Alta Via Val di Susa

Das circa 70 Kilometer lange Tal war und ist ein klassisches Transittal und die Liste der Reisenden, die es passierten, liest sich wie ein ,Who is Who‘ der Geschichtsschreibung: die Römer bei der Niederwerfung der Alpenstämme, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Hannibal bei seiner legendären Alpenüberquerung, Karl der Große, Heinrich IV. auf seinem Weg nach Canossa, viele Pilger im Mittelalter auf der hier verlaufenden ,Via Francigena‘, die gesamte Herrscherfamilie Savoyens bei ihrem Umzug von Chambéry in die neue Hauptstadt Turin (im Gepäck das berühmte ,Leichentuch Christi‘) und Napoleon Bonaparte auf dem Weg zu seinen Krönungsfeierlichkeiten in Mailand – um nur einige Wenige zu nennen.

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Und da Reisende Spuren hinterlassen, finden sich im Susatal Hinterlassenschaften der Römer (Triumphbogen, Grundmauern von Therme und Aquädukt in Susa), viele Klöster (wie zum Beispiel die weltberühmte Sacra San Michele, die schon Umberto Eco als Vorbild für ,Im Namen der Rose‘ gedient haben soll), den höchsten Wallfahrtsort der Alpen (Rocciamelone, 3.538m), Festungen wie Exilles und Bramafan – und sogar ein eventuell echter Carravaggio in Novalesa.

Hoch über dem Valle di Susa verläuft in teilweise hochalpinem Gelände mit Streckenabschnitten oberhalb der 3000 Meter die ,Alta Via Val di Susa‚. Der Weg – der ,offiziell‘ (dem Namen nach) überhaupt nicht mehr existiert – überquert dabei zweimal die Grenze zwischen Italien und Frankreich, aber auch Grenzen zur Vergangenheit, wenn etwa Militärruinen daran erinnern, dass dieses Grenzgebiet allzu oft hart umkämpft war, oder eine Bronzetafel ganz bescheiden aufzeigt, dass Hannibal am Col de Clapier vielleicht, „peutetre“, im Jahr 218 v.Chr. hier die Alpen überquert hat.

Von den Cottischen Alpen gelangt man meist auf historischen Militär- oder Partisanenwegen in die Grajischen Alpen, man bleibt in der Höhe und berührt auf dieser Wanderung außer während der ersten und letzten Etappe weder Dörfer noch Temporärsiedlungen – findet aber trotzdem am Ende einer jeden Etappe eine wenn auch meist sehr einfache Übernachtungsmöglichkeit. Man kann sich die Frage stellen, ob man unterwegs auf einem derartigen Höhenweg wirklich wissen muss, was eine verfallene Materialseilbahn auf 3000m Höhe in bizarrer, aber absolut menschenleerer Gegend zu suchen hat? Was Wegweiser auf einen ,Glorioso Rientro dei Valdesi‘ zu bedeuten haben, wenn man doch einfach der rot-weißen Markierung folgen kann? Wofür diese winzigkleinen Tunnel gebaut wurden, die entlang der Passstraße hinunter nach Susa vom Höhenweg aus erkennbar sind? Warum die Ortschaften, die man bei der Anfahrt passiert, zweisprachige Ortsschilder haben oder an vielen Hauswänden ,NO TAV‚ steht? Lohnt nicht allein bereits die fast permanente Aussicht auf die majestätischen Steinpyramiden von Rocciamelone und Monviso diesen Weg?

Natürlich! Aber vielleicht gibt es ja auch den einen oder anderen Wanderer, der etwas mehr Zeit zur Verfügung hat und einer der hier skizzierten Spur folgen möchte. Das Susatal und vor allem die Bevölkerung, die sich so vehement gegen die Zerstörung ihres Tales wehrt, hätte es verdient!

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

5 Antworten zu “Alta Via Val di Susa

  1. Ausstattungsmerkmale (natürlich auch: bewirtschaftet oder nicht) und Besonderheiten aller Hütten/ Übernachtungsmöglichkeiten (also auch Alternativen, wo es sie gibt) entlang der Alta Via Val di Susa sind im Adressverzeichnis des Wanderführers aufgeführt.

    Gruß
    Sabine

  2. Thomas Buchert

    Wir wollen im Juli den Alta Via val di susa gehen. In welchen Hütten muss man sich selbst verpflegen ? Gibt es Alternativen ?

  3. Hallo,
    an dieser Stelle einmal ein herzliches Dankeschön für die tollen Informationen auf eurer Website und eurem einmalig guten Wanderführer für die „Alta Via Val di Susa“! Ich hatte im letzten Jahr das Vergnügen diesem tarumhaften Pfad zu folgen, u.a. mit einer Übernachtung in dem damals erst wenige Tage zuvor widereröffneten Rifugio Vaccarone.
    Der nächste Urlaub im Piemont ist schon in Planung, vermutlich geht es über die blaue Via Alpina und ein Stück durchs Mairatal. Ohne eure Webseite und Infos wäre ich wohl so schnell nicht auf diesen tollen Teil der Alpen aufmerksam geworden.
    Viele Grüße aus Hamburg
    Sven

  4. Hallo Lukas,

    Vielen Dank für den aktuellen Hinweis!

    Wir hatten ja hier im Blog bereits zweimal (https://westalpen.wordpress.com/2008/08/06/alta-via-val-di-susa-zw-stellina-und-c-dasti) auf Probleme des Teilstücks zwischen Alpe Prapiano und Alpe Crest hingewiesen und auch Alternativen aufgezeigt – bisher aber noch keine Rückmeldungen darüber erhalten, wie der Weg dieses Jahr aussieht.

    An den Koordinaten der Problempassage bin ich natürlich sehr interessiert (am besten per E-Mail) um sie sowohl auf unserer eigenen Homepage bei den Aktualisierungen zum Wanderführer zu veröffentlichen, als auch an die Via-Alpina-Koordinationsstelle weiter zu geben, zu deren Etappe D33 dieses Wegstück ja gehört.
    Vor allem, weil es weder am Rif. Riposa, noch am Rif. Cà d’Asti Infos darüber gibt, dass der Weg in der Folge gesperrt ist.

    Gruß
    Sabine

  5. lukas

    Moin,

    Nachdem ich diesen Weg vor ein paar Wochen selber gelaufen bin, ein aktuelles Update:

    Auf der Etappe zwischen Stellina und d’Asti hat es ein oder zwei Wochen bevor wir da waren zwei große und ein paar kleine Erdrutsche gegeben. Offiziell ist die Strecke gesperrt. Da wir uns davon nicht haben abhalten lassen, kann ich das etwas ausführen: in dem Tal, das auf der Karte als gefährdet gekennzeichnet ist und dem folgenden Taleinschnitt ist je eine 20 bis 30m breite Schneise im lockeren Schutt. Es ist sehr davon abzuraten da im Moment langzulaufen …

    Falls von Interesse kann ich auch die Koordinaten der unpassierbaren Stellen raussuchen.

    Auf der Karte oben auf dieser Seite ist Stellina falsch eingezeichnet. Die Hütte liegt nur 10 unterhalb des höchten Punktes.

    lukas

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