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Unser Piemont Wanderführer – 2. aktualisierte Auflage 2017

Spät kommt sie, aber sie kommt: die Mitteilung, dass unser im Michael Müller Verlag verlegter Piemont Wanderführer in aktualisierter Neuauflage erschienen ist.

Piemont WanderführerDurch den Gran Paradiso-Nationalpark, durch okzitanische Täler, die Dolomiten von Cuneo, Seealpen und Marguareis-Massiv führen die 38 ausgewählten Touren durch den piemontesischen Westalpenbogen.

Die Beschreibungen der Touren – unten geben wir vorab eine grobe Übersicht – führen entlang nummerierter Wegpunkte, die in Text, Karte und Höhenprofil aufeinander abgestimmt sind, präzise zum Ziel. Der Tour-Info-Kasten bietet alle nötigen und viele zusätzlichen Infos zur Strecke, aus denen exakt ablesbar ist, was einen unterwegs erwartet. Inklusive aller Einkehrmöglichkeiten mit Adressapparat und Öffnungszeiten.

Den Touren vorangestellt ist eine ausführliche Einleitung, die neben der Wanderlogistik (Bus- und Bahnlinien mit Fahrplänen für die An- und Abfahrt, beste Standorte, Tipps zur Tourplanung etc.) ausführliche Kapitel zu Gesteinen, Fauna und Flora der Region bietet und darüberhinaus detaillierte Klimainformationen mit Tabellen für Temperaturen, Niederschlägen und Tageslängen.

Dass zum handlichen Wanderführer auch die GPS-Tracks für alle Touren von der Homepage des Verlages herunterladbar sind, versteht sich heute von selbst.

Und klar abgesetzt vom Wandertext bietet der Wanderführer nach dem „Alles-im-Kasten“-Prinzip der MM-Reiseführer auch sehr viele interessante Hintergrundgeschichten. LeserInnen unseres Blogs werden wissen, dass wir darauf nicht hätten verzichten wollen …

Zum Inhalt:

Gran-Paradiso-Region und Lanzo-Täler

Vier unserer Touren führen durch den Nationalpark Gran Paradiso, das größte Naturschutzgebiet des Piemonts. Er wurde bereits 1922 geschaffen, ist damit der älteste Nationalpark Italiens – und der zweitälteste alpenweit. Aus dem ehemaligen Jagdrevier Vittorio Emanuele II. ist der Nationalpark hervorgegangen, der heute zu den Regionen Aostatal und Piemont gehört. Die verbliebenen, teilweise noch sehr gut erhaltenen Jagdsteige bieten dem Wanderer von heute ausgezeichnete Gelegenheiten, auf breiten, technisch nicht anspruchsvollen Wegen auch in große Höhen vorzudringen. Nivolet-HochebeneAuch das Herz des Gran-Paradiso-Nationalparks, die als „Cuore del Parco“ bezeichnete Nivolet-Hochebene unterhalb des namensgebenden Viertausender, teilen sich die Regionen Piemont und Aostatal – aus dem ruhigen piemontesischen Orcotal ist sie aber am besten erreichbar. Drei unserer Touren nehmen hier ihren Ausgang, womit eine grandiose Aussicht auf den Gran Paradiso (4.061 m) und die ihn umgebenden vergletscherten Gipfel gewährleistet ist. In die bezaubernde Seenlandschaft einer der schönsten Hochebenen der Alpen, auf die Piani di Rosset, auf den auch für Wanderer trotz seiner 3.438 m mühelos erreichbaren Mont Taou Blanc und über königliche Jagdsteige führen die hier vorgestellten Wanderungen. Eine vierte Tour unterhalb der mächtigen Gipfel der Tre Levanne gibt die Möglichkeit, die andere Hangseite des Orcotals kennenzulernen. In die im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannten sog. Lanzo-Täler führen zwei weitere Touren. Dorthin, wo das Turiner Großbürgertum auf den Geschmack der Sommerfrische kam, wovon noch ihre zum Teil gut erhaltenen Jugendstilvillen zeugen, und sich die Gründerväter des italienischen Alpenvereins CAI ihre ersten Sporen verdienten. Tief eingeschnitten, von hohen Gipfeln umgeben und ebenso stark von Abwanderung betroffen wie das nördlich gelegene Orcotal sind auch das Ala- und das Viùtal. Rifugio Gastaldi An ihren Talschlüssen liegen aber jeweils weite Hochplateaus, die zum Wandern wie geschaffen sind. Im Alatal erreicht man von der Pian della Mussa auf einem alten Saumweg das Rifugio Gastaldi, und im südlich gelegenen Viùtal ist der Lago di Malciaussia Ausgangspunkt für eine Tour zum Colle della Croce di Ferro.

 

Susatal

Natürlich führt eine Tour zu dem berühmtesten Kloster des Tals, Sacra di San Michele - Foto: © Wolfram Mikuteit der gewaltigen die Sacra di San Michele. Ein anderes, das im Jahr 726 gegründete Kloster von Novalesa, liegt unterhalb des Colle di Moncenisio. Und dorthin wandert man auf einer Panoramarunde, die um den – bereits zu Frankreich gehörenden – Lago di Monceniso führt, der von einem ganzen Kranz markanter Höhenforts aus dem ausgehenden 19. Jh. umrahmt ist. Und auch der höchste Wallfahrtsort der gesamten Alpen liegt im Susatal: Die auf 3.538 m Höhe stehende Kapelle Santa Maria auf dem Rocciamelone, einem auch für Wanderer problemlos zugänglichen Dreieinhalbtausender. Durch den Grand Bosco di Salbertrand geht es auf Wegen, die die Waldenser für die Heimkehr in ihre Täler nutzen, zur Testa dell’Assietta. Valle Stretta Und dann noch ein Klassiker, der beim Thema Wandern im Piemont stets vergessen wird, weil das Valle Stretta zwar diesseits des Alpenhauptkammes liegt, aber seit 1947 zu Frankreich gehört: Durch diese 1a-Destination für Wanderer führt um das markante Kalkriff des Grand Serru herum eine Tour zur Wallfahrtskapelle auf dem Mont Thabor.

 

Waldensertäler und Monviso-Region

In den sog. Waldensertälern, den Valli Valdesi, in denen sich Anhänger einer im 12. Jh. vom wohlhabenden Kaufmann Petrus Valdes gegründeten vorreformatorischen Laienbewegung – mal geduldet, mal brutal unterdrückt – haben halten können, führt eine Rundtour durch das Chisonetal, vorbei am Forte di Fenestrelle, der in 122 Jahren Bauzeit entstandenen spektakulärsten Festungsanlage der gesamten Region. Im weiter südlich gelegenen Germanascatal erleichtert ein Sessellift – eine Rarität in dieser Region – den Zugang zu den Tredici Laghi. Durch das Pellicetal, der Hochburg der Waldenser, verlief früher eine wichtige alpenquerende Handelsroute, der wir auf die weite Hochebene Conca del Prà zum Rifugio Willy Jervis folgen. Rifugio Pian del Re mit Monviso Varianten in alle Himmelsrichtungen gibt es on top. Hier ist man bereits recht nah am Monviso, dem mit 3.841 m höchsten Berg der Cottischen Alpen. Im Piemont wird dieser Berg als Re di Pietra, König aus Stein, heiß verehrt. Auch wir zollen diesem Berg natürlich Tribut und widmen ihm drei Touren. Eine kleine, aber feine Seenrunde beginnt bei den Quellen des Po. Eine längere Runde führt u.a. zum ältesten Tunnel der Alpen am Colle delle Traversette und weiter über einen Alpini-Steig zum Rifugio Giacoletti. Und weil der Monviso so viele unterschiedliche Seiten/ Gesichter hat, aus jeder Richtung anders aussieht, stellen wir auch den 3-tägigen Giro di Viso/ Giro del Monviso vor. Viel tiefer, am Eingang zum Potal, ist bei Balma Boves ein spannendes Stück Siedlungsgeschichte zu bestaunen.

 

Dolomiten von Cuneo

Seitdem das Mairatal im deutschsprachigen Raum längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern sich peu à peu zu einer sehr angesagten Wanderdestination entwickelt, hört man auch den Ausdruck „Dolomiten von Cuneo“ bei uns immer öfter. Man versteht darunter die Region der jeweils oberen Talbereiche zwischen Varaita– und Sturatal. Wir legen diesen Begriff etwas weiträumiger aus und beziehen auch die unteren Talbereiche mit ein. Im Varaitatal ist der Bosco dell’Alevè mit 825 ha einer der größten Zirbelkiefernwälder der Alpen. Laghi Blu Höher hinaus führt eine Wanderung zu den Laghi Blu am Col Longet, einem Übergang zum französischen Ubaye-Tal. Das Mairatal weist schon am Eingang eine geologische Spezialität auf: Hier stehen mit den Ciciu del Villar über 400 pilzförmige Felsformationen, entstanden als Ergebnis der letzten Eiszeit. Alle weiteren Touren haben ihren Ausgangspunkt im oberen Talbereich, führen rund um das markante Kalkriff der Rocca Provenzale, auf den Sentiero Frassati und unterhalb der Gardetta-Hochebene rund um den kleinen Lago Nero. Lago Nero mit Monviso im Hintergrund - Foto: © Wolfram Mikuteit Dazu stellen wir zwei Etappen des mittlerweile legendären Maira-Tal-Weges (Percorsi Occitani) vor, die über die schier unendlich anmutende Weite der Gardetta-Hochebene mit ihren dolomitenähnlichen Gipfeln und den so charakteristischen Gipstrichtern führen. Im Granatal läßt sich der Besuch der imposanten Wallfahrtskirche Santuario di San Magno sehr gut mit einer kurzen Wanderung über den Colle dei Morti verbinden.

 

Seealpen und Ligurische Alpen

Wo der Alpenhauptkamm seine Richtung ändert, von der Nord-Süd-Richtung in die West-Ost-Richtung schwenkt, beginnen die Seealpen. Den Anschluss nach Osten bilden die Ligurischen Alpen.  Was beide Gebirgsgruppen miteinander verbindet ist ihre Nähe zum Mittelmeer, die an manchen Stellen nicht mehr als 60, manchmal auch nur 40 km Luftlinie beträgt. Weshalb man sie in Italien manchmal zusammenfassend Alpi di Mare nennt – was im deutschsprachigen Raum oft zu definitorischer Konfusion führt. Schließlich ist bereits irritierend, dass ein Teil der Ligurischen Alpen noch im Piemont liegt.

In den Seealpen führt eine Tour vom knuffigen Rifugio Becchi Rossi zum Colle di Puriac, eine andere über den Sentiero del Ecomuseo von Pontebernardo nach Sambuco. Bei der Tour zu den Laghi Lausfer, die ihren Ausgang in Sant’Anna di Vinadio, am höchstgelegenen Kloster der Alpen, nimmt, ist man bereits recht nah am Parco Regionale delle Alpi Marittime, dem für seine große Steinbockpopulation berühmten Seealpen-Naturpark. Steinböcke in den Seealpen Unsere Touren leiten zum Rifugio Dante Livio Bianco, rund um den Pian del Valasco über das Rifugio Questa, zum Lagarot di Lourousa und zum Lago del Chiotas.
Direkt auf den italienisch-französischen Grenzkamm führen zwei Touren am Colle di Tenda. Noch ein Stück weiter nach Osten gelangt man in die Ligurischen Alpen und den Parco Regionale Alta Valle Pesio e Tanaro, der inzwischen Parco Naturale del Marguareis heißt. Hier haben wir eine kurze Rundwanderung ab Pian delle Gorre zur spektakulären Cascata del Pis ausgewählt und stellen einen dreitägigen Giro del Marguareis vor.

 

Sabine Bade und Wolfram Mikuteit

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Von TransAlPedes zu whatsalp – nach 25 Jahren wieder unterwegs

Als am 4. Juni 1992 die Mitglieder des Projektes TransALPedes zu ihrer Alpendurchquerung von Wien nach Nizza starteten, war ihr Motto: „Wir setzen der drohenden Zerstörung des Alpenraumes ein paar Füße entgegen – unser Widerstand gegen eine Entwicklung, die wir nicht wollen.“ Sie trafen in verschiedensten Regionen Menschen, die sich gegen Fehlentwicklungen im Alpenraum zur Wehr zu setzen versuchten: „Wir besuchen Menschen, nicht Berggipfel“.

WhatsAlp Wien - Nizza Sommer 2017

 

Dies war der Beginn einer verstärkten alpenweiten Zusammenarbeit von Gruppen, die sich für eine nachhaltige Alpenentwicklung einsetzten. Über das Buch der Kerngruppe (* – siehe unten), die u.a. im Susatal die bereits damals aktive NO TAV-Initiative und in Bonneval-sur-Arc mit Gilbert André einen der Gründerväter des Parc National de la Vanoise besuchten, haben wir bereits mehrmals berichtet.

Aus TransALPedes wird whatsalp

25 Jahre später wird im Sommer 2017 diese Alpendurchquerung auf der nahezu identischen Route unter dem Namen whatsalp wiederholt. Im Zentrum der Wanderung steht der spannende Vergleich, was sich in den betroffenen Alpenregionen zwischen 1992 und 2017 verändert hat.

Wer einige Tage mitwandern will, findet hier alle Informationen zur Route und den Ortsterminen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

(*)

Dominik Siegrist / Jürg Frischknecht et al.
Alpenglühn – auf Transalpedes-Spuren von Wien nach Nizza
Rotpunktverlag, Zürich 1993 (leider vergriffen, aber hier der Link zum PDF-Download, 340 mb)

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Ligurische Grenzkammstraße – montags und dienstags Wanderern und MTBlern vorbehalten

Vor vier Jahren haben wir in einem offenen Brief an Markus Golletz  aufgezeigt, was unserer Ansicht nach das Verhältnis von Wanderern und motorisierten Nutzern der alten Militärstraßen im italienisch-französischen Grenzgebiet verbessern würde:

Es „wäre wünschenswert – und würde das Verhältnis zwischen motorisierten und unmotorisierten Nutzern dieser Straßen sofort befrieden – wenn in allen Sommermonaten bestimmte Wochentage ausschließlich Wanderern, Mountainbikern und Reitern vorbehalten wären. Die dann ohne Motorengeräusche an diesen Tagen eventuell auch die Möglichkeit hätten, das eine oder andere etwas scheuere Tier zu sehen – oder schlicht in aller Ruhe einmal ohne Zivilisationsgeräusche nur das Panorama genießen könnten.

Wenn derartige Regelungen frühzeitig und mehrsprachig kommuniziert und auch nicht Jahr für Jahr geändert werden, sehen wir nicht, warum ein konfliktfreies Verhältnis zwischen Wanderern und Bikern nicht möglich sein sollte!

Seit Anfang Juli 2016 ist dies auf der Strecke zwischen dem Colle di Tenda und Monesi entlang des italienisch-französischen Grenzkamms jetzt Realität geworden:

Bis Ende September ist die Straße montags und dienstags für den motorisierten Verkehr gesperrt. An allen anderen Tagen wird auf der strada ex militare Limone-Monesi – die im deutschen Sprachraum als „Ligurische Grenzkammstraße“ bezeichnet wird – die Zahl der Fahrzeuge begrenzt und eine Maut für Kraftfahrzeuge, Motorräder und Quads erhoben.

Vorangegangen waren umfangreiche, auch mit EU-Mitteln finanzierte Straßenausbesserungsarbeiten. Auf der Projektseite können die Reglementierungen nachgelesen und ein GPS-Track des Streckenabschnitts „Col de Tende – Monesi“ heruntergeladen werden.

Einen kleinen Wunsch hätten wir aber noch: Eine ähnliche Regelung für den südlichen – aussichtsreichsten und daher für Wanderer attraktivsten – Streckenabschnitt zwischen Passo Tanarello, Monte Saccarello und Colla Melosa.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA übernimmt das internationale Sekretariat der Via Alpina

Wir sind so oft auf der Via Alpina unterwegs, zuletzt Anfang September vorigen Jahres auf dem Fluchtweg der Juden über den Colle di Finestra, dass uns auch interessiert, was sich hinter deren Kulissen abspielt.

Zuerst die Fakten:

Internationale Alpenschutzkommission CIPRAAm 1. Januar 2014 hat die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA das internationale Sekretariat des Weitwanderweges Via Alpina vom französischen Verein Grande Traversée des Alpes (GTA), der 1999 das Projekt der Via Alpina ins Leben gerufen hatte und weiterhin das französische Sekretariat für das Projekt stellt, übernommen.

Was staubtrocken und bürokratisch klingt, ist – so meinen wir – eine gute Nachricht: Was könnte sinnvoller sein, als die Koordinierung und touristische Weiterentwicklung dieses Wanderwegenetzes, das die Belange von insgesamt acht Ländern, 30 Regionen, Kantonen oder Ländern und mehr als 200 Gemeinden tangiert, unter dem Dach der Internationalen Alpenschutzkommission mit deren über 60-jährigen Erfahrung im Alpenschutz und ihrem grossen Netzwerk in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft anzusiedeln? Die Aufgabe, das touristische Angebot der Via Alpina weiter zu pflegen und zusätzlich mit den Themen nachhaltiger Entwicklung anzureichern, scheint bei der CIPRA gut aufgehoben zu sein. Dass dabei die Erfahrungen der fast 15-jährigen Entwicklungsarbeit genutzt werden und die personelle Kontinuität gewahrt bleibt, freut uns: Alles bleibt beim Alten in den jeweiligen nationalen Sekretariaten und Dr. Nathalie Morelle wird auch in Zukunft für die internationale Koordination zuständig sein.

Via Alpina – die Anfänge

Via Alpina

Via Alpina: fünf insgesamt mehr als 5000 km lange Wanderwege in den acht Ländern des Alpenbogens mit 342 Tagesetappen

Im Sommer 2003 haben wir im französischen Mercantour Nationalpark zum ersten Mal das (dort klitzekleine) Via-Alpina-Logo gesehen – und hatten nicht die leiseste Ahnung, was dieses Symbol mit den beiden geschwungenen Flügeln zu bedeuten hat. Dass das Projekt dieses neuen, alle acht Alpenstaaten miteinander verbindenden Fernwanderweges ein Jahr vorher der Öffentlichkeit vorgestellt worden war, war unbemerkt an uns vorüber gegangen. Wieder Zuhause haben wir versucht, weitere Informationen über dieses neue Wegesystem zu finden. Was nicht ganz einfach war: die damals noch statische Homepage bot lediglich erste Anhaltspunkte zum Projekt (insgesamt 5 Wege, zusammen 5.000 Wanderkilometer zwischen Triest und Monaco, aufgeteilt in 342 Tagesetappen etc. etc.) und einen Etappenplan zum Download. Aber auch damals schon war die Seite fünfsprachig (englisch/ deutsch/ italienisch/ französisch/ slowenisch) aufgebaut – ein Ansatz, der uns begeisterte. Was vielleicht all Jene verstehen werden, die sich wie wir in eine Alpenregion verknallt haben, über die es fast keine deutschsprachige Literatur gibt!

Ein zweiter Aspekt, der uns von Beginn an für die Via Alpina einnahm, ist, dass sie nationale Wanderwege grenzüberschreitend miteinander verbindet. Dass es auch im Europa des 21. Jahrhunderts noch Wanderwege gibt, die auf 1.800 Meter Höhe an einer Staatsgrenze beginnen, ist ein Anachronismus, der längst auf die Müllhalde der Geschichte gehört. Wobei es machmal noch nicht einmal nationale, sondern lediglich regionale Grenzen sind, die einen Wanderweg fast im Nirvana enden lassen: Man denke nur an die ‚Grande Traversata delle Alpi‘, die den gesamten piemontesischen Westalpenbogen durchzieht, dann aber abrupt kurz vor der Grenze zur Nachbarregion Ligurien im winzigen Dorf Viozene (übrigens ohne Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel) endet!

Via Alpina – online in 5 Sprachen

Seit unserem Erstkontakt vor über 10 Jahren verfolgen wir die Entwicklung der Via Alpina: Längst kann man unter www.via-alpina.org Informationen zu allen Etappen erhalten, hat Kurzbeschreibung,

Via Alpina

Detailbeschreibung, Höhendiagramm, Zwischenziele, Kontaktadressen, neueste Infos und Kommentare von Wanderern online verfügbar. Zudem besteht die Möglichkeit, sich für ausgewählte Etappen der Via Alpina ein Guide-Book online zusammenzustellen. Man wählt die Ausgangs- und Zieletappe der Strecke und erhält als Ergebnis eine PDF-Datei zum Download. Wie umfangreich das Ergebnis ausfallen soll, kann nach Bedarf selbst festgelegt werden: Kurzbeschreibung, Detailbeschreibung, Höhendiagramm, Zwischenziele, Kontaktadressen u.a. können das Dokument komplettieren. Wahlweise in einer der 4 „Alpensprachen“ deutsch, italienisch, französisch, slowenisch oder in englisch.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Naturführerin im Piemont: Alles begann unterwegs auf der GTA

„Ich weiß noch ganz genau, wo es war“, erzählt uns Karen Kloss. „Unterhalb des Monte Toraggio habe ich beschlossen: Hier in den ligurischen Alpen will ich in Zukunft leben.“
Angefangen hatte die Geschichte 1994 mit einem Artikel in der TAZ über die Grande Traversata delle Alpi (GTA). Der machte mächtig Lust auf diese Streckenwanderung, die auf einer Länge von rund 1.000 Kilometern durch die entvölkerten Täler des piemontesischen Westalpenbogens führt und kurz vor dem Mittelmeer endet.
Während mehrerer Sommerurlaube hat Karen danach das Piemont von Norden nach Süden auf der GTA durchwandert. Und als sie 1999 auf dem letzten Streckenabschnitt die ligurischen Alpen erreichte, fällte sie – schon fast am Mittelmeer – unterhalb des Monte Toraggio die Entscheidung, die ihr Leben veränderte.
Ein paar Jahre hat die Realisierung ihres Traumes danach zwar noch gedauert, doch seit 2004 lebt die Naturliebhaberin jetzt vor Ort. Mittlerweile südlich der Langhe im Monregalese, in Monastero di Vasco – nicht weit entfernt vom Parco naturale del Marguareis.

Im Jahr 2007 hat Karen die Prüfung zur Naturführerin der Region Piemont abgelegt. Um als ’Accompagnatore naturalistico’ arbeiten zu dürfen, musste sie sieben Monate lang 3 bis 4 mal pro Woche die Schulbank drücken. Was dort gelehrt wurde (Geologie, Botanik, Zoologie etc.etc.) fiel bei der gelernten Landschaftsgärtnerin auf so viel Vorwissen, dass es auch für überzeugte Individualisten wie uns ungemein spannend ist, mit Karen unterwegs zu sein. Denn das Wissen darum, dass beispielsweise im Parco Marguareis (früher: Parco Naturale Alta Valle Pesio e Tanaro) laut Statistik annähernd 1.500 der insgesamt in Italien beheimateten 5.600 Pflanzenarten vorkommen, ist allein zwar schön und gut (und Enziane, Edelweiß, Männertreu, Knabenkraut, viele Lilien- und Orchideenarten und die Saxifraga florulenta erkennen wir noch selbst), aber bei vielen nur in den ligurischen Alpen vorkommenden, endemischen Pflanzen wären wir schlicht überfordert und überlassen uns nur zu gerne Karens Führung. Ohne die wir zwar die beiden Alpingärten, die Stazione botanica E. Burnat/C. Bicknell am Rifugio Garelli und die Stazione botanica Danilo Re am Laghetto del Marguareis gefunden hätten – aber nie etwas darüber erfahren hätten, was alles an der im Vallone del Marguareis vorkommenden Fritillaria tubaeformis (Schachbrettblume) erforscht wird: Projekte der Pflanzensamenbank im Parco Marguareis, der ‚Banca del Germoplasma Vegetale della Flora Autoctona del Piemonte’.

Als zweites Standbein, um auch Stadtführungen, Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten, Wein- und Käseverkostungen und vieles weitere mehr anbieten zu können, hat unsere Lieblings-Naturführerin im Jahr 2010 noch die Prüfung zur Guida Turistica der Provinz Cuneo abgelegt. Sodass bei Karen auch in guten Händen ist, wer nicht so hoch hinaus will, eher gemütliche Kurzwanderungen mit den kulturellen Highlights der Region verknüpfen möchte. Bei ihr dürfen wir dann auch schon mal skeptisch die Stirn runzeln ob der vielen über die Region verstreuten Reliquien von Mitgliedern der Thebäischen Legion (San Magno, San Chiaffredo uvm.). Nicht jede – durchaus werbewirksame – Legende unkritisch an die geneigten Zuhörer weiterzugeben, gehört dann auch zu den Qualitäten einer guten Guida Turistica.
Nur eine Weinprobe haben wir mit Karen noch nie unternommen. Viel zu spät erfahren, dass sie ihr Wissen um die Rebsorten der Region in das jüngst erschienene Kochbuch ‚Ein italienischer Sommer’ ihrer Nachbarin Gabriele Kunkel eingebracht hat. Wir werden das nachholen und schauen/testen, was sie uns über Barolo, Barbaresco und Dolcetto zu berichten weiß.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

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Naturführer-Tarife:
* für Gruppen mit maximal 25 Teilnehmern: 150,00 Euro / Tag (8 Std.)
(für die Betreuung größerer Gruppen wird ein weiterer Führer organisiert)
* für maximal 6 Einzelpersonen: 15,00 Euro / Std.
* für mehrtägige Touren gelten gesonderte Tarife nach Vereinbarung.
Praktische Informationen:
Führungen in deutsch, italienisch oder englisch. Gepäcktransport, Transfer und Übernachtungen können in Zusammenarbeit mit einem örtlichen, zugelassenen Reiseveranstalter auf Wunsch ebenso organisiert werden wie Stadtführungen, Besichtigungen etc.
Karen Kloss
Via Comini di Vasco, 5
I – 12080 Monastero di Vasco (CN)
E-Mail: todokaren@gmx.de
Mobil: ++39-339-3259738

 

 

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Partisanenpfade im Piemont

Partisanenpfade im Piemont. Orte und Wege des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Ein Wanderlesebuch.

Partisanenpfade im Piemont ist ein Reisebuch, ein Wanderbuch und auch ein Geschichtenbuch.
Am Colle della Crocetta auf der Kante zwischen Orco- und Grandetal, nicht weit von der französichen Grenze – Tour 4

Die 20 Monate der italienischen Resistenza, in denen sich Menschen unterschiedlichster politischer Couleur ab September 1943 zusammenschlossen, um gegen deutsche Besatzung und italienischen Faschismus und für einen radikalen Wandel in ihrem Land zu kämpfen, haben Italien nachhaltig geprägt. Ganz besonders die stark entvölkerte Gebirgsregion des Piemonts nah an der Grenze zu Frankreich. Wir nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine historische Zeitreise und machen die Geschichte der piemontesischen Widerstandsbewegung erlebbar – zu Fuß, automobilisiert oder zu Hause auf dem Sofa.

Partisanenpfade im Piemont ist ein Reisebuch, das einführt in die Welt der Alpentäler, die sich fächerartig westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm ziehen. An Plätze führt, in denen die Geschichte der Resistenza wachgehalten wird, und an Orte, in denen gut gegessen und genächtigt werden kann.
Grande Albergo Rocciamelone, Usseglio – Val di Viù, Tour 6, 7 und 8

Partisanenpfade im Piemont ist ein Wanderbuch, das 23 Touren – vom Stadtspaziergang durch Turin bis zur Hochtour auf den über 3.000 Meter hohen Colle Autaret – umfasst. Alle GPS-kartiert, alle anhand von Waypoints exakt nachvollziehbar und jede Tour mit herunterladbarem Track für das eigene GPS-Gerät. Mit Hinweisen zum ÖPNV, Kartenmaterial und Einkehrtipps.

Die schöne Dora Riparia an der Piazza CLN (Comitato di Liberazione Nazionale) – Fertigstellung im Jahr XVII der faschistischen Zeitrechnung. Geplant war hier, auch noch überlebensgroße Statuen von Mussolini und König Vittorio Emanuele III. aufzuzustellen – Tour 1

Partisanenpfade im Piemont ist auch ein Geschichtenbuch:
Die ehemaligen Redaktionsräume der Untergrundzeitung ‚Il Pioniere‘, gut versteckt im hintersten Zipfel des Angrognatals gelegen – Tour 21. 17 Ausgaben wurden hier über die Walze gezogen. Ab Nov. 1944 wurde die Zeitung in Torre Pellice gedruckt. Unter den Augen der Faschisten gegenüber der Caserma Ribet – Tour 20.

  • Wer und was dem „guten Onkel Mussolini“ zum Aufstieg verhalf.
  • Wie im Verlag Einaudi mit den faschistischen Zensurmaßnahmen umgegangen wurde.
  • Wie leerstehende Villen zu Krankenstationen der Partisanen umfunktioniert wurden.
  • Wie im Felsendorf Barma de l’Ours die Untergrundzeitung Il Pioniere hergestellt wurde.
  • Was Generalfeldmarschall Kesselring unter ‚Bandenbekämpfung‘ verstand.
  • Welche seltene Freundschaft den Philosophen Benedetto Croce und Ada Gobetti verband sowie deren legendäre Winterüberquerung des Passo dell’Orso und vieles Weitere mehr.

Im Jahr 2004 restaurierte Aufschrift in Traversella, welche die deutschen Besatzer vor den Partisanen warnen sollte. Dabei wurde der Propagandaspruch Mussolinis auch gleich aufgefrischt.

Mit vielen Farbfotografien und historischen s/w-Aufnahmen. Sämtliche Touren wurden von den Autoren im Sommer 2011 abgegangen.

– Hardcover
– 272 Seiten
– mit zahlreichen Farbfotos
– sowie historischen s/w-Aufnahmen
– mit detaillierter Karte zu jeder Tour
– ISBN 978-3-941585-05-8
– EUR 19,90

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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Zum Verhältnis von Wanderern und Motorradfahrern im Piemont und anderswo

Vor einiger Zeit hat Markus Golletz auf seiner Seite motorradreisefuehrer.de eine sehr positive Rezension zu unserem Piemont-Wanderführer veröffentlicht.

Strada dell'Assietta

Anstatt dieses Lob einfach nur dankend abzuheften, haben wir uns Gedanken gemacht über die einzige kritische Anmerkung, die der Artikel enthielt:
„An manchen Stellen beklagen sich die Autoren über die Befahrbarkeit von alten Militärstraßen, was mit uns Bikern zum Konflikt führt. Eine Annäherung von beiden Seiten ist vielleicht der richtige Schritt. Deswegen auch diese Rezension auf einer sonst reinen Motorradseite.“

Wir haben Markus Golletz in einem offenen Brief geantwortet, den er im März dieses Jahres veröffentlicht hat. Sein Teaser:
„Das haben wir uns schon lange gewünscht: Eine Wortmeldung aus dem ‚anderen Lager‘: Wie können Wanderer und Enduristen Co-existieren, wie kann die Natur geschützt und erhalten bleiben? Sabine Bade und Wolfram Mikuteit (Westalpenblog) haben eine Idee“.

Da uns natürlich vorrangig die Meinung anderer Wanderer interessiert, veröffentlichen wir unseren Leserbrief auch hier auf unserem Blog.

Lieber Markus,
Zunächst – wenn auch mit ‚leichter’ Verspätung – ganz herzlichen Dank für die positive Rezension unseres Piemont-Wanderführers!
Und für die Möglichkeit, uns hier zum Thema der piemontesischen Militärstraßen zu äußern.
Es geht darum, ein paar Vorurteile auszuräumen und mit dem weitverbreiteten Ansatz aufzuräumen, hier stünden sich zwei unterschiedliche Lager unversöhnlich gegenüber. Wanderer sind weder die besseren Menschen, noch stehen sie per se dem Naturschutzgedanken näher als Motorrad- oder Geländewagenfahrer. Schwarze Schafe und Umweltrüpel gibt es überall. Wir sehen deshalb eine viel größere Schnittmenge in der Interessenslage von motorisierten und unmotorisierten Höhenwanderern als gemeinhin angenommen wird. Darüber hinaus bestehen natürlich auch unterschiedliche, vollkommen konträre Ansprüche – die jedoch mit einfachen Regeln umzusetzen wären.

Blick vom Monte Triplex auf den Mont Chaberton, 3.131 m
Zunächst aber kurz zu Deiner Anmerkung, wir würden uns ganz generell über die Befahrbarkeit von alten Militärstraßen beklagen und damit den Konflikt mit Bikern heraufbeschwören. Das sehen wir – wen wundert’s? – anders:
Wir schreiben Wanderbücher, und geben dem Leser nicht nur einen vagen Überblick über die Route, sondern bemühen uns, über die Beschaffenheit der Wegstrecke möglichst umfassend zu informieren.
Wenn man über 1.000 Höhenmeter aus dem Tal aufgestiegen ist und unterwegs nichts anderes gehört hat als Vögelgezwitscher und Murmeltierschreie, ist es schon ein Erlebnis der ganz besonderen Art, plötzlich ohne Vorwarnung auf 2.500 Meter Höhe an einer vielbefahrenen Kreuzung zu stehen. Und wenn man Pech hat, dabei auch gleich in die dicke Staubwolke vorbeirasender Quadfahrer gehüllt wird.
Darauf hinzuweisen ist unseres Erachtens Aufgabe eines guten Wanderführers. Damit Wanderer darauf vorbereitet sind und sich ggf. eine andere Tour aussuchen.
Weitwanderer aber haben diese Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Strecke oft nicht. Wer auf der Grande Traversata delle Alpi (GTA) oder Via Alpina vom Susa- in das Chisonetal überwechseln will, gerät zwangsläufig an diese Kreuzung auf 2.500 Meter Höhe auf der Strada dell’Assietta und muss sich dann auch noch ein ganzes Stück weit die Schotterpiste mit Autos/Motorrädern/Quads teilen.
Das klappt in aller Regel auch gut – weil die überwiegende Mehrheit der Fahrer auf Fußgänger sehr viel Rücksicht nimmt. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, und es gibt sicher Angenehmeres, als von einer langen Wagenkolonne überholt zu werden und statt Bergluft eben Auspuffgase einzuatmen.
Richtig böse wird es aber, wenn zerfräste Hänge oder der eigene Augenschein aufzeigen, dass manch Crosser die Hochlagen der Westalpen mit der heimischen Kiesgrube verwechselt und sie als Übungsgelände für sein fahrerisches Können nutzt. Wohlgemerkt: Wir schreiben hier über eine Straße, die durch das Naturschutzgebiet des Parco Naturale del Gran Bosco di Salbertrand führt.


Forte Gran Costa, 2.584 m. Die Piste hier hoch ist schon seit vielen Jahren unpassierbar und die Zufahrt mittels massiver Eisenschranke versperrt.
Oder wenn man als Fußgänger auf einer dieser tollen Militärstraßen unterwegs ist, die durch Verbotsschild oder Schranke für den öffentlichen Verkehr eindeutig gesperrt sind – und die dann dennoch befahren werden. Ausflüchte reichen in diesen Fällen von „die Schranke ließ sich ja leicht entriegeln“ bis „das Verbotsschild war italienisch, das konnten wir nicht lesen“. Oder wenn – trotz Sperrung – auch der letzte klägliche Gletscherrest am Colle Sommeiller befahren wird, nur um am legendären ‚Fahnenhügel’ die 3.000-er Marke zu knacken!
Diese aufgeführten Beispiele dürften genügen. Dir ist diese Materie ja schließlich nicht fremd. Wir wollten damit nur aufzeigen, worüber wir uns wirklich beklagen. Übrigens auch in großer Übereinstimmung mit vielen Bikern. Die müssen nämlich durch das Fehlverhalten einiger Weniger – durch die wenig umweltverträgliche ‚Umnutzung’ dieser Strecken zum Fun-Park – befürchten, dass über kurz oder lang immer mehr dieser Straßen gesperrt werden. Und das wollt weder „Ihr Biker“ – noch wir!
Denn entdeckt haben wir diese traumhafte Region vor langer Zeit auf den zwei Rädern einer KTM. Und wären ohne die unter Mussolini erbauten Militärstraßen eventuell nie auf den Reiz des Westalpenbogens als Wanderdestination aufmerksam geworden. Und weil es gerade im näheren Umfeld der Assietta so viel zu entdecken gibt, befahren wir diese Straße auch heute noch von Zeit zu Zeit. Es wäre auch schade, wenn der gesamte Assietta-Grat ausschließlich Jenen vorbehalten bliebe, die in der Lage und willens sind, einen Aufstieg von über 1.000 Höhenmetern auf sich zu nehmen und – oben angekommen – dann zudem keine Übernachtungsmöglichkeiten finden.

  Testa dell’Assietta, 2.565 m. Zu Fuß am schnellsten von Salbertrand auf der GTA und Via Alpina zu erreichen.
Wanderer können wegen der Länge der Tour meist nur zur Testa dell’Assietta – haben damit noch nicht einmal die Möglichkeit, sich die vielen Festungen unterschiedlicher ‚Baureihen’ anzuschauen. Und nehmen dann auch beispielsweise gar nicht wahr, dass sich hier im Jahr 1944 die heiß umkämpften Außengrenzen der ‚Repubblica Libera Val Chisone’ befunden haben, eine im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannte freie Partisanenrepublik.
Colle dell'Assietta - im Julin und August , Mittwoch und Samstag von 9 - 17 Uhr Ruhe Wir beklagen also nicht die generelle Befahrbarkeit der alten Militärstraßen – sondern vor allem ihren Mißbrauch.
Darüber hinaus wäre wünschenswert – und würde das Verhältnis zwischen motorisierten und unmotorisierten Nutzern dieser Straßen sofort befrieden – wenn in allen Sommermonaten bestimmte Wochentage ausschließlich Wanderern, Mountainbikern und Reitern vorbehalten wären. Die dann ohne Motorengeräusche an diesen Tagen eventuell auch die Möglichkeit hätten, das eine oder andere etwas scheuere Tier zu sehen – oder schlicht in aller Ruhe einmal ohne Zivilisationsgeräusche nur das Panorama genießen könnten.
Wenn derartige Regelungen frühzeitig und mehrsprachig kommuniziert und auch nicht Jahr für Jahr geändert werden, sehen wir nicht, warum ein konfliktfreies Verhältnis zwischen Wanderern und Bikern nicht möglich sein sollte!
Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

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