Seit 650 Jahren nicht nur Pilger auf dem Rocciamelone

Die Erstbesteigung des 3.538 Meter hohen Rocciamelone und damit die erste dokumentierte Bezwingung eines ‚richtigen‘ Alpengipfels, jährt sich dieses Jahr zum 650. Mal.

Während aber die Erwähnung der Besteigung des Voralpengipfels Mont Ventoux (1.912 m) im Jahr 1336 durch Francesco Petrarca und die des Mont Aiguille (2.085 m) im Jahr 1492 durch Antoine de Ville in keiner deutschsprachigen Chronik des Alpinismus fehlt, sucht man nach der Nennung Bonifacio Rotario d‘Astis, der am 1. September 1358 den Rocciamelone bestieg, meist vergeblich.

Rocciamelone
Im Hintergrund rechts der Rocciamelone, gesehen vom Colle della Croce di Ferro, entlang der Alta Via Val di Susa
Er unternahm dieses Abenteuer, um ein in Gefangenschaft abgegebenes Gelöbnis einzulösen, aus Dankbarkeit darüber, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Weil er dazu auf dem Gipfel im piemontesischen Susatal ein Madonnen-Triptychon aufstellte, wurde der Rocciamelone in der Folge zwar zur höchstgelegenen (und zunächst nur den Mutigsten vorbehaltenen) Pilgerstätte der Alpen. Dass damit aber auch Alpinismusgeschichte geschrieben wurde, fand keine überregionale Verbreitung.

Ein Grund dafür mag sein, dass diese Leistung nicht in die Literatur eingegangen ist. Während der Humanist und Dichter Petrarca sein bewußtseinserweiterndes Abenteuer – ob wirklich geschehen oder nur schöne Legende sei an dieser Stelle dahingestellt – selbst beschrieb, wurde die im Auftrag des französischen Königs Karl VIII. durchgeführte ‚Eroberung‘ des Mont Aiguille von François Rabelais für die Nachwelt verewigt.

Blieb Bonifacio Rotario d’Asti wegen unterbliebener literarischer ‚Zweitverwertung‘ also zwar Alpinistenruhm verwehrt, wird zumindest im Susatal der 650. Jahrestag der Erstbesteigung des Rocciamelone (und natürlich der Aufstellung des Triptychons!) gedacht.
‚Alpi da scoprire‘ (‚Die Alpen entdecken‘) heißt die Ausstellung, die im Centro Culturale Diocesana in Susa diesen Anlass noch bis 26. Oktober würdigt. Darüberhinaus werden unter dem gleichen Motto auch der 300. Jahrestag der Eroberung des Forte di Exilles durch die Savoyer und das hundertjährige Bestehen des Skiclubs Bardonecchia den gesamten Sommer über mit weiteren Veranstaltungen gefeiert.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Grajische Alpen, Susatal

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s