das Val Troncea ab. Ihr folgt man – vorbei am Luxushotel Pragelato Village – bis zu ihrem Ende am großen Parkplatz an der Ponte das Itreit, wo ein Denkmal an die 81 am 19. April 1904 unterhalb des Colle del Beth von einer Lawine verschütteten Minenarbeiter erinnert. Hier beginnt der Rundweg, der entlang des Chisone das Val Troncea durchzieht. Vorbei am Infohäuschen des 1980 eingerichteten Parco Naturale della Val Troncea gelangt man auf einer Erdpiste bereits nach wenigen Minuten zum Standort der alten Mühle von Laval, wo sich heute das sehr nette Rifugio Mulino di Laval befindet. Hinter Baracot’d la Poump mit Picknicktischen und vielen Hinweistafeln zu Fauna und Flora des Naturparks zweigt von der Piste der Weg ab, der über Seytes nach Troncea führt. Beide Weiler wurden im Herbst 1944 von deutschen Truppen auf der Suche nach Partisanen zerstört. Hinter dem Rifugio Troncea befindet sich eine kleine Gedenkstätte für die Divisone Autonoma Val Chisone ‚Adolfo Serafino‘, die den Deutschen Widerstand leistete.

Der Weg setzt sich in Richtung Alpe Mey nach Südosten hin am Hang entlang fort. Vorbei an der Abzweigung zu einer weiteren Gedenkstätte für die verunglückten Minenarbeiter (Lapide Minatori) erreicht man zunächst die Alpe Lou Soupaleddi, dann die Alpe Roccias mit Blick zurück durch das gesamte Val Troncea und steigt dann über sanfte Wiesenhänge ab hinunter zum Chisone. In nun wieder nördlicher Richtung wird die Alpe Mey erreicht, von wo aus eine Erdpiste am linken orografischen Ufer des Baches – vorbei an an der Ruine des um 1900 errichteten Wasserkraftwerks, der Fonderia, und dem Rifugio Mulino di Laval – zurück an den Ausgangspunkt der Ponte das Itreit führt (Zeit: 5 h 15, Strecke: 17,5 km, Aufstieg: 735 m, Abstieg: 735 m).

 

… mit optionalem Aufstieg zum 2.851 Meter hohen Col Clapis

An der Alpe Mey (2.010 m), zu der in der Hochsaison auch ein Shuttlebus verkehrt (s.u.), beginnt ein Weg, auf dem man in ca. 2 Stunden den Col Clapis und damit die Wasserscheide zwischen dem Chisonetal und dem zum Susatal gehörenden Valle Argentera erreicht.
Als während der deutschen Besatzung die Luft dünn wurde im Val Troncea und nach den Schlachten am Monte Genevris und am Monte Triplex klar war, dass die ‚Operation Nachtigall‘ das Ende der berfreiten Zone im Val Troncea besiegeln würde, mussten sich die Partisanen absetzen und auch ihre Verwundeten aus den Krankenstationen von Laval und Alpe Roccias evakuieren. Da alle anderen Fluchtrouten versperrt waren, blieb ihnen einzig der Weg in das noch nicht von den Deutschen besetzte Valle Argentera, ganz nah an der Grenze zu Frankreich. Die Gruppe von Ettore Sarafino wählte dabei den Weg über den 2.815 Meter hohen Col Clapis.

 

Bus zur Alpe Mey

Wie in den Vorjahren setzt auch im Jahr 2016 die Verwaltung des Parco Naturale della Val Troncea in der Hochsaison einen Kleinbus ein, der hinauffährt zum Rifugio Troncea und zur Alpe Mey.

Der Pendelbus verkehrt ab 9. Juli 2016 an den Wochenenden, vom 23. Juli bis zum 21. August täglich, und bis 4. September 2016 noch an den Wochenenden jeweils zwischen 9 und 17 Uhr. Wichtig: Voranmeldung dafür ist zwingend notwendig. Nähere Infos im Besucherzentrum des Parco Naturale Val Troncea in Pragelato, Via della Pineta (Ortsteil Ruà).

 

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Buco di Viso in neuem Glanz

Die am ältesten „Straßentunnel“ der Alpen durchgeführten Bauarbeiten wurden Mitte Oktober 2014 abgeschlossen: Der etwas unterhalb des Colle Traversette (2.950 m) Italien und Frankreich verbindende Buco di Viso bekam auf französischer Seite ein neues Portal. Dass das eher dem Eingang einer Kasematte gleicht, wie in Foren bereits gefrotzelt wird, sei hier nur am Rande bemerkt. Passieren läßt sich der Tunnel nun jedenfalls kinderleicht.

Hier ein Youtube-Filmchen zur feierlichen Eröffnung:


Straßentunnel aus dem 15. Jahrhundert

Heute kaum vorstellbar verlief hier früher ein bedeutsamer Handelsweg zwischen Provence und Poebene, über den auch das damals für die Konservierung von Fleisch und Fisch benötigte Salz befördert wurde. Um den Verlauf dieser Salzstraße über den 2.950 Meter hohen Colle delle Traversette zu entschärfen, begann der Markgraf Ludovico II. von Saluzzo gleich zu Beginn seiner Regentschaft 1475 mit Frankreich Verhandlungen über ein Tunnelbauvorhaben zu führen und ließ den Tunnel schließlich 1479/1480 knapp 70 Meter unterhalb des Passes bauen. In nur 18 Monaten Bauzeit entstand so der älteste Straßentunnel der Alpen, in Höhe und Breite genau auf Mulikarawanen zugeschnitten. Verstehen lässt sich dieses damals sehr anspruchsvolle Unterfangen nur, wenn man die Insellage der von Savoyen umgebenen Markgrafschaft Saluzzo im ausgehenden 15. Jahrhundert bedenkt und in Rechnung stellt, dass andere Routen in die Provence, etwa die über den Colle della Maddalena im Stura- oder den Colle di Tenda im Royatal, stets durch gleich mehrere Kleinstaaten geführt hätten, wobei jeder Grenzübertritt mit der Entrichtung von Zöllen verbunden war.

Aber auch andere Widrigkeiten ließen den Markgrafen von Saluzzo einen Sonderweg wählen: So sollen beispielsweise in der kleinen, aber strategisch gut gelegenen Grafschaft Tende Plünderungen von Karawanen, unerlaubtes Erheben von überhöhten Wegezöllen, Beschlagnahmungen und Schikanen aller Art an der Tagesordnung gewesen sein.

Als die Markgrafschaft Saluzzo circa 100 Jahre nach Bau des Tunnels ihre Unabhängigkeit verlor, verlagerte sich der alpenquerende Verkehr auf weniger exponierte Strecken und die Zugänge des Tunnels wurden mit der Zeit verschüttet. Mehrmals wurde er für Fußgänger wieder passierbar gemacht, zuletzt durch die Maßnahmen im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projektes, die jetzt abgeschlossen wurden. 271.000 € wurden ausgegeben, damit Wanderer auf dem Giro del Monviso, der Via Alpina und der GTA nicht mehr den halbverschütteten französischen Tunneleingang überklettern müssen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Durch das Valle Gesso: Attraverso la Memoria 2014

Seit über 15 Jahren finden – jeweils am ersten Septemberwochenende – im italienischen Valle Gesso und im französischen Vallée de la Vésubie Gedenkwanderungen statt, die an die etwa 800 jüdischen Menschen erinnern wollen, die hier zwischen dem 9. und 13. September 1943 aus Saint-Martin-Vésubie vor den aus dem Süden vordringenden Nazis über den Alpenhauptkamm flohen.

Ihre Hoffnung, mit dem beschwerlichen Weg über die Pässe Finestra (2.474 m) und Ciriegia (2.543 m) und weiter über Entracque und Borgo San Dalmazzo in die Freiheit zu gelangen, trog: die Deutschen marschierten am 12. September auch in diese Region ein und besetzten die italienischen Stellungen. Viele der Flüchtlinge wurden von den Deutschen auf Basis der von Mussolini 1938 erlassenen ‚Rasse-Gesetze‘ festgenommen und in Borgo San Dalmazzo inhaftiert.

Am Bahnhof dieses kleinen Ortes am Eingang des Sturatales erinnert heute ein Mahnmal, das ‚Memoriale della Deportazione‘ daran, dass hier am 21. November 1943 insgesamt 329 Menschen dieser Fluchtgruppe in Güterwaggons gepfercht und in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert wurden, wo 311 von ihnen ermordet wurden.

… auf den Percorsi Ebraici

Voriges Jahr haben wir an der Gedenkwanderung von San Giacomo di Entracque zum Colle di Finestra teilgenommen und darüber berichtet. In diesem Jahr findet die unter dem Motto „Attraverso la memoria / Marche de la mémoire“ stehende Gedenkwanderung am 7. September statt und führt von Terme di Valdieri zum Colle Ciriegia. Der sehr schöne Wanderweg von Gias della Casa hinauf zum Pass ist – wie auch jener über den Colle di Finestra – vom italienisch-französisch-schweizerischen Gemeinschaftsprojekt ‚La Memoria delle Alpi / La Mémoire des Alpes / Gedächtnis der Alpen’ als Freiheitspfad‚ als ‚Percorsi Ebraici‘, ausgewiesen.

Hier das Programm zum Download.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Grana- und Mairatal – Übernachtungsmöglichkeiten und Preise für 2014

Wie im vergangenen Jahr gibt es auch für 2014 wieder eine I.A.T.-Aufstellung (Informazioni e Accoglienza Turistica in Italia) aller Übernachtungsmöglichkeiten, die die Comunità Montana Valli Grana e Maira online gestellt hat.

In den zwei Flyern sind sie alle – von Hotels über Bed & Breakfast und Posti Tappa bis hin zu Bivacchi – mit den für 2014 gültigen Preisen, Öffnungszeiten und Kontaktinformationen gelistet.

Mairatal – Übernachtungsmöglichkeiten und Preise für  2014  – Ospitalità in Valle Maira – (PDF, 461 kb)

Granatal – Übernachtungsmöglichkeiten und Preise für 2104  – Ospitalità in Valle Grana – (PDF, 365 kb)

 

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Forte di Fenestrelle – Chisonetal

Der bisherige Internetauftritt des Forte di Fenestrelle (fortedifenestrelle.com) wurde abgeschaltet. Ob die Seite nochmals reaktiviert wird, ist ungewiss. Deshalb hier kurz von uns der Hinweis, dass die Informationen zu den Öffnungszeiten auf der Seite des oberen Val Chisone zu finden sind.

Forte di Fenestrelle - Foto: © Wolfram Mikuteit


Forte di Fenestrelle

In 122 Jahren Bauzeit ist im oberen Chisonetal, das damals noch Val Pragelato genannt wurde, eine der größten und beeindruckensten Festungen der Alpen entstanden, zur strategischen Absicherung der neuen Grenzen und zur Darstellung der Stärke des gerade entstandenen Königreiches Piemont-Sardinien. Erste Pläne zum Bau der Festung entstanden gleich, nachdem Frankreich 1713 mit dem Friedensvertrag von Utrecht die Westalpentäler östlich des Hauptkammes an Savoyen-Piemont abtreten musste (das zudem in den Rang eines Königreiches aufstieg). Ein naheliegendes Vorhaben, da unter anderem die strategisch ungünstig gelegene französische Festung Mutin im Chisonetal den Sieg der Piemontesen begünstigt hatte – was übrigens Vauban schon früh vorhergesagt haben soll! 1728 wurde mit dem Bau begonnen, von oben nach unten mit den Redouten von Delle Valli beginnend. Schnell entstand hier wie mit Exilles im Susatal ein Sperrriegel, der angreifende Franzosen bereits im Juli 1747 zu dem opferreich fehlgeschlagenen Versuch zwang, diese Täler über den Assiettagrat zu umgehen.

Neben dieser Sperrriegelfunktion wurde Fenestrelle von unterschiedlichen Herrschern vor allem als Staatsgefängnis genutzt, verfiel nach dem ersten Weltkrieg zusehends und verdankt seine sukzessive Wiederherstellung heute vor allem der ‚Associazione Progetto San Carlo – Forte di Fenestrelle onlus‘.

Die Fakten: 1.300.000 m² bebauter Fläche, auf annähernd drei Kilometer Länge 580 Meter Höhendifferenz zwischen den drei Festungen San Carlo, Tre Denti und Delle Valli überwindend, die auch über die 3996 Stufen der ‚Scala Coperta‘ miteinander verbunden sind.

Dazwischen viele Feldschanzen, Mannschaftsquartiere, exponierte Aussichtstürme wie die Garitta del Diavolo und viele zum Teil kunstvolle Hebebrücken, um die einzelnen Festungsbestandteile im Notfall voneinander separieren zu können – das ist Forte di Fenestrelle, seit 1999 ‚Monumento Simbolo‘ der Provinz Turin.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

siehe auch:
Forte Fenestrelle: die Zukunft der Ridotta Carlo Alberto

 

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Hörfunktipp: RadioReisen Valle Varaita – Queyras

Der Bayerische Rundfunk ist mit RadioReisen „unterwegs in fremden Ländern und Kulturen“ – und was so exotisch klingt, führt am 13. Oktober 2013 auch ins Valle Varaita und das benachbarte Queyras:

Zwischen Turin und Chambéry erstreckt sich einer der hierzulande unbekanntesten Abschnitte der Alpen: die piemontesischen Alpen. Wo einst Hannibals Legionen nach Italien marschierten, ziehen heute Wanderer, Motorradfahrer und Genießer über die Berge. An der Grenze zwischen Frankreich und Italien gelegen, und zugleich an der Schwelle zwischen Mitteleuropa und dem mediterranen Süden, verstand die Region sich doch stets als kulturelle Einheit. Stefan Schomann erkundet diese aparte Welt im französischen Queyras und im italienischen Valle Varaita.

RadioReisen
BR 2, Sonntag 13. Oktober 2013, 09:05 bis 10:00 Uhr.
Wiederholung: Montag, 14. Oktober 2013, 14:05 bis 15:00 Uhr.

Stefan Schomann war mit der Naturführerin Karen Kloss in dieser Region unterwegs; zusammen sind wir auf das Resultat gespannt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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GTA: Rifugio Barant wieder eröffnet

Das Rifugio Barant liegt aussichtsreich auf 2.370 Metern Höhe etwa auf halbem Weg zwischen der Conca del Prà (Rifugio Willy Jervis) und dem Valle dei Carbonieri (Rifugio Barbara Lowrie) – musste aber fünf Jahre lang geschlossen bleiben, weil gleich nach der Totalrenovierung die Wasserversorgung nicht sichergestellt war.

Nun hat die Comunità Montana Val Pellice mit einer neuen Leitung für Abhilfe gesorgt, und das als Kaserne in der Mussollini-Ära entstandende Haus wurde im Sommer 2013 wieder eröffnet.

Für Wanderer auf der Grande Traversata delle Alpi (GTA, Bätzing Etappe 34) bietet das eine alternative Übernachtungsmöglichkeit. Gleiches gilt für Wanderer auf dem blauen Weg der Via Alpina, die die Etappe D44 etwas abkürzen wollen.

Und Tagesausflügler von der Conca del Prà finden nun einen attraktiven Einkehrstopp nur wenige Minuten entfernt vom 1991 angelegten Alpengarten Giardino Botanico Alpino Bruno Peyronel.

Rifugio Barant
Tel.: +39 335 627 6850
http://www.rifugiobarant.it/ und auch auf FB

In dieser ersten neuen Saison stehen lediglich 20 der vorhandenen 40 Betten zur Verfügung, und auch die Bewirtschaftung ist vorerst lediglich an den Wochenenden Freitag/Samstag/Sonntag garantiert.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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