Archiv der Kategorie: Varaitatal

Unser Piemont Wanderführer – 2. aktualisierte Auflage 2017

Spät kommt sie, aber sie kommt: die Mitteilung, dass unser im Michael Müller Verlag verlegter Piemont Wanderführer in aktualisierter Neuauflage erschienen ist.

Piemont WanderführerDurch den Gran Paradiso-Nationalpark, durch okzitanische Täler, die Dolomiten von Cuneo, Seealpen und Marguareis-Massiv führen die 38 ausgewählten Touren durch den piemontesischen Westalpenbogen.

Die Beschreibungen der Touren – unten geben wir vorab eine grobe Übersicht – führen entlang nummerierter Wegpunkte, die in Text, Karte und Höhenprofil aufeinander abgestimmt sind, präzise zum Ziel. Der Tour-Info-Kasten bietet alle nötigen und viele zusätzlichen Infos zur Strecke, aus denen exakt ablesbar ist, was einen unterwegs erwartet. Inklusive aller Einkehrmöglichkeiten mit Adressapparat und Öffnungszeiten.

Den Touren vorangestellt ist eine ausführliche Einleitung, die neben der Wanderlogistik (Bus- und Bahnlinien mit Fahrplänen für die An- und Abfahrt, beste Standorte, Tipps zur Tourplanung etc.) ausführliche Kapitel zu Gesteinen, Fauna und Flora der Region bietet und darüberhinaus detaillierte Klimainformationen mit Tabellen für Temperaturen, Niederschlägen und Tageslängen.

Dass zum handlichen Wanderführer auch die GPS-Tracks für alle Touren von der Homepage des Verlages herunterladbar sind, versteht sich heute von selbst.

Und klar abgesetzt vom Wandertext bietet der Wanderführer nach dem „Alles-im-Kasten“-Prinzip der MM-Reiseführer auch sehr viele interessante Hintergrundgeschichten. LeserInnen unseres Blogs werden wissen, dass wir darauf nicht hätten verzichten wollen …

Zum Inhalt:

Gran-Paradiso-Region und Lanzo-Täler

Vier unserer Touren führen durch den Nationalpark Gran Paradiso, das größte Naturschutzgebiet des Piemonts. Er wurde bereits 1922 geschaffen, ist damit der älteste Nationalpark Italiens – und der zweitälteste alpenweit. Aus dem ehemaligen Jagdrevier Vittorio Emanuele II. ist der Nationalpark hervorgegangen, der heute zu den Regionen Aostatal und Piemont gehört. Die verbliebenen, teilweise noch sehr gut erhaltenen Jagdsteige bieten dem Wanderer von heute ausgezeichnete Gelegenheiten, auf breiten, technisch nicht anspruchsvollen Wegen auch in große Höhen vorzudringen. Nivolet-HochebeneAuch das Herz des Gran-Paradiso-Nationalparks, die als „Cuore del Parco“ bezeichnete Nivolet-Hochebene unterhalb des namensgebenden Viertausender, teilen sich die Regionen Piemont und Aostatal – aus dem ruhigen piemontesischen Orcotal ist sie aber am besten erreichbar. Drei unserer Touren nehmen hier ihren Ausgang, womit eine grandiose Aussicht auf den Gran Paradiso (4.061 m) und die ihn umgebenden vergletscherten Gipfel gewährleistet ist. In die bezaubernde Seenlandschaft einer der schönsten Hochebenen der Alpen, auf die Piani di Rosset, auf den auch für Wanderer trotz seiner 3.438 m mühelos erreichbaren Mont Taou Blanc und über königliche Jagdsteige führen die hier vorgestellten Wanderungen. Eine vierte Tour unterhalb der mächtigen Gipfel der Tre Levanne gibt die Möglichkeit, die andere Hangseite des Orcotals kennenzulernen. In die im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannten sog. Lanzo-Täler führen zwei weitere Touren. Dorthin, wo das Turiner Großbürgertum auf den Geschmack der Sommerfrische kam, wovon noch ihre zum Teil gut erhaltenen Jugendstilvillen zeugen, und sich die Gründerväter des italienischen Alpenvereins CAI ihre ersten Sporen verdienten. Tief eingeschnitten, von hohen Gipfeln umgeben und ebenso stark von Abwanderung betroffen wie das nördlich gelegene Orcotal sind auch das Ala- und das Viùtal. Rifugio Gastaldi An ihren Talschlüssen liegen aber jeweils weite Hochplateaus, die zum Wandern wie geschaffen sind. Im Alatal erreicht man von der Pian della Mussa auf einem alten Saumweg das Rifugio Gastaldi, und im südlich gelegenen Viùtal ist der Lago di Malciaussia Ausgangspunkt für eine Tour zum Colle della Croce di Ferro.

 

Susatal

Natürlich führt eine Tour zu dem berühmtesten Kloster des Tals, Sacra di San Michele - Foto: © Wolfram Mikuteit der gewaltigen die Sacra di San Michele. Ein anderes, das im Jahr 726 gegründete Kloster von Novalesa, liegt unterhalb des Colle di Moncenisio. Und dorthin wandert man auf einer Panoramarunde, die um den – bereits zu Frankreich gehörenden – Lago di Monceniso führt, der von einem ganzen Kranz markanter Höhenforts aus dem ausgehenden 19. Jh. umrahmt ist. Und auch der höchste Wallfahrtsort der gesamten Alpen liegt im Susatal: Die auf 3.538 m Höhe stehende Kapelle Santa Maria auf dem Rocciamelone, einem auch für Wanderer problemlos zugänglichen Dreieinhalbtausender. Durch den Grand Bosco di Salbertrand geht es auf Wegen, die die Waldenser für die Heimkehr in ihre Täler nutzen, zur Testa dell’Assietta. Valle Stretta Und dann noch ein Klassiker, der beim Thema Wandern im Piemont stets vergessen wird, weil das Valle Stretta zwar diesseits des Alpenhauptkammes liegt, aber seit 1947 zu Frankreich gehört: Durch diese 1a-Destination für Wanderer führt um das markante Kalkriff des Grand Serru herum eine Tour zur Wallfahrtskapelle auf dem Mont Thabor.

 

Waldensertäler und Monviso-Region

In den sog. Waldensertälern, den Valli Valdesi, in denen sich Anhänger einer im 12. Jh. vom wohlhabenden Kaufmann Petrus Valdes gegründeten vorreformatorischen Laienbewegung – mal geduldet, mal brutal unterdrückt – haben halten können, führt eine Rundtour durch das Chisonetal, vorbei am Forte di Fenestrelle, der in 122 Jahren Bauzeit entstandenen spektakulärsten Festungsanlage der gesamten Region. Im weiter südlich gelegenen Germanascatal erleichtert ein Sessellift – eine Rarität in dieser Region – den Zugang zu den Tredici Laghi. Durch das Pellicetal, der Hochburg der Waldenser, verlief früher eine wichtige alpenquerende Handelsroute, der wir auf die weite Hochebene Conca del Prà zum Rifugio Willy Jervis folgen. Rifugio Pian del Re mit Monviso Varianten in alle Himmelsrichtungen gibt es on top. Hier ist man bereits recht nah am Monviso, dem mit 3.841 m höchsten Berg der Cottischen Alpen. Im Piemont wird dieser Berg als Re di Pietra, König aus Stein, heiß verehrt. Auch wir zollen diesem Berg natürlich Tribut und widmen ihm drei Touren. Eine kleine, aber feine Seenrunde beginnt bei den Quellen des Po. Eine längere Runde führt u.a. zum ältesten Tunnel der Alpen am Colle delle Traversette und weiter über einen Alpini-Steig zum Rifugio Giacoletti. Und weil der Monviso so viele unterschiedliche Seiten/ Gesichter hat, aus jeder Richtung anders aussieht, stellen wir auch den 3-tägigen Giro di Viso/ Giro del Monviso vor. Viel tiefer, am Eingang zum Potal, ist bei Balma Boves ein spannendes Stück Siedlungsgeschichte zu bestaunen.

 

Dolomiten von Cuneo

Seitdem das Mairatal im deutschsprachigen Raum längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern sich peu à peu zu einer sehr angesagten Wanderdestination entwickelt, hört man auch den Ausdruck „Dolomiten von Cuneo“ bei uns immer öfter. Man versteht darunter die Region der jeweils oberen Talbereiche zwischen Varaita– und Sturatal. Wir legen diesen Begriff etwas weiträumiger aus und beziehen auch die unteren Talbereiche mit ein. Im Varaitatal ist der Bosco dell’Alevè mit 825 ha einer der größten Zirbelkiefernwälder der Alpen. Laghi Blu Höher hinaus führt eine Wanderung zu den Laghi Blu am Col Longet, einem Übergang zum französischen Ubaye-Tal. Das Mairatal weist schon am Eingang eine geologische Spezialität auf: Hier stehen mit den Ciciu del Villar über 400 pilzförmige Felsformationen, entstanden als Ergebnis der letzten Eiszeit. Alle weiteren Touren haben ihren Ausgangspunkt im oberen Talbereich, führen rund um das markante Kalkriff der Rocca Provenzale, auf den Sentiero Frassati und unterhalb der Gardetta-Hochebene rund um den kleinen Lago Nero. Lago Nero mit Monviso im Hintergrund - Foto: © Wolfram Mikuteit Dazu stellen wir zwei Etappen des mittlerweile legendären Maira-Tal-Weges (Percorsi Occitani) vor, die über die schier unendlich anmutende Weite der Gardetta-Hochebene mit ihren dolomitenähnlichen Gipfeln und den so charakteristischen Gipstrichtern führen. Im Granatal läßt sich der Besuch der imposanten Wallfahrtskirche Santuario di San Magno sehr gut mit einer kurzen Wanderung über den Colle dei Morti verbinden.

 

Seealpen und Ligurische Alpen

Wo der Alpenhauptkamm seine Richtung ändert, von der Nord-Süd-Richtung in die West-Ost-Richtung schwenkt, beginnen die Seealpen. Den Anschluss nach Osten bilden die Ligurischen Alpen.  Was beide Gebirgsgruppen miteinander verbindet ist ihre Nähe zum Mittelmeer, die an manchen Stellen nicht mehr als 60, manchmal auch nur 40 km Luftlinie beträgt. Weshalb man sie in Italien manchmal zusammenfassend Alpi di Mare nennt – was im deutschsprachigen Raum oft zu definitorischer Konfusion führt. Schließlich ist bereits irritierend, dass ein Teil der Ligurischen Alpen noch im Piemont liegt.

In den Seealpen führt eine Tour vom knuffigen Rifugio Becchi Rossi zum Colle di Puriac, eine andere über den Sentiero del Ecomuseo von Pontebernardo nach Sambuco. Bei der Tour zu den Laghi Lausfer, die ihren Ausgang in Sant’Anna di Vinadio, am höchstgelegenen Kloster der Alpen, nimmt, ist man bereits recht nah am Parco Regionale delle Alpi Marittime, dem für seine große Steinbockpopulation berühmten Seealpen-Naturpark. Steinböcke in den Seealpen Unsere Touren leiten zum Rifugio Dante Livio Bianco, rund um den Pian del Valasco über das Rifugio Questa, zum Lagarot di Lourousa und zum Lago del Chiotas.
Direkt auf den italienisch-französischen Grenzkamm führen zwei Touren am Colle di Tenda. Noch ein Stück weiter nach Osten gelangt man in die Ligurischen Alpen und den Parco Regionale Alta Valle Pesio e Tanaro, der inzwischen Parco Naturale del Marguareis heißt. Hier haben wir eine kurze Rundwanderung ab Pian delle Gorre zur spektakulären Cascata del Pis ausgewählt und stellen einen dreitägigen Giro del Marguareis vor.

 

Sabine Bade und Wolfram Mikuteit

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Monviso und Westalpen auf der Touristikmesse CMT in Stuttgart

Über Messen wie die CMT (Caravan, Motor, Touristik) zu berichten, gehört an sich nicht in unser Aufgabengebiet. Werbung für derartige Großveranstaltungen überlassen wir gerne anderen.

Aber wenn ein Messestand „Monviso & Westalpen“ heißt, wenn darüberhinaus sichergestellt ist, dass interessierten Besuchern nicht nur Hochglanzbroschüren in die Hand gedrückt werden, sondern die Gelegenheit besteht, sich profund informieren zu lassen, ist uns das eine Meldung wert:

Vom 11.-19. Januar 2014 werden die italienischen Täler des Monviso zusammen mit dem französischen Queyras – eine der schönsten Regionen der Westalpen – auf der weltweit größten Urlaubsmesse in Stuttgart vorgestellt. Zum Wunsch, alles für den Aufbau eines sanften, angepassten Wandertourismus zu tun, passen die thematischen Schwerpunkte, das MAB-UNESCO-Projekt Monviso und das Wandern mit „Valle Varaita Trekking“.

Den neuen talerschießenden Weitwanderweg im Valle Varaita, angelegt nach Vorbild der Percorsi Occitani im Valle Maira, haben wir hier bereits vorgestellt: Die 12 Etappen dieses Rundwanderweges führen von Verzuolo am Eingang des Tales über die Nordhänge Richtung Talschluss bis nach Chianale und entlang der gegenüberliegenden Hangseite zurück nach Costigliole Saluzzo. Wer mehr über den Weg erfahren will, findet während der ersten Messetage mit Daniele den richtigen Ansprechpartner: Er hat nicht nur Segnavia, das Tor zum Varaitatal aufgebaut, sondern auch „Valle Varaita Trekking“.

Der Messestand 8E72 befindet sich in der Halle 8 des Stuttgarter Messegeländes. Betreut wird der Stand von der Naturführerin Karen Kloss und Mitarbeitern der Comunità Montana Valli di Monviso.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Hörfunktipp: RadioReisen Valle Varaita – Queyras

Der Bayerische Rundfunk ist mit RadioReisen „unterwegs in fremden Ländern und Kulturen“ – und was so exotisch klingt, führt am 13. Oktober 2013 auch ins Valle Varaita und das benachbarte Queyras:

Zwischen Turin und Chambéry erstreckt sich einer der hierzulande unbekanntesten Abschnitte der Alpen: die piemontesischen Alpen. Wo einst Hannibals Legionen nach Italien marschierten, ziehen heute Wanderer, Motorradfahrer und Genießer über die Berge. An der Grenze zwischen Frankreich und Italien gelegen, und zugleich an der Schwelle zwischen Mitteleuropa und dem mediterranen Süden, verstand die Region sich doch stets als kulturelle Einheit. Stefan Schomann erkundet diese aparte Welt im französischen Queyras und im italienischen Valle Varaita.

RadioReisen
BR 2, Sonntag 13. Oktober 2013, 09:05 bis 10:00 Uhr.
Wiederholung: Montag, 14. Oktober 2013, 14:05 bis 15:00 Uhr.

Stefan Schomann war mit der Naturführerin Karen Kloss in dieser Region unterwegs; zusammen sind wir auf das Resultat gespannt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Monviso-Region jetzt UNESCO-Biosphärenreservat

Wären die Engländer nicht gewesen, würde dieses Jahr nicht rund um den Monviso gefeiert, dass die Hütte bebt: Bis zur Erstbesteigung des Monviso  1861 durch William Mathews hatte es den Italienern genügt, ihren ‚Re di Pietra‘ aus der Ferne zu bewundern. Nun aber, nachdem sich ein Engländer nach dem anderen einen Sport daraus machte, seinen Gipfel zu erobern und ihn zu einem Teil ihres ‚Playground of Europe‘ degradierten – wobei sie auch mit herablassendem Spott über die einheimischen Zögerer nicht eben sparsam umgingen – musste endlich auch einer der ihren hinauf, um die nationale Ehre wieder herzustellen.

Die Wiederherstellung der italienischen Alpinistenehre übernahm eine Gruppe um Quintino Sella: Am 12. August 1863 – vor genau 150 Jahren – standen sie auf dem Gipfel. Von dort oben bis zur Gründung des italienischen Alpenvereins ‚Club Alpino Italiano’ nach Vorbild des britischen ‚Alpine Club‘ bedurfte es dann nur noch weniger Wochen, sodass auch der CAI dieses Jahr ein rundes Jubiäum feiert.

Das I-Tüpfelchen zu all diesen Festivitäten setzte im Mai dieses Jahres die UNESCO: Sie anerkannte die Monviso-Region (Teile des Parco del Po Cuneese und des Parc naturel regional du Queyras) als UNESCO-Biosphärenreservat (Man and the Biosphere Programme – MAB). Nun gehört der ‚Re di Pietra’ zum ersten grenzüberschreitenden Biophärenreservat Italiens; lediglich 12 gibt es weltweit davon.

Wo zum ‚Concerto Sinfonico di Ferragosto‘ aufgespielt wird, war dieses Jahr keine Frage: Natürlich bei Pian del Re unterhalb des Monviso. Die Tradition der alljährlich am 15. August – zum Höhepunkt der italienischen Feriensaison – stattfindenden Veranstaltung wurde 1981 an selber Stelle begründet.

Dass die Runde um diesen markanten Gipfel – den schon Vergil in seiner ‚Aeneis‘ beschrieb, Dante in seiner ‚Göttlichen Komödie‘ und Chaucer in den ‚Canterbury Tales‘ – auf dem Giro del Monviso so schön ist, dass die Region sehr gut ohne spezielle Veranstaltungen auskommt, sei hier nur am Rande bemerkt: In einigen Tagen dürfte wieder Ruhe einkehren.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

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Valle Varaita: Neuer attraktiver Rundwanderweg in 12 Etappen

Am Anfang waren die Percorsi Occitani

Der Erfolg der Percorsi Occitani, des vorwiegend von deutschsprachigen Wanderern viel begangenen Rundwanderweges im Mairatal, lässt seit langem in vielen Nachbartälern Begehrlichkeiten aufkeimen. Leckere „Antipasti und alte Wege“ gibt es schließlich auch bei uns, grummelt es denn auch kaum verhohlen durch die Täler.

Stimmt. Von Trockenmauern gesäumte Maultierpfade, die zu hochgelegenen Sommerweiden mit bester Aussicht auf die umliegenden Gipfel der Cottischen Alpen führen, schmalere Wege, auf denen man in längst verlassene Dörfer gelangt und jahrhundertealter Siedlungsgeschichte im okzitanischen Sprachraum nachspüren kann, gibt es in allen benachbarten Tälern.

Längst auch gut markierte talerschließende Weitwanderwege wie den Sentiero del Plaisentif im Val Chisone und den Rundweg ‚Lou Viage’ im Valle Stura. Ganz zu schweigen von der bereits vor den Percorsi Occitani existierenden Alta Via Val di Susa.
Aber wenn sich mittlerweile auch die eine oder der andere Besucher im Mairatal etwas daran stößt, dort fast nur noch Deutsche und Schweizer zu treffen, wird viel zu selten über den Tellerrand in die oft nicht minder attraktiven Nachbartäler geschaut.

Ein neuer Versuch: Weitwandern im Valle Varaita

Wenn wir – nicht oft – in deutschsprachigen Printmedien über piemontesische Täler lesen, ist meist von einem ‚Geheimtipp’ für Einsamkeit suchende Wanderer und von ‚wilden Alpentälern’ mit einer Bevölkerungsdichte, die jene Alaskas locker hinter sich lässt, die Rede. Terra incognita für all jene, die vom Piemont nur die Poebene auf der Durchreise in die Toskana oder die Cinque Terre kennen.

In dieses Horn wollen wir nicht blasen: Das Valle Varaita gilt manchem als eines der schönsten Westalpentäler und ist damit kein Geheimtipp. Dennoch bleibt richtig, dass sich nirgends die Alpen so stark entvölkert haben wie in den piemontesischen Tälern entlang der französischen Grenze. Das kommt Einsamkeit und echte Naturerlebnisse suchenden Wanderern entgegen, zumal Weiler wie Chianale und Bellino das Klischée der „stehengebliebenen Zeit“ so gut bedienen, als wäre es hier entstanden.

Dazu passt, es nicht nur bei den begehrlichen Blicken hinüber ins Valle Maira zu belassen – sondern vor Ort selbst alles für den Aufbau eines sanften, angepassten Wandertourismus zu tun. Was auch dazu beitragen kann, die drohende Entsiedlung des Tales zu stoppen.

Dodieci giorni di trekking in Valle Varaita

Voriges Jahr erfuhren wir von dem Plan, im Valle Varaita einen Weitwanderweg nach Vorbild der Percorsi Occitani einzurichten. Daniele, der mit der Segnavia bereits eine tolle „Porta di Valle“ aufgebaut hat, die wir uns sehnsüchtig auch für andere Täler wünschen, erzählte uns davon. Was wir damals noch für einen sehr ambitionierten Plan hielten, der sicher nicht sehr schnell umgesetzt werden könnte, ist gerade Wirklichkeit geworden – und die Comunità montana Valli di Monviso hat dazu eine informative Broschüre herausgegeben.

Die 12 Etappen des neuen Rundwanderweges führen von Verzuolo am Eingang des Tales an den Nordhängen entlang Richtung Talschluss bis nach Chianale und entlang der gegenüberliegenden Hangseite zurück nach Costigliole Saluzzo. Rund 60 Stunden ist man unterwegs, wofür 10 bis 12 Tage zu veranschlagen sind:

Tappa 1: Verzuolo – Isasca (5 h)
Tappa 2: Isasca – Frassino (6 h)
Tappa 3: Frassino – Becetto (5.30 h)
Tappa 4: Becetto – Rifugio Bagnour (6.30 h)
Tappa 5: Rifugio Bagnour – Chianale (4 h)
Tappa 6: Chianale – Bellino, Borgata Chiesa (5 h)
Tappa 7: Bellino, Borgata Chiesa – Rifugio Meira Garneri (6 h)
Tappa 8: Rifugio Meira Garneri – Rore (4.30 h)
Tappa 9: Rore – Melle (5.30 h)
Tappa 10: Melle – Valmala (3.30 h)
Tappa 11: Valmala – Venasca (3.30 h)
Tappa 12: Venasca – Costigliole (5 h)

Der Weg verläuft – stes gut markiert – nur selten oberhalb von 2.000 Metern und ist bei mittelprächtiger Kondition für jeden durchgängig gangbar (italienisches Wanderwege-Rating „E“). Am Ende einer jeden Etappe gibt es bewirtschaftete Übernachtungsmöglichkeiten.

Die 3-sprachig abgefasste Broschüre (it/fr/en) zum Weg beinhaltet neben einem Verzeichnis der Übernachtungsmöglichkeiten und der ausklappbaren Übersichtskarte Beschreibungen und Kartenskizzen zu jeder einzelnen Etappe; im dazugehörigen Infokasten sind neben Dauer und Auf- und Abstieg auch die Anzahl der unterwegs passierten Brunnen/Quellen aufgeführt. Hier hätten wir uns lediglich zusätzlich die Information zur Länge der Etappe in Kilometern gewünscht.

12 Giorni di trekking in Valle Varaita

48 Seiten, Preis 3,50 Euro.

Erhältlich ist die Broschüre in der Segnavia, in der Informationsstelle der CM Valli di Monviso in Frassino und in mehreren Buchläden im Tal.

Wer diesen Rundweg nun noch um das ‚Sahnehäubchen’ des Varaitatals bereichern möchte, kombiniert ihn mit Teilen des Giro del Monviso. Der gehört ohnehin zum Varaitatal wie die Gardetta-Hochebene zum Valle Maira. Auch die Erstbesteigung des Monviso durch William Mathews 30. August 1861 erfolgte schließlich von Casteldelfino im Varaitatal aus.

Anbieten würde sich beispielsweise, die 5. Etappe durch den Weg über das Rifugio Vallanta und den Passo della Losetta durch das Vallone di Soustra nach Chianale zu ersetzen. Um hier nur eine von sehr vielen möglichen Varianten anzusprechen ….

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Übernachten im Grongios Martre im Bosco dell’Alevè – Varaitatal

Nach langer Suche endlich gefunden: Eine wunderbare Übernachtungsmöglichkeit im Valle Varaita
Es gehört schon einiges dazu, uns richtig ins Schwärmen zu bringen. Aber Laila und Luca haben es mit ihrem Grongios Martre auf Anhieb geschafft!


Wenn da nur nicht dieser irritierende Name wäre. Denn offiziell wird das Grongios Martre als ‚Rifugio‘ bezeichnet – was uns, würden wir es nicht besser wissen, sofort an karg ausgestattete Massenlager und Gemeinschaftsduschen denken ließe. Und davon kann beim Grongios Martre nun wirklich keine Rede sein. Stattdessen bietet das nagelneue, schön aus Naturstein unter Verwendung von viel Holz errichtete Haus 4 nett eingerichtete Doppelzimmer mit jeweils eigenem Bad, zwei davon mit eigenem Balkon, eines mit Terrasse, Satelliten-TV (worauf wir verzichten könnten) und WiFi.

in schöner Lage …
… nämlich auf einer kleiner Lichtung – mit unverstellter Aussicht auf den Bergkamm, der das Varaita- vom Mairatal trennt – im Bosco dell’Alevè, diesem zauberhaften Wald, der mit einer Ausdehnung von 825 Hektar als einer der größten Zirbelkiefernwälder der Alpen gilt. Manche Quellen bezeichnen ihn als „größten der Westalpen“, andere als „größten Italiens“ oder „größten Europas“. Welcher dieser Superlative wirklich zutrifft, vermögen wir beim besten Willen nicht zu beurteilen. Der Name Alevè leitet sich übrigens aus dem Okzitanischen ab und heißt nichts anderes als Zirbelkiefer. Die hier stehenden Bäume sind zum Teil bis zu 600 Jahre alt. Jahrhundertelang war das Gebiet als Bannwald geschützt, und heute genießt der Bosco dell’Alevè den Status eines kommunalen Schutzgebietes. Durchsetzt ist der Wald mit Lärchen – der reine Zirbelkiefernbestand wird mit 580 Hektar beziffert – was besonders im Herbst, wenn sich die Lärchen im Gegensatz zu den immergrünen Zirbelkiefern gelb färben, ein buntes, dem Indian Summer ähnelndes Bild abgibt.
Einige hundert Meter höher steht noch das Rifugio Bagnour, für uns nachwievor die beste Möglichkeit, auf dem Giro del Monviso abseits der Hauptroute in aller Ruhe übernachten zu können. Auch mit ausgezeichnetem Essen, aber wegen der fehlenden Doppelzimmer und des etwas längeren Aufstieg für längere Aufenthalte im Varaitatal nur bedingt geeignet.

mit wirklich guter Küche
Luca haben wir vor einigen Jahren zum ersten Mal im Rifugio Morelli Buzzi im Parco delle Alpi Marittime getroffen. Dort war er Pächter und legte in der Küche natürlich selbst Hand an. Vorher hatte er bereits einige Zeit im Centro Culturale Borgata San Martino bei Andrea und Maria Schneider im Mairatal gearbeitet – und nun kann er in seinem eigenen Haus endlich so agieren, wie es ihm beliebt. Die Ergebnisse seiner Kochkunst haben zumindest uns schwer begeistert. Oder war es doch eher die herzliche Atmosphäre, die Laila und Luca verbreiten? Wie auch immer: Das Grongios Matre ist eine wunderbare Übernachtungsmöglichkeit im Valle Varaita!


Kunst am Wanderweg im Varaitatal: Der „White Cube“ des Collettivo Grandeur Nature am Lago di Pontechianale bei Castello

Hier einige praktische Infos zum Grongios Martre:
Das Haus ist nicht mit dem Auto anfahrbar, allerdings in 20 lockeren Gehminuten über den rot-weiß markierten Weg U8, eine schöne Mulattiera, schnell zu erreichen. Dieser Weg beginnt neben dem Rifugio Alevè kurz vor Castello, einem Ortsteil von Pontechianale am gleichnamigen Stausee.
Grongios Martre ist ganzjährig geöffnet, Halbpension im Doppelzimmer kostet 55 Euro pro Person, Bed & Breakfast 35 Euro.
Rifugio Grongios Martre, Bosco dell’Alevè, 12020 Pontechianale (CN), http://www.grongiosmartre.com, Tel.: +39-340-0692705

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Segnavia – das Tor zum Varaitatal

Die Idee solch einer „Porta di Valle“ sollte Schule machen!
In unserem Piemont-Wanderführer haben wir bereits geschrieben, dass wir eine Institution wie „Segnavia“ gerne am Eingang zu jedem Tal finden würden: „Das Angebot an Büchern und Wanderkarten ist hier so vielfältig wie sonst nur in Spezialbuchhandlungen in Turin, Cuneo und Saluzzo. Mit einer Caffetteria, in der man in Ruhe schmökern kann, wechselnden Ausstellungen u.v.a.“

Segnavia - Porta di Valle

So gilt denn auch bei jeder Fahrt ins Valle Varaita unser erster Stopp stets Segnavia (dt. Wegweiser). „Was gibt es neues im Tal? Ist der Sessellift in Pontechianale schon in Betrieb? Und wie sieht der Balkonweg von Le Conce zum Rifugio Vallanta aus? Hat Escursionista schon das geplante Kartenblatt zum Varaitatal fertiggestellt?“
Wer auf alle Fragen bereits im „Tor zum Tal“ eine Antwort erhält, ist nicht auf die Öffnungszeiten der Touristenbüros in Frassino und Sampeyre angewiesen. Kann sich hier 6 Tage die Woche zwischen 7 und 19 Uhr bei Caffè, Cappuccino oder leckeren Snacks entspannt zurücklehnen, in Ruhe Prospekte studieren und in Neuerscheinungen stöbern. Sich bei Bedarf auch einen guten Übernachtungs-Tipp geben lassen.
Womit das gesamte Angebot von Segnavia aber noch lange nicht umrissen ist.

Bergbuchhandlung, Caffeteria, Sherpabus, Ausstellungen und vieles mehr
Daniele kennt das Tal wie seine Westentasche, und was Besucher im Valle Varaita suchen oder benötigen könnten, weiss er genau: Viele Jahre lang betrieb er zusammen mit seiner Mutter das Rifugio Meleze in Bellino. Die Idee zu einer „Porta di Valle“, einem Tor zum Tal, kam ihm dennoch erst im Ausland, mit ein wenig Abstand zur Heimat. Er hat sich in den unterschiedlichsten Gegenden Anregungen geholt und sie zu einem Konzept zusammengesetzt, dass sich sehen lassen kann.
Von dem hat er auch die Comunità Montana Valle Varaita überzeugen können, die das einladende Gebäude direkt an der Talstraße finanziert hat.

Darin ist nun alles untergebracht, was auch anderen Tälern gut zu Gesicht stünde:

Segnavia - Porta di Valle. Gut sortierte Bergbuchhandlung mit großer Auswahl an Wanderkarten

Die gut sortierte Bergbuchhandlung mit einer großen Auswahl an Wanderkarten, ein großer Raum für wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen und die Caffeteria.
Damit aber nicht genug, denn wie Gianni Pilotto im Mairatal befördert Daniele im Varaitatal mit seinem Sherpabus auch Gepäckstücke von Hütte zu Hütte oder kann als Personentaxi gerufen werden. Und wer im Sommer für sein Fahrrad einen neuen Schlauch benötigt oder sich im Winter Schneeschuhe ausleihen möchte, findet auch das im Segnavia.
Nicht zu vergessen den kleinen Laden mit lokalen Produkten, etwa aus der Genossenschaft Valverbe: Sei es Kräutertee, Balsamico oder Genepy, auf die Preise angesprochen hören wir: „Wer sagt denn, dass ‚Bio‘ zwingend teuer sein muss??“

Segnavia - Porta di Valle. 12020 Brossasco. 4 Piazza della Libertà

Segnavia liegt kurz vor dem Ortskern von Brossasco etwas zurückgesetzt an der SP8 neben dem Sportplatz.

Wem es gelungen ist, seine Idee für ein ‚Tor zum Tal‘ erfolgreich umzusetzen – hat noch ganz anderes im Sinn. Von weiteren spannenden Projekten demnächst mehr auf dieser Welle.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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