Archiv der Kategorie: Grajische Alpen

Auf den Rocciamelone – höchster Wallfahrtsberg der Alpen

Dieser auch für Wanderer problemlos zugängliche Dreitausender bietet an klaren Tagen ein kaum zu überbietendes 360-Grad-Panorama über den gesamten Westalpenbogen sowie ins nur 7 km Luftlinie entfernte, aber 3000 m tiefer liegende Susatal.

Rocciamelone, 3.538 m - Foto: © Wolfram Mikuteit

Auf dem Gipfelplateau, das mehrere Hundert Pilger aufnehmen kann, steht oberhalb des Bivacco die Statue der Madonna della Neve. Geweiht wurde sie am 28. August 1899.

Große Hinweisschilder weisen an der Nordseite des Parkplatzes (2.069 m) auf der Hochebene von La Riposa zu den Zielen “Cà d’Asti” und “Rocciamelone”. Hier beginnt der bis hinauf zum Gipfel führende Weg “558”. Er verläuft zunächst über Wiesen in nordöstlicher Richtung. Nach ungefähr 20 Minuten weist an einem Brunnen ein unscheinbares Holzschild rechts zum Rifugio La Riposa, das in wenigen Minuten erreichbar wäre.
Wir gehen an diesem Brunnen geradeaus weiter und folgen der rot-weißen Markierung aufwärts. Der mäßig steile und breite Weg windet sich in Kehren den Bergrücken hinauf und erfordert nur wenig Konzentration, was viele Gelegeheiten verschafft, das Panorama ausgiebig zu würdigen. Neben dem immer näher rückenden Gipfel des Rocciamelone  im Norden und der Gipfelkette von Monte Orsiera, Punta Cristalliera und Monte Rocciavrè mit dem Colle delle Finestre im Süden fasziniert vor allem der Blick aus der Vogelperspektive 2.000 m hinab ins Susatal.

Vorbei an der Quelle Fontana Taverna, auf 2.476 m an einer ausladenden Kehre gelegen, ist im weiteren Aufstieg im Süden erstmals der Monviso erkennbar, der höchste Berg der Cottischen Alpen.

Auf ca. 2.800 m zweigt rechts ein ebenfalls rot-weiß markierter schmaler Pfad ab, über den hangparallel der östlich gelegene Colle della Croce di Ferro ( 2.558 m) erreicht werden kann. Weiter auf dem Hauptweg gelangen wir kurz danach an das Rifugio Cà d’Asti, das auf 2.854 m auf einem ockergelben Felsvorsprung steht.

Auf dem kleinen, recht zugigen Plateau wurde im Jahr 1419 die erste, damals noch hölzerne Schutzhütte auf italienischem Boden errichtet. Die damaligen Bergwanderer waren Wallfahrer. Den Anfang machte machte Bonifacio Rotario d’Asti, der, vermutlich um ein Gelöbnis einzulösen, am 1. September 1358 den Gipfel des Rocciamelone bestieg und dort ein Madonnen-Triptychon aufstellte. Noch immer zieht es jedes Jahr am 5. August Pilger auf den Gipfel, die hier noch einmal Rast machen können. Heute betreibt die Diözese Susa auf dem Felsvorsprung das in den 1980er-Jahren erbaute Rifugio Cà d’Asti. Gleich daneben steht die 1798 errichtete Capella di Rotario. Neben der Aussicht sind es vor allem die alpingeschichtlichen Superlative, die so viele nach oben locken: Der Rocciamelone gilt als der erste richtige Alpengipfel, der aus nichtwirtschaftlichen Gründen bestiegen wurde; und wo heute das Rifugio Cà d’Asti steht, wurde einst das erste Bivacco Italiens errichtet.

Direkt hinter dem Rifugio setzt sich der Pfad zum Gipfel fort, stets gut erkennbar, direkt und alternativlos. Vorbei an den letzten Grasbüscheln, die sich im lockeren Gestein noch halten konnten, geht es mäßig steil auf einem ausgetretenen Pfad durch Schutt und leichtes Blockgestein weiter zum Gratabsatz La Crocetta auf 3.306 m. Auf dem Platz neben dem massiven, weithin sichtbaren Sockel für das namensbegende Kreuz bietet sich noch die Möglichkeit zu einer Rast, bevor der Weg im weiteren Verlauf steiniger, steiler und auch ausgesetzter wird.
Knapp 150 m unterhalb des Gipfels ist erstmals der Lago di Malciaussia im nördlich gelegenen Viùtal  zu erkennen. Kurz dahinter beginnt die Seilsicherung, die erst endet, wenn an der Büste von Vittorio Emanuele II., dem ersten König des vereinten Italien, der Gipfel des Rocciamelone mit 3.538 m erreicht ist.

Auf dem Gipfelplateau, das mehrere Hundert Pilger aufnehmen kann, steht das 1923 von der Organisation Giovane Montagna errichtete Bivacco Santa Maria mit der Kapelle. In deren Innerem befindet sich heute nur noch eine Kopie des Madonnen-Triptychons. Das Original wurde bereits im Jahre 1673 ins Tal gebracht. Dafür steht – etwas höher – die Statue der Madonna della Neve. Die bronzene drei Meter hohe Madonna wurde nach einer spektakulären Sammelaktion unter 130.000 Kindern in ganz Italien, den “Bimbi d’Italia”, vom Turiner Bildhauer Giovanni Antonio Stuardi geschaffen, nach Susa transportiert und anschließend von 24 italienischen Gebirgsjägern in Einzelteilen auf den Gipfel getragen. Die Weihe fand am 28. August 1899 statt.

Die bereits beim gesamten Aufstieg fantastische Aussicht wird hier nun um die nach Norden bereichert. Die im Jahr 2008 aufgestellte Orientierungstafel hilft immens bei der Bestimmung der einzelnen Gipfel: Das 360-Grad-Panorama reicht an klaren Tagen nach Norden über den Glacier de Rochmelon bis zu Mont-Blanc-Massiv und Gran Paradiso. Im Westen ragt hinter dem Mont-Cenis-Stausee das Vanoise-Massiv mit Grand Casse, Grande Motte und dem vergletscherten Dôme de Chasseforêt auf. Nach Süden schauf man weit hinein in das 3.000 m tiefer liegenden Susatal, wobei die Aussicht vom Mont Chaberton im oberen Talabschnitt bis zur Sacra di San Michele am Talausgang und an klaren Tagen bis nach Turin reicht.

Länge / Dauer: gesamt 10,6 km, Aufstieg 4:30 Std, Abstieg 3:30 Std.
Markierung: sehr gute rot-weiße Markierung und Wanderwegweiser, problemlose Orientierung.
Anfahrt: Mit dem PKW von Turin auf der SS 25 bis Susa oder auf der A 55 bis Ausfahrt “Susa Est/Moncenisio”, weiter auf dem Corso Stati Uniti bis zum Schild “Rifugio Cà d’Asti”, dort rechts und der Beschilderung folgen. Die schmale Straße führt zunächst durch mehrere kleine Weiler und schraubt sich danach recht exponiert nach oben. Ab Susa 18 km, der letzte Kilometer ist geschottert, großer Parkplatz.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Termignon im Nationalpark Vanoise ist neues Mitglied des Netzwerks “Alpine Pearls”

Dass die Aufnahme in diesen Tourismusverbund von mittlerweile 29 Gemeinden aus dem gesamten Alpenraum – der sich auf die Fahnen geschrieben hat, „sanfte“, heute gern „nachhaltig“ genannte Mobilität zu fördern – nicht zwangsläufig bedeutet, das jede dieser „Alpenperlen“ überhaupt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, zeigt das Beispiel Pralognon in der Tarentaise: Nur in der absoluten Hochsaison kann man den Ort vom Bahnhof Moûtiers aus täglich erreichen. In den restlichen Monaten verkehrt der Bus nur einmal pro Woche, am Markttag!

Wegen der schlechten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel hatten wir uns auch entschieden, unseren Wanderführer zur Tour des Glaciers de la Vanoise zu erweitern: Auf dem originären Verlauf dieser grandiosen Rundtour um das ausgedehnte Gletscherplateau im Kern des Vanoisemassivs wird nämlich nur ein einziges Mal, in Pralognan, ein Talort erreicht. Den Ausgangspunkt einer Weitwanderung nur mit eigenem PKW erreichen zu können, war für uns nicht akzeptabel – weshalb wir die Tour mit einer Art ‚Prolog‘ ab Termignon versahen.

So ist es uns eine Kurzmeldung wert, dass nun auch Termignon seit dem 1. Januar 2014 Mitglied der „Alpine Pearls“ ist. Auch weil wir uns durch diese Mitgliedschaft erhoffen, dass die Buslinie von Modane über Termignon nach Bonneval-sur-Arc nicht dem Stilllegungswahn zum Opfer fällt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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DIE ZEIT über Partisanenpfade im Piemont

Vom Colle della Croce di Ferro, 2.558 m,  wieder hinunter zum Lago di Malciaussia - Foto: © Wolfram Mikuteit

In ihrer Printausgabe vom 12. September 2013 hat DIE ZEIT unter dem Motto „Im Felsenmeer der Partisanen“ über unsere Partisanenpfade in den Lanzotälern berichtet.

Der Artikel ist jetzt auch online verfügbar:

http://www.zeit.de/2013/38/italien-piemont-lanzotaeler

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Aosta und seine Hausberge

Wem nach Augustusbogen, Porta Prätoria und römischem Amphitheater in Aosta der Sinn nach Natur steht, kommt schnell – und ohne sich ins Auto setzen zu müssen – ans Ziel, findet zu Füßen der Hausberge von Aosta, Monte Emilius.(3.559m) und Becca di Nona (3.142m), lohnenswerte Wanderziele. Wie die Rundwanderung ins Vallone di Arbolle, wo das gleichnamige Rifugio steht.

Von der Talstation der Telecabina Aosta – Pila, wo vor einigen Jahren noch großflächig für den ‘trenino dei minatori’ nach Cogne geworben wurde, schwebt man in wenigen Minuten vom Talboden hinauf nach Pila (1.800m). Diese ursprünglich auf Pläne von Adriano Olivetti aus den 1930er-Jahren zurückgehende, erst 40 Jahre später realisierte Station scheidet die Geister: Dass ihr Zentrum aussähe wie „ein Raumschiff, das sich beim Absturz in den Hang gegraben hat“, entnehmen wir einem Reiseführer über das Aostatal.

Was nicht weiter stört, denn Pila ist ohnehin nur Umsteigestation: Weiter geht es mit dem Sessellift Seggiovia Chamolé, von dessen Bergstation (2.309m) der Weg 19A innerhalb weniger Minuten zum Lago di Chamolé führt. Der hier beginnende Rundkurs führt über den Colle Replan, Colle Pian Fenetre und die Grange Comboé in knapp 2,5 Std. zum Rifugio Arbolle (2.500m) und bietet unterwegs prächtige Aussicht hinunter nach Aosta und auf die Walliser Alpen.

Vom Rifugio Arbolle, dem klassischen Ausgangspunkt für die Besteigung des Monte Emilius, geht es über den Colle di Chamolé (2.635m) zurück zum Ausgangspunkt.

Informationen:

Mechanische Aufstiegshilfen: www.pila.it

Rifugio Arbolle: bewirtschaftet von Ende Juni bis Mitte September, 66 Betten, Tel: (+39) 333.8594725 und (+39) 0165-50011

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Shuttlebus in den Nationalpark Vanoise 2013

Auch im Jahr 2013 fahren wieder Shuttlebusse direkt ins Herz des Parc National de la Vanoise.

Wir haben für unseren Wanderführer zur Tour des Glaciers de la Vanoise als Einstiegsetappe einen Prolog ab Termignon in der Maurienne beschrieben. Weil wir immer auch darauf schauen, dass der Ausgangsort einer Wandertour auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Was bei Pralognan in der Tarentaise – dem klassischen Startort dieser Rundtour – leider nicht der Fall ist.


Wer bei dieser Tour einen Tag einsparen möchte, kann den nur in den Sommermonaten eingesetzten Shuttlebus-Service nutzen und so direkt zum Refuge Plan du Lac (ca. 15,5 km ab Termignon) oder zum Refuge d‘Entre Deux Eaux gelangen.

Die Busse zwischen Termignon und Entre Deux Eaux verkehren bis zum 1. September, danach bis 15. September an den Wochenenden. Bis zum Parkplatz Bellecombe (ca. 14 km ab Termignon) ist die Fahrt kostenlos. Fahrplan für 2013 als PDF-Download.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Pressestimmen zu "Partisanenpfade im Piemont" (2)

Wir setzen unsere kleine Reihe darüber, wie Anderen unsere „Partisanenpfade“ gefallen, fort:

Hier zunächst mit einem Ausschnitt aus der Rezension, die Daniel Anker gerade in der „Neue Zürcher Zeitung“ veröffentlicht hat, und dem Artikel von Christoph Jetter in „informationen – Wissenschaftliche Zeitschrift des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945″.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Die Fotos sind nicht Bestandteil der Besprechungen sondern von uns hier ergänzt.

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Neue Zürcher Zeitung – 24. Mai 2013, von Daniel Anker

Wege, Täler, Themen

Was machen wir in diesem Sommer? Wandern natürlich – in Piemont! Warum gerade dort, das Prättigau liegt doch näher? Keine Frage, aber zu Piemont sind zwei ausgezeichnete Wanderführer herausgekommen, die neue Wege, Täler und Themen in dieser grossartigen italienischen Alpenregion erschliessen. […]

Das Autorenehepaar Sabine Bade und Wolfram Mikuteit stellt in «Partisanenpfade im Piemont» Wege, Orte und Menschen des Widerstands gegen die deutsche Besatzung und den italienischen Faschismus vom September 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor. Das Buch führt an Plätze, an denen die Geschichte dieser hoffnungsvollen und brutal unterdrückten Resistenza bis heute wachgehalten wird.
Liktorenbündel als Hinterlassenschaft der Straßenbauer an der Nivolet-Passstraße

Und auch zu Stellen wie am Passo del Nivolet, wo das Liktorenbündel von Mussolinis Diktatur in Stein gemeisselt überlebt hat: so beklemmend wie die zahlreichen Gedenksteine für die Partisanen in den Tälern im Hinterland von Turin. In der Hauptstadt Piemonts wird die dramatische Zeit ebenfalls erlebbar, wenn man weiss, wo hinzuschauen. Mit dem Werk von Bade/Mikuteit, das mit vielen historischen wie zeitgenössischen Fotos illustriert ist, wird Geschichte buchstäblich auf Schritt und Tritt lebendig. Ein spannendes Buch für Sofawanderer und zugleich ein Wanderführer mit allen nötigen touristischen Infos zu den 23 vorgeschlagenen Touren, inklusive GPS-Tracks.

(S.B. & W.M.: Die gesamte Rezension – bei dem zweiten Buch handelt es sich um das neue, im Zürcher Rotpunktverlag erschienene Buch von Werner Bätzing/Michael Kleider „Gran Paradiso“ – ist hier online verfügbar.)

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informationen – Wissenschaftliche Zeitschrift des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945. Nr. 77, Mai 2013 – von Christoph Jetter

Auf Partisanenwegen im Piemont

Schönheit und Attraktivität der Wanderwege in den piemontschen Alpen zu rühmen, ist für alle, die auch nur einmal dorthin gereist, gar dort gewandert sind, keine Neuigkeit. Der hier vorgestellte neue Wanderführer von Sabine Bade und Wolfram Mikuteit wird der Vielfalt und Einzigartigkeit der Gebirgsregion an den Grenzen zwischen Italien, Frankreich und der Schweiz jedoch in doppelter Hinsicht gerecht.
Zunächst bietet er alles, was zu einem handlichen, auf langjähriger Erfahrung aufgebauten Begleiter für Wanderungen auf den Wegen in den nordwestitalienischen Alpen gehört. „Es ist ein Wanderbuch mit 23 GPS-gestützten Touren vom Stadtspaziergang bis zur Hochtour auf über 3000 Meter, das alle nötigen und viele hilfreiche Informationen enthält“, wird in der Einleitung zutreffend angekündigt – also findet man: gute Karten der beschriebenen Touren im nördlichen und nordwestlichen Piemont, genaue Wegbeschreibungen, praktische Hinweise zu Verkehrsmitteln, Übernachtungsmöglichkeiten und Preisen, nicht zuletzt bestechend schöne Aufnahmen aus diesen grandiosen Gebirgslandschaften.

Lago di Ceresole

Die Besonderheit dieses „Wanderlesebuchs“ (so der zutreffende Untertitel) besteht allerdings darin, dass Autorin und Autor nicht nur eine kenntnisreiche und gelungene Einführung in die dramatische Geschichte der Resistenza von 1943 bis 1945 geben, sondern diese zum Leitfaden der einzelnen Kapitel und zum Thema des Gesamtinhaltes machen – vom Aufstieg des italienischen Faschismus bis zu den 20 Monaten des bewaffneten Widerstands gegen die deutsche Besatzung.

Ein Geschichts- und Geschichtenbuch also, dessen Einleitungsabschnitte bereits in einen ebenso beklemmenden wie faszinierenden „Spaziergang durch Turin auf den Spuren der Resistenza“ münden (Tour 1, S. 43ff.).
Wer auf den Wegen der Stafetten – jener weiblichen Kuriere und Kundschafter des Widerstandes, ohne deren Beitrag zu würdigen keine ernst zu nehmende Geschichte der Resistenza geschrieben werden kann – zu den Alpenpässen westlich von Turin aufsteigen will, findet im Anschluss an die Beschreibung der Tour zu den Pässen Croce di Ferro und Coupe (Tour 8, S. 119ff.) auf zweieinhalb Seiten eine exemplarische Darstellung der damals in Tälern und Bergen versteckten Kranken- und Verwundetenstationen der Partisanen („Hospitäler der Resistenza“, S. 124ff).

Die Hospitäler der Resistenza - Il Servizio Sanitario Partigiano

Wer die Symbiose des linksintellektuellen Turin um die „Einaudis“ mit dem aktiven Widerstand verstehen will, erfährt hierzu nicht nur im Abschnitt über „Intellektuelle im Widerstand“ (S. 22ff.), sondern auch im Zusammenhang mit einzelnen Touren bewegende Einzelheiten und Geschichten. So z.B. auch die faszinierende Biografie von Ada Gobetti (Tour 14, S. 161ff.) mit einem Auszug aus ihrem legendären Partisanen-Tagebuch (S. 165ff).
Für Leser und Leserinnen ergibt sich so ein zusammenhängendes, zugleich an die Geschichte der denkwürdigen Bewegung „Giustizia e Libertà“ und der Aktionspartei heranführendes Bild. Solche und weitere über 20 „Themensplitter“ seien beispielhaft für die in das Wanderbuch integrierten Sach- und Personendarstellungen erwähnt.

Es ist diese von Kompetenz und akribischer Recherche der Autorin und des Autors zeugende Mischung aus lokal-regionaler Ereignis- und Tourenbeschreibung und historischpolitischer, auch biografischer Information, die das außergewöhnliche Wander- und Geschichtsbuch auszeichnet. Es setzt – die abgegriffene Redewendung sei erlaubt – insofern Maßstäbe, als es die Geschichte(n) des Widerstands, den die Frauen und Männer der Resistenza unter schweren Opfern vom ersten Tag an dem Terror der nazideutschen Okkupation entgegen gesetzt haben, als untrennbaren geschichtlichen und kulturellen Bestandteil der piemontesischen Landschaft und Lebenswelt würdigt und zugänglich macht.

Die beeindruckenden Natur- und Stadtlandschaften bleiben nicht nur bunte und noch so interessante Urlaubs- und Reisekulisse, sondern werden als Schauplatz der im kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung verankerten Widerstandsgeschichte lebendig.

Vittime Innocenti della Violenza Nazista

„Was hatten die Nazis auf dieser Wiese zu suchen?“ hatten sich Autorin und Autor gefragt, als sie in den 1990er Jahren bei der Überquerung einer Hochebene vor einem Gedenkkreuz für zwei der „violenza nazista“ zum Opfer gefallene Brüder stehen geblieben waren. Ihr Wanderbuch ist eine in 20 Jahren entstandene „Antwort“ auf diese Frage.

Dass Sabine Bade und Wolfam Mikuteit an Stelle eines Vorworts den 1955 an die junge Generation gerichteten Appell des Hochschullehrers und Resistenzamitglieds Piero Calamandrei in Erinnerung rufen, ist bewegend und aktuell zugleich:

Piero Calamandrei, Professor für Zivilprozessrecht in einer Vorlesung in Mailand 1955

„Wenn Ihr dorthin pilgern wollt, wo unsere Verfassung geschaffen wurde, geht in die Berge, wo die Partisanen fielen, in die Gefängnisse, wo sie eingekerkert waren, in die Lager, in denen sie hingerichtet wurden.“

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Alle bisher zum Buch erschienen Besprechungen finden Sie hier.

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Der Nationalpark Gran Paradiso bekommt mit Ceresole Reale seine zweite ‘Alpine Pearl’

Am 1.1.2012 werden drei Orte neu in das touristische Netzwerk von ‚Alpine Pearls’ (*) aufgenommen – und alle drei liegen im Piemont: Ceresole Reale, Pragelato und Limone Piemonte.
Während sich Pragelato im Val Chisone (als Austragungsort der nordischen Disziplinen während der Olympischen Winterspiele 2006) und Limone Piemonte (einer der größten Wintersportorte im Piemont) selbst im deutschsprachigen Raum einer gewissen Bekanntheit erfreuen, sucht man nach Hinweisen auf Ceresole Reale bei uns meist vergeblich. Was durchaus auch daran liegen

Gran Paradiso
Gran Paradiso (4.061 m) – von der Nivolet-Hochebene aus gesehen

mag, dass der 1922 geschaffene Nationalpark Gran Paradiso meist ausschließlich im Aostatal verortet wird. Dabei gehört er zur Hälfte zum Piemont, seitdem 1945 die Grenzen neu gezogen wurden: Bei der Schaffung der Autonomen Region Aostatal wurde die frühere piemontesische Provinz u.a. um die südlichen Gran-Paradiso-Täler von Orco und Soana verkleinert.

A Piedi tra le nuvole – Zu Fuss durch die Wolken
Uns freut nicht nur, dass der touristisch etwas unterentwickelte piemontesische Teil des Nationalparks mit der Aufnahme von Ceresole Reale in die Reihe der ‚alpinen Perlen’ etwas aufgewertet wird. Sondern auch, dass damit der umweltverträgliche Kurs – ‚sanfte’, auch ‚nachhaltig’ genannte Mobilität ist schließlich eines der Marketing-Kernthemen der Perlen – Ceresoles gewürdigt wird. Ganz ohne Ski-Zirkus auskommend hat der kleine Ort mit seinem etwas verblichenen Charme – 1862 durfte er sich als Gegenleistung für Jagdlizenzen an König Vittorio Emanuele II.  den Zusatz ‚Reale’ an den Ortsnamen hängen – nämlich bereits im Jahr 2003 mit seinem Programm ‚A Piedi tra le Nuvole’, der sonntäglichen Sperrung der Straße über den Colle del Nivolet, Zeichen gesetzt.

Auf die zwischen 2.400 bis 2.600 m Höhe gelegene wunderschöne, auch ‚Cuore del Parco’ genannte, Nivolet-Hochebene führt von Ceresole Reale die in den

Nivolet-Passstraße
Passstraße hoch auf den Colle del Nivolet (2.636 m) – hier vorbei am Lago Agnel (2.297 m)

1950er-Jahren erbaute und durchgehend asphaltierte Straße über den Colle del Nivolet. Sodass es nicht verwundern darf, dass das Herz des Nationalparks besonders an sommerlichen Wochenenden stark pocht, also viele motorisierte Ausflügler anlockt.
Während die Einen (zumindest hinter vorgehaltener Hand) bedauern, dass der ursprüngliche Plan aufgegeben wurde, die Straße bis hinüber ins Aostatal zu verlängern, machen sich Andere seit vielen Jahren für den Schutz des sehr artenreichen und sensiblen Ökosystems auf der durch Wasserläufe und Feuchtgebiete geprägten Ebene stark und plädieren für eine Vollsperrung. Davon ist man zwar noch weit entfernt – Fahrverbote in hochalpinen Regionen lassen sich (nicht nur) in Italien schwer durchsetzen – aber zumindest an Sonn- und Feiertagen zwischen Mitte Juli und Ende August ist die Straße über den

Lagi Serrù und Agnel
Lago Serrù – und im Vordergrund Lago Agnel. Im Hintergrund die Grande Aiguille Rousse (3.428 m)

Colle del Nivolet ab Lago Serrù (2.275 m) gesperrt. Das im Jahr 2003 gestartete Programm heißt zwar ‚A piedi tra le nuvole’, zwingt aber niemanden, auch wirklich zu Fuß zu gehen. Stattdessen werden an diesen Tagen Pendelbusse eingesetzt. Die verkehren in schneller Abfolge, die Fahrkarten sind preiswert (2,50 €) und den ganzen Tag gültig, was auch Mehrfachfahrten erlaubt. Noch

Rifugio Savoia
Rifugio Savoia (2.533 m) auf der Nivolet-Hochebene

bequemer ist es, den Wagen gleich in Ceresole Reale stehen zu lassen und in einem Rutsch bis zum Rifugio Savoia auf dem Pian del Nivolet durchzufahren.

Mit dem Antrag auf Aufnahme in das ‚Alpine Pearls’-Netzwerk scheint Ceresole Reale diesen Kurs weiter verfolgen zu wollen. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich damit ja sogar à la longue die Möglichkeit zu einer Vollsperrung der Straße?

königlicher Jagdsteig
attraktiv genug? Hinten links die Cima del Carro (3.326 m)

Genügend attraktive Wanderwege hinauf zu den von eiszeitlichen Gletschern geschaffenen tiefblauen Seen wie dem Lago Rosset und den Laghi Trebecchi mit der grandiosen Aussicht auf den Gran Paradiso (4.061 m) und die ihn umgebenden vergletscherten Gipfel gibt es schließlich außerdem.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

(*) ‚Alpine Pearls’ ist eine im Jahr 2006 gegründete Kooperation von aktuell 24 (ab 1.1.2012: 27) Tourismusgemeinden aus dem gesamten Alpenraum. Die Zielsetzung dieses Tourismus-Vereins ist die Förderung von ‚sanfter’, heute gern ‚nachhaltig’ genannter Mobilität. Man hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Gästen die Möglichkeit der autofreien An- und Abreise und die einfache Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort und zudem weitere klimaschonende Urlaubsangebote zu bieten.
Entstanden ist dieses touristische Netzwerk als Ergebnis aus zwei aufeinanderbauenden EU-Projekten.

 

 

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